Die Verlängerung der Linie 1 von Bensberg nach Moitzfeld oder gar Kürten gehört zu den wichtigsten ÖPNV-Vorhaben der Region. Nach einer Vorstudie soll jetzt die Wirtschaftlichkeit des Projektes geprüft werden – weil nur dann eine Finanzierung denkbar ist.

Die KVB-Züge der Linie 1 gleiten nach der Fahrt durch einen 487 Meter langen U-Bahntunnel in den grandiosen U-Bahnhof „Bensberg” ein. Und landen in einer Sackgasse, die Röhre endet an soliden Betonmauern.

Doch von Anfang an war klar, dass es so nicht bleiben soll: Ein Bild auf der Betonsperre zeigt das Kardinal-Schulte-Haus – und damit, wie es weitergehen könnte: in Richtung Moitzfeld, vorbei am Technologiepark, über Herkenrath womöglich bis Kürten-Spitze.

Ein visionäres Projekt, das 17 Jahre nach Eröffnung des U-Bahnhofs und vor dem Hintergrund der Debatte über den Flächennutzungsplan aktueller denn je ist: Die Kreisverwaltung und die Stadtverwaltung wollen, finanziell unterstützt von der Firma Miltenyi Biotech, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Prognosen, ob oder gar wann das Projekt Realität wird, gibt derzeit zwar niemand an, aber „wir sehen wieder ein wenig Licht im Tunnel”, sagt der zuständige Kreisdezernent Gerhard Wölver. In einem Pressegespräch gemeinsam mit Stadtbaurat Harald Flügge demonstrierte er den Schulterschluss der Verwaltungen und erläuterte den Stand der Dinge. 

Wie berichtet und dokumentiert wurde schon 2015 eine Vorstudie erstellt, die von enormen technischen Schwierigkeiten aufgrund der Topographie und entsprechend hohen Kosten von bis zu 400 Millionen Euro spricht. 

FNP: Kreis legt Dokumente zum Ausbau der Linie 1 vor

Inzwischen habe es jedoch technische Gespräche mit der KVB gegeben. Und diese traut sich inzwischen zu, mit ihren Straßenbahnen auch Steigungen von sechs und nicht wie bisher nur von vier Prozent zu bewältigen. Das räumt nicht nur fundamentale Vorbehalte (Stichwort Zahnradbahn) aus. Es  senke den baulichen Aufwand gewaltig – und damit auch die Kosten, argumentieren Wölver und Flügge.

In der kommenden Woche will die Kreisverwaltung das Thema in den Kreistag einbringen; es gibt aber bereits ein positives Votum des Gremiums, die Aufnahme des Vorhabens „Verlängerung der Linie 1″ bis nach Spitze in den Bedarfsplan für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPN) des Landes zu beantragen.

Sollte das Land diesem Antrag statt geben stünde der Weg zu einer Förderung des gigantischen Vorhabens durch Bund und Land in Höhe von bis zu 90 Prozent offen. Damit wären auch Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro denkbar.

Daher zielt der ganze Ehrgeiz von Kreis und Stadt jetzt darauf ab, in einer Machbarkeitsstudie mit harten Zahlen und Fakten nachzuweisen, dass eine längere Linie 1 wirtschaftlich sinnvoll ist. Das wäre sie vor allem dann, wenn die Kosten beherrschbar und der Nutzen (in Form von weniger Fahrzeugen auf der Straße) hoch wären. 

Ausschnitt einer Karte, die eine mögliche Trasse der Linie 1 bis Kürten-Spitze skizziert. Die ganze Karte dokumentieren wir unten

Schon jetzt ist die Verbindung von der A4 über Moitzfeld und Herkenrath bis Kürten völlig überlastet. Alleine die Firma Miltenyi Biotec beschäftigt 1300 Mitarbeiter, im Technologiepark kommen 2400 hinzu.

Das Gewerbegebiet Obereschbach wird gerade von weiteren Firmen bezogen – und dann gibt es noch den Entwurf des Flächennutzungsplan, der für den Osten Bergisch Gladbachs riesige neue Potenzialflächen für den Wohnungsbau enthält. Alles das macht ohne eine Lösung des Verkehrsproblems keinen Sinn, sagt auch Baurat Flügge.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie seien jedoch offen. Sobald es einen politischen Beschluss gibt soll sie so schnell wir möglich in Auftrag gegeben und im Laufe des kommenden Jahres fertig werden.

Eine feste Frist für den ÖPNV-Bedarfsplan gibt es nicht, aber Stadt und Kreis wollen jetzt schnell voran kommen. Nicht zuletzt mit Blick auf den Flächennutzungsplan. Der soll möglichst noch im kommenden Jahr verabschiedet werden. 

Wie lange es dann noch dauert, bis der erste Abschnitt der verlängerten Linie 1 in Betrieb gehen könnte, wollen weder Wölver noch Flügge prognostizieren; dafür seien einfach noch zu viele Fragen zu klären.

Zum Beispiel, wie lang die Verlängerung werden soll. Mindestens bis Moitzfeld, sagt Baurat Flügge. Und dann möglichst noch ein Stück weiter zum Technologiepark.

