Der Doppelbart mit den Stadt-Panoramen

Orna Ben-Ami mit dem „Schlüssel der Freundschaft” am Ganey-Tikva-Platz in Hebborn

Mehr als drei Meter hoch, geschmiedet aus gut fünf Zentimeter dickem Eisen ist der Schlüssel, der heute auf dem Ganey-Tikva-Platz hinter der Kirche zum Heilsbrunnen aufgestellt wurde. Anstatt eines Bartes hat der riesige rostige Schlüssel gleich zwei: je einer in Form von Gebäuden und Symbolen der Stadt Bergisch Gladbach und der Partnerstadt Ganey Tikva. Denn die Skulptur der rennomierten Künstlerin Orna Ben-Ami ist ein Geschenk der israelischen Stadt und soll die Freundschaft weiter festigen.

„Ich finde es großartig, dass ich hier in Deutschland ein Stück meiner eigenen traurigen Familiengeschichte aufgreifen und in Kunst verwandeln kann, die zu einer neuen Freundschaft beiträgt”, erläutert Ben-Ami bei einem Pressegespräch.

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Der „Key to friendship” vor der Kirche zum Heilsbrunnen

Am Anfang, so die Künstlerin aus Ganey Tikva, „standen für mich zwei Begriffen: Der ‘Stadtschlüssel’ und der ‘Herzensschlüssel’”. Daraus habe sie die Idee eines „Schlüssels der Freundschaft” entwickelt und mit den eigenen Händen und einem Schweißgerät in die Realität umgesetzt.

Die Bärte des Schlüssels zeigen Gebäude und Symbole der Partnerstädte

So etwas, da ist sich Ben-Ami sicher, kann nur ein Künstler. Und überhaupt: „Wir Künstler sollten die Welt lenken, denn wir sind kreativ und nicht zerstörerisch”.

Einladung: Einweihung am Sonntag
Die Schlüssel-Skulptur von Orna Ben-Ami wird am Sonntag auf dem Platz hinter der Kirche zum Heilsbrunnen in Hebborn am 11. September um 11:30 Uhr der Öffentlichkeit übergeben. Gleichzeitig wird der bislang namenlose Platz offiziell zum „Ganey Tikva-Platz”. Dazu werden die Bürgermeister beider Städte erwartet.

Bereits am Samstag dem 10.9. wird der „Platz der Partnerstädte” am S-Bahnhof eingeweiht.

Hintergrund: Skulpturentausch
Zunächst hatte Ganey Tikva beschlossen, Bergisch Gladbach eine Skulptur zu schenken, um die Freundschaft der beiden Städte zu bekräftigen. Damit wurde Orna Ben-Ami beauftragt.

Im Gegenzug schenkt Bergisch Gladbach der Partnerstadt die Jachad-Skulptur von Helmut Brands. Dabei handelt es sich um eine Dreiergruppe, die man auch so interpretieren könne, dass „jede einzelne für die angestrebte Dreierbeziehung Bergisch Gladbach – Ganey Tikva – Beit Jala steht.”

„Jáchad“ verabschiedet sich nach Ganey Tikva

Bergisch Gladbach unterhält nicht nur zu Ganey Tikva, sondern auch zu der palästinensischen Stadt Beit Jala eine Städtepartnerstadt und hatte zwischenzeitlich Hoffnungen, dies zu einem dreiseitigen Austausch ausbauen zu können.

Im Vorfeld hatte es hinter den Kulissen auch Fragen gegeben, warum sich Ben-Ami ausgerechnet das Symbol eines Schlüssels ausgewählt hatte, weil er bei den Palästinensern ein wichtiges Symbol für die Vertreibung und die Hoffnung auf die Rückkehr in ihre Häuser darstellt. Daran, sagt Ben-Ami jetzt auf diese Frage, habe sie bei der Konzeptions des Freundschaftsschlüssel „nicht einen Augenblick gedacht”.

Geschenk aus Ganey Tikva sorgt für Gesprächsstoff

Die Künstlerin kennt die Lage der Palästinenser sehr genau und versucht mit ihrer Arbeit immer wieder Brücken zu schlagen. Bekannt ist ihre Skulptur auf einem zentralen Platz von Ganey Tikva: ein arabische Sandale und ein jüdischer Schlappen sitzen wie ein Paar einträchtige nebeneinander.

Skulptur von Orna Ben-Ami in Ganey Tikva. Foto: Screenshot

Der Auftrag für dieses Werk, so Ben-Ami, bestand darin, den Begriff „Hoffnung” darzustellen. Und sie wählte das unterschiedliche Schuhwerk, weil es für Menschen steht, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen und friedlich zusammen leben. Genau das bedeute für sie Hoffnung.

Die gigantischen Hüte in einer Wand des Busbahnhofs in Jerusalem. Foto: Orna Ben-Ami

Eine weitere der bislang 39 Skulpturen der Künstlerin im öffentlichen Raum hängt an einer Wand des Busbahnhofs in Jerusalem: gigantische Hüte, die offenbar christlichen, muslimischen, orthodoxen und vielen anderen Gläubigen gehören. Ein paar Haken sind noch frei – für Neuankömmlinge.

Lesen Sie mehr:
Website von Orna Ben-Ami
Rotary Club unterstützt Kunstaustausch mit Ganey Tikva
Alle Beiträge über Ganey Tikva
Website des Ganey Tikva-Vereins, Facebook

Mit Flüchtlingen beschäftigt sich Ben-Ami auch aktuell in einem riesigen Projekt, das vielleicht bei der Uno in New York ausgestellt wird: großformatige Fotos von Flüchtlingen, kombiniert mit Rucksäcken, Beutel, Koffern oder auch Puppen aus Eisen. „Das Phänomen der Flucht kann ich als Künstlerin einfach nicht ignorieren.”

Manchmal denkt Ben-Ami auch um die Ecke. Einen Auftrag zum Thema „Offenes Haus” setzt sie in Form eines Obdachlosen um, der unter einer Decke aus Eisen schläft. „Wenn es ein offenes Haus gegeben hätte, wäre es soweit nicht gekommen.”

Open House. Foto: Orna Ben-Ami

Die Hoffnung, dass die Zukunft besser wird, auch in Nahost, gibt Ben-Ami nicht auf. „Mein Traum ist es, dass irgendwann ein Austausch von Skulpturen zwischen Israel und Palästinern möglich ist.”

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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