Jörg Wagner stammt aus Münster, wo er später Jura studierte. 1990 kam er als Referent im Bundesbauministerium ins Rheinland, seit 1995 wohnt er in Rösrath-Hoffnungsthal. Im Ministerium war er zwischenzeitlich Leiter der Dienststelle Bonn mit 800 Beschäftigten. Vor drei Jahren wechselte er ins Umweltministerium und ist dort im Rang eines Ministerialdirigenten Leiter der Unterabteilung Wasserwirtschaft. 

Doch damit nicht genug: Der 57-Jährige, der sich seit sieben Jahren bei den Grünen engagiert, tritt jetzt für die Landratswahl im Rheinisch-Bergischen Kreis an. 

Was ist ein Landrat, was macht er, was verdient er?
Der Landrat wird direkt gewählt, wie ein Bürgermeister. Als „hauptamtlicher kommunaler Leitungsbeamter“ verdient er rund 100 000 Euro brutto plus etwas mehr als 30.000 Euro für zusätzlich wahrgenommene Ämter (abzüglich der an den Kreis abzuführenden Gelder).

Der Landrat muss aber nicht nur ein erprobter Verwaltungsfachmann, sondern auch ein gewieften Politiker sein. Denn er hat viele Job und Aufgaben – die die Bürger ziemlich direkt betreffen.

Er ist Chef der Kreisbehörde, die mehr als 1000 Menschen beschäftigt, in so beliebten Einrichtungen wie etwa dem Kraftfahrzeugamt.

Er ist Chef der Kreispolizeibehörde – und damit oberster Polizist des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Er ist Vorsitzender des Kreistag, dessen Sitzungen er leitet. Der Landrat hat im Kreistag normales Stimmrecht – wie jedes andere Mitglied.

Er beaufsichtigt die Gemeinden – und ist in den Zeiten der kommunalen Finanznot dadurch ein sehr wichtiger Mann geworden, denn er beaufsichtigt in erster Instanz die Nothaushalte der Kommunen – und schreitet ein, wenn die Vorgaben nicht erfüllt oder gar getrickst wird.

Er ist der lokale Verbindungsmann der Landesregierung – und muss sie über alles landespolitisch Relevante in seinem Landkreis informieren.

Man merkt, der Landrat führt ein Doppelleben, als Beamter und Politiker. Daraus ergeben sich auch seine unterschiedlichen formalen Kompetenzen. Im Bereich der Aufgaben des Landkreises ist er die Beschlüsse des Kreistages und seiner Ausschüsse gebunden, als Chef des staatlichen Landratsamtes aber an die Weisungen der staatlichen Mittel- und Oberbehörden. In diesem Bereich hat der Kreistag nichts zu sagen.

Warum muss jetzt ein neuer Landrat gewählt werden? Wie? Für wie lange?
Der amtierende Landrat Hermann-Josef Tebroke (CDU) kandidiert für seine Partei für den Bundestag. Daher hat er sein Amt zur Verfügung gestellt, der Nachfolger wird parallel zur Bundestagswahl am 24.9. gewählt. Gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten gibt es am 8. Oktober eine Stichwahl.

Normalerweise dauert die Amtszeit des Landrats sechs Jahre – in diesem Fall sind es aber ausnahmsweise acht Jahre: NRW hatte 2007 die Amtszeit der Bürgermeister und Landräte von 5 auf 6 Jahre verlängert. Damit erfolgte eine Entkopplung von den allgemeinen Kommunalwahlen. 2013 wurde dies wieder rückgängig gemacht. Künftige Wahlen sollten dann wieder zeitgleich mit den Kommunalwahlen stattfinden. Um dieses landeseinheitlich zu erreichen, hat der Gesetzgeber Übergangsregelungen getroffen.

In den Fällen, in denen die Amtszeit innerhalb der ersten drei Jahre der laufenden Wahlperiode des Rates bzw. Kreistags endet (bis 31.05.2017), werden die neuen Amtsinhaber bis zum Ablauf der Wahlperiode (30.10.2020) gewählt. Endet die Amtszeit jedoch nach dem 31.05.2017 und dies ist im Rheinisch-Bergischen Kreis der Fall, wird die/der Neugewählte bis zum Ende der dann folgenden Wahlperiode und somit bis zum Jahr 2025 gewählt.

Wer darf den Landrat wählen?
Wahlberechtigt für die Wahl ist derjenige, der am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet hat, Deutscher ist oder die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft besitzt, seit mindestens dem 16. Tag vor der Wahl im Wahlgebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises seine Wohnung, bei mehreren Wohnungen seine Hauptwohnung hat und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist.

Als Landrat möchte Wagner vor allem dazu beitragen, dass der Kreis mit dem Klimawandel und den sonstigen Veränderungen in der Umwelt zurechtkommt. Er werde aber auch die vielfältigen weiteren Aufgaben des Kreises professionell und mit all seiner Verwaltungserfahrung wahrnehmen.

In seiner Freizeit spielt er Tischtennis und kümmert sich um seine Hunde. Wagner hat zwei Kinder und ist verwitwet. In unseren 26 Fragebogen können Sie den Frühaufsteher etwas näher kennen lernen. 

Genug der Vorrede, los geht’s.

