Annina Frangenberg ist 28 Jahre alt. Seit etwas mehr als einem Jahr ist sie Mitglied in der FDP und jetzt schon eine potenzielle Kandidatin für das Europaparlament. Hat sie eine Chance?

Annina und ich treffen uns in einem Café. Die Atmosphäre ist entspannt, wir bestellen beide einen Cappuccino und ich beginne mit den Fragen. Wer ist diese junge, zielstrebige Frau und was hat sie mit Europa zu tun?

„Nicht politisch zu sein, ist ein Luxus, den man sich nicht mehr leisten kann“, sagt Annina Frangenberg immer wieder. Im Gespräch wird schnell deutlich, dass sie vor allem junge Menschen für Politik begeistern will: „Ich erhoffe mir, ein junges Gesicht für Europa sein zu können – und damit jungen Menschen neue Begeisterung für politische Themen zu schenken“, sagt sie selbstbewusst.

Es sei ganz wichtig, die Jugend für politische Themen zu sensibilisieren und ihnen zu helfen, die Vorteile und Privilegien der EU zu erkennen. Schließlich hätten wir jungen Leute auch die Verantwortung, Europa zusammenzuhalten. Der Brexit zeige, dass momentan das genaue Gegenteil passiere.

Seitdem sie im Juli 2017 in die FDP eingetreten ist, kletterte die junge Frau die Karriereleiter nach oben. Sie ist nicht nur stellvertretende Vorsitzende der Jungen Liberalen im Rheinisch-Bergischen-Kreis, sondern jetzt auch als Kandidatin für die kommende Europawahl vorgeschlagen worden.

Annina Frangenberg als Stellvertreterin neben Vorsitzenden der JuLis Alexander Engel (links).

Schon von klein auf habe sie sich für Politik interessiert. „Ich verdanke meinen Eltern die politische Begeisterung“, sagt die gebürtige Kölnerin – und erzählt davon, wie sie in ihrer Kindheit immer mit zum Wahllokal gegangen sei. Dabei habe sie auch gelernt, wie wichtig es ist, selbst nachzudenken und dementsprechend wählen zu gehen.

Annina hat Deutsch und Geschichte in Kombination mit Erziehungswissenschaften studiert und schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit an der Uni Köln. Nebenbei arbeitet sie als wissenschaftliche Hilfskraft. Obwohl die Promotion ein Vollzeitjob ist, findet sie immer noch die Zeit, sich sozial zu engagieren.

Ihr Herzensprojekt: „All Inklusive”

Jahrelang hat sie neben dem Studium im Café Leichtsinn, dem Jugendzentrum der katholischen Jugendagentur in der Robert-Koch-Straße,  gearbeitet. Irgendwann entstand dort die Idee von „All Inklusive“. Ein Inklusionstheater, bei dem mittlerweile 15 Jugendliche (mit und ohne Behinderung) gemeinsam Theaterprojekte umsetzen.

Bei diesem Thema fangen Anninas Augen an zu glänzen. Es ist ihr Herzensprojekt, an dem sie nach fünf Jahren immer noch mit der gleichen Hingabe teilnehme. Trotz ihrer Nominierung als potentielle Europakandidatin, bleibt die 28-Jährige bodenständig.

Warum FDP?

Auf die Frage, warum sie gerade der FDP beigetreten sei, wo doch soziale Themen für sie sehr wichtig sind, antwortet sie etwas verwundert: „Die Leute denken das häufig nicht, aber die FDP hat ein gut durchdachtes Konzept für soziale Themen, das war mir sehr wichtig“.

Jedoch war das Thema Bildung ausschlaggebend für ihre Entscheidung zum Beitritt einer Partei. Dass die FDP dazu beigetragen habe, die Förderschulen in NRW zu erhalten, hätte sie in ihrer wirtschaftsliberalen Einstellung bestätigt.

Und warum Europa?

Politik ist ein hartes Business, hier fängt die Karriere oftmals auf kommunaler Ebene an. Nicht aber für Annina Frangenberg, sie möchte direkt ins Europaparlament. Denn Europa ist im Augenblick für sie eins der wichtigsten Themen.

Unsere Generation sei in einer Zeit groß geworden, die nicht mehr für die Einheit von Europa kämpfen musste. Die Vorteile, wie zum Beispiel die Freizügigkeit innerhalb der EU, seien ein Privileg, das für viele längst selbstverständlich ist. Dieses Denken müsse sich ändern.

Den Menschen sei die Besonderheit Europas gar nicht mehr richtig bewusst. „’In Vielfalt geeint’, so lautet der Leitspruch Europas. Das bedeutet nicht, dass die kulturelle Vielfalt einzelner Staaten eingeschränkt werden muss, sondern lediglich, dass wir in Friede, Freiheit und Wohlstand leben können“, weiß die fortgeschrittene Studentin.

Deswegen will sie Botschafterin für Europa sein. Das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler müsse zurückgewonnen werden, damit sich auch die Wahlbeteiligung – gerade bei der Europawahl – erhöhe.

Ihr zielstrebiger Blick verrät mir, dass sie voll und ganz hinter ihrer politischen Haltung steht und ihren Eifer so schnell wie möglich in der Politik einsetzen will. Am liebsten ab nächstem Jahr in Straßburg.

Kann sie es schaffen?

Aber wie hoch sind ihre Chancen, ins Parlament zu kommen? Zunächst wird im Januar auf dem Parteitag der FDP entschieden, ob sie auf die Liste der Partei kommt. Bis jetzt ist Annina Frangenberg von ihren Parteikollegen nur „vorgeschlagen“ worden.

Dann ist entscheidend, auf welchem Listenplatz sie steht. Dabei gilt: je höher, desto besser. Die Europawahl am 26. Mai wird schließlich zeigen, ob sich ihr Engagement und Fleiß ausgezahlt hat und es für Annina heißt: Koffer packen, es geht nach Brüssel.

Ihr selbst ist klar, dass die Wahrscheinlichkeit dafür realistisch betrachtet nicht sehr groß sind. „Aber wenn ich keine Chance sehen würde, würde ich mich nicht zur Wahl stellen”, stellt sie klar.

Falls sie diesen Karrieresprung wirklich schaffen sollte, wären Außen -und Sicherheitspolitik sowie Digitalisierung und Bildung wichtige Themen. Aber soweit wolle sie im Augenblick noch gar nicht denken, „ich werde mich jetzt erstmal auf den Wahlkampf konzentrieren“, sagt die Jungpolitikerin pflichtbewusst.

Der eigene Name auf dem Wahlzettel …

Wahlkampf-Erfahrung hat sie bereits gesammelt, denn sie stand auch bei der vergangenen Bundestagswahl schon am Wahlstand und hat für die parteipolitischen Themen geworben. Trotzdem sei es nochmal etwas anderes, wenn bei der Wahl nicht nur die Partei, sondern auch ihr Name auf dem Zettel steht. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt sie etwas verlegen.

Für die Zukunft ist Annina Frangenberg eines ganz wichtig: „Ich möchte in irgendeiner Form etwas mitgeben. Egal, ob als Lehrerin, an der Uni oder als Politikerin“.

Und dafür ist sie auf einem vielversprechenden Weg.

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