Wölver betont, dass die Option Spitze immer mitgedacht werde, die Gemeinde Kürten immer am Tisch sitze. Doch  hänge eben alles vom Ergebnis der Machbarkeitsstudie ab: bestimmte Teilstrecken werden sich dann als wirtschaftlich erweisen, andere nicht. Und da ist dann Schluss. 

Alle Beiträge zum Thema:

FNP: Kreis legt Dokumente zum Ausbau der Linie 1 vor

Die Verlängerung der Linie 1 in Theorie und Praxis

Konzertierte Aktion für Verlängerung der Linie 1

Fast 33 Projekte gegen Stau, Staub und Lärm

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Das wird ja auch mal Zeit, nach Jahrzehnten der Diskussion – bitte weiter so!

    Es gibt durchaus noch weitere Möglichkeiten, die Schienenanbindung unserer Stadt zu verbessern: Die Trasse über den alten Bahndamm von Frankenforst zur Stadtmitte bietet sich natürlich besonders an, um endlich die Stadtteile Refrath, Bensberg und Stadtmitte besser miteinander zu verbinden und so die Hauptstraßen zu entlasten. Ebenso wären aber auch die Verlängerung der Linie 3 nach Heidkamp oder eine neue Strecke (Abzweigung von der Linie 4) von Dünnwald über Schildgen nach Odenthal denkbar.

    Und auch wenn es zunächst utopisch klingen mag – ist eine Verlängerung der S-Bahn nach Herrenstrunden tatsächlich so abwegig? Dort wohnen zwar nicht viele Menschen, aber Endstation oberhalb von Bergisch Gladbach mit großen P&R-Flächen wäre ideal als Umsteigepunkt von PKW, Bus und Fahrrad für das gesamt Umland.

    (Kommentator*in B.Sessen sei daran erinnert, dass sich der Bund zu Negativzinsen verschulden kann, also von seinen Geldgebern für die Kreditaufnahme bezahlt wird. Das beliebte Argument ‘Wer soll das bezahlen?’ ist damit gegenstandslos.)

  2. Die Idee in Bergisch Gladbach (wieder) die Straßenbahn fahren zu lassen und sie auch an die 1 anzubinden, ist grandios! Und gerade deshalb wird vermutlich kein Gedanke daran verschwendet. Da die S-Bahn nicht ausbaufähig ist, könnte die Straßenbahn eine sinnvolle Lösung für manche Verkehrsprobleme sein. Ein “Rundvekehr” Köln, GL, Bensberg, Spitze würde ebenfalls Sinn machen. Naja, ich werde das alles nicht mehr erleben, aber die in diesem Jahr 2017 Geborenen können sich dann als Erwachsene an den. Planungen beteiligen

  3. Wenn schon die – lange zurückgehaltene – Vorstudie von 400 Millionen Kosten ausgeht, werden es unter EInrechnung des BER- bzw- Elbphilharmonie-Effektes am Ende mindestens eine Milliarde sein. Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Diese Idee enspringt dem Größenwahn, der Besitz insbesondere von der Verwaltungsspitze genommen hat.

  4. Zitat: “Daher zielt der ganze Ehrgeiz von Kreis und Stadt jetzt darauf ab, in einer Machbarkeitsstudie mit harten Zahlen und Fakten nachzuweisen, dass eine längere Linie 1 wirtschaftlich sinnvoll ist. Das wäre sie vor allem dann, wenn die Kosten beherrschbar und der Nutzen (in Form von weniger Fahrzeugen auf der Straße) hoch wären.”

    Na endlich, möchte man sagen, der Ausbau des Strassenbahnnetzes (ÖPNV), zumal die Bedingungen “harte Zahlen und Fakten” genannt sind und der Kreis mit am Tisch sitzt. Wenn dann das Ergebnis heißt bis Technologiepark/Miltenyi Biotec mit Verkehrsbauwerk für Umsteiger Nähe Auffahrt zur A 4 o.k., dann wäre das schon einmal ein großer Schritt vorwärts. Allerdings, die Umsetzung dauert.

    Aber warum nur so kurz gesprungen und das innerstädtische Straßenverkehrsnetz nicht zu erst entlasten – City first – da wo es am meisten brennt. Nicht da, wo man am meisten Neubau- und Gewerbefläche ausweisen möchte. Es trifft überwiegend die gleichen Vekehrswege im Nahbereich. Warum kann dann nicht gleichzeitig eine ebensolche Machbarkeitsstudie für die Verlängerung der Straßenbahn (3,18) von Thielenbruch nach Gladbach angestoßen werden und das gleiche noch einmal für die Verbindung von Gladbach über den Bahndamm/Neuenweg nach Bensberg bis eben hin zum Technologiepark? Das ergäbe dann auch eine Anbindung an die S-Bahn und damit einen noch besserer Effekt im Hinblick auf weniger Fahrzeuge auf den innerstädtischen Straßen.

    Wenn denn schon der Ausbau des Straßenbahnnetzes auf Gladbacher Stadtgebiet geplant wird, dann doch bitte ganzheitlich und kein Stückwerk. Die Entlastungswirkung für das Straßenverkehrsnetz wird signifikant sein, aber dafür gibt es ja dann “harte Zahlen und Fakten”.