Der Konflikt um die Mountainbike-Strecke im Nussbaumer Wald trägt tragische Züge: Grundsätzlich sind sich die Beteiligten einig, dass diese Freizeitmöglichkeit eine großartige Sache ist. Doch jetzt ist der Zug abgefahren und die Akteure debattieren, wer für den Abriss der Holzbauten verantwortlich ist. Und dafür, dass dieses Biker-Paradies nicht längst legalisiert wurde.

Dabei ist die Beziehung zwischen Betroffenen und Behörden kompliziert. Es gibt gegenseitige Vorwürfe, von denen viele ein wenig zutreffen, aber nur wenige ganz. Ansätze, doch noch zu einer Lösung zu kommen, verschwinden dahinter fast. Also versuchen wir, für etwas Klarheit zu sorgen.

+ Anzeige +

tl,dr – Eine lange Geschichte ganz kurz
Seit Jahrzehnten nutzen die Biker das Gelände in Nussbaum, haben die Anlage immer weiter ausgebaut und einen Verein gegründet. Nur um eine Legalisierung haben sie sich nicht gekümmert. Vor gut zwei Jahren hat der Kreis nach einer einzelnen Beschwerde eine Überprüfung angestoßen. Zuständig war die Bauaufsicht bei der Stadt, die nach einer weiteren Beschwerde durchgriff. Jetzt werden die Aufbauten zerstört – aber es gibt eine Hoffnung, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Unstrittig ist, dass die zum Teil großen Aufbauten im „Nutbush”, von einzelnen Sprungschanzen bis hin zu zwei massiven Sprungtürmen, illegale Schwarzbauten sind. Sie stehen im sogenannten Außenbereich, also außerhalb eines Gebietes das für die Bebauung frei gegeben ist. Und sie sind ohne Baugenehmigung errichtet worden.

Genau dagegen richtet sich die aktuelle Verfügung der Stadtverwaltung, alle Bauten abzureißen – und das wird auch vom Verein der Biker, dem „Dirt Stylers e.V.” nicht in Frage gestellt. Daher sind sie seit Sonntag dabei, die Aufbauten zu demolieren.

Der Abriss hat begonnen

Umstritten ist dagegen, wie es soweit kommen, dass ein über viele Jahr hinweg geduldeter Zustand nie legalisiert, sondern abrupt beendet wurde. Eine Frage, die eine einvernehmliche Lösung belastet.

Bürgermeister Lutz Urbach hat in einer intensiven Debatte in der Facebook-Gruppe „Politik in GL” und in der Kommentarspalte des Bürgerportals die Rolle der Stadt mehrfach klar gemacht:

„Um es ganz klar zu schreiben: Die Stadt ist nicht von sich aus tätig geworden; wir haben die Anlage seit unseren letzten Gesprächen vor ca. sechs Jahren nicht näher betrachtet. Aber: Wir sind vom Rheinisch Bergischen Kreis, der Unteren Landschaftsbehörde, aufgefordert worden, gegen die illegalen Schwarzbauten im Wald einzuschreiten. Wir können das als Stadt nicht ignorieren und mussten tätig werden!”

„Eine weitere Duldung ist nicht möglich, weil die Stadt vom Kreis aufgefordert worden ist, tätig zu werden.”

„Die Untere Landschaftsbehörde (Rheinisch-Bergischer Kreis) hatte uns ja jetzt aufgefordert, gegen die Anlagen vorzugehen.”

Im Detail: Die Stellungnahme des Bürgermeisters

Lutz Urbach erklärte in beiden Foren im Wortlaut: 

„Liebe Biker, liebe Biker-Unterstützer, es ist schwer zu ertragen, dass nun die Stadt (und auch ich) so angegangen werden – da bin ich auch nur ein Mensch.

1. Warum handelt die Stadt gerade jetzt?
Wir sind nicht aus eigenem Antrieb tätig geworden, sondern von der Unteren Landschaftsbehörde (Rheinisch-Bergischer Kreis) dazu aufgefordert worden.

2. Aber es ist doch jahrelang geduldet worden!
Ja, aber das geht nun eben nicht mehr. Dieses Argument wird am Ende auch eher dazu führen, dass es derartige Duldungen nicht mehr geben kann.

