Nachdem sich Mammutbaum, Kastanie, Linde und Platane im Forumpark zu Wort gemeldet hatten, sind jetzt andere herausragende Vertreter der Familie Baum aus Bergisch Gladbach an der Reihe.

Der Feigenbaum am Rathaus

Der Feigenbaum

Ich hoffe, es wird mir niemand das Recht bestreiten, dass ich mich hier als erster zu Wort melde. Schließlich habe ich sozusagen Hautkontakt mit dem Büro des Bürgermeisters und stehe neben dem politischen Zentrum unserer Stadt, dem historischen Rathaus.

Das Besondere an meiner Entstehung ist, dass sie eigentlich niemand kennt. Ich wurde nicht gepflanzt, sondern wurde auf unbekannte, geheimnisvolle Weise hier angesiedelt.

Durch Samenflug? Durch einen nützlichen Vogel, der die Frucht eines meiner Vorfahren verspeist hatte, oder durch einen weitsichtigen Scherzkeks unter den Gladbacher Bürgern? Keiner weiß es.

Auf jeden Fall stehe ich heute gesund und kräftig als Feigenbaum hier und bin sogar schon eines Gedichts gewürdigt worden, das ihr hier an meinem Stamm lesen könnt:

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Die Autoren des Gedichts nennen sich Wolfgang und Gisela.

Den Eingeweihten sind sie bekannt. Den anderen sei verraten, dass es sich um den baum- und lyrikfreundlichen Leiter einer städtischen Behörde handelt, der den Text sogar auswendig zitieren kann, und um eine Schriftstellerin unseres Autorenvereins „Wort und Kunst“.

Dass ich hier überleben durfte, verdanke ich der Fürsprache mancher Gladbacher Bürger. Vor kurzem meinte eine hübsche Passantin, als sie die zahlreichen Früchte sah, die ich mittlerweile hervorbringe:

Hier könnte man doch einen wunderbaren Ritus installieren, Jahr für Jahr wiederholt: Der Bürgermeister pflückt öffentlich die Feigen dieses einzigartigen Baums und überreicht sie feierlich den schönsten Frauen der Stadt. Das würde mit Sicherheit in der Aktuellen Stunde übertragen und der Stadt im Land einen Nimbus verleihen, der vielleicht den von Heidi Klum noch übertreffen würde. Der Ritus könnte ein Symbol für die fruchtbare Zusammenarbeit von Bürgern und Verwaltung sein.“

Ich fand die Idee wunderbar und würde gerne mit vermehrtem Wachstum und besonderer Süße meiner Früchte zur Verwirklichung beitragen.

Die Sophora

Ein wenig vergessen ist der Rosengarten als weiteres gärtnerisches Kleinod unserer Stadt. Dort stehe ich seit nunmehr 77 Jahren.

Die Sophora im Rosengarten

Man nennt mich Sophora, ein ehrfurchtgebietender Name, nicht wahr? Ich meine allerdings, dass er meiner schönen Gestalt entspricht. Es ist allerdings nicht mein einziger Name. Ich werde auch Japanischer Schnurbaum, Honigbaum, Perlschnurbaum, Sauerschotenbaum oder Pagodenbaum genannt und gehöre in die Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. Mein  natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Japan über Korea bis nach China.

Im Rosengarten

Ich gebe zu, dass meine Umgebung hier zwischen Odenthaler Straße und Buchmühle manchmal etwas vernachlässigt wirkt. Das hängt sicher damit zusammen, dass am Personal bei StadtGrün gespart wird.

Dabei können die Menschen hier im Rosengarten wunderbar sitzen, lesen und sich unterhalten. Es stehen genügend Bänke hier. Sie müssten nur mal einen neuen Anstrich erhalten.

Die Korkenziehersophora

Hallo, ich bin die kleinere Schwester der Sophora, eine sogannte Korkenziehersophora.