Wie starten Sie in den Tag?
6 Uhr Gymnastik, Dusche, Zeitung, Frühstück, Zug zur Arbeit, erster Kaffee um kurz nach acht im Büro

Was wollten Sie als Kind werden? Old Shatterhand

Und was sind Sie geworden?
Ministerialdirigent in einem Bundesministerium

Wohin laden Sie Kollegen am liebsten ein?
Kaffee und Tee in einem Büro

Wohin gehen Sie gerne mit Freunden? Bleifelder Hof

Wohin gehen Sie, wenn Sie ganz für sich sein wollen?
Wald hinter dem Haus

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?
Sitzungen im Ministerium erfolgreich geleitet, Zug am Abend nach Köln pünktlich, intensives Tischtennis-Training in Köln, Zug nach Hoffnungsthal pünktlich, später kurzer Abendspaziergang mit dem Hund des Nachbarn, kurzer Plausch, spätes Abendessen mit Zeitung, letzte BBC-News, Hemd gebügelt, pünktlich 23 Uhr ins Bett

Tee oder Kaffee; Bier oder Wein?
Viel Kaffee bis 16 Uhr, danach Tee; manchmal Bier nach dem Sport

Was ist für Sie das größte Unglück?
Krieg oder Klimakatastrophe, daraus resultierend Flüchtlingsstrom, in Deutschland dann von Bevölkerungsteilen unfairer Rassismus gegenüber Flüchtlingen in Not auf der einen Seite und Terror überall auf der Welt auf der anderen Seite

Bitte ergänzen Sie: der Kreis RheinBerg ist …
… herrlich hügelig, von Flüssen durchzogen und grün.

Was ist RheinBergs größter Pluspunkt?
Bodenständige, naturverbundene Bevölkerung

Was ist RheinBergs größtes Problem?
Verstopft mit Pendlerverkehr am Morgen und am Abend

Wenn Sie drei Wünsche für RheinBerg frei hätten, würden Sie …
… mehr S-Bahnen und Straßenbahnen wünschen, 
Freihaltung der Flussauen von Bebauung wünschen,
viele soziale Angebote für Jung und Alt wünschen.

Wenn Sie einen persönlichen Wunsch frei hätten, würden Sie …
Selbstbestimmt, sportlich aktiv und gesund sehr, sehr alt werden

Was war Ihre größte Leistung?
Die Familie und Verwandtschaft nach einem Trauerfall durch Verständnis und mit Rat und Tat zusammengehalten zu haben

Was war Ihre größte Niederlage oder Ihr schlimmster Fehler?
Einem unfairen Kollegen im Zorn mit gleicher Münze heimgezahlt zu haben anstatt das klärende Gespräch zu suchen

Mein großes Ziel ist es, …
Mit meiner Arbeitsleistung und meinen Fähigkeiten dem Staat und seinen Bürgerinnen und Bürgern zu dienen

Was ist Ihre Stärke?
Zielorientiert, aber unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen meine beruflichen Aufgaben zu erledigen und andere mitzunehmen

Was ist Ihre Schwäche?
In unkontrollierten Momenten (unangemessen) arrogant und überheblich zu sein

Wie sind Sie als Chef?
Fordernd und fördernd

… und was würden Ihre Mitarbeiter sagen?
Zu kooperativ und nachsichtig im Umgang mit Dritten

Worüber können Sie sich richtig aufregen?
Erdogan, Trump, den Brexit

Wer ist Ihr größtes Vorbild im Beruf?
Helmut Schmidt

Wer ist Ihr Vorbild im Privatleben?
Michelle Obama

Was war der beste Ratschlag, den Sie je erhalten haben?
Erst einmal drüber schlafen und sich nicht sofort aufregen; und es funktioniert

Welchen Ratschlag würden Sie Ihren Kindern erteilen?
„Versucht es so lange bis es klappt, und vertraut dabei auf Eure Stärken!“

Welche Frage wurde nicht gestellt, würden Sie aber gerne beantworten?
Wie wollen Sie mit den Mitbewerberinnen und Mitbewerbern um das Amt des Landrates umgehen und erwarten Sie umgekehrt? Menschlich fairer Umgang, so wie es Sportlerinnen und Sportler im Wettkampf tun

Noch mehr Jörg Wagner: Website – Mail

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1 Kommentar

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  1. Ich würde mich freuen, wenn wir einen Landrat mit grüner Parteizugehörigkeit bekämen. Abgesehen von offensichtlicher Fachkompetenz wirkt Herr Wagner auf mich sympathisch und sehr durchsetzungsfähig.
    Vielleicht ist diese Wahl die letzte Möglichkeit, den FNP in der aktuellen Fassung noch zu korrigieren. Denn die Aufgaben des Landrats sind u.a.:

    “Darüber hinaus ist der Landrätin/dem Landrat im Wege der Organleihe die Funktion der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde (§§ 58 ff. KrO) zugewiesen. Im Wesentlichen nimmt sie/er damit Aufgaben der staatlichen Aufsicht über die kreisangehörigen Gemeinden wahr. Als Rechtsaufsichtsbehörde hat die Landrätin/der Landrat sicherzustellen, dass die Verwaltung der Gemeinden im Einklang mit den Gesetzen erfolgt. Den Landrätinnen/Landräten stehen dabei verschiedene Rechte zu. Hierzu gehören insbesondere das Unterrichtungs-, das Beanstandungs-, das Aufhebungs- wie auch das Anordnungsrecht. ”
    (Quelle: Innenministerium des Landes NRW zu: Kompetenzen Landrat/Landrätin)