3. “Warum kommt man jetzt als Bürgermeister mit der Haftungssache um die Ecke?”
Weil das objektiv ein Problem ist. Die Stadt kontrolliert zum Beispiel auch regelmäßig ihre Spielplätze, ob von den Spielgeräten aufgrund von Defekten, Abnutzung etc. Gefahren ausgehen. Wer trägt denn bitteschön die Verantwortung für die Anlagen im Wald?
Wenn auf öffentlich zugängigen Flächen der Zustand ordnungsgemäß und rechtmäßig ist, dann ist das kein Problem. Wenn es aber einen Zustand gibt, der illegal ist oder auch schlicht gefährdend, dann muss der Eigentümer der Fläche handeln. Das ging vor der Erneuerung der Fußgängerzone z.B. auch der Stadt so. Die Versicherung der Stadt hat dieser eindeutig aufgegeben, den “Holperzustand” zu beseitigen; ansonsten hätte man entstehende Schäden und Ansprüche durch Stolpern nicht mehr übernommen.

4. Eine Genehmigung der Anlagen an dieser Stelle wäre schlicht rechtswidrig. Wir sprechen über Wasserschutzgebiet, Landschaftsschutz, Biotope…
Da kann man sich verweigern, dies zur Kenntnis zu nehmen, das ändert aber nichts an den Fakten.

5. Fazit:
Auch ich persönlich finde es gut, wenn sich Menschen in der freien Natur bewegen und würde mir wünschen, dass es eine Fläche gibt, auf der eine Anlage legal errichtet werden kann. Deshalb habe ich genau das auch in der Sprechstunde am letzten Mittwoch der Gruppe angeboten; nämlich nach städtischen Flächen zu suchen, die das ermöglichen. Eine illegale Anlage genehmigen, das kann die Stadt aber nicht.

Die Kreisverwaltung reagierte überrascht und stellte auf Anfrage des Bürgerportals klar:

„Die aktuelle Entscheidung über die Aufbauten liegt allein beim Bauamt der Stadt.Es gibt keine Anweisung des Kreises an die Stadt, gegen die Aufbauten tätig zu werden.”

Ja was denn nun? Der Widerspruch klärt sich auf, wenn man die Zeitbezüge dahinter kennt. Tatsächlich gibt es keine aktuelle, in den vergangenen Monaten ausgesprochene Anweisung des Kreises. Dieser hatte die Entwicklung zwar angestoßen – aber bereits vor mehr als eineinhalb Jahren. 

Die Chronologie der Ereignisse

Im August 2015 bekommt die Untere Landschaftsbehörde des Kreises aus der Jägerschaft einen Hinweis auf Gefahren für Nutzer und Spaziergänger, Eingriffe in den Landschaftsschutz und nicht genehmigte Bauten im Nussbaumer Wald.

Am 25. August vereinbaren Mitarbeiter von Kreis und Stadt, dass die Untere Bauaufsichtsbehörde (der Stadt) das prüft; das hält der Kreis in einem Schreiben an die Stadt am 26. August 2015 fest; der Brief weist bereits detailliert auf Gefahren vor Ort hin. 

Im Detail: Der Inhalts des Schreibens der Kreisverwaltung
Die Unteren Landschaftsbehörde des Kreises weist die Bauaufsicht der Stadtverwaltung auf diese Sachverhalte hin: Anlegung einer Mountainbikeanlage in Nussbaum, Ende des Ausbaus sei nicht absehbar. Die Benutzung durch Dritte sei nicht gesichert. Das Springen über den Weg und dessen Kreuzung stelle ein weiteres Gefahrpotenzial dar. Im Sinne des Landschaftsrechts seien Beeinträchtigungen der Aue sowie der überbauten und modellierten Standorte zu nennen. Hinzu kommen die Ablagerung von Matratzen und Teppichen sowie deren Einbau in die Ablage sowie weitere Unratablagerung. Ein Großteil der Anlagen dürften baugenehmigungspflichtig sein. Eine Genehmigungsfähigkeit nach Landschafts-, Bau-, Abfall, Forst- und Ordnungsrecht sei zweifelhaft.

Auf dieses Schreiben bezieht sich Urbach, wenn er von einer Aufforderung durch den Kreis spricht.

Tatsächlich ist damit die seit Jahrzehnten bestehende Anlage, über die der Bürgermeister informell schon vor acht (nicht sechs) Jahren mit dem Verein gesprochen hatte, aktenkundig. Weiterhin beide Augen zuzudrücken, wie es die Stadtverwaltung bislang getan hatte, ist nicht mehr möglich. 

