Tomas M. Santillan tritt für die Linke bei der Landratswahl im Rheinisch-Bergischen Kreis an

Tomas M. Santillan tritt für die Linke bei der Landratswahl im Rheinisch-Bergischen Kreis an

Er ist mit Abstand der bekannteste Vertreter der Linken in Bergisch Gladbach, aber auch einer der umstrittensten Lokalpolitiker der Region. Tomas Marcelo Santillan war lange Fraktionschef der Linken im Stadtrat, hatte sich zur letzten Kommunalwahl zurück gezogen und war dann doch als Nachrücker wieder im Rat aufgetaucht. Allerdings nicht als Fraktionschef, noch nicht einmal als Mitglied – sondern nach einem heftigen internen Krach als fraktionsloses Ratsmitglied. 

Santillan wurde zwar in Köln geboren, lebt aber seit dem ersten Lebensjahr in Refrath. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft in Köln und gründete mit Studienkollegen 1995 ein Internetunternehmen. Heute ist der 52-Jährige ist selbständiger IT-Fachmann, doch zuletzt hatte er sich intensiv um die Neueröffnung des legendären argentinischen Steak-Restaurants „El Gaucho” seines verstorbenen Vaters in Köln gekümmert.

Politisch war er zunächst in der Jungen Union, später lange bei der SPD – bis es im Streit um Afghanistan und Hartz IV zum Bruch kam; seither ist er in der Linken zuhause. 

Auch darüber hinaus ist er vielfach engagiert – u.a. in der Versammlung des LVR, bei den Bürgerinitiativen in Sachen Flächennutzungsplan, bei Attac und Aktionen der TTIP-Gegner. Er hatte bereits für den Landtag kandidiert, jetzt tritt Santillan als Bewerber der Linken für das Amt des Landrates an. 

Was ist ein Landrat, was macht er, was verdient er?
Der Landrat wird direkt gewählt, wie ein Bürgermeister. Als „hauptamtlicher kommunaler Leitungsbeamter“ verdient er rund 100 000 Euro brutto plus etwas mehr als 30.000 Euro für zusätzlich wahrgenommene Ämter (abzüglich der an den Kreis abzuführenden Gelder).

Der Landrat muss aber nicht nur ein erprobter Verwaltungsfachmann, sondern auch ein gewieften Politiker sein. Denn er hat viele Job und Aufgaben – die die Bürger ziemlich direkt betreffen.

Er ist Chef der Kreisbehörde, die mehr als 1000 Menschen beschäftigt, in so beliebten Einrichtungen wie etwa dem Kraftfahrzeugamt.

Er ist Chef der Kreispolizeibehörde – und damit oberster Polizist des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Er ist Vorsitzender des Kreistag, dessen Sitzungen er leitet. Der Landrat hat im Kreistag normales Stimmrecht – wie jedes andere Mitglied.

Er beaufsichtigt die Gemeinden – und ist in den Zeiten der kommunalen Finanznot dadurch ein sehr wichtiger Mann geworden, denn er beaufsichtigt in erster Instanz die Nothaushalte der Kommunen – und schreitet ein, wenn die Vorgaben nicht erfüllt oder gar getrickst wird.

Er ist der lokale Verbindungsmann der Landesregierung – und muss sie über alles landespolitisch Relevante in seinem Landkreis informieren.

Man merkt, der Landrat führt ein Doppelleben, als Beamter und Politiker. Daraus ergeben sich auch seine unterschiedlichen formalen Kompetenzen. Im Bereich der Aufgaben des Landkreises ist er die Beschlüsse des Kreistages und seiner Ausschüsse gebunden, als Chef des staatlichen Landratsamtes aber an die Weisungen der staatlichen Mittel- und Oberbehörden. In diesem Bereich hat der Kreistag nichts zu sagen.

Warum muss jetzt ein neuer Landrat gewählt werden? Wie? Für wie lange?
Der amtierende Landrat Hermann-Josef Tebroke (CDU) kandidiert für seine Partei für den Bundestag. Daher hat er sein Amt zur Verfügung gestellt, der Nachfolger wird parallel zur Bundestagswahl am 24.9. gewählt. Gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten gibt es am 8. Oktober eine Stichwahl.

