…davon sind 400 schon quer durch Palästina und Beit Jala gebaut

Doppelt so hoch wie einst die Berliner Mauer: die Mauer in Beit Jala

Eine bedrückende Ansicht: Durch das Gebiet von Beit Jala wird von den Israelis “zum Schutz” eine hässliche Betonmauer gebaut, die zudem auch noch viel Geld kostet. Was könnte man nicht alles Sinnvolles von diesem Geld finanzieren: Kindergärten, Häuser, Begegnungsstätten…

Die Mauer war beeindruckend hässlich, besonders nachdem wir zuvor soviel beeindruckend Schönes gesehen hatten. Doch der Reihe nach: Früh am Morgen trafen wir zuerst Dr. Samir Hazboun von der Handelskammer Bethlehem (Bethlehem ist nur zwei Kilometer von Beit Jala entfernt). Er erklärte uns, 35.000 Studenten machten jedes Jahr in Palästina ihren Abschluss, aber nicht einmal ein Drittel erhalte anschließend einen Job. Zwar sei die Arbeitslosigkeit von 45 Prozent im Jahr 2005 auf 23 Prozent in diesem Jahr gesunken, aber jeder Geldtransfer werde von der CIA überprüft.

Ein Schritt nach vorne sei die Versicherung für Investoren von der World Bank. “In god we trust, in cash we believe”, sagte Hazboun und seufzte: “Die Israelis haben großartige Kontakte in der Welt, wenn wir nur mehr mit ihnen zusammen arbeiten könnten!” Kerzen und Keramik, Schnitzereien aus Olivenholz, Stickereien und Silberarbeiten werden hier gefertigt.

Bei kühlem Wind aber Sonnenschein ging es anschließend zu den Hirtenfeldern von Beit Sahou in Bethelehm. Hier lernten wir von unserem Führer Faraj Lati, dass die Hirten früher in Grotten lebten. Über der Grotte, an der angeblich damals der Engel den Hirten erschien, wurde eine kleine Kirche gebaut. Weit hatten es die Hirten übrigens nicht: Der Höhlen-Stall, in dem Jesus geboren wurde, liegt in Sichtweite.Überhaupt ist das Land viel kleiner, als wir es uns vorgestellt haben.

Lati versucht uns die unterschiedlichen Restriktionen in der A-,B- und C-Zone zu erklären, aber das ist so kompliziert, dass wir das zu hause sicher wieder vergessen haben… Außerdem freut er sich über die Kakteen: sie wurden früher um die Häuser gepflanzt, um wilde Tiere und Feinde abzuwehren.

Priester in der Geburtskirche Christi

Tourismus muss natürlich auch sein: wir besichtigen die kleinste Basilika der Welt, die Geburtskirche Christi sowie die Höhlen, in denen Hieronymus das Testament ins Lateinische übersetzt hat (aus dem Hebräischen und Altgriechischem).
Nach diesen Schönheiten das Kontrastprogramm: Besuch des Flüchtlingslagers Deheishe. Noch heute leben 18.000 Flüchtlinge in

Dieses Mahnmal erinnert daran, dass viele Palästinenser noch den Schlüssel des Hauses haben, aus dem sie vertrieben wurden.

Bethlehem und hoffen auf Entschädigung oder Rückkehr. Viele haben noch den Haustürschlüssel der verlassenen Häuser bei sich. Ein riesiger Schlüssel als Mahnmal in der Nähe von Ruths Grab drückt die Hoffnung aus, einmal wieder in die Heimat zurück zu können.

Die Mauer ist übrigens höher, als die Berliner Mauer war. Hoffentlich erleben wir eines Tages, dass auch sie wieder abgebaut wird…Mal sehen, was Suhail Khalilieh dazu sagt, der uns jetzt einen Vortrag darüber halten möchte…

Ganz schön anstrengend, dieses Programm, aber Erholungsurlaub hatten wir ja auch nicht gebucht!

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Doro und Werner

Doro Dietsch, Ratsmitglied in Bergisch Gladbach, arbeitet in Düsseldorf im Landtag. Werner Schmitz-Dietsch, Verleger (Stadtmagazin Franzz) und Mitbetreiber des Bürgerportals "iGL". Gemeinsam haben sie drei Töchter.

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1 Kommentar

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  1. Wenn ich mich recht erinnere, dann nennen die Israelis die Mauer gar nicht Mauer sondern Sicherheitszaun, der gegen islamistischen Terror schützen soll.
    Und übrigens, Herr Bosbach lässt keine Gelegenheit aus darauf hinzuweisen, dass auch Europa so eine Art Mauer braucht.