Lions Gruppenbild Urbach

Tanja Urbach, Henning Schmitz, Wolfgang Dick, Lutz Urbach, Richard Schmitz bei der Präsentation des Lions-Kalenders. Foto: Marion Linnenbrink

„Alle Jahre wieder“ witzelt Bürgermeister Lutz Urbach zu Beginn der Pressekonferenz in seinem Amtszimmer noch – doch dann ergibt die alljährliche Vorstellung des Lions-Adventskalenders doch noch eine echte Nachricht: Der Großteil der Erlöse des Kalenders geht in diesem Jahr an die „neue Kinder und Jugendstiftung“ Bergisch Gladbach, erläutern die Lionsvertreter. Und geben das Wort an Tanja Urbach.

Tatsächlich gibt es diese Stiftung noch gar nicht, erläutert die Ehefrau des Bürgermeisters. Aber die Vorbereitungen sind weit gediehen: Das Stiftungskapital von 50.000 Euro sei bereits zur Hälfe beisammen, ein Kreis von Gründungswilligen habe sich zusammengefunden und möglichst noch im November soll die Gründung dann vollzogen werden, ist die Mutter von drei Kindern zuversichtlich.

Eine gleichnahmige Stiftung habe Lutz Urbach bereits in seiner Zeit als Kämmerer 2005 in Hennef mitgegründet, so etwas soll nun auch in Bergisch Gladbach auf die Beine gestellt werden, berichtet Tanja Urbach. Ziel der Stiftung sei die Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Bergisch Gladbach, die in ihrer Entwicklung benachteiligt oder beeinträchtigt sind. Zu diesem Zweck sollen Projekte aufgelegt werden, bei denen Sprach-, Ergo- und Physiotherapeuten bezahlt werden, die zunächst vor allem in Kindertagesstätten, später auch in Schulen, arbeiten. Ziel sind langfristige Startchancen für Schule und Beruf – also die klassische Frühförderung, die von allen Seiten gefordert wird, in den vergangenen Jahren aber nicht nur in Bergisch Gladbach unter dem harten Sparzwang litt.

Ihr Mann, stellt Frau Urbach auf Nachfrage klar, habe mit dieser Stiftung „gar nichts zu tun“. Dass er allerdings seine Erfahrung einbringt wird bei der nächsten Frage deutlich. Warum werde eine weitere Institution gegründet, wenn es mit „Bürger für uns Pänz“ schon eine gibt, die sich dem Wohl der Kinder in Bergisch Gladbach verschrieben hat?

Weil es immer Menschen gibt, die nicht spenden, sondern stiften wollen – weil ihr Kapital dann nicht verzehrt wird“,

erläutert Lutz Urbach. „Bürger für uns Pänz“ sei eben ein Verein und keine Stiftung. Urbach präzisiert auch die Angaben zum Stiftungskapital: 28.000 Euro seien bislang zugesagt. Die Erlöse aus dem Verein der Lions werde dabei nicht mitgezählt, denn dabei handele es sich nicht um Stiftungskapital, sondern um eine Projektförderung.

Selbst finanziell sehr gut ausgestattet Stiftungen leiden derzeit unter den sehr niedrigen Zinsen. Daher müssen Stiftungen immer mehr Projekte über Drittmittel finanzieren, wirken also weniger als Mäzenaten, sondern eher als Organisatoren von Projekten zum guten Zweck.

Dennoch soll die neue Stiftung nicht in Konkurrenz zu „Bürger für uns Pänz“ treten, sondern mit dem Verein kooperieren, betont Tanja Urbach. Daher zähle Sylvia Zanders, die Vorsitzende des Vereins, auch zu den Gründungsmitglieder der Stiftung. Weitere Mitstreiter seien Jürgen Haas, Leiter des Jugendamtes, Jose Perez Perez , katholischer Pfarrer und ehemaliger Jugendseelsorger, Thomas Werner von der evangelischen Gnadenkirche sowie der Rechtsanwalt Marcus Fehler. Weitere Mitstreiter würden gesucht und jetzt auch gezielt angesprochen.

Ob sie selbst den Vorsitz der Stiftung übernehme, wollte Tanja Urbach nicht sagen. Das werde die Gründungsversammlung ergeben.

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Dokumentation:

Basiskonzept für die Kinder- und Jugendstiftung Bergisch Gladbach

Durch den gesellschaftlichen Wandel und die Veränderungen familiärer Strukturen, sind immer häufiger Entwicklungsverzögerungen bei Kindern zu beobachten, die langfristig zu einer massiven Benachteiligung führen können. Die Kinder- und Jugendstiftung möchte dieser Benachteiligung entgegenwirken, indem sie Bergisch Gladbacher Kinder und Jugendliche in den verschiedensten Bereichen fördern  wird. Die Förderung kann in eigenen Projekten der Stiftung stattfinden oder auf Antrag von Kindergärten, Schulen oder sonstigen Einrichtungen sowie auf Antrag von Einzelpersonen in Form finanzieller Zuwendungen für Therapien, Projekte oder Einzelzuwendungen geleistet werden. Hierzu strebt die Kinder – und Jugendstiftung Bergisch Gladbach unter anderem folgende konkrete Projekte an:

  • Interdisziplinäre therapeutische Förderung bei motorischen, sprachlichen oder allgemeinen Entwicklungsverzögerungen für Kinder möglichst im frühen Alter durch gezielte, professionell gestaltete Gruppenstunden in Kindertageseinrichtungen („Hennefer Modell“),
  • Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien eine Teilnahme an Gruppenerlebnissen in  Form von Ferienfreizeiten, Klassenfahrten oder anderen Veranstaltungen zu ermöglichen,
  • Lesepatenprojekt , um Kinder an das Lesen heran zu führen,
  • durch Einzelzuwendungen unbürokratisch eine soziale Benachteiligung verhindern und
  • lokale Projekte oder Veranstaltungen zu unterstützen, die sich günstig auf die Entwicklung von  Kindern und Jugendlichen auswirken und ihre sozialen Kompetenzen stärken.

In Zusammenarbeit mit anderen Initiativen oder Einrichtungen sollen bessere Lebensbedingungen für Bergisch Gladbacher Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Dabei geht es im Kern darum, durch praktische Hilfe die Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, bevor „das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Frühe Hilfe führt zu deutlich besseren Ergebnissen als eine spätere – viel aufwändigere – Hilfe.

Weitere Informationen:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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