Herwi bietet für den Deutschunterricht sehr viele Lehrer auf

Schon seit langem leistet die Initiative „Herwi” eine sehr intensive und wichtige Aufbauarbeit: Deutschunterricht für die Flüchtlinge, die zu alt für die Schule sind. Ursprünglich von Klaus Farber in Herkenrath gegründet hat Herwi seinen Arbeitsbereich längst ausgeweitet und wird bald auch in Refrath tätig. Und natürlich beschränken sich die Ehrenamtler nur auf den Unterricht: sie betreuen ihre Schützlinge intensiv – und können von vielen gemeinsamen Aktionen berichten.

Die Fragen beantwortet Klaus Farber.

Name der Initiative:
Herwi – für „Herzlich willkommen” in Herkenrath

Wer sind die Ansprechpartner, wie sind Sie zu erreichen? 
Träger: Freiwilligenbörse
Projektleiter: Klaus Farber, kgfarber@t-online.de

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?
Handlungsorientierter Sprachunterricht für erwachsene Flüchtlinge.

Was machen Sie konkret? 
Wir haben fünf Klassen mit jeweils sieben bis elf Flüchtlingen und vier bis fünf Lehrern. Hinzu kommt eine Alphabetisierungsklasse mit sechs Lehrern und eine Kindergruppe mit sieben  Betreuern.

Herwi bietet für den Deutschunterricht sehr viele Lehrer auf

Was können Sie besonders gut?
Das Projekt läuft sehr gut. Sowohl die Flüchtlinge als auch die Sprachlehrer und Betreuer sind hochmotiviert. Die komfortable Ausstattung mit vielen Lehrern ermöglicht einen kontinuierlichen Sprachunterricht ohne Unterbrechung, auch wenn mal der eine oder andere Sprachlehrer wegen Urlaub oder Krankheit ausfällt, zum anderen kann sich ein Sprachlehrer bei der inneren Differenzierung intensiv um einen oder zwei Flüchtlinge kümmern, was  die Effektivität der Maßnahme enorm erhöht.

Lesen Sie mehr:
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Wie viele Menschen sind bei Ihnen engagiert?
Wir haben 35 Sprachlehrer, überwiegend (ehemalige) Lehrer an weiterführenden Schulen. Hinzu kommen sieben Betreuer für die Kinder.

Wieviele Menschen betreuen Sie?
57 Erwachsene, zwölf Kinder. Vor allem im Hotel Hamm in Herkenrath, aber auch in zwei anderen Einrichtungen.

Mit wem kooperieren Sie?
Mit der Freiwilligenbörse. Mit Manuela Müller im Hotel Hamm. Mitglieder des Integrationsrates werden einbezogen als Dolmetscher, bei Kontakten  zu Moscheen oder christlichen Kirchen oder als Helfer bei Behördengängen.

Wie sind Sie ausgestattet?
Durch einige Spenden und die Verdoppelung von Spenden durch die Bethe-Stiftung gibt es keine finanziellen Probleme bei der Beschaffung von Unterrichtsmaterialien oder Ausflügen usw.

Womit kann man Ihnen helfen?
Für unseren Sprachunterricht in Herkenrath, ab Oktober auch  in Refrath, können wir immer noch Sprachlehrer  brauchen. Je mehr Sprachlehrer wir haben, um so intensiver können wir den Unterricht anbieten. Das Bildungsgefälle ist sehr groß. Neben den Analphabeten sprechen mehr als die Hälfte zum Teil sehr gut Englisch und die Mehrheit hat einen abgeschlossenen Beruf, zum Teil eine Hochschulausbildung.

Wo sehen Sie Probleme bei der Flüchtlingshilfe konkret in BGL?
Die Probleme hier vor Ort sind die gleichen wie in den meisten Kommunen: nicht genügend Unterbringung, zu wenig finanzielle Unterstützung des Landes bzw des  Bundes, was sich ja wohl jetzt etwas ändern wird und zu große Rechtsunsicherheit für die Flüchlinge (Anerkennung oder Abschiebung). Wir haben jetzt zum Beispiel ein mazedonisches Ehepaar mit Kindern, die sind seit elf Monate in Bergisch Gladbach, die Kinder können schon sehr gut Deutsch, der Vater könnte als Metzgermeister eine Stelle bekommen, aber jetzt werden sie abgeschoben.

Worüber ärgern Sie sich im Rahmen Ihrer Arbeit?
Hier muß ich passen. Ich bin völlig begeistert, dass in einer relativ konservativen Stadt wie Bergisch Gladbach eine so große Zahl von Bürgern spontan ihre Hilfe anbieten.

Was wurde nicht gefragt, sollte aber dennoch gesagt werden?
Es gibt inzwischen eine große Zahl von Bürgern aus Bergisch Gladbach und von Sprachlehrern, die persönliche Kontakte zu Flüchtlingen geknüpft haben mit vielfältigen gemeinsamen Aktionen wie Einladungen zum Essen, Spazierengehen, Wanderungen, Sport, zusätzlichem Einzelunterricht in Deutsch, Hilfe bei Behörden , Schulen und Kindergärten, Kinderbetreuung usw.

So sind schon mehr als 14 Patenschaften entstanden, Flüchtlingsfamilien oder Einzelpersonen werden regelmäßig von deutschen Familien zum Essen, zu Ausflügen oder Spaziergängen eingeladen. Zwei  junge deutsche Frauen mit Kleinkindern haben zwei junge Nigerianerinnen mit ihren kleine Kindern aufgenommen und treffen sich regelmäßig mit ihnen. Ein Bekannter lernt bei einem unserer syrischen Flüchtlinge arabisch und hilft ihm wiederum beim Deutschunterricht, joggt mit ihm und lädt ihn zu Essen ein.

Beim jährlichen Kirschblütenlauf (10 km)  in Bergisch Gladbach, an dem mehrere Hundert Bürger der Umgebung teilnehmen, beteiligten sich vier unserer Eriträer und gewannen auch Preise.

Ein Ponyhof in der Nähe lud 14 unserer Flüchtlingskinder mit Eltern und Betreuern von Herwi  kostenlos zum Reiten, Spielen und Kaffeetrinken ein.

Herwi vermittelte ca. zehn junge Flüchtlinge zu Fußball- und Sportvereinen. Ein Lehrer von Herwi vermittelte zwei  junge Flüchtlinge ins Albertus-Magnus-Gymnasium in Bergisch Gladbach. Und das sind nur Beispiele aus einer langen Liste von gemeinsamen Aktionen und Vermittlungen.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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