Der Wandel in den Köpfen ist unverkennbar. In der Juni-Ausgabe von AUTO BILD schreibt Matthias Moetsch, Abi-Jahrgang 1987, über die Abiturienten von heute:

Die sind nicht weniger mobil als wir es waren. Aber vielen jungen Leuten ist ein schnelles Internet im Zweifel wichtiger als ein eigenes Auto. Weil sie Verkehrsmittel – Fahrrad, Bus, Bahn, Auto, Billigflieger – intelligent vernetzen. Die Faszination Auto weicht schrittweise der Faszination Mobilität. Wer überleben will, muss das verstehen.”

93.000 Euro und viel Know-how

Es waren wohl Überlegungen wie diese, die dazu führten, dass sich Bergisch Gladbach erfolgreich für das Förderprojekt “Kommunales Mobilitätsmangement” beworben hat. Für die Jahre 2013 bis 2015 wird die Strundestadt von Experten unterstützt, um Angebote an kostengünstiger, sicherer und nachhaltiger Mobilität entwickeln zu können. Ein Punkt ist zum Beispiel, die mit Mobilitätsfragen befassten Stellen innerhalb der Stadtverwaltung besser zu vernetzen.

Obendrauf gibt es 93.000 Euro, beispielsweise für Öffentlichkeitsarbeit. Alles zusammen soll Bürgerinnen und Bürger dazu bringen, “aus eigenem Antrieb” heraus, weniger das Auto und mehr Bus, Bahn und andere “alternative Formen der Fortbewegung im städtischen Raum” zu nutzen. Das von Theo Jansen beim VRS koordinierte Projekt läuft jetzt an.

Ein Anfang ist gemacht

Mit dem Förderprojekt scheint sich endlich auch in Bergisch Gladbach ein Perspektivwechsel zu vollziehen. Allzu lang hatte man den Eindruck, dass Verkehrsfragen allein aus der Windschutzscheibenperspektive heraus betrachtet werden. Doch nun ist die Stadtverwaltung stolz, mit einer Reihe von guten Ansätzen die Juroren gewonnen zu haben: “Projekte wie Radstation, Parkleitsystem, verstärkte Anbindung von Wohngebieten an den ÖPNV und Fortentwicklung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum,” hätten überzeugt.

Punkten könne man darüber hinaus mit guten Voraussetzungen: “Zwei zentrale Verknüpfungspunkte für Schiene, Busverkehr und Taxi mit Kundeninformationszentren, elektronische Anzeigetafeln an zentralen Bushaltestellen, gute Vertaktung der Busse mit der S-Bahn in der Stadtmitte sowie vier Carsharing-Stationen im Stadtgebiet.” Hervorgehoben werden die jährlich kostenlos verteilten 11.000 Stadtfahrpläne sowie das Schülerticket.

Begegnungszone Stationsstraße: gleiche Rechte für alle

Hott und hü

Wenn man das liest, könnte man fast denken, das Auto spiele in Verwaltungshandeln und Verkehrspraxis nur noch eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich drängt sich aber ein geradezu gegenteiliger Eindruck auf. Vieles, was im Moment sinnvoll erscheinen mag, bestärkt letztlich jene Trends, die man mit dem Mobilitätsmanagement gerade ändern möchte.

Ein paar Beispiele:

Das sind alles Entscheidungen, die eher noch der Denke von der autogerechten Stadt zuzuordnen sind. Andere Formen der Mobilität erscheinen eher als Kür denn als Pflicht. Mit dem Ziel, eine “Vorzeigekommune in Sachen zukunftsfähiger Mobilitätslösungen” zu werden, scheinen sie nur schwer vereinbar.

Doch es gibt auch zarte Pflänzchen, in denen ein Umdenken spürbar wird:

Herausforderungen bleiben

Doch bei näherer Betrachtung ist noch sehr viel zu tun. Selbst viele an sich löbliche Ansätze stecken noch mitten in der Planung (Radstation), werfen bei genauem Hinschauen noch Fragen auf (elektronische Anzeigetafeln) oder wurden unvollkommen umgesetzt (Strundradweg).

