Der Verzicht auf die Bahnunterführung an der Tannenbergstraße eröffnet neue Räume: Die Stadt denkt über eine Verbindung von der Kalkstraße bis zum Refrather Weg nach. Das hätte erhebliche Auswirkungen – auf den Bahndamm, auf den Verkehr in der westlichen City und auf die Buchholzstraße.

Nach den Überlegungen, eine Schnellstraße auf der Bahndammtrasse über die Brüderstraße zur A4 zu führen macht sich das Team um Stadtbaurat Flügge jetzt am anderen Ende des Bahndamms zu schaffen. Eine Verlängerung der Kalkstraße über die Trasse bis zum Refrather Weg könnte den gesamten Verkehr in der westlichen Innenstadt neu sortieren und entlasten. Eine weitere Verbindung von der Buchholzstraße über das Gleisdreick Kuhlerbusch zum Bahndamm würde das Gebiet rund um die untere Hauptstraße und auch den Gronauer Kreisel deutlich entlasten. 

Diese Idee war bei der Überarbeitung des Entwurfs für den Flächennutzungsplan schon einmal angeklungen und findet sich jetzt in einer überarbeiteten Form einer sehr konkreten Vorlage wieder, die heute zum ersten Mal im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss vorgestellt werden. 

Foto: Screenshot/Google maps

Auslöser dieser Planung ist die Entscheidung der Bahn, dass ein zweites S-Bahngleis ohne die extrem aufwendige Unterführung der Schienen an der Tannenbergstraße auskommt. Nach einer ersten Verkehruntersuchung könnte es eine Option sein, am Bahnübergang Tannenbergstraße nur noch Radfahrer und Fußgänger durchzulassen und den gesamten Autoverkehr durch die Unterführung Buchholzstraße zu leiten, die ohnehin ausgebaut werden muss. 

Der Übergang Tannenbergstraße mit Blick in Richtung Britanniahütte. Vorne verläuft das nicht mehr genutzte Gleis zur Zinkhütte, dahinter die S-Bahn-Gleise

Das eröffnet einigen Spielraum – denn direkt am Bahnübergang Tannenbergstraße beginnt der berühmt-berüchtigte alte Bahndamm. Nachdem auch die erste Teilstrecke nicht mehr für die Schienen in das Gewerbegebiet Hüttenstraße gebraucht wird könne der Bahndamm abgetragen und „als Infrastruktur- bzw. Mobilitätsband” genutzt werden, so die Präferenz von Stadtbaurat Flügge.

Den Bahndamm ganz neu denken

Wie genau dieses Mobilitätsband genutzt wird (Straße, Radweg, Straßenbahn, Grünstreifen) ist nach wie vor heiß umstritten. Aber auf dem ersten, besonders breiten Stück könnte man schon einmal eine Straße bauen. Nicht bis zur Autobahn, aber wenigstens bis zur Mühleimer Straße, besser noch bis zum Refrather Weg.

Dazu hat das Kölner Planungsbüro Via bereits Voruntersuchungen angestellt und sehr konkrete Empfehlungen abgegeben:

  • Um eine weitgehende Entlastung der westlichen Innenstadt (Straßenzug „Gronauer Kreisel“, Hauptstraße, Dechant-Müller-Straße) bis hin zum Driescher Kreuz zu errei-chen, sollte eine Neubaustrecke mit Anbindung an die Mülheimer Straße und bis zum Refrather Weg realisiert werden. 
  •  Der Anschlussknoten Mülheimer Straße müsste zur Gewährleistung einer ausrei-chenden Leistungsfähigkeit für bestimmte Abbiegebeziehungen mehrere Fahrspuren erhalten. 
  •  Ggfls. könnte aber auch auf Fahrbeziehungen am Anschlussknoten Mülheimer Stra-ße gänzlich verzichtet werden, weil diese Fahrbeziehungen am Anschlussknoten Refrather Weg befriedigt werden können. Die Erreichbarkeit der Hauptstraße wäre z.B. über den Anschlussknoten Refrather Weg gewährleistet. 
  •  Die Bedeutung des BÜ Tannenbergstraße ist bereits in der Bestandssituation für den Kfz-Verkehr nicht sehr hoch. Die Attraktivität wird mit der Taktverdichtung der S-Bahn – einhergehend mit längeren Schließzeiten – weiter sinken. Eine Integration der Bahnüberquerung in den Knoten Neubaustrecke/ Tannenbergstraße/ Kalkstraße ist mit einem hohen Flächenaufwand für Abbiegebeziehungen verbunden. 
  •  Für den Fuß- und Radverkehr sollte der BÜ Tannenbergstraße auf jeden Fall erhalten bleiben, weil dies die kürzeste Verbindung zum Stadtzentrum darstellt. 
  •  Bei Verzicht auf einen Bahnübergang Tannenbergstraße für den Kfz-Verkehr könnte eine Kfz-Lichtsignalisierung am Knoten entfallen. 
  •  Eine Offenhaltung des Bahnübergangs Tannenbergstraße nur für den Fuß- und Rad-verkehr würde Einsparungen beim Umbau des Bahnübergangs ermöglichen, so z.B. eine Büstra-Anlage sowie lange Abbiegestreifen an der Neubaustrecke. 
  •  Durch die Erweiterung der BU Buchholzstraße (zweispurig) könnte der Attraktivitäts-verlust des BÜ Tannenbergstraße (bei zukünftig längeren Schließzeiten) kompensiert werden.
  • Die Frequentierung und Attraktivität der BU Buchholzstraße könnte durch eine gerad-linigere Zuwegung von der Mülheimer Straße aus (z.B. über das Gewerbegebiet „Am Kuhlerbusch“) gesteigert werden. 

Aktualisierung 12.9., 19 Uhr: Der letzte Punkt ist besonders spannend. In der Sitzung des Stadtplanungs- und Entwicklungsausschusses legte Peter Gwiasda vom Kölner Planerbüro Via eine weitere Idee vor: Ein weiterer Zubringer von der Buchholzstraße über das Gewerbegebiet Kuhlerbusch zur Bahndammtrasse (in der Karte ganz oben als gepunktete Linie eingetragen). Damit könnte der Bereich um die untere Hauptstraße, der Gronauer Kreisel, die Mülheimer Straße und sogar die Stationsstraße deutlich entlastet werden. 

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung für den Stadtentwicklungsausschuss sieht nun zunächst einmal  vor, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. 

Dem stimmte der Stadtplanungsausschuss am Dienstagabend in allen Punkten (fast) einstimmig zu. 

Das Projekt hätte auch für die Anwohner der Buchholzstraße rund um die Bahnunterführung erhebliche Auswirkungen. Dazu gab es im Ausschuss von Grünen und der Linken kritische Nachfragen – aber genau diese Punkte soll die Machbarkeitsstudie klären. 

Kennen Sie den Bahndamm? Bergisch Schön hat die gesamte Strecke dokumentiert, gleich am Anfang ist der nördliche Bereich mit der Überquerung der Mülheimer Straße und dem Refrather Weg zu sehen:

Wir dokumentieren die Beschlussvorlage und die Verkehrsuntersuchung:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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