So soll die Skultur auf dem Ganey-Tikva-Platz in Hebborn aussehen
So soll die Skultur auf dem Ganey-Tikva-Platz in Hebborn aussehen

So soll die Skulptur auf dem Ganey-Tikva-Platz in Hebborn aussehen

Eigentlich soll die große Politik bei den Städtepartnerschaften Bergisch Gladbachs keine Rolle spielen. Aber schon die Tatsache, dass die Stadt sowohl mit Ganey Tikva in Israel als auch mit Beit Jala in Palästina eine Partnerschaft unterhält ist ein politisches Statement – und mitunter haben Stadt und Partnerschaftsvereine vorsichtig versucht, einen Dialog im Dreieck zu fördern. Eine Schenkung aus Ganey Tikva stellt das fragile Beziehungsgeflecht jetzt auf die Probe.

Der erste Entwurf von Orna Ben-Ami

Der Stadtrat von Ganey Tikva hatte beschlossen, Bergisch Gladbach eine Skulptur zu schenken, um die Freundschaft der beiden Städte zu bekräftigen. Die international renommierte Künstlerin Orna Ben-Ami aus Ganey Tikva wurde beauftragt – und sie lieferte einen Entwurf in Form von zwei einander zugeneigten, 2,5 Meter hohen Stelen: offenbar freundschaftlich verbundene Personen.

Der Rat nahm diese Schenkung im September 2015  einstimmig an. In der Beschlussvorlage wird die Skizze gezeigt und darauf verwiesen, dass Künstler in Ganey Tikva eine hohe Gestaltungsfreiheit besitzen.

Im Gegenzug schenkt Bergisch Gladbach der Partnerstadt die Jachad-Skulptur von Helmut Brands. Dabei handelt es sich um eine Dreiergruppe, die man auch so interpretieren könne, dass „jede einzelne für die angestrebte Dreierbeziehung Bergisch Gladbach – Ganey Tikva – Beit Jala steht”, heißt es in der Beschlussvorlage.

Die neue Skizze

Im Herbst soll das Kunstwerk auf dem Ganey-Tikva-Platz vor der Kirche zum Heilsbrunnen in Hebborn enthüllt werden.

Allerdings hat Orna Ben-Ami ihre Gestaltungsfreiheit genutzt und in der Zwischenzeit das Motiv gewechselt. Neue Skizzen zeigen unter dem Titel „Ein Schlüssel zur Freundschaft” eine Stahlskulptur in Form eines Schlüssels: die beiden Bärte des Schlüssels stehen für die jeweilige Skyline der Partnerstädte. Auf der einen Seite ist Ganey Tikvas Wasserturm zu erkennen, die deutsche Seite zeigt unter anderem einen Tannenbaum.

Der Rat von Ganey Tikva entschied sich für diese neue Skulptur, da sie die Städtepartnerschaft in einer einzigartigen und unverwechselbaren Weise darstelle. „Der neue Ganey Tikva-Platz in Bergisch Gladbach ist der geeignete Ort für diese Skulptur. Dieser einzigartige Entwurf macht unsere Städtefreundschaft sichtbar und betont unsere enge Beziehung,“ sagte Bürgermeisterin Lizy Delaricha.

Ein Schlüssel passe, so der Partnerschaftsverein Ganey Tikva, weil er weltweit als Symbol für Türen stehe, die verschlossen bzw. aufgeschlossen werden können. Diese Skulptur trage den Titel „A Key to Friendship“, weil die Kultur Türen für die Freundschaft zwischen den Partnerstädten öffnet.

Das neue Motiv war am 8. März 2016 im Stadtrat Gegenstand einer Mitteilungsvorlage, in der die Skizzen enthalten sind und die ohne große Aussprache zur Kenntnis genommen wurde.