Die allermeisten Bürger lesen keine Strategiepapiere, Absichtserklärungen oder verwaltungsinterne To-do-Listen. Sie möchten vor Ort erleben, das was passiert. Dazu muss man nicht nur gutes planen, sondern es auch tun. Und offensiv darüber reden, am besten sogar vorleben.

Der bayerische SPD-Spitzenkandidat und Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Beispiel hat über seine Passion zum Fahrrad schon im Jahr 2000 ein Buch (“Stadtradeln”) geschrieben, offenbar ohne negative Auswirkungen auf seine Karriere. Man darf gespannt sein, wann Lutz Urbach seine Termine mit dem Fahrrad macht.

Die folgende Liste mit in unseren Augen wichtigen Herausforderungen kann nur unvollständig sein. Die skizzierten Punkte und Ideen sind als Anregung zu verstehen. Die Liste zeigt aber in jedem Fall, dass der Weg zu einem guten Mobilitätsmanagement noch weit ist.

Herausforderungen Übergreifende Planung

  • Verkehrsentwicklungsplan: Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept “ISEK 2030” wurde im Frühjahr 2012 vom Stadtrat verabschiedet. Ein Leitprojekt, das mit Vorrang umgesetzt werden soll heißt “Intelligente Mobilität”. Dringend nötig sei ein integrierter Verkehrsentwicklungsplan. Die Stadtverwaltung sah sich nicht imstande, einen solchen Plan selbst voranzutreiben. Nun will die Stadt mit Hilfe der VRS- bzw. Landesförderung “wesentliche Teile des integrierten Verkehrsentwicklungsplanes” schreiben und so ” die Weichen für die mobile Zukunft der Stadt” stellen.
  • Keine vorschnellen Weichenstellungen: Obwohl der Plan also zu erwarten ist, werden wichtige Weichen vorab gestellt, zum Beispiel am Waatsack oder am Gronauer Kreisel, zwei wichtigen Knotenpunkten im Stadtgebiet. Wenn ein Verkehrsentwicklungsplan sinnvoll sein soll, muss er gerade für solche Kernpunkte neue Antworten finden. Die gefassten Beschlüsse deuten jedoch auf ein “weiter so”.
  • Parkleitsystem überdenken: Ähnliches gilt für das kürzlich beschlossene Parkleitsystem. Einst wollte Bergisch Gladbach mal eine Stadt mit vorbildlich wenig Schildern werden (“Simply City”). Jetzt wird die Innenstadt für viel mit großen Anzeigetafeln zugepflastert, obwohl zu erwarten ist, dass schon bald fast jedes Navigationsgerät und Smartphone zum nächsten freien Parkplatz lotst.

