Links das Gewerbegebiet Zinkhütte, rechts der Neuborner Busch. Hier sollen laut FNP-Entwurf die Grenzen verschoben werden. 

Der Landesbetrieb Wald und Holz spielt als einer von 29 Trägern öffentlicher Belange bei der Aufstellung des neuen FNP eine wichtige Rolle. In zwei Stellungnahmen zum FNP-Entwurf geht er mit der Stadt hart ins Gericht. Einen Krüger-Bau im Neuenborner Busch lehnt er kategorisch ab. 

In der jetzt von der Stadtverwaltung gemeinsam mit allen Einwänden zum FNP veröffentlichten Stellungnahme kritisiert der Landesbetrieb Wald und Holz, dass der FNP-Entwurf immer noch einen Waldverbrauch von 18,4 Hektar vorsehe. Damit würde sich der Waldanteil zwar nur um 0,3 Prozentpunkte verringern, ein solcher Schritt hätte jedoch „spürbare negative Folgen auf das Stadtklima und die Grundwasserneubildung”; schreiben die Experten des Landesbetriebs.

In einer zweiten Stellungnahme meldet sich der Landesbetrieb noch einmal, dieses mal in seiner Eigenschaft als Waldeigentümer. Denn die betroffenen Waldflächen in Frankenforst gehören dem Staat – und der sei „nicht bereit”, die Flächen zu verkaufen.

Eingriff im Neuborner Busch „tunlichst vermeiden”

In der ersten Stellungnahme wird die Waldrodung „nur” in Lustheide (Lu1), Moitzfeld (M07), Katterbach (Kb10), Refrath (Re8b), Hand (EH6) sowie in Nussbaum (Nu7b) als unbedenklich eingestuft. 

Dagegen widerspricht der Landesbetrieb ausdrücklich den Plänen für das  Gewerbegebiet Zinkhütte (Hk1), wo die Krüger-Gruppe einen Verwaltungsneubau in den Neuborner Busch hinein bauen will. Ausführlich beschreibt der Landesbetrieb, welche wichtigen Funktionen der Neuborner Busch habe – und bestätigt damit die Kritik der Bürgerinitiativen. Jede Reduzierung des schmalen Waldkorridors müsse hier „tunlichst vermieden” werden. 

Ein Entwurf des Verwaltungsgebäudes, das Krüger im Neuborner Busch bauen will

Krügers Begründung, warum das Verwaltungsgebäude ausgerechnet im Wald gebaut werden muss, lehnt der Landesbetrie als „lediglich strategische Überlegungen eines Einzelunternehmens” ab. Mehr noch: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass bei der Aufnahme der Fläche G-Hk1 das Wirtschaftsförderinteresse ein objektives Planungsermessen gehemmt hat.”

Die Einschätzung des Landesbetriebs wird vom Rheinisch-Bergischen Kreis geteilt. Er bezeichnet den Neuborner Busch als „ungeeignet” für eine Ausweitung des angrenzenden Gewerbegebietes und führt – ebenso wie das Bündnis Heideterasse, der BUND und der Bergische Naturschutzverein – die Bedeutung des Waldes für den Natur-, Klima- und Umweltschutz an. 

Lediglich die IHK Köln ergreift in ihrer Stellungnahme Partei für Krüger: Die Firma sei als „erfolgreicher, im Wettbewerb stehender Lebensmittelhersteller gezwungen, ihre Produktionsabläufe ständig zu optimieren und die weitere Entwicklung durch den rechtzeitigen Bau und die entsprechende Gestaltung von Produktionsräumen zu ermöglichen.” Krüger habe jetzt ein Stadium erreicht, wo es notwendig sei, die Verwaltung zu verlagern und die frei Fläche der Produktion zuzuschlagen. 

„Schlechterdings nicht ausgleichbar”

Auch bei den Gewerbegebieten Bockenberg (Mo1), Rennweg (G-Fr1a), Lustheide (G-Lu1) und Brüderstraße (G-Fr3) gibt der Landesbetrieb seinen Widerspruch zu Protokoll.

Grundsätzlich sei es zwar möglich, Detailfragen einer Kompensation des Waldverlustes außerhalb des FNP-Verfahrens zu klären. Aber dann dürfte „nicht bereits auf FNP-Ebene offensichtlich sein, dass das Bilanzdefizit schlechterdings nicht ausgleichbar ist. So ist es aber hier.”

Zudem bleibe der Umweltbericht der Stadtverwaltung „Lösungsmöglichkeiten für die Kompensation von Eingriffen in den Wald weitestgehend schuldig”. Ein Hinweis auf das Ökokonto sei „inhaltsleer”. Landwirtschaftliche Flächen seien zwar potenziell geeignet – aber gerade diese wolle der FNP ja zur Wohnbebauung nutzen. 

Eine „richtig verstandende Flächennutzungsplanung” müsse auch Flächen für die künftige Aufforstung enthalten, kritisiert der Landesbetrieb weiter. Auf geeignet Flächen habe er schon 2016 hingewiesen, zum Beispiel in Hebborn (He6 Am Mutzerfeld sowie He7 Alte Wipperführter Str). Genau diese Flächen sollen laut FNP-Entwurf jedoch mit Wohnhäusern behaut werden. 

Einige Flächen, die noch im Vorentwurf als Baufläche genannt wurden, sind inzwischen herausgefallen. Auch hier würden sich einige für eine Aufforstung anbieten, so der Landesbetrieb. Etwa in Kalmünten Nord, Aehlemar-Ost, Katterbachaue, Am Schulmuseum, Am Strunder Bach, Auf den sechs Morgen, am Platzer Höhenweg, in Neuenhaus und in Voislöhe Ost. 

Dokumentation: Die Stellungnahmen des Landesbetriebs

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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