Normalerweise dauert die Amtszeit des Landrats sechs Jahre – in diesem Fall sind es aber ausnahmsweise acht Jahre: NRW hatte 2007 die Amtszeit der Bürgermeister und Landräte von 5 auf 6 Jahre verlängert. Damit erfolgte eine Entkopplung von den allgemeinen Kommunalwahlen. 2013 wurde dies wieder rückgängig gemacht. Künftige Wahlen sollten dann wieder zeitgleich mit den Kommunalwahlen stattfinden. Um dieses landeseinheitlich zu erreichen, hat der Gesetzgeber Übergangsregelungen getroffen.

In den Fällen, in denen die Amtszeit innerhalb der ersten drei Jahre der laufenden Wahlperiode des Rates bzw. Kreistags endet (bis 31.05.2017), werden die neuen Amtsinhaber bis zum Ablauf der Wahlperiode (30.10.2020) gewählt. Endet die Amtszeit jedoch nach dem 31.05.2017 und dies ist im Rheinisch-Bergischen Kreis der Fall, wird die/der Neugewählte bis zum Ende der dann folgenden Wahlperiode und somit bis zum Jahr 2025 gewählt.

Wer darf den Landrat wählen?
Wahlberechtigt für die Wahl ist derjenige, der am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet hat, Deutscher ist oder die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft besitzt, seit mindestens dem 16. Tag vor der Wahl im Wahlgebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises seine Wohnung, bei mehreren Wohnungen seine Hauptwohnung hat und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist.

Privat ist er Hobbyfilmer, interessiert sich für Geschichte, die Natur und er geht gerne mit seinen Hunden im Wald spazieren oder feiert Karneval.

In unseren 26 Fragen lernen Sie den Vollblutpolitiker näher kennen. 

Genug der Vorrede, los geht’s.

Wie starten Sie in den Tag?
Gute Laune. Radio hören, aktuelle Nachrichten lesen, Kaffee trinken und ein Stück Obst essen.

Was wollten Sie als Kind werden? Fußballspieler

Und was sind Sie geworden?
IT & Softwareberater und Gastronom

Wohin laden Sie Kollegen/Geschäftspartner am liebsten ein?
El Gaucho – argentinisches Restaurant in Köln. Das ist seit 1971 unser Familienbetrieb, in dem ich auch mitarbeite. Ansonsten lade ich auch gerne zum Sushi ein.

Wohin gehen Sie gerne mit Freunden?
Über die Brüderstr. in den Königsforst spazieren gehen. Das ist nur wenige hundert Meter von meiner Wohnung entfernt.

Wohin gehen Sie, wenn Sie ganz für sich sein wollen?
Kölner Dom

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?
Lange schlafen, entspanntes Brunch mit der Familie, dann ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald und am Abend leckere Pizza und ein Glas Rotwein mit der Liebsten.

Tee oder Kaffee; Bier oder Wein?
Während der Arbeit Kaffee mit Milch und abends gerne ein Kölsch oder ein Glas Wein.

Was ist für Sie das größte Unglück?
Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit.

Bitte ergänzen Sie: Das Bergische Land ist …
… meine Heimat. Ich lebe seit seit nun 52 Jahren in Bergisch Gladbach. Hier sind meine Erinnerungen, meine Familie, meine Freunde, meine politische Arbeit und meine Zukunft.

Was ist der größte Pluspunkt für den Rheinisch-Bergischen Kreis?
Die lieben, großartigen und offenen Menschen, die hier leben.

Was ist das größte Problem im Rheinisch-Bergischen Kreis?
In den Städten und Gemeinden des Kreises fehlt überall bezahlbarer Wohnraum.

Wenn Sie drei Wünsche für den Rheinisch-Bergischen Kreis frei hätten, würden Sie …
Beendigung des zerstörerischen Flächenverbrauchs im Kreis und Stopp des Flächennutzungsplans FNP Bergisch Gladbach jetzt.
Die von der Politik an die Seite geschobenen Menschen und ihre Ängste und Probleme müssen endlich mehr Beachtung finden. Wir brauchen ein Landkreis für alle und nicht nur für die „Reichen“ und Wirtschaftslobbyisten.
Erster Linke Landrat im Kreis

Wenn Sie einen persönlichen Wunsch frei hätten, würden Sie …
Ich würde gerne die Zeit haben mit einem Boot um die Welt zu segeln.

