Dass es an Bergisch Gladbachs Hauptverkehrsachsen laut, mitunter sehr laut ist, dürfte niemanden überraschen. Tatsächlich sind mehr als 4200 Menschen einem Dauerlärm von 65 oder mehr Dezibel ausgesetzt (auf der Karte blau markiert)  – und selbst nachts müssen noch mehr als 500 Menschen (auf der Karte rot) diesen Krach aushalten, der als gesundheitsschädlich gilt. Dabei geht es fast ausschließlich um Verkehrslärm; der Krach von Industriebetrieben oder Flugzeugen spielt kaum eine Rolle.

Also keine großen Überraschungen, aber dafür ein sehr „feinkörniges Bild“ liefert ein neues Gutachten, das Baurat Stephan Schmickler am Montag vorstellte. Die Umgebungslärmrichtlinie der EU hatte den Städten den Auftrag erteilt, ein solches Gutachten und einen Lärmaktionsplan zu erstellen. Ob daraus nun aber auch konkrete Konsequenzen folgen, ist offen – und hängt laut Schmickler nicht nur vom Geld, sondern vor allem von den Bürgern ab.

In einer idealen Welt folgt auf die Bestandsaufnahme der Gutachter nun die Beteiligung der Bürger, deren Vorschläge fließen in den Aktionsplan ein, der wiederum vom Rat beschlossen und anschließend von der Verwaltung umgesetzt wird. Auf das es ruhiger werde in Bergisch Gladbach.

In der realen Welt werden die Bergisch Gladbach jetzt tatsächlich aufgefordert, sich mit ihrer Meinung und Vorschlägen zu beteiligen. Ob aber aus den Vorschlägen reale Maßnahmen werden, kann auch der Baurat nicht vorhersagen. Denn klar ist: für teure bauliche Maßnahmen wie zum Beispiel Flüsterasphalt gibt es in dieser Stadt kein Geld.

Hat das Thema Lärmreduzierung eine Lobby?

Um so mehr hofft Schmickler, dass sich die Bürger dennoch beteiligen. „Nur daraus können wir schließen, welchen Stellenwert das Thema Lärm wirklich hat. Ich bin sehr gespannt, ob das Thema damit eine größere Lobby bekommt, als es das jetzt hat.” Das könne durchaus dazu führen, dass sich die Prioritäten bei der Stadtplanung in Zukunft verschieben. Und immerhin gebe es ja einige Maßnahmen, die wenig Geld kosten.

Aber damit sich wirklich etwas tue, betont Schmickler, müssten sich die Bürger beteiligen. Das können sie ab sofort bis Ende April, in Form eines Fragebogens, der in der Stadtverwaltung abzuholen oder im Internet auf der städtischen Website abzurufen ist. Dort finden sich auch Kontaktadressen, bei denen man sich den Fragebogen zuschicken lassen kann.

Wir dokumentieren den gesamten Entwurf des Lärmschutzplan weiter unten. Er ist aber auch im Rathaus Bensberg (Raum U23) auf Papier durchzusehen.

Wo es in Bergisch Gladbach ruhig ist

Das Gutachten weist übrigens nicht nur Lärmzonen aus, sondern auch Ruhegebiete und einige Ruheoasen. Allerdings, richtig ruhig (grün) ist es nur im Königsforst, im Lerbacher Wald und auf dem Land nördlich der Romanyer Straße.

Legende: hellblau ruhig, hellgrün relativ leiser Landschaftsraum, dunkelblau relativ leises stadtnahes Gebiet, lila Ruheoase. Zum Vergrößern Anklicken.

Das Gutachten listet darüber hinaus Möglichkeiten auf, den Lärm zu verringern. Das reicht von der Optimierung der Ampelschaltungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen über die Förderung des Radverkehrs bis hin zu Flüsterasphalt oder gar dem Neubau von Straßen – wie zum Beispiel dem Autobahnzubringer über die Bahndammtrasse.

Jetzt sind Sie dran: Schauen Sie sich das Gutachten an, füllen Sie den Fragebogen aus  – und debattieren Sie mit, was sinnvoll und machbar ist. Hier unten im Kommentarfeld oder in der Facebook-Gruppe „Politik in Bergisch Gladbach”.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Nachtflug: Gebühren für laute Nachtflieger drastisch erhöhen.
    Flugrouten: Wendung nach Osten erst nach Erreichen höherer Flughöhen.
    Häufiger die Regelungen für Ruhezeiten (Rasenmäher,Laubsauger etc.) kommunizieren und deren Einhaltung kontrollieren