Die Flächen im Vordergrund und den großen Parkplatz hat Zanders verkauft.  Foto: Bergisch Schön

Der Zanders-Eigentümer Mutares hat ein Drittel der Zanders-Flächen an der Gohrsmühle an eine Entwicklungsgesellschaft in Trier verkauft. Jedoch besitzt die Stadt Bergisch Gladbach ein Vorkaufsrecht  und überlegt jetzt, das Grundstück selbst zu übernehmen. Das sei eine „ernstzunehmende Option”, sagte Bürgermeister Lutz Urbach. Allerdings fehlten noch die grundlegenden Informationen: „Zur Zeit kennen wir weder den Vertrag noch den Kaufpreis.“

Die Trierer Industrie- und Gewerbeentwicklungsgesellschaft Triwo bestätigte im Gespräch mit dem Bürgerportal, dass es drei Teilflächen des Industriegebiets An der Gohrsmühle mit einer Gesamtgröße von 130.000 Quadratmeter von der Zanders GmbH erworben hat. Der Kaufpreis wird geheim gehalten.

Zanders-Geschäftsführer Lennart Schley erläuterte in einer Pressemitteilung, man habe mit Triwo „einen langfristig agierenden Immobilienentwickler gefunden, der sofort unsere Ideen aufgriff und Synergien zu unserem existierenden Geschäft bieten kann“. 

Das Gelände am Rande der Innenstadt wird zum großen Teil nicht genutzt. Foto: Bergisch Schön

Mit Vorkaufsrechten der Kommune sei das Unternehmen bei allen Projekten konfrontiert, sagte Triwo-Pressesprecher Dennis Müller. Man hoffe jedoch, das Projekt zu bekommen und habe bereits „sehr positive Gespräche” mit der Stadt und anderen Institutionen geführt, sagte Müller.

Hintergrund: Triwo AG (bitte anklicken)
Die Triwo AG wurde 1972 in Trier als inhabergeführte Familien-Aktiengesellschaft gegründet und habe sich seither nach eigenen Angaben zu einem bedeutenden Unternehmen der Immobilienwirtschaft im Südwesten Deutschlands entwickelt.

Mit den beiden Geschäftsfeldern Projektentwicklung und Asset-Management deckte das Unternehmen fast die ganze Wertschöpfungskette der Immobilie ab. Triwo konzentriere sich aber auf Gewerbeimmobilien. Dabei seien sowohl gemischt-genutzte Büro- und Handelsimmobilien als auch Flächen für Logistik und Produktion im Portfolio.

Das Unternehmen verfüge über einen eigenen Immobilienbestand mit über 850.000 Quadratmeter Mietflächen, die an 1300 gewerbliche Unternehmen vermietet sind. Der gesamte Grundbesitz umfasse knapp zehn Millionen Quadratmeter, darunter sind auch vier Flughafengelände.

Triwo hat viel Erfahrung bei der Revitalisierung alter Industriegebiete, unter anderem auf einem alten Degussa-Gelände in Köln-Hürth oder dem Philipps-Standort „Rothe Erde” in Aachen. In Mannheim haben die Trierer das Vögele-Areal in einen Bildungscampus verwandelt. 

Die verkaufte Fläche entspricht knapp einem Drittel des Gesamtareals der Zanders-Werke, das komplett 360.000 Quadratmeter groß ist. Triwo will den großen Parkplatz im Südosten des Geländes, den Eingangsbereich an der Gohrsmühle mit allen Bürogebäuden sowie daran westlich anschließend ein Areal mit niedrigen Lagerhallen übernehmen. Das zentrale Areal mit etwa 23 Hektar bleibt als Produktions- und Logistikfläche bei der Zanders GmbH. 

Mutares hatte Zanders 2015 vom langjährigen Eigentümer Metsä Board mit dem Ziel gekauft, die Papierproduktion wieder rentabel zu machen und die nicht mehr benötigten Büros und Grundstücksflächen des stark geschrumpften Unternehmens zu vermarkten.

