Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Integrierten Mobilitätkonzept Bergisch Gladbach wurde auch über den Fußgängerverkehres und eine Verbesserung der Beleuchtung dieser Wege gesprochen, denn für viele Menschen sind dunkle Wege nicht nur schwer zu begehen, sondern sie erzeugen auch Angst.

Deshalb wurde in dem Konzept mehrfach und explizit auf diese Problematik hingewiesen. Mängel sollten erkannt und beseitigt werden. Dazu gehörten auch eine „generell mangelnde Beleuchtung in den Abend- und Nachtstunden”, so das Konzept. In einigen Bereichen werden fehlende oder schwer erkennbare Leitsysteme für Menschen mit Sehbehinderungen genannt.

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Nun konnte man erwarten, dass bei dem begrüßenswerten Umbau der Straßenbeleuchtung auf LED genau auf diese Punkte aus dem Mobilitätskonzept besondere Rücksicht genommen würde, denn dort heißt es: „Entfernung von Angsträumen und Aufrechterhaltung des Fußverkehrsflusses, um zur gefühlten Sicherheit beizutragen.“

Die neuen Lampen leuchten und sparen

Auch konnte man annehmen, dass man dort, wo es angesagt ist und wo Bürgerinnen und Bürger sich ausdrücklich für eine bessere Beleuchtung ausgesprochen hatten, dieses berücksichtigt wird.  Denn im Mobilitätskonzept wird auch hervorgehoben, dass die Verbesserungen für Fußgänger kostengünstig seien und so mit wenigen Mitteln eine Steigerung des Fußgängerverkehrs um zwei Prozent recht leicht zu erreichen sei.

Doch offensichtlich findet das mit viel Geld erstellte städtische Mobilitätskonzept aus dem Jahr 2016 keinen Eingang in die Planung und Umsetzung der energiesparenden Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Man gewinnt den Eindruck, dass der Umbau sich ausschließlich auf den Austausch der vorhandenen alten Beleuchtung durch neue Lampen mit LED-Leuchtmittel bezieht, ohne auf andere Aspekte, Ziele und beschlossene Konzepte Rücksicht zu nehmen.

Tomas M. Santillan ist fraktionsloser Stadtrat und Mitglied der Linken

Die neuen LED-Lampen sind sehr viel niedriger als die alten und großen Bogenlampen. Auch reichen die alten Bogenlampen deutlich über die Straße in den Straßenraum hinein. Wegen ihrer Höhe behindern sie dort auch keine Fahrzeuge.

Vorteil dieser Konstruktion war und ist, dass sie größer Bereiche ausleuchten konnte, so dass der gesamte Straßenraum erhellt wird. Die neuen LED-Lampen sind deutlich heller, ihr Licht beleuchtet die Straße vollständig, doch den gegenüberliegenden Fußweg je nach Straßenbreite nur etwas aus. Die Lampen haben keinen weit ausgelegten Bogen, an dem das Leuchtmittel angebracht ist, denn das Leuchtmittel ist direkt über der Stelle, an der die Lampe auf dem Boden steht und leuchtet aus der Höhe seitlich in den Straßenraum hinein und weniger darüber. 

Das ist in den meisten Fällen auch völlig ausreichend, denn die Fußgänger benötigen nachts nur den Fußweg auf einer Seite der Straße. Auch sind die meisten Fußwege so deutlich besser beleuchtet als vorher, denn das Leuchtmittel ist nun meist direkt über dem Weg.

Neue Dunkel- und Angsträume verhindern!

Leider führt diese etwas geringere Ausleuchtung der Straßen an manchen Stellen zu dem Problem, dass neue Dunkelräume entstehen und an manchen Stellen auch keine durchgehende Beleuchtung für die Fußgänger mehr sichergestellt ist.  

Hier nur ein Beispiel: An der Haltestelle der KVB Kippekausen herrscht nachts oder früh morgens reger Fußgängerverkehr in Richtung Kurt-Schuhmacher Straße und dem Gewerbegebiet Frankenforst. Dazu gehen die meisten Fußgänger über die Kreuzung Ottostraße/Nachtigallenstr., welche nach der Umstellung auf LED jetzt zu Hälfte in völlige Dunkelheit getaucht ist.

Auf dem gleichen Weg befindet sich im Bereich Frankenforster Straße ein befestigter Fußgängerdurchgang in die Mozartstraße, der seit Jahren völlig verdunkelt ist, da sie durch eine kleines Wäldchen führt. Genau diese dunkle Stelle wurde der Stadt auch schon angezeigt, um hier Abhilfe zu schaffen, denn genau dieser Durchgang wird von vielen Menschen als Weg nach Refrath, zum Bus SB40 oder zur KVB-Linie 1 genutzt.

Doch auch nach der Umstellung der Beleuchtung auf LED in der Mozartstraße ist der Durchgang leider dunkel geblieben, obwohl das Mobilitätskonzept ausrücklich Ziele bei der Beleuchtung der Wege formuliert hatte.

