Die Kreuzung Schnabelsmühle aus der Vogelperspektive

Im Kölner Lokalteil des Stadtanzeigers steht heute ein bemerkenswerter Artikel. Der dänische Stadtplaner Jan Gehl war in der Domstadt und empfahl, nicht länger autogerecht aus der Vogelperspektive zu planen, sondern menschenfreundlich von unten, für lebenswerte Städte nach Kopenhagener Vorbild. Der Gast wurde von Baudezernent Franz-Josef Höning und Stadtplaner Albert Speer mit Lob überschüttet.

Alte Pläne oder “Geheimplanung”?

Die Zeit fehlte, sich die Verwaltungspläne für den Kreisverkehr näher anzusehen. Doch die Planskizze und die kalkulierten Baukosten von 1,3 Millionen Euro lassen aufhorchen.

Stutzig macht auch, dass offenbar schon alle „Träger öffentlicher Belange“ gehört wurden, also Polizei, Feuerwehr, Verkehrsbetriebe, auch die Eigentümer des „Zanders“-Geländes, das Vorhaben in der Öffentlichkeit aber noch nicht diskutiert wurde. Ist das die Bürgerbeteiligung, mit der u.a. die SPD in den Wahlkampf zog?

Planung für den Kraftverkehr?

Zwar legte zu Beginn der Regionale, also vor etwa sechs Jahren, ein Verkehrsplanungsbüro opulente Umgestaltungspläne für den Bereich Schnabelsmühle vor, sie schienen sich aber schon aus Geldmangel erledigt zu haben. Und Geld ist auch jetzt nicht da, der neue Kreisverkehr soll über neue Kredite finanziert werden.

In den alten Plänen kann der verkehrsplanerische Paradigmenwechsel, der sich an der Strunde ankündigt, kaum berücksichtigt sein. Verkehr soll für einen vom Stadtentwicklungskonzept ISEK inspirierten Verkehrsentwicklungsplan neu gedacht werden – mit Priorität für lautlose, platzsparende, bewegungsaktivierende, gesunde, menschenfreundliche Mobilität.

Der komplette Lageplan. Zum Vergrößern anklicken.

Schlichter ist billiger – und besser? 

Die Franzosen lieben auf ihren Landstraßen riesige Kreisverkehre, die mit hohem Tempo passiert werden können. Der geplante Kreisverkehr im Herz der Strundestadt ist kleiner, unternimmt aber den Versuch, durch mehrspurige Zu- und Ausfahrten sowie Kreisfahrbahnen die Vorzugsströme des Kraftverkehrs zu bedienen.

Ein zweifelhaftes Konzept, denn jede Abweichung vom einfachen Kreisel macht das Ganze unübersichtlich und erfordert spurtreues Fahren.

Alles was über einfaches Ein- und Ausfädeln hinausgeht erschwert die Nutzung für Radfahrer. Schon sind viele Elektroräder und auch schnelle S-Pedelecs in Bergisch Gladbach unterwegs. Radfahrer mit Tempo 25 bis 45 kann man aber nicht mehr gemeinsam mit Fußgängern führen. Sie gehören auf die Straße oder breite Radfahrstreifen.

Welchen Wert hat eine schöne Stadt?

Hinzu kommt die stadtgestalterische Perspektive. Rathaus, Adenauerplatz, Villa Zanders, der Bergische Löwe – das ist die gute Stube. Hier hat die Stadt Verweilqualität, auch wegen des alten Pflasters und der schon lange offenen Strunde. Marien- und Quirlsberg sind ganz nahe bei. In der Vernetzung der grünen Farbtupfer liegt eine große Chance. Dazu müssen die Verkehrswege dazwischen eher schlanke Gassen und nicht dicke Schneisen sein.

Jetzt übers Knie brechen?

Dies ist ein Plädoyer fürs Luftholen. Dafür, den Perspektivwechsel auch bei konkreten Projekten zu wagen, jetzt für die Zukunft zu bauen. Rollatoren- und Kinderfreundlich zuerst.

So könnte der westliche Ast der Bensberger Straße bei einspuriger Führung den ganzen Verkehr zu einem neuen Kreisel aufnehmen. Der Parkplatz Schnabelsmühle verlöre durch direkte Anbindung an Quirlsberg und Adenauerplatz seine Insellage. Vor dem Stadthaus könnte – auf bestehenden Flächen für wenig Geld – ein kleiner Kreisverkehr entstehen. Einspurig, langsam, stadtgerecht.

