Beim Stammtisch des Bürgerportals zum Flächennutzungsplan ist viel über die wichtigen Themen Umwelt, Natur, Klima, Flächenversiegelung und Verkehr geredet worden. Es gibt aber auch sozial gravierende Folgen. Zum Beispiel Einsamkeit.

Ich vertrete die Bürgerinitiative Heidkamp/Sand und wollte mich eigentlich beim FNP-Stammtisch im Bock zu Wort melden. Dazu kam es nicht mehr, daher fasse ich meine Gedanken hier zusammen.

Ausgangspunkt ist ein Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger, der am selben Tag erschien, nicht direkt in Zusammenhang mit dem Thema steht und dennoch seh gut passt. Der Titel hieß:

„Warten, dass wer kommt!”
Und weiter: „Einsamkeit – schädlicher als Fettleibigkeit und Rauchen!”

Der Hubbelweg, an dem ich wohne, verläuft vom Sander Greul zur Oberheidkamper Straße, durch eine Landschaft, die von Maisfeldern, Wiesen und Schrebergärten geprägt ist. Im Flächennutzungsplan findet sich diese Landschaft unter dem Kürzel HK3a wieder.

HK3a. Für Sie, Herr Baurat Flügge, für Sie Politiker im Stadtrat, ist das eine Nummer und eine lockende Steuereinnahmen?

Für die Familie Siemens, der das Areal gehört und die dabei ist, das Schloss Lerbach zu renovieren, ein ordentlicher Gewinn?

Für uns Bürger und „Veedelsbewohner“ aus Heidkamp/Sand bedeutet das Gelände aber viel mehr – nämlich tagtägliche Lebensqualität und Kontaktbörse:

  • Ein paar 100 Meter Stille, frische Luft, Durchatmen mit Weitblick in die Natur UND
    – zurück zum Stadtanzeiger – eine Begegnungsstätte für mehrere 100 Menschen am Tag – mitten im dicht besiedelten Umfeld.
  • Ein Weg ohne Autos und Bürgersteigkanten – für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstuhlfahrer.
  • Ein gefahrloser Schulweg für hunderte Kinder aus vier großen Schulen. Auf dem sie Selbstständigkeit lernen und Rücksicht nehmen üben. Auf dem gemeinsamen Heimweg können sie in Ruhe stehen bleiben, Klassenarbeiten diskutieren oder das jugendliche Liebesleben und kommen so mit weniger Frust an den Mittagstisch nach Hause.
  • Täglicher sozialer Treffpunkt für zig-Hundegassi-Geher und Spaziergänger aller Altersklassen – vielleicht – wenn es noch geht – mit Verlängerung in den Hardt-Wald.
  • Joggern und Wanderern ist unser Hubbelweg eine grüne Brücke in den Wald.
  • Täglich kommen Kleinkinder-Gruppen mit 8ter-Kinderwagen und bestaunen Natur und Tiere, pflücken Brombeeren und toben ohne Autostress.
  • Kindergarten- und Naturkunde-Gruppen der umliegenden drei Kitas und der OGS Heidkamp stromern durchs Gelände.
  • Es gibt wenig Sitzbänke in Gladbach, die so frequentiert sind, wie die auf der Ecke zur Oberheidkamper Strasse. Hier wird getratscht, gepicknickt, ausgeruht und geknutscht – mit Blick auf die Schafsweide.
  • Ich wohne seit 30 Jahren am Weg und habe schon Generationen von Kindern hier Fahrradfahren lernen gesehen.
  • Ich verleihe Schirme und im Sturm auch schon mal Terrasse oder den Hauseingang.
  • Weinende Kinder werden getröstet, Wunden versorgt, verlorene Gegenstände und Hunde zurück an den Eigentümer vermittelt. Im Hochsommer wird Wasser verteilt.
  • In den Schrebergärten wird Generationen von Kindern noch nahe gebracht, dass eine Zucchini nicht am Baum und Marmelade nicht im Supermarkt wächst.
  • Schafe, Kaninchen, Hühner, Enten sind der Beweggrund für einen freiwilligen Spaziergang und Attraktion für Generationen von Kindern, die sonst doch lieber vor einem viereckigen Gerät sitzen.

All das wird zerstört mit einer Bebauung von 100 Wohneinheiten mit 500 Autobewegungen am Tag. Bitte – Herr Flügge und Politiker und sonstwie Interessierte: helfen Sie, eine andere Lösung zu finden.

Allein die Schließung des Schlossparks seit nunmehr schon drei Jahren tut allen Sandern und Heidkampern schmerzlich weh. Aber das gibt schon mal einen Eindruck was passiert, wenn noch mehr Naherholung verloren geht.

Aus meiner Sicht hat ein Stadtrat die gesamtgesellschaftliche Aufgabe seinen Wählern und Bürgern Begegnungsräume zu erhalten und zu schaffen, um uns nicht – zurück zum Zeitungsartikel – alle krank zu machen.

Die Senioren in unserem Einzugsgebiet haben es noch selbst in der Hand jemandem zu begegnen. Sie müssen nicht – a la Zeitungsartikel – warten bis einer kommt.

