Foto: Thomas Merkenich

Die Evangelische Kirche Bensberg liegt ein wenig versteckt, zwischen St. Nikolaus und dem Friedhof, hoch über der Stadt. Wer sie aufspürt, dem bietet sich ein wunderbarer Blick und ein tiefer Einblick in Bensbergs Geschichte.

Unser Fotograf Thomas Merkenich porträtiert die kleine Kirche mit aufblühenden Kirschbäumen im Sonnenuntergang – und hebt sie damit ganz besonders hervor.

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Besonders an der Kirche ist aber auch, dass sie – als eine von sehr wenigen in Deutschland überhaupt – unter der Herrschaft der Nationalsozialisten gebaut wurde. Ihr Entstehen geht sogar direkt auf den Machtanspruch der Nazis zurück – erfährt man auf der Website der Evangelischen Kirche.

Denn bis dato hatten die Protestanten in Bensberg ihre Heimat im Schloss. Das war seit 1840 eine preussische Kadettenanstalt und hatte als solche einen evangelischen Geistlichen. Seine täglichen Andachten und sonntägliche Gottesdienste in der Schlosskapelle zwischen den beiden Hauptflügeln des Schlosses standen auch Bensbergs evangelischen Christen offen.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem Ende der Kadettenanstalt 1918 behielten die Protestanten die Kapelle als Gebetsraum, der von einem Pfarrer aus Bergisch Gladbach mit betreut wurde.

Aus dem Schloss vertrieben und ausgeschlossen

Doch kurz nach der Machtergreifung machten die Nazis das Schloss zur Nationalpolitischen Erziehungsanstalt. Für einen Gebetsraum war kein Platz, 1935 fand zum letzten Mal im Schloss ein Gottesdienst statt.

Hinzu kam, dass die Pfarrer aus Bergisch Gladbach  zu den nazifreundlichen Deutschen Christen (DC) zählten. Dagegen waren die Bensberger Anhänger der Bekennenden Kirche. Die Spannungen führten so weit, dass den Bensbergern der Gottesdienst in Bergisch Gladbach verwehrt wurde.

Die Bensberger Christen kauften zunächst ein altes Haus an der Gladbacher Straße, in dem heute das Gemeindeamt untergebracht ist, für ihre Gottesdienste. Der erste Entwurf für eine neue Kirche, sah ein gedrungenes Kirchenschiff in Form einer Basilika vor. Aber dafür reichte das Geld nicht.

Zudem verlangte das staatliche Bauaufsichtsamt, dass die Kirche in Angleichung an das barocke Schloss gebaut werden musste. So kam die Kirche zu dem von Architekt Schönhagen gestaltetem Äußeren, das sie bis heute prägt. Die Turmkonstruktion ähnelt in seiner Form den Türmen des Schlosses.

Hier noch einmal das Foto in größerer Auflösung.

Am 5. September 1937 wurde der Grundstein gelegt. Auch hier kam es zum Konflikt, denn die Bensberger Presbyter konnten nicht zu verhindern, dass neben der Kirchenfahne auch die Hakenkreuzfahne aufgezogen wurde. In der Urkunde, die in den Grundstein gelegt wurde, findet sich eine Distanzierung zum Nationalsozialismus und ein Bekenntnis zu Gottes alleiniger Herrschaft:

„In einer Zeit des staatlichen Wiederaufstieges und des Ringens um Jesus Christus und seine Kirche legten wir im Vertrauen auf Gottes gnädige Hilfe den Grundstein zu dieser Kirche. Möge sie mithelfen, dass Gottes Reich komme.”

Bis zum Zweite Weltkrieg waren es nur noch neun Monate. Gegen Ende des Krieges wurde die Kirche durch eine Luftmine beschädigt und nur notdürftig repariert.

Nach Kriegsende änderte sich die konfessionelle Lage schlagartig. Tausende von Flüchtlingen und Vertriebenen strömten in den Westen und brachten ihr evangelisches Bekenntnis mit. Die Kirche wurde rasch zu klein, hinzu kamen die Mängel, die im Krieg und in den Jahren danach entstanden waren.

Der erste Umbau 1973

Doch erst in den 70er Jahren wurde der Entschluss zum Umbau gefasst. Architekt Mehlau drehte 1973 den Innenraum der Kirche um 180 Grad und gewann damit weiteren Raum. Der Altar zeigte nun nach Westen und kam unter die Orgelempore.

Der zentrale Haupteingang wurde zur Sakristeitür, die beiden ehemaligen Hintereingänge zu Haupteingängen. Die Innengestaltung wurde lichter, der graue Anstrich wurde gegen weiße Wände und eine Decke eingetauscht, die in den bergischen Farben grün, gelb und rot gehalten war.

Der zweite Umbau 2003

2003 wurde erneut umgebaut und erweitert, von den Architekten Jürgen Kreft und Marianne Vogt-Werling. Der Kirchenraum wurde zurück gedreht, Emporen rechts und links eingezogen.

