Auch jetzt noch befassen sich Bürger neu mit der Frage, wie sich der Flächennutzungsplan auf ihr Umfeld auswirkt – und bilden neue Bürgerinitiativen. Zum Beispiel für eine immerhin 3,5 Hektar große Fläche am Nordrand des Lerbacher Waldes.

Heike Leipertz und Dieter Tiebel wohnen am „Hubbelweg”, der die Oberheidkamper Straße mit Sand verbindet. Sie sind fast die einzigen Bewohner einer Fläche zwischen Oberheidkamper Straße, Schützenheide und Lichtenweg, die aber von vielen Anwohnern genutzt wird und auf der bis zu 100 Wohneinheiten entstehen könnten.

Sie hatten einen Aufruf gestartet. „Spät, aber nicht zu spät” formiere sich auch hier eine Bürgerinitiative, berichten sie. Zwei Wochen seit Aktionsstart melden sie eine große Resonanz und Unterstützung von Anwohnern und Nutzern des Weges.

Wir dokumentieren ihre Stellungnahme als inzwischen achten Teil unserer Serie. Die früheren Beiträge finden Sie unten.

Im FNP-Entwurf (Anlagenband, Seite 38) heißt es zu dieser Fläche:

„Die am Nordwestrand des Lerbacher Waldes gelegene Baufläche nutzt eine relativ kleine und singulär gelegene Ackerfläche sowie gärtnerisch genutzte Grundstücke. Die städtebauliche Bewertung weist der Fläche eine der besten Eignungen für eine Wohnbauentwicklung im gesamten Stadtgebiet zu.

Die Abgrenzung der Fläche orientiert sich an der umliegenden Wohnbebauung und deren Anknüpfungspunkten sowie den benachbarten Waldflächen. Sie wird von einer kleinen Straße in Nord- Süd-Richtung durchquert und ist so günstig an die Schulkomplexe Bonnschlade und Am Rübezahlwald angebunden. Eine Erschließung ist insofern von Norden und von Süden möglich.”

In der Priorisierung von CDU und SPD ist diese Fläche unter 3 einsortiert. Diese Fläche soll also erst dann erschlossen werden, wenn die anderen Wohnflächen (Prio 1 und 2) bereits in Anspruch genommen wurden. 

Dokumentation der Stellungnahme zu HK3a:

Die überplante Fläche liegt im Bereich des Regionalen Grünzugs, der im Regionalplan als verbindliche Grundlage für die kommunale Bauleitplanung festgelegt ist. HK3a ist auch im Freiraumkonzept und im Stadtentwicklungskonzept ISEK 2030 als besonders schützenswerte Fläche ausgewiesen. Die Bezirksregierung Köln hat in ihrer Stellungnahme zum FNP-Vorentwurf darauf hingewiesen, dass das Freiraumkonzept einzuhalten sei! Die Erhaltung der großen Freiräume als Flächen mit hoher Relevanz für den klimatischen Ausgleich wird im Freiraumkonzept mehrfach betont.

Das Feld zusammen mit den Schrebergärten und der Schafs-/Obstweide grenzt direkt an den Wald und Park von Schloß Lerbach und dient als grüne Brücke zwischen Sand und Heidkamp. Die Fläche ist  ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet und hat eine hohe Relevanz für den klimatischen Ausgleich der umliegenden, eng bebauten Wohngebiete.

Ganz wichtig erscheint mir auch, dass Belange des Artenschutzes für Hk3a im Steckbrief nicht berücksichtigt bzw. korrekt gewichtet werden. Es leben hier Dachshunde, Marder, Eichhörnchen, Fuchs, Rehwild, viele verschiedene Greif- und Singvögel (Rotmilan), Wildtauben, Spechte, Eulen, verschiedene Fledermausarten, Schmetterlinge, Kröten, Weinbergschnecken, Blindschleichen, Nager, Frösche und Maikäfer usw. Auch die Obstwiesen und Schrebergärten sind wichtige Bestandteile des Naturschutzes (Bienen).

Eine Artenschutzprüfung ist nicht erfolgt. Es wird ein Landschaftsschutzgebiet und ein Trittstein-Biotop zerstört!

Für uns Stadtteilbewohner ist das aber längst nicht alles!

