Ein historisches Foto: Hotel „Haus Pohle” im August 2015, unmittelbar vor der Umwandlung in eine Flüchtlingsunterkunft

Die Stadtverwaltung denkt darüber nach, die Flüchtlingsunterkunft Haus Pohle in Schildgen zu schließen. Mitarbeiter der Sozialverwaltung hatten im Gespräch mit Vertretern der Kirchengemeinden und der Flüchtlingsinitiativen vor Ort bereits über eine Schließung gesprochen. In diesem Zusammenhang war auch davon die Rede, auf dem Gelände des von der Stadt angekauften früheren Hotels ein neues Feuerwehrgerätehaus zu errichten.

In einer offiziellen Stellungnahme betont die Stadtverwaltung aber, dass es dazu keinerlei Entscheidungen gebe. Auf die Frage, ob der Jahreswechsel ein realistischer Termin für ein Schließung sei, heißt es: „Nach derzeitiger Planung wird Haus Pohle für die Flüchtlingsunterbringung weiter genutzt. Es gibt keinen Termin für eine mögliche Räumung.”

Zum Thema Feuerwehrgeräthaus macht die Verwaltung keine Angaben.

Wie es mit den Unterkünfte weiter geht, berät die zuständige Task Force in der Verwaltung bei ihrer routinemäßigen Sitzung an diesem Donnerstag. Am gleichen Tag will die Stadt die Presse ausführlich über das Thema Flüchtlinge unterrichten, teilt die Verwaltung mit.

Neue Bewegung in der Unterbringungsdebatte

Klar ist aber, dass die Debatte über die Flüchtlingsunterbringung wieder in Bewegung kommt. In den vergangenen Wochen sind 40 Flüchtlinge neu zugewiesen worden. Seit Ende Januar galt ein weitgehender Zuweisungsstopp.

Derzeit spricht die Verwaltung mit der zuständigen Bezirksregierung über weitere Zuweisungen – denn mit der Schließung der Landesunterkünfte vor allem in der Turnhalle Feldstraße ist die Stadt wieder deutlich hinter ihren formalen Verpflichtungen zurück gefallen.

Einerseits liegt die Zahl der untergebrachten Flüchtlinge (laut Angaben der Stadtverwaltung) derzeit mit 1361 weit unter den bis zu 2200 Personen, mit denen zwischenzeitlich kalkuliert wurde. Daher werden auch die Flüchtlingskosten weitaus geringer ausfallen, als im Frühjahr noch angenommen. Die Bezirksregierung Arnsberg gibt die Zahl zum 1.10. sogar mit nur 1142 an.

Der Bau neuer Unterkünfte erscheint auf der Basis dieser Zahlen nun als überdimensioniert. Zwar sind die Turnhallen in der Feldstraße, in Sand und in Refrath schon im Sommer zurück gegeben worden. Doch die Hallen in Katterbach stehen im Moment zu großen Teilen leer.

Das Containerdorf an der IGP in Paffrath ist mit rund 150 Personen gut belegt, das neue Containerdorf in Lückerath mit 300 Plätzen fast fertig. Zudem sind viele Familien in angemieteten Wohnungen untergebracht worden, unter anderem in einem komplett von der Stadt angemieteten Neubau neben dem Pfarrsaal in Heidkamp.

Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Stadtverwaltung über den Betrieb von hastig eingerichteten, zum Teil teuer ausgebauten, aber im Unterhalt schwierigen Unterkünften nachdenkt. Und da erscheinen Haus Pohle und die Hallen in Katterbach zuerst auf dem Radarschirm.

Bergisch Gladbach fällt mit der Quote weit zurück

Andererseits braucht die Stadt Reservekapazitäten. Derzeit verhandelt die Verwaltung mit der Bezirksregierung Arnsberg – und will in dieser Woche darüber informieren,  wann und in welchem Umfang weitere Flüchtlinge zugewiesen werden.

Die Auflösung der Landesunterkünfte in den Turnhallen ist schrittweise in den Berechnungen der Landesregierung berücksichtigt worden. Und damit ist die Stadt bei ihrer Sollquote inzwischen deutlich zurückgefallen.

Zum 1. Oktober, das weist die Bezirksregierung aktuell aus, hat Bergisch Gladbach seine auf der Basis von Einwohnerzahl und Größe berechnete Aufnahmequote nur zu 80,82 Prozent erfüllt.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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