Die Stadtverwaltung ist aufgefordert, bei der Umstellung auf LED sehr genau darauf zu achten, dass durch die Höhe der neuen Lampen nicht neue Dunkelräume für Fußgänger entstehen, sondern auch die Ziele des Mobilitätkonzepts Bergisch Gladbach aus dem Jahre 2016 umgesetzt werden und längst erkannte Mängel beseitigt und nicht wiederholt oder vergrößert werden.

Tatsächlich ist das nur an wenigen Stellen der Fall, denn es gibt woanders auch Verbesserungen.

Verschlechterungen sollten dennoch ausgeschlossen werden. Schon vorhandene und bekannte Mängel sollten bei dem laufende Austausch auf LED endlich beseitigt werden, statt sie weiterhin unberücksichtigt zu lassen.  Um Kosten zu sparen sollte dieses nicht im Nachhinein angepasst werden, sondern direkt beim Umbau der Beleuchtung umgesetzt werden.

Wie im Mobiltätskonzept beschrieben geht es dabei um vergleichsweise geringe Kosten, die jedoch einen hohen Nutzfaktor bei der Erreichung der angestrebten Ziele haben. Ein gleichzeitige Umsetzung von Teilen des Mobilitätskonzept beim Austausch der Straßenbeleuchtung würde die Kosten ingesamt senken.

„Ziel muss sein, dass das Gehen problemlos, sicher und komfortabel möglich wird. Insbesondere gilt das für die wachsende Zahl älterer Menschen“, so das Mobilitätskonzept GL wörtlich.

Hoffentlich verschwindet dieses Ziel und das gesamte Konzept nicht auch in den verstaubten Verwaltungschubläden, wo schon das Sportentwicklungskonzept und das Wohnbaukonzept ein trauriges unberücksichtigtes Ende genommen haben, obwohl sie mit viel Aufwand und finanziellen Mitteln für die Bürgerinnen und Bürger erstellt wurden. 

Das Mobilitätskonzept ist nicht nur ein Autofahrerkonzept für den Ausbau und den Bau von neuen Straßen für PKWs und LKWs, sondern dort geht es auch um ÖPNV, Radverkehr und nicht zuletzt um die vielen Fußgänger.

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Tomás M. Santillán

Tomás M. Santillán lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Bergisch Gladbach Refrath. Bekannt wurde Tomás M. Santillán durch sein Engagement als Antragsteller des Bürgerentscheid gegen des Cross-Border-Leasing 2003 und seine Kandidaturen als Bürgermeister und Landrat. Von 2009-2014 vertrat er DIE...

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2 Kommentare

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  1. Ich kann die Beobachtungen des Berichtes von Herrn Santillan nur bestätigen.

    Die neue LED Beleuchtung ist eine absolute Katatstrophe. Die neue Straßenbeleuchtung ist aus meiner Sicht sogar gefährlich. Die Leuchtstärke mag zwar genau so hell bzw. sogar noch heller sein als die der alten Beleuchtung. Das trifft aber nur auf den Lichtkegel direkt unterhalb der Lampe zu. Bereits wenige Meter außerhalb des direkten Lichkegels lässt die Leuchtstärke stark nach. Eine breite Streuung wie bei den alten Straßenlaternen existiert nicht mehr !!!

    Gegenüberliegende Gehwege oder auch Bereiche, die früher gut ausgeleuchtet wurden, sind jetzt “stockduster” und bilden eine ernstzunehmende Gefahrenquelle. Dabei ist es den potentiell gefährdeten Bürgern wohl völlig egal, ob es sich um eine Lampe, eine Leuchte, ein Leuchtmittel oder eine Laterne handelt. Ich kann dem Verfasser “Michael Smith” nur sagen, dass er sich mir seiner Aussage zu DIN Normen und Wickipedia Artikeln mal an die Personen wenden soll, die aufgrund nicht ausreichender Straßenbeleuchtung stolpern oder überfallen werden.

    Es handelt sich bei dem besagten Projekt mal wieder um einen echten “Geniestreich” unserer schönen Stadt und deren Verantwortlichen. Es wird auf lange Sicht durch die LED-Technik vielleicht Geld eingespart, die Sicherheit hat sich dadurch jedoch verschlechtert.

    Ich hoffe sehr, dass die Zusagen der Stadt bzgl. der Ergänzung von Straßenlaternen in den nun nicht mehr ausgeleuchteten Bereichen kurzfristig und in ausreichendem Maße eingehalten werden.

  2. Der Beitrag von Herrn Santillan zur Straßenbeleuchtung in Bergisch Gladbach trifft so wie geschildert nicht zu.
    Die Maßnahmen zur Anforderung an die Straßenbeleuchtung sind festgelegt in der DIN EN 13201. Ob diese nicht eingehalten wurden kann dort eingesehen werden.
    In dem Bericht werden die Begrifflichkeiten von Lampe und Leuchte gänzlich falsch dargestellt. Unter Wikipedia sind die Begriffe hinreichend beschrieben. Ein wichtiger Punkt in dem Bericht fehlt, dieses ist die gleichzeitigen Verbesserung der Energieeffizienz beim jetzigen Wechsel, dieser Punkt wurde überhaupt nicht erwähnt.