Weaam Eissa, Michaela Bhattacharjee und Margret Burger

Das Internationale Begegnungscafé gibt es seit mehr als einem Jahr. Es ist nicht nur eine Anlaufstelle für Beratungen, sondern auch ein Identifikationspunkt. Das Projekt ist aber eine Herausforderung. 

Es ist der erste verregnete Montag im Oktober. Das Café Leichtsinn wird in den nächsten zweieinhalb Stunden zum Internationalen Begegnungscafé. Es gibt zunächst deutschen, später auch arabischen Kaffee. Eine junge Frau aus Syrien bringt ihn immer mit, wenn sie mir ihrem kleinen Sohn kommt.

Michaela Bhattacharjee freut sich jedes Mal über die mitgebrachte Kanne, auch, weil es die Dankbarkeit widerspiegelt, die die Menschen für das Hilfsangebot empfinden.

Die Kinder spielen, die Erwachsenen trinken Kaffee und unterhalten sich, oder grübeln gemeinsam mit Michaela Bhattacharjee und Margret Burger über einen Behördenbrief.

Anliegen und Austausch

Ins Café kommen viele Geflüchtete, meistens mit einem Anliegen. Zum Beispiel brauchen sie Hilfe mit Dokumenten oder möchten nicht alleine den Hausmeister rufen, wenn etwas mit der Wohnung nicht in Ordnung ist. Es kommen aber auch Leute, die nichts zu besprechen haben, sondern einfach nur den Austausch suchen.

Einige Migranten kennt Michaela Bhattacharjee schon seit Jahren. Und auch wenn die Sprachkenntnisse längst ausreichen, um zurechtzukommen, gehen sie trotzdem regelmäßig ins Café.

Dann helfen sie anderen Flüchtlingen und dolmetschen, wenn nötig. Wie zum Beispiel Weaam Eissa. Sie gehört längst zur Café-Familie und hilft, wo sie kann.

Wachsendes Beratungsnetzwerk

Doch es kommen auch manchmal neue Gesichter. Jeder kenne jemanden, der auch Hilfe bei etwas benötige und so entstehe ein Netzwerk rund um die Beratungsstelle. Ein Konzept, das sich bewähre.

Das Begegnungscafé ist im Januar 2017 von Michaela Bhattacharjee gegründet worden, die damals bei der Katholischen Kirchengemeinde als Ehrenamtsbegleiterin beschäftigt war. Inzwischen führt sie es ehrenamtlich weiter.

Gemeinsam mit Margret Burger kümmert sie sich hier um Geflüchtete vieler Nationen, wobei das Café für jeden Menschen offen steht.

Das Begegnungscafé ist aber mehr als nur eine Beratungsstelle. Es soll auch ein Ort des kulturellen Austausches sein, an dem jede Kultur ohne Vorurteile mit offenen Armen empfangen wird.

„Probleme hören nicht auf, sie werden größer”

Aber ist das überhaupt noch notwendig? Die Zahl der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, wird immer kleiner, Abschiebungen hingegen nehmen zu. Dieses Thema löst bei Michaela Bhattacharjee und Margret Burger Kopfschütteln aus.

„Die Probleme hören nicht auf, sie werden eher größer”, sagt Margret Burger. Auch wenn die Zahlen sinken würde, steige die Intensität von dem, was gebraucht würde.

Außerdem sei das „Flüchtlingsthema” problembeladen. Viele hätten keine Bereitschaft zu helfen, und auch die mediale Präsenz nehme ab, weshalb bei den Leuten die Notsituation nicht mehr als solche verstanden würde, weiß Michaela Bhattacharjee.

Schattenseiten und positive Erlebnisse

Sie hat Kommunale Verwaltung studiert und jahrelang im Sozialamt gearbeitet. Sie hat schon lange keine Berührungsängste mit Behörden mehr. Deshalb sei sie bestens geeignet für diese Tätigkeit, findet Margret Burger. Es ist ihr Herzensprojekt, für „das ich alles tue, was möglich ist”, bekräftigt Michaela Bhattacharjee.

Diese Arbeit hat allerdings auch Schattenseiten, denn sie werden manchmal auch mit plötzlichen Abschiebungen konfrontiert. Von Menschen, die sie jahrelang betreut haben. Trotzdem gibt es auch positive Erlebnisse. „Einer Familie mit all ihren Problem dabei helfen, anzukommen, ist für mich der größte Erfolg”, findet Michaela Bhattacharjee.

Auf die Frage, was sie sich nach über einem Jahr Begegnungscafé für die Zukunft wünsche, muss Michaela Bhattacharjee etwas überlegen:

„Da gibt es so viele Dinge, die einem durch den Kopf gehen. Ich glaube meine Antwort ist: mehr Menschlichkeit. Einfach nur den Menschen sehen und nicht nach der Herkunft gehen. Aber auch dankbarer dafür sein, wie gut es uns geht und mehr Empathie für diejenigen zeigen, die aufgrund ihrer Lebenssituation zu uns kommen wollen und sich selbst fragen: ‘Würde ich nicht genauso handeln, wenn es meine Familie wäre?’”

Mehr deutsche Teilnehmer würden helfen

Trotz des großen Engagement der beiden Frauen fehlt es an deutschen Helfern. Diese seien sehr wichtig, damit auch der kulturelle Austausch gefördert und mehr Deutsch gesprochen werde, sagen die beiden.

Das Internationale Begegnungscafé findet jeden Montag von 13:30 Uhr bis 16:00 Uhr im Café Leichtsinn (Dr.-Robert-Koch-Str. 8) statt. In den Schulferien ist geschlossen.

Das Internationale Begegnungscafé ist Teil des Bergisch Gladbacher Initiativennetzwerks, hier arbeite man miteinander. Friederike Hennig ist die Koordinatorin der Stadt Bergisch Gladbach rund um die Themen Ehrenamt und Flüchtlingshilfe. Sie hilft dabei, das geeignete Ehrenamt zu vermitteln. Kontakt: F.Hennig@stadt-gl.de 

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