So sehen schnelle Radwege aus: Breit, Kreuzungs- und Dackelfrei!

Für echte Radschnellwege fehlt zwischen RheinBerg und Köln offenbar der Platz, daher wird nun an vier leistungsfähigen Radpendlerrouten gearbeitet. Eine soll Bergisch Gladbach mit Köln verbinden.

Der Rheinisch-Bergische Kreis hat – auch im Namen der Städte Bergisch Gladbach, Leichlingen, Odenthal, Köln, Leverkusen, Rösrath, Niederkassel und Troisdorf sowie des Rhein-Sieg-Kreises –  zur Informations-und Beteiligungsveranstaltung zum Projekt RadPendlerRouten im Rechtsrheinischen in das Stadthaus Deutz eingeladen.

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Nach 45 Minuten Fahrzeit über die geplante Trasse Bergisch Gladbach-Köln erreichten wir das Stadthaus. Ich war beeindruckt von der Architektur und kann jedem nur empfehlen, diesem modernen Monumentalbau einen Besuch abzustatten. Hier sind rund 80 Prozent der Kölner Verwaltung untergebracht.

Um diesen Auftrag ging es in Deutz:

„Die genannten Gebietskörperschaften haben sich Anfang dieses Jahres zusammengeschlossen, um im Rahmen einer Machbarkeitsstudie insgesamt vier leistungsfähige, regionale Radverbindungen zwischen Köln-Deutz und dem rechtsrheinisch angrenzenden Umland zu identifizieren, die der wirkungsvollen Beschleunigung des Radverkehrs dienen. So ist es Ziel der Projektpartner, durch eine Verbesserung der Reisezeitverhältnisse gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) zur Verlagerung des Alltags- und Berufsverkehrs auf die klimafreundlichen Verkehrsmittel des Umweltverbundes beizutragen.“

Die Betrachtung der Machbarkeitsstudie bezieht sich auf die vier Hauptachsen:

  • Leverkusen-Mitte bis Köln-Deutz
  • Bergisch-Gladbach S-Bahnhof bis Köln Deutz
  • Rösrath-Bahnhof bis Köln-Deutz
  • Troisdorf / Niederkassel bis Köln-Deutz.“

Hier die übergeordneten Ziele:

  • Robuster sicherer Radpendlerweg
  • Stärkung des überregionalen Radwegenetzes durch Schaffung leistungsfähiger Hauptachsen, welche dann durch Zubringerrouten versorgt werden.
  • Wirkungsvolle Beschleunigung des Radverkehrs.
  • Bestimmte Defizite, die der Radverkehr heute noch gegenüber dem motorisierten Individualverkehr hat, sollen reduziert werden.
  • Unterschiedliche Verkehrsarten werden modular untereinander verknüpft, d. h. für den, der relativ „weit draußen“ wohnt, ist es nicht unbedingt sinnvoll, den kompletten Weg bis in die Metropole zu fahren. Es soll das Angebot geschaffen werden, bis zur 1. Schienenverbindung zu kommen. Parallel werden dazu Mobilitätsstationen gebaut.
  • Die Lebensqualität in unserer Region wird gesteigert.

Qualität der Radverbindungen:

  • Reisequalität
  • Fahrkomfort (selten absteigen)
  • Oberflächengüte
  • Wiedererkennbarkeit
  • Möglichst hohes Bevölkerungspotential (Wohnsiedlungen) anbinden
  • wichtige Anbindung an Bus/-Schienenverkehr herstellen

Folgende Effekte ergeben sich daraus:

  • Stärkung der Nahmobilität
  • Mobilitätswende
  • Klimaschutz
  • Ausschöpfung der Fördermöglichkeiten (Regio 2025)

Basis der Untersuchung war, dass klassische Radschnellwege, für die der Bund zuständig ist, in unseren hochverdichteten Räumen nicht – und erst recht nicht kurzfristig – zu bauen sind. Radpendlerwege bieten sich als Alternative an.