Nachdem der neue Entwurf bekannt geworden war tauchten Fragen auf. Zum Beispiel, ob den Beteiligten bewusst sei, dass der Schlüssel im Nahost-Konflikt auch eine andere, sehr prominente Rolle spielt. Für die Palästinenser symbolisiert der Schlüssel die Hoffnung, eines Tages in ihre Häuser zurückzukehren, aus denen sie vertrieben worden sind.

Axel Becker, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins mit Beit Jala, erläutert: „In Beit Jala – wie in Palästina überhaupt – ist der Schlüssel verbunden mit der Erinnerung an Flucht, Vertreibung und Entwurzelung durch die Vorgänge von 1948, als 800.000 Palästinenser ihre Heimat verloren haben. Dieses Ereignis wird als „Nakbah“ („Katastrophe“) bezeichnet. Viele palästinensische Menschen empfinden das Fortwirken der Nakbah in der noch immer andauernden Besetzung ihres Landes durch die israelische Armee als sehr schmerzlich.”

Auf den jährlichen Begegnungsreisen nach Beit Jala seit 2003, so Becker weiter, seien die Teilnehmer diesem Symbol immer wieder begegnet, „in Darstellungen in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf Mauerbildern, aber auch in der Hand von Menschen, die die Vertreibung miterlebt haben.”

In den vergangenen Wochen haben sich nun mehrfach Bürger an die Partnerschaftsvereine und die Stadtverwaltung gewandt, und auf diese Symbolik hingewiesen. Einige Bürger, die sich allerdings nicht öffentlich äußern wollen, halten das Symbol mit Blick auf die palästinensische Partnerstadt für schlecht gewählt.

Der Partnerschaftsverein Beit Jala sieht jedoch keinen Grund, sich gegen die Skulptur zu stellen. Sondern im Gegenteil als willkommenen Gesprächsanlass: „Ein solches Symbol im öffentlichen Raum der Stadt Bergisch Gladbach, wird daher einladen, nicht nur über die Freundschaft mit den Menschen in Ganey Tikva, sondern auch über die Bedeutung des Schlüssels in Beit Jala als Erinnerung an das Schicksal der Palästinenser nachzudenken.”

Skulptur von Orna Ben-Ami in Ganey Tikva. Foto: Screenshot

Auch der Ganey-Tikva-Verein sieht keine Veranlassung, die Schenkung in Frage zu stellen. Geschäftsführerin Susanne Schlösser betont, dass die Künstlerin Orna Ben-Ami in ihren Arbeiten immer wieder das friedliche Zusammenleben von Juden und Arabern thematisiert hat.

Ben-Amis Atelier befindet sich mitten in einem arabischen Viertel, auf einem Kreisel in Ganey Tikva steht eine besonders anrührende Skulptur: ein arabische Sandale und ein jüdischer Schlappen sitzen wie ein einträchtiges Paar nebeneinander.

Lesen Sie mehr:
Website von Orna Ben-Ami
Rotary Club unterstützt Kunstaustausch mit Ganey Tikva
Alle Beiträge über Ganey Tikva
Website des Ganey Tikva-Vereins, Facebook
Alle Beiträge über Beit Jala
Für trilaterale Begegnungen ist die Zeit nicht reif
Erst recht: Palästinenser und Israelis spielen gemeinsam
Website des Beit Jala-Vereins

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ich finde es sehr erfreulich, dass Ganey Tikva und die Künstlerin Orna Ben-Ami mit der ausdrucksstarken Schlüssel-Skulptur ein Zeichen der Freundschaft setzen. Mein Vorschlag (wenn das nicht ohnehin angedacht ist): Bei der Enthüllung sollte darauf hingewiesen werden, dass der Schlüssel ein Symbol sowohl für offene Türen als auch für das Recht auf Rückkehr in die eigene Heimat ist – überall auf der Welt, aber eben auch für die Menschen im besetzten Westjordanland. Dieser Hinweis könnte auch auf einer Info-Tafel zur Skulptur für künftiges Gedenken festgehalten werden. Das entspräche ganz dem Geist der friedensstiftenden Dreiecks-Partnerschaft GL-Ganey Tikva-Beit Jala.