Gemeinsam für die Pfingstkirmes: Burkhardt Unrau und Lutz Urbach

Der Junge Unternehmer Club (JUC) ist in Bergisch Gladbach seit 1991 eine Institution. Die damals tatsächlich noch jungen Unternehmer wollten sich gegenseitig helfen, aber auch Gutes für die Stadt Bergisch Gladbach tun. Mehr als 110.000 Euro haben sie seither durch die verschiedensten Aktionen für den guten Zweck eingesammelt, listen sie in einer Chronik auf. In der Regel mit großem Wohlwollen der Politik und Verwaltung.

Doch im Moment hängt der Haussegen schief. Zwischen JUC und Bürgermeisteramt kracht es seit einigen Wochen vernehmlich. Das wurde zum ersten Mal beim legendären Kirmespony-Streit deutlich, als Bürgermeister Lutz Urbach ein Ende dieses Vergnügens auf dem Rücken der kleinen Pferde ankündigte – und Burkhardt Unrau, JUC-Vorsitzender und Kirmes-Lobbyist reagierte, indem er unter der Flagge des JUC Gratischips für das Ponyreiten verteilte.

Die JUC-Spitze: Horst Steinfeld, Burkhardt Unrau, Markus Lüttgen

„Ausufernde Bürokratie“ lähmt gesellschaftliches Engagement

Dass es sich dabei nicht um ein kurzes Gewitter handelte, wurde jetzt durch eine Pressemitteilung deutlich, die Unrau und sein Vize Markus Lüttgen am Dienstag verschickten. Darin wird „der Stadtführung“ vorgeworfen, das Engagement des JUC durch „ausufernde Bürokratie“ zu lähmen. Namen werden nicht genannt, aber es ist klar, dass das auf Urbach zielt.

Dabei müssen die Kontrahenten eigentlich noch eine Weile miteinander auskommen: Unrau wurde gerade für fünf Jahre wiedergewählt, Urbach gar für sechs.

Spenden-Gala abgesagt

Auslöser der aktuellen Kontroverse ist ausgerechnet eins der aktuellen Highlights unter den JUC-Veranstaltungen – dem  „Großen JUC-Spenden-Treff“. Dreimal trafen sich bei dieser After-Work-Party im Autohaus Lüttgen an der Odenthaler Straße bislang   „Netzwerker, Macher und Spendenwillige bei Kölsch vom Fass, Imbiss und Live-Musik zu einem Wohltätigkeitstreffen“, wie es beim JUC hieß – und spielten so 10.000 Euro für „Bürger für uns Pänz“ ein.

Die geplante nächste Spenden-Gala sagt der JUC jetzt per Pressemitteilung ab – und greift die Stadtspitze dabei an:

Die JUC-Mitglieder benötigen auch die Unterstützung der Stadtführung, um sich neben ihrer Unternehmertätigkeit solchen Aufgaben widmen zu können, und diese Unterstützung wird immer stärker vermisst.

Es wird zunehmend schwerer zu helfen und Gutes zu tun. Die Umsetzung vieler guter Ansätze des JUC verläuft enttäuschend, Gespräche werden nicht lösungsorientiert geführt und ausufernde Bürokratie lähmt Kreativität sowie Engagement und sorgt für Unmut. Über einige Fragen wird mittlerweile mit der Stadt regelrecht gestritten.

In einer solchen Atmosphäre ist es den JUC-Mitgliedern leider nicht möglich, neben dem Geschäftsalltag Aktionen zu planen, zu organisieren und mit der Begeisterung, die für den Erfolg solcher Aktionen notwendig ist, durchzuführen.

Daher benötigt der JUC einige Zeit, seine Aktivitäten zu überdenken und möglicherweise neu auszurichten. Mit tiefem Bedauern der Mitglieder wird daher der 2. JUC-Spenden-Treff in 2014 nicht durchgeführt.

Dem JUC wurde von exponierter Stelle bescheinigt: „Wir in Bergisch Gladbach brauchen Euch!“ Leider sieht es danach derzeit nicht aus.“

Die Premiere des Spendentreffs. Foto: Screenshot

Die Spenden-Gala ist nur der letzte Stein des Anstosses. Auch beim Stadt- und Kulturfest am kommenden Wochenende nimmt der JUC zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht teil.

Kein Rückzug in die Schmollende

Dennoch legt Unrau Wert auf die Feststellung, dass sich der Club keineswegs zurückziehen wolle. Die derzeit 22 Mitglieder seien sich jedoch einig, dass nach vielen Unstimmigkeiten der letzten Zeit jetzt ein deutliches Zeichen gesetzt werden müsse, sagte er dem Bürgerportal. Man werde sich eine Auszeit nehmen, eine Bestandsaufnahme vornehmen und dann – womöglich mit ein paar Änderungen – weiter machen.

Auch Bürgermeister Urbach wartet erst einmal ab. Solange die allgemeinen Vorwürfe nicht begründet würden, teilte er mit, können er schlecht Stellung nehmen.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Wie heißt es so schön? “Ich bin unzufrieden mit der Gesamtsituation.”
    Solange Herr Urbach nicht begreift, dass sich diese unter seiner Herrschaft für viele Menschen in Bergisch Gladbach verschlechtert hat. Während er einige wenige hofiert und von diesen ebenso hofiert wird, wird sich an dieser Aussage, der sich jetzt auch der Jungunternehmerclub angeschlossen hat nichts ändern. Hilfreich wäre es vielleicht er würde einmal von seinem hohen Ross zurück auf den Boden der Tatsachen kommen, anstatt bei jeder Gelegenheit immer nur von “nicht begründeten allgemeinen Vorwürfen reden, zu denen er schlecht Stellung beziehen könne.”