Andreas Ebert, Vorsitzender der SPD Bergisch Gladbach. Foto: Helga Niekammer

Das Thema treibt die Refrather um: An die hundert Anwohner diskutierten auf Einladung der SPD, was aus dem kleinen Park an der Wilhelm-Klein-Straße werden soll: Bleibt er, oder fällt er dem Bauboom zum Opfer? Das Resultat ist eindeutig. 

Ulla Reinhard ist Anwohnerin, sie beschreibt die Veränderungen ihrer Wohngegend als „schockierend”. Nutzbare Häuser würden abgerissen und durch neue Mehrfamilienhäuser ersetzt. Mit Wohnungen, die für viele nicht mehr bezahlbar seien. Mit der Bebauung des Parks gehe auch noch „das letzte Stückchen Grün verloren”, sagt die Refratherin. Für sie ist auch der historische Wert des 60 Jahre alten Parks enorm. 

Viele RefratherInnen ärgern sich sehr über die sogenannte Nachverdichtung des Stadtteils. Bei der emotionalen Debatte wurde deutlich: Sie sind nicht bereit, noch eine Grünfläche für den Wohnungsbau aufzugeben und wollen gemeinsam für den Erhalt des Parks kämpfen.

Eröffnet hatte das „SPD-Bürgergespräch” am Mittwochabend Peter Hoffstadt, mit einer Fragerunde an die vielen Teilnehmer – die sich vor allem mehr Informationen über die Pläne für „ihren” Park wünschten. Hoffstadt, Vorsitzender der SPD Arbeitsgemeinschaft Refrath, versprach, dass jeder zu Wort kommen könne. Auch er war überrascht, wie viele Bürger in den Refrather Treff gekommen waren.

Ein Foto von 1933 aus dem Archiv des BHV Refrath

Zum Hintergrund: Um für bezahlbaren Wohnungsbau zu sorgen hatte die Stadtverwaltung alle eigenen Grundstücke auf ihre Eignung hin untersucht – und ist auf nur zwei Flächen im gesamten Stadtgebiet gekommen. Neben dem Grundstück des alten Arbeitsamtes in Gladbach ist das ausgerechnet der kleine Park an der Willhelm-Klein-Straße.

Er liegt direkt an der Haltestelle der KVB Linie 1, nebenan befindet sich das Gasthaus „Ewige Lampe” und die Galerie Werkstatt. Früher befand sich hier „Quadts Kuhl”, die als Rodelgelände tief im Gedächtnis der Refrather verankert ist. Die Kuhle wurde vor 60 Jahren zugeschüttet, seitdem befindet sich hier die Grünfläche.

Inhaltlich beginnt das Bürgergespräch mit drei Referenten, die unterschiedliche Aspekte erläutern.

Nachverdichtung = Vernichtung von Grün

Andreas Ebert, Vorsitzender der SPD, macht mit seiner Präsentation auf das Problem der Nachverdichtungen und der damit einhergehende Vernichtung der Grünflächen aufmerksam. Es gebe nur noch sehr wenige Grundstücke, die sich für eine Bebauung eignen würden. Er deklariert die Fläche des Parks außerdem als „schwierigen Baugrund”, da diese vor der Gründung des Parks als Dolomitgrube genutzt worden war.

Mariana Krieber, die im Jugendamtselternbeirat tätig ist, klärt über die soziale Notlage auf. Es fehle nicht nur an Fläche für bezahlbares Wohnen, sondern auch an Unterbringungs- und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Mehr als 200 Kinder hätten keinen Platz in der KiTa. Eine schnelle und dauerhafte Lösung für dieses Problem müsse her, erklärt die junge Mutter.

Die ökologische Relevanz des Parks betonte der Leiter der Abteilung StadtGrün, Wolfgang Leuthe. Vor allem die Aspekte der Sauerstoffproduktion und der Luftreinigung durch den Park – gerade wegen der Straße Vürfelser Kaule/Dolmanstraße, auf der es häufig zu Staus vor der Bahnschranke käme – sei nicht zu unterschätzen. Außerdem sei die Grünfläche ein historischer Ort für ältere RefratherInnen und sollte schon deswegen erhalten bleiben.

