Mit seinem Motto „RBK 2020 – Fit für die Zukunft“ scheint es der Kreis ernst zu meinen. Der Rheinisch-Bergische Kreis will nicht nur Energiesparkreis werden, den sensiblen Umgang mit der Umwelt fördern und ein Freizeitwegenetz aufbauen, sondern nun auch eine Mobilitätsoffensive starten. Nach einem Bericht der Bergischen Landeszeitung beschloss der Kreis-Verkehrsausschuss jetzt, dass ein entsprechendes Konzept erstellt wird.

So löblich die Initiative ist, so irritierend ist Äußerung von Thomas Merten, Mitglied der Kreis-Verwaltungsführung und für Verkehrsfragen zuständig. Im genannten Zeitungsartikel wird Merten mit diesen Worten zitiert:

„Im Rheinisch-Bergischen Kreis muss man über Rad-Autobahnen wegen der vorherrschen Topografie nicht groß nachdenken.“

Diese Aussage gründet offenbar auf der Annahme, dass Fahrrad und Berge nicht zusammen passen. Ganz abgesehen davon, dass das Bergisches Land ja nicht wegen der Berge so heißt, scheint die Aussage aus vier Gründen doch etwas vorschnell.

E-Bikes bügeln Berge platt

Die Elektromobilität erreicht Deutschland nicht auf vier, sondern auf zwei Rädern. Schon mehr als eine Million Elektrofahrräder wurden verkauft, allein in diesem Jahr sollen es mehr als 400.000 werden. Berge werden vom E-Bike zwar nicht ganz plattgebügelt, doch der Elektromotor schiebt kräftig mit.

Selbst der wirklich bergige Schwarzwald setzt auf Urlaubserlebnisse mit dem Elektrorad. Wie gut E-Bikes und Pedelecs inzwischen sind, kann man beispielsweise bei den Tests von ExtraEnergy nachlesen.

Verkehrsforscher sehen kaum bergige Hindernisse

Eine Arbeitsgruppe der Fahrradkommunalkonferenz in Kassel befasste sich mit „Radverkehr in topographisch anspruchsvollen Gebieten“. Ein wichtiges Ergebnis: Während Politik und Entscheidungsinstanzen schnell denken, dass Berg und Tal das Radfahren unattraktiv machen, spielt eine bewegte Topographie bei den Radfahrern keine so große Rolle.

Wenn in bergigen Gegenden deutlich weniger Rad gefahren würde, dann wird meistens für den Radverkehr zu wenig getan.

Übrigens: Das Know-How ist gleich in der Nachbarschaft zuhause: Eine Mitarbeiterin vom Stadtdienst Planung/Mobilität aus Solingen hat den Workshop dokumentiert.

Panoramaradwege und Schnellstrecken werden super angenommen

Burscheid, Wermelskirchen und Remscheid haben mit dem Umbau der „Balkantrasse“ zum Fahrradweg viel richtig gemacht. Komfortabel und abseits des Autoverkehrs sind die Städte nun über die Trasse der stillgelegten Bahnlinie verbunden (Roadbook).

Was noch fehlt ist der Anschluss von Burscheid-Massiefen bis Leverkusen-Opladen. Aber der emsige Bürgerverein konnte auch die zuerst zögerliche Stadt Leverkusen überzeugen.

Alte Bahnstrecken zu Panoramaradwegen umzubauen birgt viel Potenzial (Bahntrassenwege-Verzeichnis) und gerade im Südkreis gibt es interessante Perspektiven (ehemalige Bahnstrecke nach Lindlar – Weg in Bau, ehemalige Bahnstrecke Bergisch Gladbach – Bensberg – Forsbach – Rösrath).

Während Panoramaradwege zuerst für Freizeitzwecke gedacht sind, sollen Radschnellwege Pendler ansprechen. Wie Erfahrungen aus Kopenhagen zeigen, ist das Fahrrad auch für Pendlerstrecken zwischen 10 und 20 Kilometer eine echte Alternative, sofern es attraktive Routen (guter Belag, ausreichende Breite, kaum Ampeln) gibt.

Ein fahrradfreundlicher RBK kommt über jeden Berg

Die Landesregierung hat das Ziel formuliert, dass die Zahl der Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW bis 2020 auf 100 wächst. Zuletzt hat die Stadt Herten die Expertenkommission überzeugt und darf sich nun „fahrradfreundlich“ nennen. Schon der Bewerbungsprozess bewegt viel in Sachen Fahrrad, später dann profitieren die Mitglieder vom gegenseitigen Austausch beispielsweise ihrer Best-practise-Beispiele.

Einhellig haben sich die hiesigen Landtagskandidaten für einen Beitritt des Kreises in die fahrradfreundliche Arbeitsgemeinschaft ausgesprochen, zumal viele Nachbarn (Köln, Leverkusen, Rhein-Erft Kreis) längst Mitglied sind.

Kein Grund also, in der Mobilitätsoffensive des Rheinisch-Bergischen-Kreises nicht auch aufs Fahrrad zu setzen.

Übrigens:

  • Die Fahrradaktiven aus Bergisch Gladbach und Umgebung treffen sich wieder am Montag, 11. Juni 2012, um 19 Uhr im Brauhaus Brauhaus Zum Bock am Konrad-Adenauer-Platz. Infos und Ansprechpartner unter www.adfc-koeln.de.
  • Die 5. Kölner Fahrrad-Sternfahrt am 17. Juni 2012 hat auch Startpunkte in Wipperfürth, Bensberg und Bergisch Gladbach.

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