Herausforderungen ÖPNV

  • ÖPNV-Angebot ausbauen: Für eine Großstadt ist das ÖPNV-Angebot unzureichend. Ein fester Taktverkehr ist die Ausnahme, selbst tagsüber ergeben sich im Busnetz große Lücken. Abends sind viele Stadtteile gar nicht mehr angebunden.
  • Mehr Busse: Die Potenziale, die sich allein durch Neuorganisation des Liniennetzes ergäben, scheinen nicht einmal ansatzweise ausgereizt. Wobei ein “Großstadt-würdiger-ÖPNV” sicherlich auch auf eine Angebotsausweitung setzen müsste.
  • Wirkliche Echtzeit-Infos: Die neuen elektronischen Anzeigetafeln suggerieren, dass Echtzeit-Fahrplaninformationen angezeigt werden. Nach unseren Beobachtungen ist das aber längst nicht bei allen Linien der Fall. Zum Beispiel verschwindet eine verspätete Linie 423 nach Rösrath von der Anzeigetafel am Konrad-Adenauer-Platz, sobald die fahrplanmäßige Abfahrtszeit vorbei ist. So denkt man, der Bus sei weg, obwohl er kurz darauf um die Ecke biegt. Andere Busse werden offenbar noch angezeigt, obwohl sie längst abgefahren sind.
  • Bessere Informationen an den Stationen: Für Ortsfremde gibt es am S-Bahnhof und am Bensberger U-Bahnhof nur sehr lückenhafte Informationen. Wünschenswert wären wenigstens ein aktueller Stadtplan, ein topographischer und ein schematischer Liniennetzplan sowie Hinweise auf weitere Informationsmöglichkeiten (die schlaue Telefonhotline für Bus und Bahn 01803-504030, sprechender Fahrplan 08003 – 50 40 30, Mobiles Auskunftsportal fürs Handy und Smartphone unter m.bahn.de, die neue wupsi App, Wupsi-Echtzeitauskunft). Die aushängenden Pläne und Übersichten sind zum größten Teil veraltet.
  • Stadtfahrplan: Auch bei 11.000-fach verteilten Stadtfahrplan gibt es noch Verbesserungsbedarf. Format und Bindung erschweren die Handhabung, ein A5-Heftformat mit Fahrplantabellen in Leserichtung dürfte besser lesbar sein. Zusammenfassende Tabellen verschiedener Linien, die gemeinsam einen Taktverkehr sicherstellen, fehlen (Beispiel: S-Bahnhof – Bensberg oder S-Bahnhof – Odenthaler Str. oder S-Bahnhof – Schildgen). Vor allem aber fehlen an den Fahrplantabellen Hinweise, wo die Gegenrichtung zu finden ist. Umständliches Blättern ist die Folge.
  • Haltestellen-Infos verbessern: Oft ergeben sich in Bergisch Gladbach Verbindungen mit Hilfe verschiedener Linien. Auch an den Haltestellen sind diese Informationen nicht systematisch zusammenfasst. Am Konrad-Adenauer-Platz sind die Aushangfahrpläne gar mehr als zehn Meter voneinander entfernt. Wie soll ein Buskunde hier verschiedene Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen, vergleichen?
  • Zweites Gleis dringlich: Der S-Bahn-Betrieb ist durch die eingleisige Strecke ab Köln-Dellbrück sehr verspätungsanfällig. Bei großer Verspätung endet die S-Bahn häufig in Dellbrück, was für alle, die von oder nach Bergisch Gladbach fahren möchten, den Ausfall einer Bahn bedeutet. Nötig erscheint ein zweites Gleis. Viel wurde hier angekündigt, aber Bahn und Stadt scheinen in dieser Sache, die auch mit dem Bahnübergang Tannenbergstraße zu tun hat, nur im Schneckentempo voranzukommen.
  • Taktverdichtung: Ein zweites Gleis würde einen engeren Fahrplantakt ermöglichen, dieser wäre zu Zeiten des Berufsverkehrs und am Wochenende wünschenswert.
  • Anschlusszüge: Verbesserungswürdig ist auch die Verknüpfung der S-Bahn mit Regionalzügen in Köln Mülheim und Köln Messe/Deutz. Hier ergeben sich durch schlechte Abstimmung abends und am Wochenende oft Wartezeiten von nahezu einer halben Stunde. Oder man muss den Weg bis Deutz doppelt zurücklegen, weil mancher Regionalzug in Mülheim nicht hält.

Herausforderungen Einkaufsverkehr

  • Offener diskutieren: Die Planungen und Diskussionen sind noch komplett autoorientiert und drehen sich allein um geschäftsnahe Parkplätze.
  • City Marketing Fahrrad: Dass Kunden – ein attraktives Umfeld vorausgesetzt – auch gerne zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus zum Einkaufen kommen, scheinen Stadtverwaltung und Händler noch nicht erkannt zu haben.
  • Schnabelsmühle besser anbinden: Parkplätze gibt es nach Presseinformationen in Bergisch Gladbach genug, nur liegen sie nach Ansicht vieler Geschäftsleute nicht nah genug an den Läden. Es ist aber auch wenig Bemühen zu erkennen, zum Beispiel die Parkplätze an der Schnabelsmühle attraktiv an die Fußgängerzone anzubinden. Wer kurze Wege gehen will, muss Trampelpfade nutzen und unnötig mehrspurige Straßen freihändig kreuzen. Auch der Weg durch den Parkhaustunnel ist nicht attraktiv.
  • Radfahren in Fußgängerzonen: In Köln ist der Straßenzug Breite Straße/Ehrenstraße komplett mit dem Fahrrad befahrbar, trotz Fußgängerzone. Entsprechende Bürgeranträge hat die Verwaltung aber offenbar stets ablehnend betrachtet. Mobilitäts-Modellstädte sollten mehr Mut haben, neue Lösungen im Zweifel einfach mal auszuprobieren. Zumal man in Bensberg ja sogar Autos in den Fußgängerbereich lässt.
  • Tempo 20 probieren: Einkaufsmöglichkeiten gibt es auch westlich der Fußgängerzone in der unteren Hauptstraße. Sie verknüpft die City mit den Läden und Gastronomie rund um den Gronauer Kreisel bis hin zum Kaufland. Zukunftsfähig könnte es sein, das Gebiet als “verkehrsberuhigten Geschäftsbereich” mit 20 km/h Höchstgeschwindigkeit auszuweisen. Die Stadtverwaltung lehnte solche Überlegungen ab, die Politik folgte.