Selbstbestimmt laufen sie los auf unseren Hubbelweg und ja – irgendeinen trifft man immer! Nach der Bebauung ist die nächste Frischluftzone ohne Hindernislauf viel zu weit weg für sie – unerreichbar mit Rollator oder Rollstuhl.

Noch viel mehr Hundehalter und Eltern mit Kindern steigen ins Auto, um zur Saaler Mühle oder dem heute schon viel zu kleinen Wanderparkplatz am Schloss Lerbach zu fahren.

Die Zuzügler, die hier hinziehen, ziehen deshalb hier hin, weil sie genau so wohnen möchten, wie wir jetzt. Volles Verständnis meinerseits. Aber das ist ja mit Wegfall der Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiete vorbei.

Ich und mit mir viele weitere zahlungskräftige Bürger suchen sich andere Orte, wo auf ihre Anliegen und Bedürfnisse noch Rücksicht genommen wird.

Alte Menschen bleiben zurück – einsam. Eingesperrt in ihren Wohnungen – mit Nachbarn, die sie nicht kennen und sich nicht kümmern.

Daher die Forderung: zerstören Sie nicht gewachsene Ortsteile. Wir wollen nicht ein zweites Mühlheim oder Kalk werden.

Nutzen Sie Brachflächen – es gibt genug davon!

Entwickeln Sie neue Stadtviertel mit jungen Familien, die zusammenwachsen wie wir hier in Sand/Heidkamp.

Wir wollen den FNP so nicht! Er macht uns krank! Wie war das …. schädlicher als Fettleibigkeit und Rauchen!

Sie zerstören unsere Begegnungsstätte und Naherholung. Daher lautet unsere Bitte, unsere Forderung: Raus mit HK3a und ähnlichen Gebieten aus dem FNP! Bitte, liebe Ratsmitglieder verabschieden Sie den FNP nicht in dieser Form am 19. November.

Lehnen Sie ihn ab.

Weitere Beiträge zum Thema:

HK 3a: Oberheidkamper kämpfen für ihren „Hubbelweg”

CDU stimmt dem FNP-Entwurf zu

„Haben Sie gar keine Angst, abgewählt zu werden?”

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8 Kommentare

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  1. Hallo Frau Leipertz,
    ich kann Ihren Ausführungen nur zustimmen. Die Stadt Bergisch Gladbach muss diese letzten Erholungsflächen erhalten und darf sie nicht für Bauprojekte opfern, die direkt zu Lasten des Klimaschutzes gehen.
    Nicht ohne Grund ist der Bereich Hk3a seit Jahrzehnten Landschaftsschutzgebiet, und das sollte auch so bleiben. Die Stellungnahmen der Verwaltung der Stadt Bergisch Gladbach auf die Eingaben der Bürger lassen allerdings erkennen, dass in der Verwaltung keine Ortskenntnisse vorliegen. So wird z.B. auf die alternativ mögliche Nutzung des Parks von Schloss Lerbach hingewiesen, obwohl dieser Park wegen Renovierungsarbeiten am Schloss seit 3 Jahren gar nicht mehr zugänglich ist und eine Wiedereröffnung nicht erwartet wird.
    Eine Kommunikation der Verwaltung/Politik mit den Bürgern war das ganze Verfahren zum FNP nicht. Alle berechtigten Einwände gegen den FNP wurden jetzt nur noch lapidar “zur Kenntnis genommen”, aber nicht berücksichtigt.
    Wenn der FNP in dieser Form verabschiedet werden wird, wird das mit Sicherheit Konsequenzen in der Europawahl 2019 und in der Kommunalwahl 2020 nach sich ziehen.
    Aber vielleicht denken einige Stadtratsmitglieder ja doch noch einmal nach …

  2. Hallo, Herr Dürrenberg, in Ihrem Kommentar zu dem wunderbaren Artikel sprechen Sie wohl mich an, wenn Sie von “Besitzern” sprechen. Hier irren Sie aber. Ich war und bin keineswegs Besitzer eines Hauses in der Nähe des angesprochenen Gebiets. Vielleicht ist Ihr Kommentar noch auf weitere Irrtümer zurückzuführen. Da das alles etwas komplizierter ist, würde ich gerne mit Ihnen per Mail kommunizieren. Deshalb habe ich Herrn Watzlawek erlaubt, Ihnen meine Mail-Adresse weiterzugeben. Ich warte also mit Spannung auf Ihre Mail.

  3. Sehr geehrte/-er W. Dürrenberg,

    Ich habe keine Ahnung, was Sie befähigt die Argumente der Eigentümer/ Besitzer und der Anwohner in der Nähe des Hubbelweges zu beurteilen und zu behaupten, dass das hätte schön längst bebaut werden sollte.

    Auf jeden Fall sehe ich von Ihnen kein einziges Argument für Ihre Behauptung.