Die Dirt Styler sind auch im Winter aktiv. Die Anlagen werden jetzt abgerissen. Foto: Sascha Bamberg

Im Oktober 2015 gibt es eine Ortsbegehung von Kreis und Stadt. Der Vereinsvorsitzende Peter Pröstel war nach eigenen Angaben nicht dabei: Mit dem Verein habe niemand geredet. Dabei seien die Aktiven fast jeden Tag vor Ort, um die Jugendlichen zu betreuen und die Anlage tiptop zu halten.  

Stadt und Kreis einigen sich jedenfalls vor 14 Monaten darauf, dass (vor allem mit Blick auf die Bauten) das Bauamt der Stadt zuständig sei und den Fall in die Hände nehme. Seither ist die Kreisverwaltung nicht mehr selbst tätig gewesen. 

Die Bauaufsicht der Stadt agierte sehr wohl. Das geht aus der  Chronologie hervor, die die Stadtverwaltung zur Verfügung stellt und durch Recherchen des Bürgerportals ergänzt wurde.

Im November 2015 fordert die Bauaufsicht den Eigentümer des Geländes auf, die illegalen Aufbauten zu beseitigen und die Nutzung der Mountainbike-Strecke zu untersagen. Dazu muss man wissen, dass die Strecke auf Privatgelände liegt, der Eigentümer nicht in Bergisch Gladbach wohnt und den Bikern das Gelände seit Jahrzehnten wohlwollend zur Verfügung gestellt hatte. 

Warum reagieren Verein und Eigentümer nicht?

Auf die Aufforderung der Stadt reagiert der Eigentümer nicht. Erst auf eine Erinnerung im Januar 2016  hin meldet er sich bei der Bauaufsicht und sagt zu, die Sache zu klären und dem Verein eine Frist für den Abriss der Bauten zu setzen. 

Das passiert aber offenbar nicht. Weder der Eigentümer noch der Verein rühren sich, niemand spricht bei der Stadt vor. Dabei hat die Verwaltung eigens eine Bauberatung, die Hilfe beim Erstellen von Bauanträgen stellt.

Dafür haben die „Dirt Stylers” zwei Erklärungen. Zum einen habe Urbach doch vor acht Jahren versprochen, sich um die Sache zu kümmern; war also im Bilde. Von den Schreiben der Stadt an den Eigentümer, so der Vereinsvorstand, sei bei ihnen nichts angekommen: „Wir wussten einfach von nichts. In insgesamt 14 Jahren dort im Wald, ohne gravierende Störungen, hat sich der Sport und so unser Vereinsgelände stetig entwickelt.” 

Im Glauben, unter dem Schutz der Duldung zu stehen, wurde viel Zeit und Arbeit investiert, um die Anlagen nach und nach auszubauen Einer der Sprungtürme war zwar abgerissen, aber durch einen stabileren Turm ersetzt worden. Nach Angaben des Vereins, weil der Revierförster zuvor bemängelt hätte, der alte Turm sei nicht standfest genug. 

Anfang Oktober 2016 fragt die Bauaufsicht beim Eigentümer nach. Ohne Reaktion.

Im Oktober 2016 geht die (offenbar erste) Beschwerde eines Bürgers ein; darauf antwortete der Kreis und verwies an die Zuständigkeit der Stadt, die die Beschwerde parallel erhalten hatte.  

Am 17. November 2016 erlässt die Bauaufsicht eine Ordnungsverfügung gegen den Eigentümer: Innerhalb von acht Wochen müssten die Aufbauten verschwunden sein, sonst drohe ein Zwangsgeld von 2500 Euro. 

Im Detail: Die Ordnungsverfügung
Die Ordungsverfügung ist seit Dezember 2016 bestandskräftig. Es sind bauliche Anlagen errichtet worden (Rampen etc.), die planungsrechtlich im Außenbereich (§ 35 BauGB) als sogenanntes sonstiges Vorhaben (§ 35 Abs. 2 BauGB) nicht zulässig und genehmigungsfähig sind, da sie öffentliche Belange beeinträchtigen (§ 35 Abs. 3 BauGB). Hierzu zählen insbesondere die Nr. 1 (Widerspruch zum Flächennutzungsplan), Nr. 2 (Darstellung eines Landschaftsplans), Nr. 5 (Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege).