Die Korkenziehersophomora an der Buchmühle

Wie ihr seht, geht es mir nicht gut. Die Baumaßnahmen im Buchmühlenpark haben wohl mein Wurzelwerk in Mitleidenschaft gezogen. Ich bitte euch aber, ein wenig Geduld zu haben. Ich bin nicht tot, wie ihr sehen könnt, wenn ihr mein Blattwerk genau anschaut.

Meint ihr nicht auch, dass meine bizarre Gestalt eine Besonderheit für Bergisch Gladbach darstellt und ich deshalb unbedingt geschützt werden sollte? Ich würde sicher eine Zierde im Gelände um den neuen Strundepark darstellen.

Die Platane vor der alten Realschule

Die Platane an der alten Realschule, Buchmühle

Ich wurde in letzter Minute gerettet. Nach den vielen Baumfällungen im neuen Strundepark wurde mir das Schicksal vieler Kollegen erspart, indem man den Sockel für die neue Parkplattform vor dem Gebäude der ehemaligen Realschule ein wenig verschoben hat. Mein Dank gebührt den Initiativen von StadtGrün.

Als menschenfreundliche Platane würde ich mich freuen, wenn nach der Fertigstellung des Buchmühlenparks wie bei meiner Schwester im Forumpark die Leute in meinem Schatten sitzen könnten. Von dort könnten sie Ohren und Augen dem Plätschern und dem Lichtspiel in den Wassern der Strunde zuwenden.

Der Amberbaum

Was die originelle Form angeht, kann ich mit meiner Kollegin, der Korkenziehersophora, durchaus konkurrieren, verdanke meine Form aber etlichen pflegerischen Schnitten, nicht unbedingt meiner Natur. Mein Name ist Amberbaum.

Der Amberbaum

Unser Harz, die Stämme, die Blätter und unsere Früchte werden medizinisch genutzt

Aus einigen Arten des Amberbaums wird ein  Harz gewonnen, das für Räucherwerke verwendet wird (Liquidambar orientalis). Dieser wächst im südlichen Kleinasien, auf der Insel Rhodos, vor allem aber in Syrien. Somit sind wir eine friedliche Botschaft aus einem von Krieg gebeutelten Land. Unsere Blätter ähneln denen des Ahorns, unsere kugeligen Früchte denen der Platanen.

Unsere Gattung Liquidambar kommt zum Einen im östlichen und südwestlichen Asien (Türkei und Rhodos), zum Anderen in Zentral- und Nordamerika vor. Wir waren also schon global vor Beginn der berühmt-berüchtigten Globalisierung.

Und auch zeitlich haben wir unsere Fühler weit ausgestreckt. Als Fossilien sind wir seit dem Tertiär nachgewiesen, lebten also schon vor vielen Millionen und sind damit älter als die gesamte Menschheit. Man fand uns in den Braunkohlelagerstätten Deutschlands. Mit unserem Erhalt kann Bergisch Gladbach also seine Weltbürgerschaft und seine Zeitlosigkeit in Beweis stellen.

Die Baumhasel

Baumhasel ist mein Name. Wenn ihr meine Früchte betrachtet, wisst ihr auch, warum.

Die Nüsse der Baumhasel

Ich stehe wie mein Nachbar, der Amberbaum, neben der ehemaligen Realschule an der Odenthaler Straße. Manche nennen mich auch Türkische Hasel, da mein natürliches Verbreitungsgebiet von Südosteuropa und Kleinasien über den Transkaukasus und den Kaukasus bis in den Himalaya reicht.

In Niederösterreich, Ungarn und im Banat bilden wir große Bestände, aber ich muss zugeben, dass unsere Nüsse weniger gut schmecken als andere Haselnüsse. Trotzdem sind unsere Nüsse essbar und werden gerne zum Backen von Nusskuchen verwendet. Hmm! Unsere im Vergleich zur Gemeinen Hasel etwas kleineren Nüsse reifen in Fruchtständen, die aus 5 bis 6 Nüssen bestehen und mit krausen Hüllblättern umgeben sind.