    Ich denke gerade Eigentümer/ Besitzer und der Anwohner können beurteilen, inwieweit die Umgebung erhaltenswert ist. Ebenso werden in die neue Wohnung mit der Nähe zum Grünen gelockt. In den Prospekten wird geworben: “Durch die Nähe zum Zentrum von Bergisch Gladbach und gleichzeitig zu grünen Waldwegen und schöner Natur wird die Lage besonders attraktiv”.

    Natürlich möchten sich die Leute den Charakter der Gegend erhalten.

  4. Sehr geehrte/r Frau/Herr Dürrenberg,

    leider muss ich raten, was aber zum besseren Verständnis der folgenden Zeilen führt.

    Ich vermute, Sie meinen Eigentümer, wenn Sie Besitzer schreiben.

    Wenn 40 Jahre am selben Fleck Wohnende für Sie noch Zugezogene sind, nehme ich das als neue Begriffsbestimmung durch Sie.

    Ein Recht, ins Grüne zu ziehen, ist mir bis heute nicht bekannt und ich lebe schon über 30 Jahre in Bergisch Gladbach. Wahrscheinlich aber kann ich das als Zugezogener nicht wissen.

    Da Sie eine längst überfällige Bebauung des “Hubbelweges” anführen, muss ich wieder raten: Sie sind entweder Immobilienmakler – ein Beruf ohne Ausbildung – oder Bauunternehmer, oder Immobilienverwerter oder Parteimitglied einer GroKo-Partei oder einfach nur mit dem falschen Fuß aus dem Bett gestiegen, als Sie Ihren Text schrieben.

    Wenn Ihnen grüne Wiesen und Landschaften, gute Luft und weniger Verkehr, Spazierwege und Freizeitmöglichkeiten nicht gefallen, dann ziehen Sie doch weg. Damit wäre beiden Seiten gedient.

  5. Es ist immer wieder komisch wie Besitzer argumentieren… und auch gerade zugezogene! Wenn wir 40 jahre zurück gehen waren die meisten Bauten noch gar nicht da ,und es gab noch Wege genug..!Aber dann kamen die neuen Bauten..und zogen dort hin..! So ist es heute auch..sie haben das selbe recht ins Grüne zuziehen wie ihre Vorgänger ! Der Hubbelweg hätte schon längst bebaut werden müssen,! Natürlich muss man sich Gedanken machen..für einen Ersatz….Aber wer die Gegend kennt weiß ,dort gibts genug Chancen für neue Hubbelwege .!/

  6. Liebe Frau Leipertz, ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrem Artikel. Ich bin 1982 mit meiner Familie nach Gladbach gezogen, wegen dieses Weges und vor allem wegen des Schlossparks, wo unsere Kinder -auch auf dem Fahrrad-Weg zur ihrem Bonhoeffer-Gymnasium- das sie sich damals selber ausgesucht hatten, einen glücklichen Teil ihrer Jugend verbracht haben. Seitdem erlebe ich ständig, dass die Bürger -der eigentliche Souverän dieser Stadt- die positiven Seiten ihrer Gemeinde gegen ihre gewählten Vertreter und die Verwaltung, deren Arbeitgeber sie eigentlich sind, verteidigen müssen. Wir müssen endlich wieder eine Vorwärtsstrategie entwickeln, nach der wir nicht immer nur verteidigen, sondern unsere Rechte fordern, gegen die Interessen von Maklern und ihren undurchsichtigen Verbindungen. So sollten wir auch fordern, dass der Lerbacher Park uns wieder zurückgegeben wird, und dass unsere gewählten Vertreter sich ins Zeug legen, uns -wenn nötig, auch juristisch- diesen Teil unseres Lebensraums zurückzuerkämpfen.

  7. Vielen Dank, Frau Leipertz, Sie haben wunderbar formuliert, warum dieses Areal mehr ist als ein „Hubbelweg“.

  8. Ich kann dem allen nur zustimmen. Dieser Weg ist wirklich ein Ort der Begegnung. Wer noch nicht da gewesen sollte hier einmal bei schönem Wetter nachmittags durchgehen und es sich ansehen.
    In der angrenzenden Oberheidkamper Straße, in der ich wohne, gab in den letzten Jahren bereits eine enorme Verdichtung der Bebauung. So wie derzeit auf einem Grundstück 60 Wohneinheiten gebaut werden. Durch die drei umliegenden Schulen ist die Straße gerade zu Schulbeginn und -ende immer dicht. Gerade morgens sieht hier man verunsicherte Grundschüler auf der Straße.
    Das sollte nicht noch enger werden, in dem am Hubbelweg auch noch gebaut wird.
    Herr Flügge sprach sich an dem Abend auch dafür aus, dass die Leute um die Straßen vom Autoverkehr zu entlasten, auf das Fahrrad umsteigen sollten. Da ich das vor einiger Zeit gemacht habe, weiß ich, dass es Bergisch Gladbach an sicheren Fahrradwegen mangelt.
    Am Hubbelweg gibt es ein positives Gegenbeispiel. Hier ist ein Weg, wie man ihn sich als Fahrradfahrer wünscht und so sollte er auch erhalten werden.