Die verschiedenen Verkehrsteilnehmer begegnen sich auf Augenhöhe – und kommen gemeinsam besser voran. Das Beispiel Stationsstraße zeigt, dass sowas sogar in Bergisch Gladbach funktioniert.

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3 Kommentare

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  1. Nich falsch verstehen. Ich hätte gegen einen Kreisverkehr an der Schnabelsmühle auch nichts einzuwenden. Ich frage mich halt, ob er in obiger Art und Weise ausgeführt werden muss. Die Sicherheitsvorteile von Kreisverkehren kommen nämlich nur dann voll zur Geltung, wenn es gewöhnliche Kreisel, ohne irgenwelche Bypässe etc. sind.

    Auch ist die Kapazitätserhöhung durch Bypässe schon bei einfachen Kreisen marginal (ich meine mal etwas von 15% gelesen zu haben). Ob diese dann bei einem “Turbo” was bringen?

    Da sollte eigentlich doch mal gerechnet werden, ob ein gewöhnlicher aber großzügig geführter Kreisel nicht reicht. Auch für die Busse vom Marktplatz dürfte die Einfahrt in obigen “Turbo” nicht ganz unproblematisch sein. (Die Ausfahrt wahrscheinlich auch nicht)

  2. Ich habe mir die bisherigen Berichte und Komentare genau durchgelesen. Und kann eigentlich mal wieder nur den Kopf schütteln. Fakt ist das es in GL City jeden Tag insgesamt ca 10 Km Stau wegen Berufsverkehr gibt. Was ja schon mal zeigt welche Auto Massen die City jeden Tag zu verkraften muß. Ich bin Busfahrer hier in GL Und bekomme das Drama jeden Tag mit. Man schleicht von einer Roten Ampel zur nächsten.u.s.w. Ein Kreisverkehr wäre an dieser Stelle nicht nur von Vorteil sondern meines Erachtens DRINGEND NÖTIG!!!
    Und wenn die Herrn Stadtplaner mal richtig planen würden wäre eine sichere Lösung für Radfahrer ,Fußgänger u.s.w. bestimmt machbar. Was andere Städte können das können wir schon lange.Nur wie schon geschrieben BITTE NICHT ÜBER`S KNIE BRECHEN!!!. Wenn man dann noch die Anpeln auf der Bensbergerstr optimieren könnte wäre man dem Täglichen Staudrama schon ein gute Stück vorraus.

  3. Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele.

    Vor allem die von der Stadt angepriesenen Vorteile für den Rad und Fußgängerverkehr erschliessen sich mir nicht.

    Wozu muss bei einem “Turbo”-Kreisel auch noch ein Bypass angelegt werden, wo ein solcher doch die Anzahl der Knotenpunkte und somit die Unfallträchtigkeit für einen marginal höheren Fahrzeugdurchsatz steigert. Und dann auch noch in aus Bensberg in Richtung Odenthal….

    Dafür haben dann Fußgänger und Radfahrer, vom Quirlsberg kommend, vier statt drei Fahrspuren zu queren. Aktuell kommen Fußgänger sogar Knotenpunktfrei von dort zum Marktplatz! Auch wenn die Unterführung nicht der hübscheste Weg ist.

    Zum Radverkehr sei gesagt, dass innerörtliche Kreisverkehre so angelegt werden sollten, dass der Radfahrer die Kreisverkehrspur nutzen sollte, da umlaufende Radwege die Unfallgefahr steigern. Leider ist bei mehrspurigen Kreisverkehren die Gefahr auf der Kreisverkehrsfahrbahn dann wieder so groß, dass dann vom der FGV dringeng von der Fahrbahnführung abgeraten wird.

    Bei umlaufenden Radwegen soll dieser nicht in scharfen Winkeln auf die Überwege geleitet werden. Bei obiger Planung knickt der Radweg von Odenthal Richtung Bensberg im 90° Winkel ab. Kreisverkehrsnahe Auf- und Abfahrten zu den Hochbordradwegen kann ich ebenso nicht auf dem Plan erkennen, genau so, wiel für die Radspuren, entgegen den Empfehlungen der ERA2010 nur Betonplatten anstelle von Aspahlt vorgesehen ist.

    Das ist halt billiger, wenn man mal an Versorgungsleitungen muss.

    Ein ganz schönes Mogelpaket. – Warum kann die Stadt nicht ehrlich sein und sagen, “uns geht es um schnellen Verkehrsfluss, sogar die Sicherheit ist uns egal, deshalb legen wir sogar ‘nen Bypass an, da dort ja noch Platz genug ist!”

    Vorteile für Fußgänger und Radfahrer sehe ich nicht.