Die Straßen zwischen Kürten (oben rechts) und Gladbach (unten links) sind im Berufsverkehr dicht. Macht eine Hochbahn Sinn? Auf halber Strecke (rot markiert) liegt der Ort Spitze. (Open Street Map)

In Kürten gibt es einen Zukunftsausschuss – und Gemeinderräte, die Ideen für die Zukunft entwickeln. Die CDU-Fraktion beschreibt sieben Ideen für die Regionale 2025 – und schließt dabei Bergisch Gladbach mit ein. Dabei geht es um eine Hochbahn, eine neue Landstraße, einen Handwerkerpark und um urbanes Lebens auf dem Land.

In einem ausführlichen Antrag für den Zukunftsausschuss hat die Kürtener CDU-Fraktion sieben Ideen skizziert, die es in sich haben. Einige berühren die große Nachbarstadt Bergisch Gladbach nur mittelbar, andere sehr direkt. Das seit langem angedachte interkommunale Gewerbegebiet Spitze kommt dabei übrigens nur ganz am Rande vor. 

Eine Hochbahn nach Gladbach

Auf Platz zwei der Liste findet sich eine „Hochbahn Bergisch Gladbach – Gemeinde Kürten”. Grundsätzlich, so die CDU, stehe die Gemeinde Kürten eindeutig hinter dem Projekt, die Linie 1 von Bensberg nicht nur bis Moitzfeld, sondern bis Kürten-Spitze zu verlängern. Aber es dürfe „bei der Lösung der Verkehrsprobleme unserer Region keine Denkverbote geben”.

Die geplante Taktverdichtung der S 11 von Gladbach nach Köln mache diese Strecke attraktiver und bringe neue Herausforderungen an die Anbindung Kürtens an den Gladbacher Bahnhof. Eine Möglichkeit sei eine „Hochbahn bis zum S-Bahnhof”. Dazu könnten Umsteigepunkte von Überlandbussen innerhalb Kürtens oder an der Gemeindegrenze zu Bergisch Gladbach eingerichtet werden.

Ob so etwas machbar ist, lassen die Nachbarn offen. Aber die Idee müsse weitergedacht werden.

Übrigens: Der Immobilienmakler Heinz Hinterecker schlägt seit viele Jahren eine Seilbahn vor, vom S-Bahnhof nach Spitze und von der KVB-Endhaltestelle in Bensberg über Moitzfeld / Herkenrath nach Spitze. Eine Hochbahn durch das Strundetal propagiert der Strundetalverein schon seit zwei Jahren.

Eine neue Landstraße nach Herkenrath

Ähnlich aufwendig erscheint die nächste Idee: Die Verlegung der Landstraße von Spitze nach Herkenrath aus der alten Allee heraus auf eine neue Trasse. Dazu heißt es im Antrag:

„Dieser Vorschlag greift grundsätzlich die schon bestehende Planung eines Radweges in diesem Bereich auf. Er beinhaltet aber zusätzlich die Verlegung der Trasse der Straße zwischen Spitze und Herkenrath aus der Allee und aus der Ortslage Spitze heraus durch ein neues Gewerbegebiet für Kürten und gegebenenfalls Bergisch Gladbach. Die alte Trasse wird Fahrradweg (siehe auch Punkt 4 Radwegenetz).

Zahlreiche, teilweise schwere Unfälle zeigen, dass es dringend erforderlich ist, die Straße zu erneuern, um sie sicher und zukunftstauglich zu machen. Dies ist innerhalb der Allee nicht möglich. Um diese zu erhalten, wäre eine Einrahmung des Radweges durch die Allee wünschenswert. Gleichzeitig müsste dann eine neue, sichere Trasse nach Herkenrath gebaut werden. Diese sollte weniger kurvenreich sein und auch an Spitze vorbei durch das neue Gewerbegebiet geführt werden, um die Ortslage vom Verkehr zu entlasten. Hierfür ist die Lücke an der Kreuzung in Spitze neben dem Restaurant an der Bensberger Straße frei zu halten.”