Mein Holz ist lichtbraun und ist zur Herstellung von Möbeln und Schnitzereien geeignet.

Die Rätselfrucht

Ein Rätsel

Meinen Namen und meinen Standort verrate ich euch nicht. Nur so viel: Ihr könnt meine prallen Früchte zwischen dem neuen Strundepark und dem Garten an der Villa Zanders sehen. Wer meinen Namen und Standort unter diesem Artikel in einem Kommentar nennt, erhält als Preis ein Lob der Redaktion und den Titel eines exzellenten Gladbach-Kenners.

Die Blutbuche

Und damit sind wir im vorläufig letzten Teil unseres Rundgang durch das Gladbacher Baumparadies gelandet, im Garten der Villa Zanders. Ich übernehme als erste die Vorstellung von drei markanten und stadtprägenden Bäumen, die sich hier befinden und jeden Fremden, der unsere Stadt besucht, sofort beeindrucken.

Die Blutbuche im Park der Villa Zanders

Das ändert aber nichts daran, dass es neben uns Großen viele andere und auch kleinere Brüder und Schwestern aus der Familie der Gladbacher Bäume gibt, die ebenfalls schützens- und erhaltenswert sind.

Mein Name ist Blutbuche. Das hat nichts mit dem traurigen, aber unbedingt notwendigen Mahnmal zu tun, welches im Schutz meiner Krone steht.

Das Mahnmal. Für die Großansicht klicken.

Sondern lediglich mit der Farbe meiner Blätter. Die Rotfärbung ist auf das Fehlen eines Enzyms zurückzuführen, das die normalerweise nur in der Epidermis (=Haut) junger Blätter vorkommenden Anthocyane abbaut. Das sind Pflanzenfarbstoffe, die in nahezu allen höheren Pflanzen vorkommen und den Blüten und Früchten die rote, violette, blaue oder blauschwarze Färbung geben.Die Epidermis des Blattes ist somit nicht mehr durchsichtig, sondern rötlich gefärbt und das Blattgrün im Innern des Blattes nicht mehr sichtbar. Ganz schön kompliziert, was? Aber so erklärt es Wikipedia. Dort liest man auch, dass unsere Art schon seit dem 15. Jahrhundert bekannt ist.

Was man dort nicht lesen kann, ist die Tatsache, dass ich wie die großen Bäume im Forumpark schon von Maria Zanders um 1880 gepflanzt wurde, also auch einen Teil des Zanders-Parks bildete und glücklicherweise immer noch bilde.

Vor einigen Jahren zeigte ich durch trockne Äste an, dass es mir nicht gut ging. Ein Trampelpfad, den unbedachte und allzu eilige Zeitgenossen unter meiner Krone entstehen ließen, schädigte meine Wurzeln. Mittlerweile fühle ich mich wieder pudelwohl. Das verdanke ich einer Wurzelbehandlung, die nicht, wie ihr vielleicht denken mögt, der Zahnarzt, sondern die fürsorglich verwendete Spüllanze von StadtGrün durchführte und die zu einer deutlichen Bodenverbesserung führte. Der kleine, dezente Zaun hinderte die Hastigen daran, mich durch eine abermalige Bodenverdichtung durch einen neuen Trampelpfad über meinen Wurzelbereich zu schädigen.

Leider gibt es Leute, die die schöne Grauwackemauer wieder beseitigen wollen, die in den 90er Jahren um diesen Ort der Ruhe und Beschaulichkeit mitten im Stadtzentrum errichtet wurde. Wir wissen genau, dass es viele Menschen in unserer Stadt gibt, die es schätzen, diesen schattigen Ort neben der ebenso schönen Betriebsamkeit unseres Marktplatzes zu genießen. Vielfalt macht eine Stadt lebenswert, oder, wie die alten Römer es ausdrückten: Variatio delectat.