Herausforderungen Freizeitverkehr

  • Grüne Korridore in die City verlängern: Bergisch Gladbach ist das Tor zum Bergischen Land. Früher fuhren viele Kölner aus der Rheinmetropole zur Sommerfrische nach Refrath, Bensberg und Bergisch Gladbach. Vielen Gaststätten sieht man noch an, dass sie einst beliebte Ausflugsziele waren. Noch immer starten oder berühren viele Wanderwege in Bergisch Gladbach und Bensberg (der neue Bergische Weg zum Beispiel, aber die Hauptwanderwege X11a und X30, der neue Streifzug Bensberger Schlossweg, der Kölner Weg. Die Lage im Grünen ist das große Plus der Stadt – für Bürger und Besucher! Interessant wäre es, die Grünzonen rund um die Innenstadt eng mit der City zu verknüpfen. Die Kalköfen, der Marienberg, der Quirlsberg und das Strundetal sind grüne Oasen, die nur schwer zu entdecken sind und oft nur über wenig attraktive Hauptverkehrsstraßen zu erreichen sind.
  • Geopfad-X-Cross: Aufwändig wurde der Geopfad kürzlich neu beschildert. Neue Infotafeln füttern den Kopf, die interessanten Steinbrüche beschäftigen die Sinne. Nur die Erlebnisqualität kommt zu kurz, gerade für Kinder. Es könnte sehr attraktiv sein, wenn es zum Geopfad eine Cross-Variante gäbe, die – soweit mit dem Naturschutz vereinbar – über besonders schmale Pfade, Mini-Klettersteige und abenteurliche (Hänge-)Brücken führt.
  • E-Bikes als Chance: Pedelecs, Elektrofahrräder oder E-Bikes sind eine große Chance für Regionen, in denen es durchaus auch mal ein paar Meter bergauf geht. Wer einmal ein gutes Pedelec ausprobiert hat, merkt, wie unglaublich viel Spaß das macht und fast immer ein glückliches erstauntes Lächeln herzaubert. Elektroradfahrer erwarten eine passende Infrastruktur. Ladestationen sind v.a. psychologisch wichtig. Die Firma LIEBE BIKE vermietet beispielsweise in Kooperation mit dem Touristikverein Bergisch-hoch-vier Elektrofahrräder in den Gemeinden des bergischen Rhein-Sieg-Kreises (Much, Lohmar, Ruppichteroth, Neunkirchen-Seelscheid). Die Freizeit- und Ferienregion vor den Toren von Köln und Bonn wurde 2011 zur E-Bike-Region und bietet zum Beispiel verschiedene E-Bike Themenstrecken an. Die Region sieht in dieser Form des Nahtourismus einen enormen Wirtschaftsfaktor.
  • Radsportler einbinden: Nach dem Ausschildern von Reitrouten dürfte das Thema Fahrrad bei den touristischen Aktivitäten des Rheinisch-Bergischen-Kreises eine größere Rolle spielen. Dabei ist die Region auch ein beliebtes Ziel von Rennrad-Fahrern und Mountainbike-Sportlern. Hier bietet sich die enge Kooperation mit örtlichen Vereinen (www.mtbrb.de, www.staubwolke-refrath.de, ADFC) an.