Am 15. Dezember 2016 schreibt der Anwalt des Eigentümers in Hanau den Verein mit einer lapidaren Aufforderung per Mail an:  „Bitte öffnen Sie diesen Anhang.” Der Anhang enthält die Aufforderung, bis zum 31.12.2016 „die dem Betrieb der Mountainbikestrecke dienenden Aufbauten zu entfernen und die Mountainebikestrecke in den (ursprünglichen) natürlichen Zustand zurück zu versetzen.” Andernfalls werde der Eigentümer das selbst erledigen und die Kosten dem Verein anlasten.  

Die Vereinsaktivisten fallen nach eigenen Angaben aus allen Wolken. Pröstel beantragt sofort einen  Termin beim Bürgermeister und wird für die Sprechstunde im Januar eingeladen. 

Immerhin verlängert der Eigentümer die Abrissfrist bis Anfang Februar. Das Gespräch beim Bürgermeister am 11. Januar 2017 verläuft konstruktiv. Aber an der Tatsache, dass die illegalen Bauten abgerissen werden müssen, ändert sich nichts. Bürgermeister Urbach verspricht, sich um genehmigungsfähige Alternativen auf einem städtischen Grundstück zu bemühen. 

Damit ist auch dem Verein klar, dass kein Spielraum mehr besteht – seit Sonntag, dem 15.1.2017, wird abgerissen.

Mit einem Beitrag aus dem Umfeld der Biker am Sonntagabend in der Facebook-Gruppe „Politik in GL” kommt die Abrissverfügung an die Öffentlichkeit; sofort begann eine heftige Debatte, die auf Facebook und in der Kommentarspalte des Bürgerportals nach wie vor anhält. 

Mit Beiträgen bis in den späten Abend hinein versucht der Bürgermeister, die Position der Stadt zu erklären. Dabei verweist er auf den Kreis (siehe oben) und auf Haftungsfragen. 

Gegenseitige Vorwürfe führten rasch zu einer Verhärtung der Positionen, Anwohner und Biker aus ganz Deutschland meldeten sich, weit überwiegend mit harscher Kritik an der Stadtverwaltung: es sei schon klar, dass die sich an Recht und Gesetz halten müsse. Aber es müsse doch einen Weg geben, die Anlage zu retten – so der Tenor.

Foto: Sascha Bamberg

Im Detail: Das sagen die Anwohner
Im Bürgerportal und auf Facebook melden sich zahlreiche Anwohner, die meisten drücken ihr Bedauern oder Entsetzen über den Abriss aus. Alle Kommentare finden Sie hier und hier im Bürgerportal, auf Facebook, in der Facebookgruppe „Politik in GL”. Einige Auszüge:

Thomas Boschen: Ich bin auch schon als Kind die Hänge da runtergepest, noch bevor die Anlagen gebaut worden sind. Wer hätte denn damals gehaftet, bzw. wer wird in Zukunft haften, wenn die Aufbauten wieder verschwunden sind? Ist es dann auf magische Weise plötzlich wieder in Eigenverantwortung wenn was passiert? Aus rein bürokratischer Sicht ist es doch heute völlig unmöglich solche Anlagen legal zu errichten.

Martin Weißmüller: Als Anwohner führt mein Spazierweg oft durch diese Strecke. Ich finde es großartig, dass sich die jungen Leute dort engagieren und einen tollen Sport ausüben. Haftung bei Unfällen? Wie wäre es mit Eigenverantwortung anstelle amtlicher Maßregelungen?

Olibanjo: Ich wohne seit 1978 in Nussbaum.. Fahre BMX und MTB seit 1984 im diesem Wald …und das soll in 3,5 Wochen vorbei sein??? Ich gehöhre zur alten Generation und mein Herz blutet und man ist den Tränen nah. Wie die Kids im Alter von 12 bis 18 Jahren denken das ihre Strecke zerstört wird muss man nicht mehr erklären oder??? Spend more Trail and Ride on.