Diese grüne Brücke ist für viele Bürger aus Sand und Heidkamp das einzige, zu Fuß erreichbare Stückchen Natur OHNE Verkehr und ein immens wichtiges Naherholungsgebiet und ein sozialer Treffpunkt für Alt und Jung:

  • als Brücke für Spaziergänge und Sport im Lerbacher und Hardt-Wald
  • für ältere Menschen mit Rollatoren und Rollstuhl oder kurzen Reichweiten
  • für drei umliegende Kitas und Kindergärten, die OGS Heidkamp und die vielen Familien mit kleinen Kindern (Fahrradumgang erlernen, Tiere schauen…)
  • die Kurz-Gassi-Geher ohne Anwohner-Belästigung
  • für die Schulkinder von 4 großen Schulen Schulweg und sozialer Treffpunkt vor und nach der Schule
  • wichtige Fahrradverbindung ohne Verkehr, Weiterfahrt durch die Bonnschlade-Achse zum DBG/Kreishaus
  • für die Schrebergärtner und Anwohner, deren Garten an den Acker grenzt

Zusätzlich zu beachten ist auch die fragliche Wiedereröffnung des Parks von Schloss Lerbach für die Öffentlichkeit. Seit 3 Jahren schon entfällt der Park als Naherholungsgebiet.

Alle umliegenden Straßen und Kreuzungen sind heute schon überlastet und können keinen zusätzlichen Verkehr aufnehmen. Auf der Bensberger Straße geht bei Schulschluss der Berufsschule nichts mehr und soeben entsteht am Anfang der Oberheidkamper Straße ein Neubaugebiet mit 60 WE, daneben ein Mehrfamilienhaus und in Sand, Lichtenweg ist der Bebauungsplan schon durch.

Die Buslinie 227 ist zu Stoßzeiten eine echte Zumutung. Die Oberheidkamper Straße und der Greuel sind 30ger-Zonen mit vielen Parkflächen auf der Straße und heute schon ein absoluter „Hindernislauf“ insbesondere auch bei Schulbeginn der anliegenden Grundschulen/Kitas!

Die im Steckbrief sogenannte Nord-Süd-„Straße“ ist heute ein schmaler Weg und verläuft zwischen Schrebergärten (Zubringer) und Acker direkt vor der Haustür des Fachwerk-Gehöfts (Jahrgang ca. 1850) vorbei und ist für Durchgangsverkehr  gesperrt.

Soll hierüber etwa der Verkehr von zusätzlichen 100 Wohneinheiten (500 Fahrzeugbewegungen/Tag plus Abkürzer) abgewickelt werden!? Wie wird diese Straße dann aussehen? Zweispurig?

Die Schrebergärtner, die Anlieger mit Weitblick über den Acker sowie alle heutigen Nutzer (mindestens 200 bis 300 Personen pro Tag) wären um die Schönheit, Ruhe und Vielfalt dieser Fläche betrogen.

Weitere Beiträge der Serie:

BI Frankenforst: BASt für ein Gewerbegebiet nicht geeignet

BI Katterbach: Harter Eingriff in Natur und Landschaft

BI Schildgen fordert: Wachstum begrenzen

BI Nussbaum: Nu7a & 7b müssen aus dem FNP raus

„Unser Weg zum Flächennutzungsplan”

„Tarnen, Täuschen, Fakten schaffen“ ein Erfolgsrezept?

BI Sträßchen Siefen: Keine Bebauung im Grünzug

FNP: Für den Erhalt von Schlodderdeichs Wiese

Frankenforst: Fr1 und Fr 3 nicht für Gewerbe geeignet

FNP: In Nussbaum bildet sich eine zweite Initiative

FNP-Kompass: Fläche raus, Fläche drin?

Bündnis Heideterrasse: 66 Argumente gegen den FNP

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Hallo H.Leipertz und D. Tiebel, seit Jahrzehnten bewundere ich Euer schönes kleines Haus, welches Ihr mit viel Liebe dekoriert- zur Freude der Spaziergänger!
    Und Ihr möchtet mitten in dieser 3,5 ha freien Fläche weiter alleine wohnen.
    Und die anderen Menschen? Bitte kommt nach Heidkamp, Gronau , Hand, Hebborn und schaut Euch an wie wir hier wohnen!
    Rolf-Albert Schmitz
    Stiftung Solidarität und Menschenrecht- SUM

  2. Man kann den Oberheidkampern nur gratulieren, sich auch massiv gegen den FNP-E. zu wehren. Der Willkür von Politik und Verwaltung sollte die Bevölkerung überall, wo sie damit konfrontiert wird, etwas entgegensetzen. Naturschutz, Landschaftsschutz, Schicksal der Menschen oder gar Gesetze scheinen da nichts mehr ausrichten zu können, man ignoriert das einfach. Die Zielsetzungen der Planungen für einen neuen FNP scheinen sich von Anfang an nicht um das zu kümmern, was ihnen vorangehen sollte: Das Wohl der Bürgerinnen und Bürger und nicht das von Lobbyisten und Industrie. Eine jahrzehntelange Misswirtschaft – das es anders geht, zeigen Städte wie Monheim etc. – darf nicht dazu führen, die leere Kasse gegen die Belange der Bevölkerung sanieren zu wollen.