Herausforderungen Radverkehr

  • Radstation: Wichtig ist, dass die geplante Radstation (kommt voraussichtlich 2014) “keine Spinne ohne Netz” wird, wie es die Bergische Landeszeitung formulierte. Sie muss auf bequemen und sicheren Fahrradrouten erreichbar sein.
  • Fahrradverleihsystem: “Öffentliche Fahrräder”, die für kleines Geld (nach Registrierung) von jedermann ausgeliehen werden können, boomen. Auch in Gladbach kann ein Fahrradverleihsystem nützlich sein: für Gäste oder für den Heimweg abends oder am Wochenende, wenn die Busse nur noch selten fahren. Die Radstation sollte in den Verbund von allen sieben Radstationen im Rheinland integriert werden, nach dem Motto “In Gladbach ausleihen, in Köln wieder zurückgeben.”
  • Radverkehrsnetz: Die Stadt braucht gerade in der City eine komfortable und sichere Fahrradinfrastruktur. Dabei ist zu beachten, dass man Radfahrer nicht über einen Kamm scheren kann. Ein schneller Alltagsradfahrer hat ganz andere Bedürfnisse als Kinder auf dem Weg zur Schule.
  • Sofortmassnahmen: Viele kleinere Mängel (zu enge Drängelgitter, Kanten, Schlaglöcher, Sichtbehinderungen) müssten den Behörden seit Jahren bekannt sein, offenbar gibt es aber weder eine regelmäßige Inspektion des rudimentären Radverkehrsnetzes noch eine systematische Pflege. Allein im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht erscheint beides dringend geboten.
  • Benutzungspflicht: Der Gesetzgeber knüpft die Benutzungspflicht eines Radweges an strenge Auflagen. Viele Radwege genügen den Anforderungen augenscheinlich nicht, das sagen auch Stadtbaurat Stephan Schmickler und die Experten in der Stadtverwaltung. Trotzdem ist die “Entschilderung” eine zähe Angelegenheit (Beispiele: Alte Wipperfürther Straße, An der Gohrsmühle, Bensberger Straße). Schrittweise geht es voran – siehe Handstraße. Das Demontieren der blauen Radwegschilder hebt zwar die Benutzungspflicht auf, der Weg bleibt aber ein Radweg. Wer sich dort sicherer fühlt, darf ihn benutzen. Wie in Köln wurde die Maßnahme besonders kommuniziert: Schilder weisen darauf hin, dass Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt ist.
  • Einbahnstraßen freigeben: Einbahnstraßen sind häufig unnötige Barrieren für Radfahrer. In Köln hat man gute Erfahrungen mit der Freigabe einer Vielzahl von Einbahnstraßen gemacht. Radfahrer dürfen dann in beide Richtungen fahren. Was es in ganz wenigen Einzelfällen auch in Bergisch Gladbach schon gibt, sollte zur Regel werden (z.B. Laurentiusstraße).
  • Grünes Radwegenetz checken: Offenbar noch aus den 1980er Jahren gibt es in Bergisch Gladbach ein “grünes Radwegenetz”. Dabei handelt es sich eher um ein Freizeit- als Alltagsnetz mit mitunter bizarrer Wegführung. Trotzdem sind gute Teilstrecken und Schleichwege dabei, wenn nur die Wegweisung noch einigermaßen vollständig wäre. So weist ein Schild am Friedrich-Westphal-Weg schon seit Jahren in die falsche Richtung.
  • Radverkehrsnetz NRW überarbeiten: Brauchbarer für den Alltagsverkehr sollte das Radverkehrsnetz NRW sein, erkennbar an den weiß-roten Wegweisern mit Kilometerangabe. Zum Teil wurden die Routen auf Bergisch Gladbacher Stadtgebiet aber eher lieblos geführt. Der Weg von der Innenstadt nach Schildgen über die Paffrather Straße ist zum Beispiel alles andere als attraktiv. Der Schutzstreifen ist viel zu schmal, führt viel zu eng an parkenden Pkw vorbei und ist zudem lückenhaft. Anderswo haben die Kommunen wirklich attraktive Routen ins Radverkehrsnetz eingebracht, mitunter differenziert nach schnellster und schönster Verbindung.
    Eine Überarbeitung des Netzes könnte sehr sinnvoll sein, zumal sich das künftige Knotenpunktsystem der Radregion Rheinland vermutlich am Radverkehrsnetz orientiert. Dann sind landschaftlich reizvolle Routen aber umso wichtiger.
  • Bahntrassenradeln auch in GL: Überall im Land entstehen Radwege auf alten Bahnstrecken. Moderate Steigungen, wenig Kreuzungen oder gar Ampeln, weg von Lärm und Abgasen – kein Wunder, dass Bahntrassenradeln in ist. Ein neuer Reiseführer, de r die Routen in der Region vorstellt, war zeitweise im Buchhandel sogar vergriffen. Eine viel befahrene Route führt von Burscheid nach Remscheid-Lennep (“Balkantrasse”) und hat Anschluss an die Panorama-Radwege im bergischen Städtedreieck () und den Wasserquintett-Weg nach Wipperfürth und Marienheide. Auch im Süden tut sich was, ein Teilstück der Route durchs “lebenswerte Sülztal” ist schon fertig.
    Wünschenswert wäre, dass sich Bergisch Gladbach in das entstehende Netz einklinkt. Die Voraussetzungen dazu sind gut. Es gibt den alten Bahndamm von Gladbach nach Bensberg mit einem behelfsmäßigen parallelen Radweg. Südlich der A4 setzt sich die alte Bahntrasse als Schotterweg quer durch den Königsforst bis Rösrath fort. Am Finanzamt in Bergisch Gladbach kreuzt die Trasse der alten Straßenbahnlinie G vom Thielenbruch nach Bergisch Gladbach. Diese Strecken zu attraktiven Panoramaradwegen auszubauen, könnte ein sehr lohnendes Projekt sein. Möglicherweise wäre es im Rahmen des Radschnellwegprogramms des Landes sogar besonders förderungswürdig. Dann müsste die Idee bis zum 22. Juli 2013 eingereicht werden.
  • Anschluss an Dhünnweg: Von der “Wacht am Rhein” im Leverkusen führt ein Radweg über das Landesgartenschaugelände immer der Dhünn entlang bis nach Odenthal und Altenberg. Im Zuge der Regionale wurde der Weg streckenweise gebaut (z.B. zwischen Odenthal Pennymarkt und Hummelsheim) oder erneuert (z.B. in Odenthal hinter dem Schulzentrum). Über den Dhünnweg in Richtung Norden geht’s nach Altenberg, von wo aus es nur noch ein Katzensprung zur Balkantrasse in Burscheid ist. Am Rhein in Richtung Süden stellt der Dhünnweg eine Verbindung zur Erlebnisroute Rheinschiene dar. Zwar gibt es entlang der L270 eine Radweg von Bergisch Gladbach über Voiswinkel nach Odenthal, doch der ist seit Jahren in einem sehr schlechten Zustand und an mancher Einmündung auch gefährlich. Wünschenswert wäre eine bessere Anbindung

