Auch in Bergisch Gladbach ist die böse Modeerscheinung, als Clown verkleidet und mit Baseballschlägern bewaffnet die Menschen zu verschrecken, zu bedrohen oder gar zu verprügeln, angekommen. Die Polizei berichtet von einem ersten Vorfall am Montagabend in Hebborn.

Demnach war ein 13-jähriges Mädchen gegen 18:40 Uhr mit dem Fahrrad auf der Straße Am Heidetor neben dem Hebborner Friedhof unterwegs. Am Waldrand habe sie einen maskierten Clown erkannt, der einen Baseballschläger in der Hand gehalten habe.

Das Mädchen, so berichtet jetzt die Polizei, habe intuitiv richtig reagiert: Sie drehte und fuhr auf einem Umweg nach Hause. Die Eltern informierten die Polizei, die zwar sofort ausrückte, aber den Maskierten nicht mehr finden konnte.

Zahlreiche (meist harmlose) „Vorfälle mit Clowns” in NRW

Bereits am Sonntagabend war in Wermelskirchen eine Person mit einer weißen Maske aufgefallen, die mit einem Messer bewaffnet gewesen sein soll. In Gummersbach hatte ein Horror-Clown ebenfalls mit Baseballschläger bewaffnet Autofahrer erschreckt.

Die Polizei in NRW sprach bereits von „110 polizeibekannte Vorfälle mit Clowns”. Allerdings handelt es sich nach Informationen des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes in den meisten der 110 Fälle wie in Bergisch Gladbach um Clownsichtungen. In einigen Fällen wurden Passanten bedroht, in weniger als zehn Fällen kam es zu körperlichen Übergriffen, ein Mann erlitt etwa eine leichte Schnittwunde, ein Jugendlicher wurde bei einem Gerangel geschlagen. In einem Fall fiel ein Mann vor Schreck vom Rad.

Diese merkwürdige Bewegung ist aus den USA nach Deutschland gekommen und in den vergangenen Tagen zu einem weit verbreiteten Phänomen geworden.

Innenministerium spricht von sadistischem Verhalten

Das nordrhein-westfälische Innenministerium nimmt die Aktionen auf jeden Fall ernst:  „Es ist kein Spaß, andere Menschen verkleidet und manchmal sogar bewaffnet zu erschrecken. Sondern einfach nur sadistisch, wirr und gefährlich”, sagte ein Sprecher von Innenminister Ralf Jäger (SPD). Die NRW-Polizei nehme das Problem deshalb sehr ernst. Sie warnt allerdings auch vor einer Hysterie, die zu noch mehr Nachahmern führe.

Auch die Polizei im Rheinisch-Bergischen Kreis will vor und zu Halloween verstärkt auf den Straßen Präsenz zeigen.

Ein Sprecher der Kölner Polizei appellierte vor wenigen Tagen an den gesunden Menschenverstand: „Wir werden wie schon an Karneval sicher auch keine Kostüme verbieten, aber wir appellieren bei der Kostümwahl an den gesunden Menschenverstand.”

Der Psychologe Jens Hoffmann vom Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt sprach in diesem Zusammenhang von einer „sadistischen Motivation” mancher Täter. Seiner Einschätzung nach könnte die Zahl der Übergriffe vor Halloween steigen – und warnte vor Nachahmungseffekten.

Polizei lobt Verhalten

Im Zusammenhang mit dem Fall in Hebborn lobt die Polizei RheinBerg ausdrücklich das vorausschauende Verhalten des Mädchens. Sie habe sich genau so verhalten, wie ein Einzelner reagieren könnte, wenn er auf einen dieser sogenannten Horror-Clowns trifft.

Heldentum, so die Polizei, sei in diesen Fällen nicht angezeigt. Bei erkannten Gefahren sollte diesen aus dem Weg gegangen werden. Einer Gefahr bewusst aus dem Wege zu gehen, sei kein Zeichen von Feigheit, sondern zeuge von einem gesunden Menschenverstand.

Darüber hinaus gibt die Polizei folgende Ratschläge: 

  • Auch wenn sie keine unmittelbare Gefahr für sich oder andere sehen gilt: Wählen sie sofort den kostenfreien Notruf 110 und geben sie so der Polizei die Möglichkeit, den oder die Maskierten zu überprüfen.
  • Wenn der Gefahr nicht ausgewichen werden kann, versuchen sie Öffentlichkeit zu erzeugen. Lautes Schreien und eine Gemeinschaft mit anderen Passanten schaffen, kann den vermeintlichen Angreifer
    eventuell in die Flucht schlagen.
  • In letzter Konsequenz ist eine Flucht immer einer körperlichen Auseinandersetzung vorzuziehen.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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