Steffen Platzeck: Ich als Anwohner, der die Anlagen nie genutzt hat, war über Jahre beeindruckt von der Eigeninitiative, den geschaffenen Strukturen und der Verantwortung der Fahrer(innen). Und das soll jetzt aufgrund der Bürokratie vorbei sein? Unglaublich, vor allen Dingen wenn man sich vorstellt, was passieren kann, wenn diese Aktivitäten zukünftig unstrukturiert ablaufen können, werden und/oder müssen. Mir fällt dazu nur ‘typisch deutsch’ ein, als wenn wir keine anderen Probleme haben…

Gabeng: Das gleiche erlitt das ‘Hope valley’ in Forsbach/Rösrath vor 3 Jahren. Mein Sohn hatte endlich eine outdoor-Freizeitaktivität, nicht weit von Zuhause, an der frischen Luft und mit viel Körpereinsatz zum Austoben gefunden. Er war GLÜCKLICH, endlich einen Ort, an dem Gleichgesinnte und Gleichaltrige, die er spontan treffen konnte, ohne sich langwierig verabreden zu müssen, gefunden zu haben. Die Anlage musste ein Vierteljahr später restlos abgebaut werden, die Jungs fanden kein neues Gelände, die Stadt Rösrath auch nicht. Das war eine sehr gravierende Erfahrung mit der deutschen Bürokratie und der Macht- und Einfusslosigkeit unserer Jugend. Für meinen Sohn war es unbegreiflich und mir tat es in der Seele weh…

Foto: Sascha Bamberg

Christian Werner: Ich sitze hier und kann nicht mit dem Kopf schütteln aufhören … Ich kenne diese tolle Anlage schon seid Jahren und war sehr oft dort und habe bestaunt was Peter und seine Jungs da geschaffen haben. Oft war ich mit meinen Kindern dort, erst mit den ferngesteuerten Autos. Danach mit den Rädern, mein Sohn hat sein erstes Moutainbike über die Strecke getrieben. Seid Weihnachten ist er stolzer BMX-Rad Besitzer (7Jahre alt) und sein größter Traum war es dort damit zu fahren, als ich ihm heute von dieser Nachricht erzählt habe hat er bitterlich geweint … . Und ich kann mir sehr gut vorstellen das viele der Kids-Teens-Erwachsene die dort mal waren oder anders mit dem Projekt verbunden sind, Tränen vergossen haben und auch noch werden. Egal ob vor Wut oder Enttäuschung!!!!!! (…)

Thomas Denke: Lieber Herr Urbach, meinen ursprünglichen Gedanken, einen ausführlichen, sachlichen Kommentar zu schreiben, habe ich verworfen. Argumente und Ihre Stellungnahme zählen nicht. Ich wundere mich nur, dass wir in unserer Gesellschaft überhaupt noch Menschen finden, die sich als gewählte Vertreter der Bürger permanent unsachlicher Kritik aussetzen und die sich für alles verantwortlich machen lassen, die teils persönlich angegriffen werden. Hierfür meinen Respekt und meinen Dank an Sie.

Robert S.:  Dieses Projekt war toller Beweis dafür, was ohne die Stadtkasse zu belasten, dafür mit viel körperlichem Einsatz der Beteiligten erreicht werden kann. Für mich war es immer beeindruckend wie sich dort Sportler unterschiedlichster Altersklassen und unterschiedlichster Herkunft auf Augenhöhe begegnet sind. Die Stadt sowie der Kreis sollte alles daran setzen dieses wertvolle Projekt zu erhalten, ja sogar zu fördern. Den Jugendlichen fehlt es speziell in Bergisch Gladbach an entsprechenden Alternativen und daran wird sich in Zeiten leerer Kassen so schnell auch nichts ändern. Ich kann nur an alle Beteiligten, den Verein, die Stadt sowie Kreis appellieren, gemeinsam eine sinnvolle Lösung für diesen Standort zu finden. Als ich am Wochenende beobachten habe, wie die Biker ihren mühevoll aufgebauten Park abbrechen mussten, hatte selbst ich als Unbeteiligter, einen dicken Kloß im Hals, wie müssen sich da nur die Erbauer fühlen, Frust, Trauer, Wut…