Herausforderungen Fußverkehr

  • AGFS-Mitgliedschaft von Stadt und Kreis: Zu Fuß gehen ist ein wichtiger Baustein der Nahmobilität. In einer Viertelstunde kann man gut 1,5 km zurücklegen, ist also beispielsweise von der Vogelsiedlung in der City. Wenn man rechnet, wie lange es dauert, den Wagen aus der Garage zu holen, einen Parkplatz zu suchen, die Parkuhr zu füttern und von dort das Ziel anzusteuern, dürfte das kaum schneller sein. Die AGFS (“Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V.”) hat den Fußverkehr in diesem Jahr ausdrücklich in den Namen aufgenommen. Eine Mitgliedschaft könnte wichtige Impulse für die Verkehrsentwicklung in Bergisch Gladbach geben, einen Überblick geben die Broschüren und der Aktionsplan Nahmobilität des Landes NRW.
  • Ampeldrücker mit Sofortgrün und mehr Querungshilfen: Wichtig ist, dass sich Straßen gefahrlos und zügig queren lassen. Viele Fußgängerampeln geben erst nach Tastendruck den Fußgängern Grün. Wer im falschen Moment kommt, muss einen weiteren Zyklus abwarten und steht oft zwei Minuten vor rotem Licht. Die Ampeln sollten so umgestellt werden, dass die Fußgänger bei jedem Umlauf automatisch grün bekommen. Falls bei viel befahrenen Straßen die Ampeln in größerem Abstand stehen bietet es sich an, dazwischen Querungshilfen oder Zebrastreifen einzurichten.
  • “Rollatorenfreundlich” auch an Baustellen: Bordsteinkanten stellen für Menschen in Rollstühlen, mit Rollatoren oder Kinderwagen oft ein großes Hindernis dar. Es erscheint sinnvoll, bei allen Neuplanungen und Umbauten darauf zu achten. Besonders aber auch, wenn Baustellen eingerichtet werden. Die Baustelle am Laurentiuseck zum Beispiel ist für mobilitätseingeschränkte Personen kaum zu passieren.
  • Abkürzungen und Schleichwege: Attraktiv sind vor allem Fußwege abseits der Hauptverkehrsstraßen. In Bergisch Gladbach gibt es viele solcher Wege. Mitunter fehlt aber eine kurze Verbindung oder eine Brücke. Wünschenswert wäre zum Beispiel eine Fußverbindung vom neuen Buchmühlenpark direkt entlang der Strunde in Richtung Dombach. Im Bereich Locher-Mühle fehlt eine Brücke vom existierenden Strundeweg zu dem beliebten Einkaufszentrum. Das würde den Weg von Rommerscheid verkürzen und böte eine grüne Alternative zur viel befahrenen L286.