Zur Sache: Radschnellwege
 sind vier Meter breite Radverkehrsverbindungen, die wichtige Quell- und Zielbereiche des Radverkehrs über größere Entfernungen (> 5 km) miteinander verknüpfen. Sie sollen ein sicheres, zügiges und attraktives Fahren ermöglichen. Als Führungsform im Außerortsbereich bietet sich der „getrennte“ Geh- und Radweg an, der straßenbegleitend oder selbständig geführt werden kann. Innerorts kommen Ein- und Zweirichtungsradwege sowie Radfahrstreifen und Fahrradstraßen, sofern diese an den Knotenpunkten bevorrechtigt werden können.

Die Ingenieurgesellschaft Lindschulte+Kloppe aus Düsseldorf übernahm die Planung der Radwege. Gleichwohl setzte der RBK auf ein kooperatives Verfahren, Interessensgemeinschaften und Verbände sollten frühzeitig eingebunden werden.

Vom Finanzamt über die alte Trasse nach Buchheim

Die beteiligten Kommunen wurden bzgl. deren Radwegeplanung befragt. Daraus ergaben sich sogenannte Übergabepunkte. Für die Hauptachse Bergisch Gladbach-S-Bahnhof bis Köln Deutz wurde beispielsweise nur die Strecke vom Finanzamt (ehemalige Straßenbahntrasse) bis zur B8 (Frankfurter Straße) in Buchheim untersucht. Gerade diese Querung dürfte technisch eine Herausforderung werden.

Erfreulich, das Projekt ist im Plan. Nach der Sommerpause wird die Politik mit eingebunden.

Aus bis zu acht  Varianten wurden dann drei Vorzugstrassen vorgestellt. Allerdings wurde den Teilnehmern strikt untersagt, die genauen Trassen zu veröffentlichen. Zunächst müsse die Politik informiert werden und zweitens gebe es viele Einsprüche, so dass die Vorzugstrassen noch mal überarbeitet werden sollen.

Während der Informations-und Beteiligungsveranstaltung wurden zunächst die jeweiligen Hauptachsen in Gruppenarbeit untersucht und von den geladenen Gästen bewertet. Hier zeigten sich teils sehr starke Differenzen, welche Radwegeführung denn wohl die beste sei.

Geld ist nicht das Problem

Sicher ist, dass die Finanzierungsfrage nicht das größte Problem darstellt. Zum einen stehen dank der sehr hohen Steuererträge ausreichend Mittel zur Verfügung und zum anderen hat in den letzten Jahren eine Einsicht Einzug gehalten und man hat erkannt, dass ein Wandel der Mobilitätswelt notwendig ist.

Der massive Anstieg des Autoverkehrs ist nur noch schwer zu ertragen und das sowohl für aktiv als auch passiv Beteiligte. Die Beeinträchtigungen durch Abgase und Lärm haben überall neue Höchststände erreicht. Die politischen Entscheider sehen ein, dass Investitionen in die Radinfrastruktur sich lohnen – nicht, weil sie öfter Fahrrad fahren, sondern weil ihr Auto dann wieder staufrei durch die Lande fahren wird.

Die Umsetzung der Radpendlerpläne soll zügig angegangen werden. Ich freue mich schon auf Dackel- und Fußgänger-freie Radwege und darauf, dass meinem Rad an Kreuzungen Vorfahrt gewährt wir. Träumen darf man doch noch, oder?

Weitere Beiträge zum Thema:

Ein schneller Radschnellweg von GL nach Köln. Schnell


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Bernhard Werheid

Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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1 Kommentar

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  1. Schade, dass hier wohl wieder eine gute Idee in den Sand gesetzt wird.
    Wenn die Route erst am Finanzamt anfängt, bringt sie den meisten Bergisch Gladbachern nichts, da für sie bereits der Weg dorthin im Berufsverkehr ein Alptraum ist, den nur wenige auf sich nehmen.

    Auch sonst steht zu befürchten, dass nicht die beste, sondern die einfachste und billigste Lösung angestrebt wird: Statt zumindest dort, wo es möglich ist, dem Radverkehr eine eigene (neugebaute?) Trasse zu bieten, werden wohl vorhandene Wege und Straßen mit schicken Schildern als ‚Radpendlerroute‘ ausgewiesen. Ich habe starke Zweifel, dass eine bloße neue Beschilderung auch nur eineN einzigeN PendlerIn zusätzlich aufs Fahrrad locken wird.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber ich fürchte, auf einen richtigen Radweg nach Köln werden wir noch mindestens zehn Jahre warten müssen.