Ein interkommunaler Handwerkerförderpark

Auch das Thema „Technologiepark für Handwerker” setzt auf eine interkommunale Zusammenarbeit. Also sinnvollerweise mit Bergisch Gladbach. Die CDU Kürten schreibt:

„Zielgruppen für den Handwerkerförderpark sind Handwerker, die sich eine eigene Existenz aufbauen und selbstständig machen wollen. Oftmals fehlen aber dafür ganz entscheidende Voraussetzungen: die Bereitstellung von günstigen Gebäuden in unserer ländlichen Region zum Kauf oder zur Miete. Dazu müsste – sinnvollerweise interkommunal – das Planungsrecht und die Finanzierung gesichert werden.

Denkbar wäre hier als Modellprojekt im Raum Kürten/ Bergisch Gladbach/ Odenthal die Umnutzung ehemaliger Bauernhöfe und/ oder ein neues Gebiet. Möglicherweise ist eine Kombination mit dem Punkt 6 denkbar.”

Ein Interkommunales Urbanes Gebiet

Es folgt die Idee eines „Urbanen Gebietes”. Dabei handelt es sich um ein erst 2017 vom Bundestag beschlossenes Konzept, das Kommunen erlaubt, auch in Gewerbegebieten oder in stark verdichteten städtischen Gebieten neue Wohnungen zu bauen. 

Genau das will die CDU angehen, natürlich „interkommunal”:

„Ziel dieser Idee ist es, in einem beispielhaften interkommunalen Gebiet (z. B. ehemaligen bäuerlichen Hofstellen) neue Funktionen und Bedeutung für Wirtschaft Arbeit und Wohnen zu geben. Es soll versucht werden, durch neue Nutzung vorhandener Gebäude und der Erweiterung bzw. Verbesserung der Infrastruktur, wie z. B. Internet oder Mobilität, den Hofstellen eine ganz neue Bedeutung zukommen zu lassen.

Diese könnten damit beispielhaft werden für eine neue Verbindung von Wohnen und Arbeiten, um unnötige Verkehre zu vermeiden und gleichzeitig das Dorfleben wieder aufzuwerten. Möglich wäre auch eine Kombination dieser Idee mit den existierenden Gedanken zur Entwicklung von Quartieren, böte aber auch z. B. eine Perspektive für die Entwicklung von Mehrgenerationenhöfen. (…)

Zielgruppe könnten auch Künstler und Freiberufler sein, die alle ihren Job auch zu Hause oder in der nahen Umgebung erledigen können.”

Eine Idee, die nach Auffassung der CDU Kürten, auch in Kombination mit der Hochbahn und dem (Handwerkerförderpark denkbar ist. 

Reaktionen aus Bergisch Gladbach stehen bislang aus. In der Facebook-Gruppe „Politik in GL” wird bereits diskutiert.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Ich verstehe nach wie vor nicht, das man gerade jetzt, wo die Verlängerung der Linie 1 im Gespräch ist, die ex. DB Trasse von Bensberg nach Bergisch-Gladbach zu nutzen. Eine günstigere Anbindung im ÖPNV gibt es ja nicht. Damit könnten auch die KVB Bahnen direkt von Kürten bis Bergisch Gladbach fahren als eigene Linie. Das Industriebebiet und das Schulzentrum wären super daran angebunden. Und bei dem jetzt geplanten Umbau des Bergisch Gladbacher Bahnhofes wäre es möglich eine Trasse vorzusehen, dann könnte man direkt von der KVB in die DB S-Bahn umsteigen.

  2. Endlich mal mutige, zukunftsweisende Ideen!

    Ob Hoch-, Straßen- oder Seilbahn – es muss ernsthaft darüber geredet werden, wie die Anbindung Gladbachs an die umliegenden Gemeinden verbessert werden kann. Busse reichen einfach nicht, weil sie ständig im Stau stehen und dadurch sehr unregelmäßig fahren.

    Auch ein Handwerkerpark/ urbanes Mischgebiet klingt vielversprechend. Wenn tatsächlich Arbeitsplätze vor Ort entstehen, fallen weniger Pendlerfahrten an und entspannt sich auf längere Sicht auch die Verkehrssituation. Bei neuen Logistik-Unternehmen, in denen dann doch nur Roboter ‘schaffen’, ist das Gegenteil der Fall.

    Und wenn es gelingt, den ÖPNV substantiell auszubauen, ist auch (hoffentlich) keine neue Landstraße erforderlich. Diese würde nicht nur zusätzliche Fläche versiegeln, sondern auch verstärkt Auto- und LKW-Verkehr generieren. Jedes (Verkehrs-)Angebot schafft sich seine Nachfrage…