Herausforderungen Verkehrsmix

  • Carsharing am Rathaus

    Carsharing: Seit 2007 gibt es über die Firma Flexicar in Leverkusen auch ein Carsharing-Angebot in Bergisch Gladbach. Wupsi-Stammkunden erhalten einen vergünstigten Zugang. Für eine Großstadt ist das Angebot von nur vier Stationen und etwa acht Fahrzeugen aber dürftig. Das Potenzial dürfte größer sein, wenn der Anbieter aktiv vor Ort präsent und das Netz dichter wäre. So genanntes “Free-Floating-Carsharing” (car2go, driveNOW) wäre möglicherweise eine gute Ergänzung.

  • Park & Ride: Viele Köln-Pendler fahren quer durch nach Duckterath (weil man dort kostenfrei parken kann) oder gar nach Dellbrück (weil das Bahnticket dann deutlich billiger ist) anstatt zur nächstgelegenen Haltestelle S-Bahnhof Bergisch Gladbach.
  • Bike & Ride: Die Kombination von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln soll v.a. durch die Radstation am S-Bahnhof verbessert werden. Das reicht aber nicht aus. Beim Regionalverkehr Münsterland wird die Fahrradmitnahme im Bus durch sogenannte FietsenBusse forciert. Mit einem Schnellbus und Pedelec-Angebot konnte RVM die Zahl der Abonnenten im Mettingen mehr als verdoppeln (“STmobil”), was die Potenziale im ländlichen Raum unterstreicht.
  • Faltrad und ÖPNV: Verkehrsunternehmen in Karlsruhe, München, Stuttgart und Hamburg haben erkannt, welche Chancen in der Kombination Faltfahrrad und ÖPNV liegen. Zusammen mit einem Faltradanbieter fördern sie diese Art der kombinierten Mobilität (hwww.tern-verkehrsprojekt.de).
  • E-Bike und Bus: Die Hochschule Wismar untersucht im Forschungsprojekt INMOD (intermodaler ÖPNV mit Elektrobus und Elektrofahrrad), welche Chancen in der Kombination von Elektrorad und öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. Dazu ist es beispielsweise wichtig, dass Elektrofahrräder an Bushaltestellen sicher und geschützt abgestellt werden können. Vor Ort könnte dies zum Beispiel die Stationen entlang der Schnellbuslinie Lindlar – Bensberg – Köln betreffen.

Herausforderungen Information

  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Möglichkeiten, mit weniger Auto mobil zu sein, sind schon jetzt viel besser, als die meisten denken. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass Umsteige-Kampagnen Erfolg haben, sofern sie pfiffig und authentisch sind (Beispiel Karlsruhe)
  • Fahrradstadtplan: Neben dem Appell muss aber auch die Information stehen. Zum Beispiel gibt es für Bergisch Gladbach keinen Radstadtplan. Der westliche Teil der Stadt wird vom neuen Kölner Fahrradstadtplan mit abgedeckt. Leicht ließe sich auf dieser Grundlage ein Radstadtplan für die Kernstadt Bergisch Gladbach schaffen.
  • Navigations-App: Bergisch Gladbach und der Kreis könnten sich einklinken in den geplanten mobilen Radreiseführers EFRE (“Radeln mit dem Navi”)
  • Mit dem Rad: ... zur Schule (Beispiel Solingen), … zur Arbeit (Beispiel AOK/ADFC), … auch im Winter unterwegs (Beispiel mtb-news.de Winterpokal), … im Betrieb (fahrrad-fit.de), … zum Einkaufen (GL-Taler).
  • Neubürgerpaket: München begrüßt Neubürger mit einem Infopaket “Gscheid Mobil”,  das Mobilitätsthemen anders als die Bergischer Gladbacher Neubürgerbroschüre aktiv aufgreift und alle Angebote übersichtlich und attraktiv zusammenstellt.

