Die Oper Nabucco in einer Aufführung unter freiem Himmel hat am Freitag viele Musikfreunde auf den Marktplatz gelockt. Sie wurden nicht enttäuscht: der grandiose Chor, gute Solisten und ein Farbenrausch wurden mit stehenden Ovationen belohnt. Ein Rückblick, ein Video und viele Fotos.

Text: Tanja Heesen / Fotos: Helga Niekammer 

Zur Freude vieler Bürgerinnen und Bürger in Bergisch Gladbach gab es schon vor einigen Monaten die Ankündigung: „Es kommt Nabucco in die Stadt“, „… als Freilichtaufführung!“ Nicht nur bei Opernfans gelten OpenAir-Events als „Schmankerl“, auch Zuschauer, die dem Genre nicht so nahe stehen, fühlen sich von dem unverkrampften Festivalcharakter angesprochen.

Tatsächlich wurde es ein besonderer Abend, nach dem Viele im Hinausgehen sagten, dass „Es sooo schön“ gewesen sei.

Hinweis der Redaktion: Sie können jedes Foto durch einen Klick groß stellen und sich per Pfeil weiter bewegen, auf dem Handy am besten im Querformat!

Ab 18 Uhr trudelten SängerInnen, Orchestermitglieder und erste Gäste ein, über den Platzen wehten Einsingübungen und Anspielproben, später bildete sich eine Einlass-Schlange von Höhe der Fußgängerzone bis zum Hauptportal von St. Laurentius und in dem abgezäunten Gelände waren nur noch auf der Rathausseite einzelne Sitzplätze frei.

Neben der überdachten Bühne war das Orchesterzelt aufgebaut, diese räumliche Trennung erschwerte das Musizieren von Bühne und Orchester – ein großes Kompliment an die Beteiligten, dass sie sehr professionell mit dieser Situation umgegangen sind.

Das Publikum – teilweise ausgestattet mit Sitzkissen und Decken – wurde nun mitgenommen in das vielschichtige Libretto über das Streben des jüdischen Volkes nach Freiheit aus der babylonischen Gefangenschaft, den durch Selbstüberschätzung in den Wahnsinn geglittenen Titelhelden Nebukadnezar, die intrigante und machthungrige Abigaille, die Liebesgeschichte in der Gefangenschaft zwischen Ismaele und Fenena, schlussendlich die göttliche Rettung.

Jede Oper hat DEN goldenen Moment, auf den das Publikum gespannt wartet – bei Nabucco ist es der „Gefangenenchor“ im dritten Akt und bereits vorher ist entschieden: der Chor ist „der Star“, so war es auch an diesem Freitag und in der Zugabe wurde noch einmal das berühmte „Va, pensiero, sull’allidorate“ gegeben.

Bis dahin gestaltete Jurij Kruglov mit seinen überzeugenden stimmlichen und musikalischen Möglichkeiten den Zaccharias eindringlich und mitreißend.

Liana Sass als Abigaille sang die anspruchsvolle Partie technisch versiert, zeigte jedoch erst in der zweiten Hälfte des Abends differenzierte Stimmfarben und Nuancen.

Nabucco (Nikolaj Visnakov) ging souverän mit gut geführter Stimme durch das Werk und zeigte sich sehr ensemblefähig.

Einen wunderbaren Moment gestaltete Mezzosopranistin Veronika Hajnova als Fenena in der Arie „oh dischiuso è il firmamento“ im 4. Akt, hier war die Begleitung des Orchesters sehr stimmig und auf den Punkt musiziert (Dirigent Martin Doubravsky). Immer wieder gab das Publikum Szenenapplaus.

„Nabucco“ besticht durch die Chorauftritte und Massenszenen, in der Inszenierung von Oldrich Kriz, der auch den Gran Sacerdote gab, erzeugten schnell gewechselte Kostüme und Rüstungen mit entsprechender Beleuchtung einen Farbenrausch.

Die Farbsprache zog sich durch sein Konzept, das jüdische Volk wurde in Weiß/Braun gewandet und stand im Kontrast zum babylonischen Adel in Rot und Gold.

Eine Freilichtwanderbühne hat nur begrenzte Möglichkeiten bei der Menge der Requisiten und den Kulissen – entsprechend zurückgenommen wurde dies gelöst mit universell einsetzbaren „Steinblöcken“, verschiebbaren Hintergrundelementen und einem hart umkämpften Königsthron.

Der Abend endete mit stehenden Ovationen und einem gut aufgelegten Chor-Da-Capo.

Eines zeigt dieses Event deutlich: Es gibt – der Menge der Zuschauer nach zu urteilen – den Wunsch nach Oper in dieser Bergisch Gladbach und es muss nicht immer Köln sein!

Alle Fotos im Schnelldurchlauf:

Das könnte Sie auch interessieren:

Der ganze Don Giovanni in drei Minuten

Don Giovanni: Die Helden im Graben

Don Giovanni – ein Oper in 66 starken Szenen

Don Giovanni bietet ein unterhaltsames Inferno

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.