Stellvertretend weise ich auch auf meine imposante Kollegin hin:

Die Linde

Die Linde

Sie bewacht mit mir seit 130 Jahren die Ecken unserer schönen Villa Zanders. Wir, Linde und Blutbuche, sind beide der Meinung, dass man auch vom Markt und vom Rathaus genügend Blicke auf die Villa werfen kann, obwohl wir dort stehen.

So hatte es Maria Zanders auch von Anfang an geplant. Und wer die Architektur der Villa monumentaler erleben will, kann dies von der Ost- und Südseite in ausreichendem Maße tun.

Die Platane an der Villa

Die Platane vor der Villa Zanders

Auf diesem Foto sieht man den schönsten Blick auf die Villa Zanders und mich, wie ich sie an der linken Seite flankiere. Ich kann mich als gesunden, mächtigen und stadtprägenden Baum bezeichnen. Das einzige Problem, welches man mit mir hat, besteht in den Blättern, die sich im Herbst auf dem Dach der Villa ansammeln. Wenn man aber von meinem Wert wirklich überzeugt ist, wird man städtischerseits auch das Personal aufbringen, das zur Beseitigung dieses Laubs nötig ist.

Die Platane von Westen

Vor mir liegt ein herrliches Stück Strunde mit natürlichem Verlauf, wie es von den renommierten Landschaftsarchitekten Bödiger und Wagenfeld geplant wurde. Sinnvollerweise stand hier an der Strunde auch die Figur des Papierschöpfers. So konnte man die logische Beziehung „Wasser der Strunde- Papierschöpfer-Villa und Park“ sozusagen mit Händen greifen und damit die Geschichte und das Wesen unserer Stadt.

Der Papierschöpfer

Das steinerne Podium, auf dem der Papierschöpfer – nun am Rande des Marktplatzes –  steht, war übrigens ursprünglich als Kleinkunstbühne geplant.

Wir Bäume als älteste Bürger der Stadt fänden es überlegenswert, ob man sie nicht zu einem Speaker’s Corner von Bergisch Gladbach machen könnte, mit der Darbietung von politischen Streitgesprächen, regelmäßigen Mitteilungen des Presseamtes und vielleicht tatsächlich von Kleinkunst wie dem Vortragen von Gedichten, aus allen Teilen der Bevölkerung. Dort könnte dann auch öffentlich geworben werden für unseren Erhalt, den Erhalt der Bäume unserer Stadt, die sich immer bemüht haben, diese Stadt lebens- und liebenswert zu machen.

Die geretteten Linden vor dem Stadthaus

Die Kastanie auf dem Markt

Löwenbrunnen und Bergischer Löwe mit grünem Baumschmuck

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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2 Kommentare

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  1. Schade, daß es nicht überall solche „Aktivisten“ gibt, die die Bewohner auf die
    Schätze der Natur in ihrer Umgebung aufmerksam machen, vor allem auch um
    solche Veteranen zu erhalten und nicht leichtfertig dem „Fortschritt“ zu opfern.

    Schade, daß es nicht überall solche „Aktivisten“ gibt, die die Bewohner auf die
    Schätze in ihrer Umgebung hinweisen. Es ist schon ein gewisser Schutz für solche
    alten Bäume, die oft zu leicht dem sogenannten „Fortschritt“ geopfert werden.

  2. Vielen Dank für die wunderschönen Erzählungen Ihr schönen Bäume. Ja es stimmt, es gibt zum Glück noch eine große Vielfalt in und um Bergisch Gladbach von Euch. Das erfreut uns sehr. Und Du mein lieber Rätselbaum solltest wohl höchstwahrscheinlich ein Birnenquittenbaum sein auch Cydonia genannt. Wir werden Euch am Wochenende mal besuchen.

    Bis dahin wachst und gedeiht schön weiter

    Dirk Pick