Ein Leben ohne Sehen – für die meisten kaum vorstellbar. Das KultKINO entführt die Zuschauer am Freitag, 9. Mai (19.30 Uhr) auf amüsante und doch nachdenkliche Weise in eine Welt ohne visuelle Sinneseindrücke. Das besondere daran: Passend zum Inhalt des Films ist die Vorführung inklusiv gestaltet.

In Kooperation mit der Geschäftsstelle Inklusion des Rheinisch-Bergischen Kreises wird der Abend so gestaltet, dass sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung daran teilnehmen können. Das ist bei Kino nicht die Regel. Denn Menschen mit einer Seh – oder Hörbeeinträchtigung können bei einem normalen Kinobesuch nie alle Eindrücke wahrnehmen. Das inklusive Kultkino stellt daher ein besonderes Erlebnis dar.

Über die Smartphone-Apps „GRETA und STARKS“ (für IOS und Android) können auch blinde und sehbehinderte sowie hörgeschädigte Menschen den Film als Ganzes wahrnehmen – entweder als Hörfilmvariante oder mit entsprechendem Untertitel. Darüber hinaus stehen induktive Höranlagen für den Empfang mit Hörgeraten sowie Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung. Auch der barrierefreie Zugang ist sichergestellt.

Zum Inhalt von Imagine: Ian (Edward Hogg) ist blind und verfügt über die besondere Fähigkeit, seine Umwelt quasi mit den Ohren zu sehen. Durch genaues Zuhören orientiert er sich mit Hilfe von Schallwellen, der sogenannten Echo-Ortung. An der weltbekannten, aber konservativen Augenklinik in Lissabon soll er diese Techniken für den Alltag an andere Blinde vermitteln.

Doch was Ian seinen jungen Patienten eröffnet, ist weniger ein Orientierungskurs als eine völlig neue Art, sich in der Welt zu bewegen und diese neugierig zu erfassen und zu begreifen. Dies fasziniert auch die junge und scheue Eva (Alexandra Maria Lara), die spürt, dass Ian ihr etwas wiedergeben kann, das sie längst verloren geglaubt hat. Als Ian die Schüler mit seinen aufregenden und riskanten Methoden in Lebensgefahr bringt, muss er die Schule verlassen….

Voller philosophischer Tiefe und mit einem souveränen Gespür für Komik lässt Imagine das Kino mit neuer Kraft sehen und hören. Mit poetischen Bildern und einer genauen Aufmerksamkeit auf kleinste Geräusche zieht Regisseur Andrzej Jakimowski (Kleine Tricks) das Publikum in seine Geschichte von zwei Menschen hinein, die sich verlieben, ohne einander jemals gesehen zu haben.

Die im Film beschriebene Echoortung wird im Fachjargon „Klicksonar“ genannt. Dabei werden Schallwellen erzeugt, mit deren Hilfe Menschen mit Sehbehinderung Position und Größe von umliegenden Objekten näher bestimmen können. Auch in Deutschland findet diese Methode immer mehr Einzug und wird z. B. an der Kölner LVR-Severin-Schule im Rahmen der Frühförderung angeboten.

Vor der Filmvorführung gibt es ein Gespräch mit Maria Lieven, der Koordinatorin dieses Frühförderprogramms, und Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke. Maria Lieven gibt einen Einblick in den Alltag von Menschen mit Sehbehinderung sowie ihre tägliche Arbeit mit blinden Kindern. Für den Umgang mit dem Thema Inklusion im Rheinisch-Bergischen Kreis steht Landrat Dr. Tebroke Rede und Antwort.

„Imagine – Wenn die Sinne zum Wunder werden“ am 09.05.2014 um 19.30 Uhr im Bergischen Löwen. Karten gibt es an der Theaterkasse oder an der Abendkasse zum Preis von 3,- €.

Kultkino ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Magazins Franzz, der Brunotte Filmtheater AG und der Bergischer Löwe GmbH, dieses Mal in Kooperation mit der Geschäftsstelle Inklusion des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Doro Dietsch

Verheiratet, drei Töchter. War lange beim WDR, arbeitet heute in der Verwaltung des Düsseldorfer Landtags.

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