Michael Jansen: Ich bin in Bergisch Gladbach aufgewachsen und fuhr schon als Jugendlicher im Nussbaumer Wald genau an dem betroffenen Spot Fahrrad. In den Achtzigern fuhr man dort sogar Motocross. Das ist jetzt über 35 Jahre her und ich komme immer noch, zwei mal in der Woche von meinem jetzigen Wohnort in Köln, nach Nussbaum, um an diesem einmaligen Spot mit seiner einzigartigen Atmosphäre zu biken. Dieses Stück Wald mit seinem bike-Spot ist meiner Meinung nach extrem wichtig für Bergisch Gladbach, auch wenn sich die für den Abriss des bikeparks Verantwortlichen Personen dessen womöglich nicht bewusst sind. Sicher kann man sagen das Nussbaum zur Entzerrung einiger sozialer Brennpunkte in der Stadt beigetragen hat. Neben der gemeinsam betriebenen sportlichen Aktivität gab es eine außergewöhnlich gute Verständigung und ein hervorragendes Klima zwischen Jung und Alt und zwischen Sportlern und nicht Aktiven. Hier wurden Werte und soziales Miteinander vermittelt und gelebt. Bergisch Gladbach verliert einen Spot, durch dessen Zerstörung die Konsequenzen noch nicht abzusehen sind. Sicher ist aber, das die vielen biker weiter biken werden…die Frage ist nur wo…vielleicht auf anderen “illegalen Trails”, aber das steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Bürgermeister Urbach hält an seiner Position fest, mit der Einschaltung der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises vor anderthalb Jahren den Ermessensspielraum verloren zu haben. Auch wenn das doof sei, die Verwaltung müsse sich nun mal an die Gesetze halten – von Haftungsfragen mal ganz abgesehen.

Auffällig still verhält sich bei dem Thema bislang die lokale Politik. Weder Ratmitglieder noch Vertreter der Parteien, die in der Facebook-Gruppe in großer Zahl Mitglied sind, meldeten sich zu Wort. Ausdrückliche Aufforderungen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, blieben bislang unbeantwortet.

Es gibt Vorbilder – aber keinen einfachen Weg

Dabei gibt es in der Debatte durchaus konstruktive Ansätze. So meldete sich Helmut Klawitter, Rechtsreferent der Deutsche Initiative Mountain Bike, die sich um die Legalisierung solcher Anlagen kümmert. Er widersprach einer Aussage von Urbach, der geschrieben hatte: „Eine Genehmigung der Anlagen an dieser Stelle wäre schlicht rechtswidrig. Wir sprechen über Wasserschutzgebiet, Landschaftsschutz, Biotope …”

Mit genau diesen Themen müsse man sich beschäftigen, schreibt Klawitter. Aber die Initiative habe schon in vielen Fällen bewiesen, dass das geht – wenn es dafür einen politischen Willen gibt und alle Beteiligten an einem Strang zögen: „Das macht sicherlich mehr Arbeit, als schlicht zu sagen, es gehe nicht und eine Abrissverfügung zu erlassen, aber der Weg lohnt sich.”

Auch Haftungsfragen, die in der Facebookdebatte sehr ausführlich und kontrovers diskutiert worden, ließen sich durchaus klären. 

Als Beispiel führt Klawitter eine Strecke am Schläferskopf in Wiesbaden an, die sich sogar in einem FFH- und Landschaftsschutzgebiet sowie in einem Trinkwasserschutzgebiet befinde. Sechs Jahre lang ist dort verhandelt worden, ist eine alte Strecke komplett abgebaut und mit unbedenklichen Materialien neu errichtet worden, bevor der Regierungspräsident eine Ausnahmegenehmigung erteilte. (Hintergrund)

Drei Optionen für die Dirt Styler

Damit gibt es für die Dirt Styler (und für Bergisch Gladbach) drei Optionen: Nach dem Abriss der illegalen Anlagen stellen sie gemeinsam mit dem Eigentümer bei der Bauaufsicht der Stadt einen Bauantrag für eine neue Anlage – die auch mit Blick auf den Landschafts- und Naturschutz genehmigungsfähig ist. Unter Umständen muss dafür sogar das Baurecht für den Nussbaumer Wald geändert, eine offizielle Sportstätte ausgeschildert oder eine andere Ausnahmeregelung gefunden werden.

Option zwei: Die Stadt findet ein anderes Grundstück für eine neue Anlage. Auch dort müsste das Genehmigungsverfahren durchlaufen werden.

In beiden Fällen gilt: Nach einer Zustimmung der Bauaufsicht kommt der Rheinisch-Bergische Kreis wieder ins Spiel. Denn der muss prüfen, ob eine Nutzung über das normale Maß (etwa durch Spaziergänger hinaus) gegen Belange des Landschafts- oder Naturschutzes verstößt.