Das Archivfoto zeigt den Haupteingang noch mit dem alten Metsä-Firmenschild

Auch die Bürogebäude gehen an Triwo

8500 Quadratmeter vermietbare Bürofläche werden schon seit mehr als einem Jahr von dem Makler Jones Lang LaSalle angeboten, die ersten sieben Mieter sind bereits mit rund 300 Arbeitsplätzen eingezogen, auch die RBS zieht in diesem Jahr dorthin um. Auch diese Gebäude sollen in das Eigentum von Triwo übergehen. Die Flächen seien zu 60 Prozent vermietet, ein Teil mietet Zanders selbst zurück, sagte Triwo-Sprecher Müller.

Ursprüngliche Pläne, auf dem Gelände einen „Papier-Park” mit anderen Unternehmen der Branche einzurichten, hatten sich nicht realisiert. Triwo wolle aber möglichst Unternehmen ansiedeln, die Teile der Zanders-Infrastuktur nutzen können, heißt es jetzt. Langristig wollen Zanders und Triwo das gesamte Areal Gohrsmühle zu einem „Business Park” entwickeln; das Management des bisherigen Gesamtareals soll möglichst übergreifend erfolgen. 

Foto: Stefan Krill/Bergisch Schön

Gewerbeflächen dringend gesucht

Die zu einem großen Teil brach liegenden Grundstücke sind vor dem Hintergrund der Gewerbeflächen-Knappheit für die Stadt besonders wichtig. In der Diskussion um den neuen Flächennutzungsplan, dessen Vorentwurf sehr große neue Flächen im Außenbereich vorsieht, hatte die Stadtverwaltung das Zanders-Gelände noch ausgeklammert. Die Begründung: man wolle die Rettung des Unternehmens nicht beeinträchtigen. Dennoch war diese Haltung von den Bürgerinitiativen, die sich gegen Gewerbeflächen im Grünen massiv wehren, heftig kritisiert worden.

Die Stadtverwaltung hatte sich jedoch hinter den Kulissen längst intensiv mit dem Grundstück befasst. „Wir sind gut vorbereitet auf diese Situation“, betont Urbach. Die Verkaufsabsichten und auch das Exposé sei seit mehreren Monaten bekannt. Bereits seit November 2015 hätten städtische und externe Experten in regelmäßigen Arbeitssitzungen alle Aspekte des städtischen Eintretens in einen möglichen Kaufvertrag erörtert. Dabei hat die Stadt sowohl mit Zanders als auch mit dem Käufer Triwo gesprochen. 

Standortsicherung von Zanders bleibt erstes Ziel

Der Stadtrat hatte am 3. Mai 2016 beschlossen, vorbereitende Untersuchungen „zur Gewinnung von Beurteilungsgrundlagen über die Festlegungsvoraussetzungen für einen städtebaulichen Entwicklungsbereich” durchzuführen. (Beschlussvorlage, pdf)

Als Ziele einer solchen Festlegung nennt die Stadtverwaltung jetzt „u.a. die Sicherung des Standorts der Papierproduktion inklusive der Arbeitsplätze, die Optimierung von Klärwerk und Kraftwerk, die Neunutzung brachliegender oder nicht produktionsrelevanter Flächen sowie die Sicherstellung der Verträglichkeit künftiger Nutzungen mit Innenstadt, Gesamtstadt und Region.”

Der alte Gohrsmühle-Schriftzug am Werk der von Metsä Board Zanders

Grundstück bringt Nach- und Vorteile für Gewerbe mit sich

Klar ist, dass eine Neunutzung des Grundstücks nicht einfach sein wird. Zum einen verteilen sich die noch von Zanders genutzten Anlagen über dem gesamten Gelände. Zudem sind nach Meinung von Experten einige der Gebäude als Industriedenkmäler schutzwürdig; die Stadt hatte eine Aufnahme auf die Denkmalschutzliste jedoch bislang verzögert.

Drittens wird man mit Altlasten rechnen müssen. Und viertens fehlt dem Grundstück ein Anschluss an die Autobahn; dafür verfügt es über einen Bahnanschluss und liegt in direkter Nähe zum S-Bahnhof, dessen Verbindung nach Köln in naher Zukunft deutlich verbessert werden soll.

