Die GGS Wittenbergstraße in Refrath. Foto: privat

Die Warnungen der Stadtverwaltung, dass im kommenden Schuljahr vor allem in Bensberg und Refrath für Erstklässler nicht genügend Plätze in der Offenen Ganztagsschule bereit stehen, beunruhigen die Eltern. Nach Informationen der neuen Initiative „Jedem Kind seinen Schulplatz” fehlen alleine in Refrath an der Gemeinschaftsgrundschule Wittenbergstraße 33 Plätze. Sie fordern in einem Offenen Brief an den Bürgermeister sowie an die Fraktionen im Stadtrat, rasch für Abhilfe zu schaffen.

Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es über die Wittenbergstraße hinaus auch an den Standorten GGS Hand, GGS Paffrath, GGS Heidkamp, GGS Gronau und GGS Herkenrath absehbare Engpässe. Die Stadt habe in den letzten zehn Jahren insgesamt 838 neue Plätze geschaffen, im kommenden Schuljahr kommen weitere 75 hinzu.

Damit werde die Versorgungsquote ei 67,2 Prozent liegen. Das sei im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 45 Prozent eine gute Quote. Dennoch könne die Nachfrage bei rasch steigenden Schülerzahlen in einigen Stadtteilen nicht gestillt werden.

Plätze sollen noch im April vergeben werden

Der weitere Ausbau hänge stark von den Möglichkeiten der Schulen abhänge, (weitere) Räume für den Offenen Ganztag bereitzustellen. Gerade die Versorgung mit einem Mittagessen stellten die Schulen und die freien Träger vor Probleme, erläutert die Verwaltung auf eine Anfrage des Bürgerportals. An allen Schulen werde das Mittagessen bereits in mehreren Schichten bzw. in einem großen Zeitfenster ausgegeben. Mehr als drei Schichten seien aber nicht möglich, da die Kinder dann zu spät mit einem Mittagessen versorgt würden.

Die Betreuungsplätze werden vergeben, sobald die Schulleitungen entschieden haben, welche Kinder an ihrer Schule angenommen werden. Das soll, so die Stadtverwaltung, noch im April passieren. 

Dieses Verfahren geht den Vertretern der Elterninitiative nicht schnell genug; sie klagen über die Ungewissheit und drohende Folgen. Das Problem sei seit Jahre bekannt und führe jetzt dazu, dass vor allem die Mütter in die Arbeitslosigkeit getrieben würden. Die Initiative bereitet eine Demonstration vor dem Rathaus (voraussichtlich am Samstag, 22.4.) vor, zudem hat sie eine Facebook-Gruppe gegründet. 

Wir dokumentieren den Brief der Elterninitiative „Jedem Kind seinen Schulplatz“ im Wortlaut.

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Sehr geehrter Herr Urbach,

wie Ihnen bekannt ist, fehlen an der Gemeinschaftsgrundschule Wittenbergstraße in Refrath im kommenden Schuljahr 2017/2018 insgesamt 33 Plätze im Offenen Ganztag (OGS).

Wir als betroffene Eltern haben die Initiative „Jedem Kind seinen Schulplatz“ ins Leben gerufen, um uns gegen diesen Missstand zu wehren.

Für die betroffenen 33 Familien hat ein fehlender OGS-Platz massive familiäre, finanzielle, berufliche und letztlich existenzielle Konsequenzen. Unsere Kinder waren in ihren Kindergartenjahren ausreichend, oft sogar ganztägig betreut, so dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – die sich auch die Stadt Bergisch Gladbach auf die Fahnen schreibt – möglich war.

Ein Schulplatz ohne OGS-Platz bedeutet, dass unsere Kinder um 11:30 Uhr Schulschluss haben. Selbst mit einer Teilzeitstelle sind solche Zeiten nicht vereinbar.

Die betroffenen Familien – insbesondere die Mütter – werden damit in die Arbeitslosigkeit getrieben. Gleichzeitig gehen gut ausgebildete Frauen – wir sind Polizistinnen, Ärztinnen, Bank- und Versicherungsangestellte, Erzieherinnen, Psychologinnen, Journalistinnen, Krankenschwestern und vieles mehr – dem Arbeitsmarkt verloren. Zudem sind viele Haushalte auf zwei Gehälter angewiesen.

Das Problem der fehlenden OGS-Plätze ist seit Jahren bekannt (Schulentwicklungsbericht 2012) und wird sich in den kommenden Jahrgängen weiter verschärfen.

Auch das akute Problem der 33 fehlenden Plätze an der GGS Wittenbergstraße muss seit Monaten bekannt sein. Wir Eltern warten aber bis heute auf die Bescheide der Schulplatz- und OGS-Platzvergabe. Alle vorhandenen Informationen haben wir uns mühsam selbst zusammengesammelt. Wir fühlen uns von der Stadt Bergisch Gladbach im Stich gelassen.

Wir fordern die kurzfristige Schaffung der fehlenden 33 OGS-Plätze an der GGS Wittenbergstraße in angemessenen Räumlichkeiten und mit pädagogischem Personal.

Wir bitten Sie um einen zeitnahen Gesprächstermin in den kommenden zwei Wochen mit den Vertretern der zuständigen Fachbereiche und den Fraktionsvorsitzenden der führenden Fraktionen im Rat der Stadt Bergisch Gladbach.

Mit freundlichen Grüßen,

Refrather Elterninitiative „Jedem Kind seinen Schulplatz“

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Weitere 15 OGS-Plätze fehlen an der Concordiaschule Schilgen. GGS Katterbach hat auch eine Warteliste für OGS-Plätze….

    Danke dafür Bergisch Gladbach.

  2. Mit Blick auf die dann noch geplante Bebauung von Bosbachs Wiese in Refrath mit 500 Wohneinheiten und somit weiter steigenden Kinderzahlen sträuben sich mir bei unserer jetzt schon unzureichenden Infrastrukur die Nackenhaare.