Option drei: die Dirt Stylers verzichten ganz auf Rampen und Sprungtürme aus Holz und begnügen sich mit dem, was sie aus Sand aufschütten können. Selbst dann muss der Kreis prüfen.

Zu diesen Optionen will sich die Kreisverwaltung jetzt noch nicht äußern. Aber auch der Kreis sei grundsätzlich nicht gegen solche Anlagen, betont die Sprecherin. Da geht vielleicht noch was.

Weitere Beiträge zum Thema:

Bei den Dirt Stylers im Nussbaumer Wald

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? Dann geben Sie unserer Arbeit einen kleinen Kick und spendieren Sie uns eine Tasse Kaffee: Paypal 

Sie wollen das Bürgerportal dauerhaft unterstützen? Dann werden Sie Mitglied des Freundeskreises, ab 5 Euro im Monat: Steady

Sie bevorzugen Überweisung oder Dauerauftrag? Bitte klicken
Bürgerportal / Bürgerportal – Georg Watzlawek
Verwendungszweck: iGL Freundeskreis / IHR NAME
Postbank, IBAN: DE934401 0046 0151 4684 60
BIC: PBNKDEFF
PDFDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Tolle Worte Herr Jäckel…Damit berühren sie mich sehr…Wenn man sich 14 Jahre was aufgebaut hat mit Blut und schweiss…

  2. Es ist ein schleichender Prozess, aber es stellt sich die Grundsatzfrage, ob und inwiefern die Belange von Jugendlichen in einer alternden Gesellschaft politisch abgedeckt werden oder ob diese immer weiter in den Hintergrund rücken. Dazu habe ich zwei Analysen verfasst, die sich mit dem Thema Restriktionen des Mountainbikens in Baden-Württemberg befassen. Vielleicht können diese auch hier eine Anregung, aber auch als Mahnung, für die Politik darstellen.

    http://waldleaks.de/index.php/meinung/49-demokratieverstaendnis-in-der-alternden-gesellschaft-die-2m-regel-in-baden-wuerttemberg

    http://waldleaks.de/index.php/meinung/51-analyse-die-geheuchelten-demokraten

  3. Seid Bekanntmachung das die Strecke abgerissen werden soll habe ich jeden Artikel verfolgt, eigentlich wollte ich mich aus Emotionalen Gründen nicht äußern, aber ich kann nicht….Ich selber gehe fast täglich dort mit meinem Hund spazieren, habe die „Jungs“ buddeln schwitzen und fahren sehen. Was sie dort geschaffen haben, während andere irgendwo rumhängen, äh chillen,positiv wie negativ, findet nirgendwo eines Sondergleichen. Der Respekt untereinander, die gegenseitige Rücksichtnahme mit Spaziergängern und Hunden ist glaube ich einzigartig.Bei allem Respekt der gesetzlichen Auflagen, aber hier wurde ja offiziell ein Duldungsrecht ausgesprochen.In der Nähe von diesem Bereich ist der uneingezäunte neue Friedwald ja auch ein Thema,hier ist man sehr schnell mit Androhung von Bußgeldern für Hunde ohne Leine. Aber zurück zur Strecke…bezogen auf die Standsicherheit der Bauten hätte man diese auch mal begutachten lassen können, anstelle der Aufforderung des kurzfristigen Abriss hätte man auch erstmal eine vorübergehende Stilllegung anordnen können um nach Alternativmöglichkeiten zur Genehmigung zu suchen. Aber hier nochmal meinen Ausdruck zum allergrößtem Respekt an die „Jungs“ und ihren Helfern, ihr habt was einzigartiges geschaffen und laßt euch nicht entmutigen, jeden Morgen wird es wieder hell….und meinen Apell an alle Beteiligten Behörden……laßt die “Jungs” nicht im Regen stehen versucht alles auszuschöpfen was in der Macht liegt und darüber hinaus.

  4. Ein toller Bericht Herr Watzlawek!
    Allerdings ist es doch traurig, wenn ein Reporter mehr weiß, als unsere Politiker untereinander. Mann hätte uns doch viel früher Aufklären können was Holzaubauten betrifft, dann hätten wir uns den ganzen Ärger erspart.
    Vielen Dank für ihre Mühe!!!