Herausforderungen Pkw- und Lkw-Verkehr

  • Tempo 30: Bergisch Gladbach hat mit (vorschnell) ausgewiesenen Geschwindigkeitsbeschränkungen schlechte Erfahrungen gemacht. Einzelne Anwohner wehrten sich gerichtlich, die Bezirksregierung bremste. Dennoch ist ein langsamerer Autoverkehr die einfachste Form, um umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern. Auf einen separaten Radweg kann in einer Tempo 30 Zone beispielsweise verzichtet werden. Tempo 30 wird längst als Regeltempo in Städten empfohlen: vom EU-Parlament, von der Gewerkschaft der Polizei NRW und vom wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministers, auch in der Stadtverwaltung gibt es Fürsprecher. Inzwischen macht sich eine europäische Bürgerinitiative für Tempo 30 stark: “30km/h – macht die Straßen lebenswert!”. Tempo 30 würde die Sicherheit erheblich erhöhen ohne den Autoverkehr deutlich langsamer zu machen. Zwischendrin-Hochbeschleunigen verkürzt die Reisezeit nämlich nur unerheblich. Ein Verkehr mit Tempo 30 wäre flüssiger.
  • Parken: In einer neuen Broschüre “Parken ohne Ende?” thematisiert die AGFS die “Übernutzung” öffentlicher Straßenräume durch parkende Pkws. Vorgestellt werden innovative Konzepte und Best-Practice-Beispiele, die in vielen Fällen sogar dem Pkw-Verkehr nützen.
  • Sicherer Verkehr mit weniger Salz: Denn vor allem das Salz ist verantwortlich für die mitunter erheblichen Straßenschäden, möglicherweise auch für die neuerlichen Probleme an der Handstraße.

Weitere Informationen:

Jetzt sind Sie dran: Welche Mobilität wünschen Sie sich in Zukunft, was ist zu verbessern, was ist überflüssig?

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2 Kommentare

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  1. So kann man sich Irren. Der Beschluss zur Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftbereiches in der unteren Hauptstraße ist doch noch vom UKV erlassen worden!

  2. Kleine Korrektur: Tempo 20 in der “unteren Hauptstraße” wurde noch nicht abgelehnt; der Ausschuss für Anregungen und Beschwerden hat den Vorschlag in den Verkehrsausschuss verwiesen, welcher morgen tagt.

    Wenig überraschend ist, dass die Stadt weiterhin vorschlägt den Antrag abzuweisen und in der Ratsvorlage nicht darauf hinweist, dass selbst die Polizei den Ist-Zustand der Straße für bedenklich erklärt.

    Auch macht sie sich nicht die Mühe darzulegen, welche baulichen Maßnahmen zur Kennzeichnung notwendig wären. Meinen Kenntnisstand hatte ich auf https://in-gl.de/2013/03/14/zukunftsfahige-mobilitatslosungen-in-bergisch-gladbach/ unter “Bauliche Voraussetzungen eines verkehrsberuhigten Geschäftbereichs” dargelegt. – Zur einer Widerlegung der dort aufgeführten Punkte hatte ich die Stadt aufgerufen – natürlich ist eine solche nicht erfolgt.

    Wozu auch, im Rat reicht der Beweis durch Fußaufstampfen, da können Fakten nur verwirren.

    Von daher gehe ich fest davon aus, das es morgen nicht zu einem Beschluss kommen wird, der die Situation an der westlichen Hauptstraße verbessern wird.

    Ansonsten ein sehr schöner, umfassender Artikel zur Verkehrssituation in Bergisch Gladbach.