Eine Besonderheit ist das neue Kreuz, das auf eine Anregung von Kreft und Voigt-Werling zurückgeht: Zwei große Holzflächen, die ungleich breit sind, wirken zusammen wie zwei Kreuzhälften. Eine künstlerische Komposition, bei der das Kreuz als Licht-Ausschnitt erscheint. Ein großes Fenster im Hintergrund verstärkt den Lichteffekt der Installation.

Der letzte Schritt

In diesem Herbst erhält die Kirche, als verspäteten Abschluss der Umbauten von 2003, neue bunte Fenster. Die sechs Fenster zu den „Arbeitstagen“ der Schöpfung sind vor einigen Jahren von Konfirmanden entworfen und im Laufe der Zeit, aus Spenden finanziert, von der Glaskünstlerin Maria Schätzmüller-Lukas umgesetzt worden.

Die Fenster sind mit den Worten des Schöpfungsberichtes beschriftet, „angesichts der Gründungsgeschichte unserer Kirche ganz bewusst in Hebräisch und Deutsch”, berichtet Pfarrer Wolfgang Graf.

Quellen: Evangelische Kirche Bensberg, Wikipedia

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Das zwölfte Bild der Woche wirkt wie ein Dorf, ist aber ein uraltes Gewerbegebiet. Schon vor mehr als 400 Jahren wurde an der Alten Dombach Papier produziert, seit 20 Jahren steht es als Museum für Besucher offen. Mehr Infos

Das elfte Bild der Woche zeigt das heutige Empfangsgebäude von FHDW und b.i.b. in Gronau – das eigentlich ein Bahnhof ist: Bis in die 60er Jahre hielt hier die Sülztalbahn, auf dem Weg von Köln nach Lindlar. Alle Infos in diesem Beitrag

Das zehnte Bild der Woche liegt ein wenig versteckt im Kern dessen, was einmal Bensbergs Altstadt war. Als Gasthaus der Familie Wermelskirchen in der vierten Generation ist es ebenso bekannt wie beliebt. Dabei hatte es mal als Kaffeehaus angefangen. Mehr dazu in diesem Beitrag.

Das neunte Bild der Woche: Jahr für Jahr wird das Waffeleisen am Rathaus zu Karneval abmontiert und der Brunnen durch eine bunte Kiste geschützt. Kaum jemand weiß, dass die Kiste vor 26 Jahren gleich nebenan gebaut wurde. Mehr dazu in diesem Beitrag

Das achte Bild der Woche: Die Kirche St. Johann Baptist stammt aus dem 19. Jahrhundert, doch die benachbarten Gebäude und der Kirchplatz sind modern: In Refrath fand Thomas Merkenich eine gelungenes Ensemble aus alt und neu. Mehr Infos

Das siebte Bild der Woche zeigt Gefängniszellen, doch das ist lange her.Nicht zuletzt die Pflastersteine verraten, wo Thomas Merkenich dieses Motiv gefunden hat: Im Hof des historischen Rathauses Stadtmitte. Mehr Infos gibt es in diesem Beitrag.

Das sechste Bild der Woche: Stolz erhebt sich St. Clemens über Paffrath.Thomas Merkenich fand neben dem Gasthaus Fronhof eine Perspektive, die die Kirche eindrucksvoll in Szene setzt und neugierig macht. Mehr Infos dazu gibt es in diesem Beitrag.

Das fünfte Bild der Woche spürte Thomas Merkenich in Herrenstrunden auf: Gut Schiff, umgeben von einer satten Schneedecke.In diesem Beitrag gibt es dazu mehr Infos.

Das vierte Bild der Woche hat Thomas Merkenich am Ende der Bensberger Schlossstraße gefunden. Heute residiert hier das Progymnasium als generationsübergreifende Bildungs- und Veranstaltungsstätte. Aber welche Geschichte hat das alte Schulgebäude? In diesem Beitrag erfahren Sie mehr.

Das dritte Bild der Woche zeigt das Stachelsgut. Er gehört zum Ortskern von Altrefrath. Ganz in der Nähe der alten Taufkirche hat Thomas Merkenich das schöne Fachwerk aufgespürt.Mehr Infos dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Das zweite Bild der Woche ist ein Gebäude, das für die Veränderung von Bergisch Gladbachs Innenstadt steht. Mit Peek & Cloppenburg begann 1998 die Zeit der modernen Kaufhäuser. Mehr Infos dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Das erste „Bild der Woche” zeigt ein besonderes Ensemble in Herkenrath: Das Gasthaus am Alten Fronhof und die Kirche St. Antonius Abbas. Mehr Infos dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Thomas Merkenich ist freier Fotograf und gehört zum Team des Bürgerportals. Mehr Fotos von ihm finden Sie auf Facebook, Instagram, auf seiner Website sowie in unserem Beitrag über seinen Bergisch Gladbach-Kalender. Kontakt per Mail.

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