Was war Ihre größte Leistung?
Ich finde diese Frage schwierig, denn über meine politische Arbeit müssen andere eine treffen. Wer ernsthaft Politik macht, macht diese nicht alleine und für sich, sondern mit vielen anderen Menschen gemeinsam. Anfang der 80er haben wir mehrere Häuser besetzt, um auf die prekäre Wohnungssituation von Studierenden hinzuweisen. Das hat gewirkt und es wurden neue Wohnheime gebaut.
Gemeinsam ist es den Bürgerinnern und Bürgern gelungen 2003 die Privatisierung des Abwassers in Bergisch Gladbach (Cross-Border-Leasing) zu verhindern und gemeinsam ist es den Mitgliedern der Partei DIE LINKE. in Bergisch Gladbach 2009 gelungen auf Anhieb in Fraktionsstärke in den Stadtrat GL und Kreistag RBK einzuziehen und 2014 ihre Sitzzahl noch zu erhöhen. An diesen politischen Erfolgen war ich aktiv beteiligt.

Was war Ihre größte Niederlage oder Ihr schlimmster Fehler?
Und mein schlimmster politischer Fehler als junger Mann war die kurze Mitgliedschaft in der Jungen Union (JU). Dagegen die Mitgliedschaft in der SPD war kein Fehler und ich habe dort lange für sozialdemokratische Ziele gearbeitet und gekämpft. Auch wenn das viele Jahre der richtige Weg war, war die letzte Zeit in der SPD eine verloren Zeit. Die SPD hat ihre eigenen Ziele verraten und damit auch meine politische Überzeugung widersprochen. Ich bin und bleibe Sozialdemokrat. Deshalb war meine größte Niederlage nach 20 Jahren aktiver Mitgliedschaft, dass ich aus der SPD ausgetreten bin, weil ich deren unsoziale und militaristische Politik nicht mehr mittragen wollte.

Mein großes Ziel ist es, …
Die Ziele der französischen Revolution: „Freiheit, Gleichheit, Solidarität!“

Was ist Ihre Stärke?
Unabhängigkeit und freies Denken.

Was ist Ihre Schwäche?
Ich vertraue manchmal (aber leider zu oft) den falschen Leuten, die mich dann später hintergehen, betrügen und Lügen erzählen. Mit dieser Schwäche muss ich jedoch leben, denn zu viel Misstrauen würde verhindern, dass ich neue wunderbare Menschen kennenlerne, die es dann wirklich wert sind, dass man sich auf sie einlässt.

Wie sind Sie als Chef?
Ich erwarte von den Kolleginnen und Kollegen nur das, was ich auch tun würde, wenn ich dazu qualifiziert wäre.

… und was würden Ihre Mitarbeiter sagen?
Ich hoffe, dass meine Kolleginnen und Kollegen über mich das gleiche sagen, was ich über sie denke: „Nur Gutes!“

Worüber können Sie sich richtig aufregen?
Rassismus und Intoleranz bringen mich auf die Palme. Doch dogmatische Kleinlichkeit geht mit auch sehr auf die Nerven.

Wer ist Ihr größtes Vorbild im Beruf? Edward Snowden

Wer ist Ihr Vorbild im Privatleben? Mein verstorbener Vater

Was war der beste Ratschlag, den Sie je erhalten haben? Leben und leben lassen!

Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem Nachfolger erteilen?
Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Eine Frage, die nicht gestellt wurde, die Sie aber gerne beantworten würden? 
Was ist ihnen in der Kommunalpolitik wichtig? Kommunalpolitik ist sehr nah an den Menschen dran und die Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf unser Umfeld aus. Deshalb ist es wichtig, dass man alle vor Ort stärker beteiligen und mehr basisdemokratische Strukturen entwickelt, um die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.

Besonders deutlich wird dies aktuell bei der Diskussion um den zerstörerischen Flächenverbrauch für geplante Gewerbegebiete und neue Luxuswohnungen. Hier werden die Menschen schlicht überfahren und selbst sachliche und berechtigte Einwände werden nicht berücksichtigt. Wir brauchen mehr Bürgernähe und mehr Demokratie!

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Redaktion

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