Vorkaufsrecht lässt der Stadt zwei Monate Zeit

Formal hat die Stadt jetzt zwei Monate Zeit, die mit dem Vorkaufsrecht verbundenen Rechte und Pflichten zu untersuchen. „Die notwendigen Prüfungen haben wir bereits vor Monaten angestoßen“, betont Urbach. Die Stadt werde sich den Vertrag genau ansehen und dann „noch einmal das gesamte Vorgehen umfassend beleuchten und analysieren”. Nach wie vor stünden die Bemühungen der Stadt „in vorderster Linie unter der Überschrift ‘Standortsicherung‘“.

Grundsätzlich ist es nicht so wichtig, ob Triwo oder die Stadt selbst die Grundstücke bekommt; beide werden dort Gewerbe ansiedeln und möglichst hohe Preise erzielen wollen. Für Triwo stehe die Nutzung für Gewerbebetriebe klar im Vordergrund, eine Wohnbebauung sei allenfalls in geringem Umfang in Randbereichen möglich, sagte Triwo-Sprecher Müller. 

Zwar hätte die Stadtverwaltung (und damit auch der Stadtrat) bei einer eigenen Vermarktung mehr Möglichkeiten, städteplanerische Ziele umzusetzen – aber auch ein privater Käufer muss sich an viele Auflagen halten. Das wird vor allem durch einen neuen Bebauungsplan geregelt werden.

Und last but not least ist offen, wie die hoch verschuldete Stadt den Grundstückskauf finanzieren würde. Nur sie selbst kann das Vorkaufsrecht ausüben, der Umweg über den Stadtentwicklungsbetrieb würde auf rechtliche und steuerliche Probleme stoßen, schreibt KSTA/BLZ.

Das Zandersgelände am südlichen Rand der Gladbacher Innenstadt

Trotz Fortschritte ist die Zukunft von Zanders nicht gesichert

Das Unternehmen Zanders GmbH mit Hauptsitz in Bergisch Gladbach beschäftigte – laut eigener Homepage – zum Zeitpunkt der Übernahme durch die mutares AG im Mai 2015 rund 480 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 90 Millionen Euro.

Seither macht Zanders nach Angaben des von Mutares eingesetzten Geschäftsführers gute Fortschritte. Laut Mutares-Geschäftsbericht 2015 wurde für 2016 ein leichtes Umsatzlplus und eine „wesentliche” Ergebnisverbesserung erwartet. Das Schicksal von Zanders hänge jedoch „von der erfolgreichen Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen” ab.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Untersuchungen zum Zandersgelände seit Mai 2015 und die Bürgerschaft ist völlig uninmformiert? Zahlreiche Eingaben der Bürger gegen den FNP-E., die u.a. den großen Unmut in der Bevölkerung ausdrücken, nirgendwo etwas über das Zanders-Gelände zu erfahren mit einem Gelände von 13 ha, wie der dumme Bürger jetzt erst erfährt? Wie lange hätte man uns noch im Ungewissen gelassen, wenn jetzt nicht Mutares an Triwo verkauft hätte? Dass die Verwaltung stets lange für Entscheidungen braucht, die irgendwie mit Planung oder Baurecht zusammenhängen, ist mindestens kreisgebietweit bekannt. Dass aber vor dem Hintergrund des völlig überzogenen FNP-E., in dem dieses Gelände noch keinen Einzug gehalten hat, 2 Jahre ins Land gehen müssen, bis die Stadt sich zu einer Planung durchringt, ist wieder mehr als enttäuschend, zumal es überhaupt keinen Plan für die Zukunft der Stadt gibt. Und mit einem 13 ha großen Gewerbegebiet, das Jahrelang brach lag, wir zusätzlicher Verkehr kommen, zu dem es auch keinen Plan gibt. Außer der Bahntrasse, an die sich die Industrie und die meisten der Stadträte klammern. Aber die wird, wenn überhaupt, erst in 20 Jahren befahrbar sein. Und bis dahin? KEIN PLAN