15 Studierende, die sich am Historischen Institut der Universität zu Köln auf den Beruf des Geschichtslehrers vorbereiten, beschäftigen sich zur Zeit mit Dokumenten zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte aus den Jahren von 1945 bis 1990.

Die Studenten besuchen ein geschichtsdidaktisches Seminar, in dem es am Beispiel von Bergisch Gladbach um den Einsatz lokaler Geschichtsquellen im Unterricht geht. „Es ist eine einmalige Gelegenheit, anwendungsbezogen zu arbeiten, und eine Abwechslung zur grauen Theorie – im wahrsten Sinne des Wortes ‚zum Anfassen’“, erläutert eine Studierende.

Das Seminar wird vom Bergisch Gladbacher Archivleiter Dr. Albert Eßer gemeinsam mit dem Universitätsdozenten Dr. Christoph Pallaske geleitet, für den die „Anknüpfung der Geschichte auf regionaler Ebene“ einen besonderen Reiz ausmacht.

Quellenheft zur Nachkriegsgeschichte ergänzt Schriftenreihe

Ziel des Seminars ist die Erarbeitung eines gedruckten Quellenheftes zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte 1945-1990, das von den Bergisch Gladbacher Schulen im Geschichtsunterricht eingesetzt werden kann. In ähnlicher Form sind in den Jahren 2008, 2010 und 2012 bereits Bergisch Gladbacher Quellenhefte zur Zeit des Nationalsozialismus, des Ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik sowie zum 19. Jahrhundert erschienen.

Ähnlich wie bei den vergangenen Quellenheften wird das aktuelle Projekt von der VR Bank eG Bergisch Gladbach, der Bensberger Bank eG und der Raiffeisenbank Kürten-Odenthal eG finanziell unterstützt.

Die 46 Dokumente, die in dem Quellenheft veröffentlicht werden sollen, stammen sämtlich aus dem Stadtarchiv. Aktenschriftstücke, Reden und Protokolle zählen ebenso dazu wie Fotos, Pläne, Plakate und Zeitungsartikel. Für dieses „Handwerkszeug der Historiker“ begeistern sich die Studierenden, denen der „Quellenumgang im Studium oftmals zu kurz kommt“.

Die Dokumente lassen wichtige und unterrichtsrelevante Zeitabschnitte und Themen aus der Nachkriegszeit bis zur deutschen Wiedervereinigung lebendig werden: Nachkriegszeit und Vergangenheitsbewältigung, Demokratie und Parteien, die deutsche Teilung und Wiedervereinigung, den Kalten Krieg und die Europapolitik, Wirtschaftsgeschichte, Stadtentwicklung, Bildungspolitik und Gesellschaftsgeschichte.

Archivleiter Albert Esser mit den Studenten

„Mit Gott und gestrafften Muskeln“

Der Titel des geplanten Quellenheftes soll lauten: „Mit Gott und gestrafften Muskeln“. Mit diesen Worten rief im Juli 1945 der damalige Landrat Fritz Heuser die Bevölkerung nach dem Ende des Krieges zu einem Neubeginn auf:

Nur der bedingungslose Wille jedes Einzelnen, seine ganze Kraft und sein ehrlichstes Können einzusetzen, wird uns bessere zukünftige Tage zu erhoffen berechtigen. Mit Gott und gestrafften Muskeln, Rheinisch-Bergischer Kreis, in Einigkeit und Ehrlichkeit besseren zukünftigen Tagen – dem Leben – entgegen!“

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Bereits im September 1945 mussten sich die Verantwortlichen mit Eingemeindungswünschen der Stadt Köln beschäftigen. Bürgermeister Geyser protestierte gegen solche Pläne mit den Worten: „Bergisch Gladbachs bodenständige Bevölkerung mit einem aus dem bergischen Charakter hervorgehenden starken Wesenszug an Selbständigkeit vermag nicht einzusehen, dass es zur Verwirklichung der Wiederaufbaupläne notwendig sei, die eigene kommunalpolitische Selbständigkeit aufzugeben.“

Bensberg konnte 1947 die Ernennung zur Stadt feiern und seine kommunale Eigenständigkeit bis 1974 bewahren.

Franz Josef Strauß in Bergisch Gladbach

Franz-Josef Strauß 1969 bei einem Auftritt in Bergisch Gladbach

Bergisch Gladbach und Bensberg erlebten nach dem Krieg einen Bauboom und eine starke Zunahme des Verkehrs. Die Ansiedlung und das Wachstum der Bensberger Firma Interatom spiegelte den Fortschritts- und Machbarkeitsglauben der sechziger und frühen siebziger Jahre wider.

An der Strunde lassen sich allgemeine politische Entwicklungen der Bundesrepublik nachverfolgen. Fotos aus dem Bundeswahlkampf 1969 zeigen beispielsweise, wie der damalige Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß in Bergisch Gladbach am Megaphon auf lautstarke Proteste junger „Achtundsechziger“ reagierte. Die Städtepartnerschaft mit der damals noch sowjetischen Stadt Marijampole im Sommer 1989 schließlich war Ausdruck der weltpolitischen Veränderungen, die auch die deutsche Wiedervereinigung möglich machten.

Aufgabe der Kölner Studierenden ist es, jeweils zwei Quellen abzuschreiben, auf ihre didaktische Aussagekraft hin zu untersuchen, sie unter eine Überschrift zu stellen und sie zu kommentieren.

Die Studentinnen und Studenten haben sich in dem Seminar bisher unter anderem mit der Frage beschäftigt, welche Aspekte der Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte in den Jahren von 1945 bis 1990 für die allgemeine historische Entwicklung typisch und welche eher lokalspezifisch waren.

Die Studenten Anke Hartmann mit Orignalquellen

Bei ganztägigen Aufenthalten im Stadtarchiv Bergisch Gladbach am 9. und am 14. Mai haben sie in zwei Gruppen die Gelegenheit, die historischen Quellen im originalen Überlieferungszusammenhang zu untersuchen und auftauchende Fragen zu klären.

Das fertige Quellenheft soll Ende 2014 erscheinen. Herausgegeben wird das Heft von Dr. Albert Eßer, Dr. Christoph Pallaske und Dr. Lothar Speer.

Pressestelle Stadt BGL

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