Für dieses Plädoyer erhält Wolfgang Leuthe den meisten Applaus.

Nach den Vorträgen wird in Gruppen diskutiert, die Ergebnisse werden an Stellwänden zusammen getragen. Das Resultat ist sehr eindeutig: Der Park sei unverzichtbar, so das fast einstimmig Urteil der Anwesenden.

Gemeinsame Überlegungen über die Zukunft des Parks. Foto: Helga Niekammer

Er sei nicht nur wichtig für das Ambiente der Stadt, sondern auch ein seit Jahrzehnten bestehender Treff- und Identifikationspunkt, bringt es ein Bürger noch einmal auf den Punkt.

Zum Schluss bleibt den RefratherInnen nur noch eine Frage: Wie geht es jetzt weiter?

Peter Hoffstadt erklärt das weitere Vorgehen der SPD. Zunächst müsse die AG Refrath einen Beschluss fassen, der dann an die SPD-Ratsfraktion weitergeleitet werde. Was am Ende dabei herauskommt, das sei auch eine Verhandlungsfrage mit dem Koalitionspartner, der CDU.

Weitere Beiträge zum Thema:

Quadts Kuhl: Refrath hängt an der kleinen grünen Lunge

Debatte über Grünfläche an der Wilhelm-Klein-Straße

Refrath: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

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4 Kommentare

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  1. Der Park liegt direkt neben zwei Biergärten – wenn dort Wohnungen entstehen, sind Konflikte wegen Gaststättenlärm vorprogrammiert. Ist das wirklich ein guter Platz, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Warum nicht lieber dem Vorbild Münchens folgen und innerstädtische Parkplätze überbauen? Oder ein ‘Brückenhaus’ über eine kleinere Straße?

    Auch ist richtig, dass in Refrath neu entstehende Wohnungen für die meisten Menschen unbezahlbar sind. Nötig wäre viel mehr öffentlicher und genossenschaftlicher Wohnungsbau!

    Die aktuelle Diskussion könnte außerdem Anlass sein, über eine Neugestaltung des Parks nachzudenken. Bisher wird dieser (nach meiner Wahrnehmung) relativ wenig genutzt – aber das kann sich ändern, wenn Bürger*innen und Verwaltung gemeinsam überlegen, was sie dort gerne hätten: Spielgeräte? Obstbäume, Beerensträucher? Kunst? Mehr Licht, weniger ‘dunkle Ecken’?

  2. Sehr geehrter Herr Leuthe, danke für Ihre Rückmeldung. Den Verweis auf die Autobahn hatten wir falsch verstanden, das haben wir korrigiert. Zum zweiten Kritikpunkt: Wir können natürlich nicht die vollständigen Aussagen jedes Redners zitieren, sondern treffen eine Auswahl. Das die sozialen und nutzungsbezogenen Aspekte ein Thema waren, wird in dem Artikel deutlich.

  3. Das Bürgergespräch war ein gut besuchte und sachliche Veranstaltung zu der Frage, wie die Stadt mit der kleinen Grünanlage weiter verfahren soll. Leider wurde ich in dem Artikel falsch zitiert. Die Luftreinhaltung und Verbesserung an dieser Stelle ist nicht besonders wichtig wegen der Autobahn, sondern wegen der Straße Vürfelser Kaule/ Dolmannstraße weil sich hier die Autos regelmäßig an der Schranke zur Linie 1 stauen. Außerdem habe ich nicht nur auf ökologische Aspekte hingewiesen, sondern auch auf die sozialen und nutzungsbezogenen Aspekte für die Anwohner und Parkbesucher.

  4. Wieder mal trafen sich die verhinderte ..sie haben halb Refrath abgeholzt um sich schön niederzulassen… Aber jetzt andere nein wozu.. wieso Wohnungen… Hauptsache man hattt ja eine.Typisch..!!