Der Ausbau der S 11 steht zwar an – doch bis es irgendwann endlich so weit ist, werden die Plagen der Bahnfahrer immer größer: die Verspätungen und Ausfälle haben 2018 weiter zugenommen, heißt es im „Qualitätsbericht” des NVR. Allerdings gibt es auch Lichtblicke.

Einmal im Jahr legt der Nahverkehr Rheinland (NVR) seinen Qualitätsbericht für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) vor. Seit Jahren berichtet der NVR über immer vollere Züge – und eine Überforderung des Systems. Inzwischen gebe es zunehmend Probleme, den Bahnbetrieb stabil zu halten.

Die Zahl der Fahrgäste stieg um knapp ein Prozent auf durchschnittlich 436.000 Einsteiger an Werktagen. Bei den S-Bahnen waren es mit einem Plus von 1,76 Prozent deutlich mehr Fahrgäste. Bei der S 11 gab es allerdings eine Sonderentwicklung, dazu unten mehr.

Das Sicherheitsgefühl hat sich verbessert

Die positiven Entwicklungen sind schnell abzuhandeln: Der verstärkte Einsatz von Sicherheitspersonal habe das Sicherheitsgefühl deutlich gestärkt, das gehe auch aus Fahrgastbefragungen hervor. Und auch beim Fahrzeugzustand gebe es einige Fortschritte.

Bei den zentralen Kriterien der Qualität seine jedoch „spürbare Verschlechterungen” zu verzeichnen – sowohl für Zugausfälle, Pünktlichkeit und Kapazität.

Ausbau der Infrastruktur ist überfällig

Als Gründe nennt der NVR die Tatsache, dass die Bahninfrastruktur schon lange für die wachsende Nachfrage nicht mehr reicht. Die Gleise sind mehr als ausgelastet, die Züge reichen nicht mehr aus und sind veraltet. Zwar wird das System jetzt allmählich ausgebaut, aber die vielen Baustellen sorgen aktuell für weitere Probleme.

Landrat Stephan Santelmann, der auch Vorsteher des Zwecksverbands Nahverkehr Rheinland ist, fordert daher einen „einen bedarfsgerechten Ausbau der Infrastruktur”, um so die mobile Zukunft der Region zu sichern. Dabei setzt er vor allem auf das Maßnahmenbündel rund um den „Bahnknoten Köln”, die jetzt allmählich anlaufen.

Jeder Zug ist zwei Minuten zu spät

Wie marode das System ist, lässt sich an den Ausfällen ablesen, die im dritten Jahr hintereinander gestiegen sind: Bei den RegionalExpress-Linien (RE) fielen 2,7 Prozent der Sitzplatzkapazitäten aus (2017: 2 Prozent), bei der RegionalBahn (RB) 2,4 Prozent (2017: 1,5) und auf der S-Bahn 2,3 Prozent (2017: 1,1).

Auch die Verspätungen nehmen zu: Im Durchschnitt kommt jeder (!) Zug 2 Minuten 7 Sekunden zu spät, im Vorjahre waren es noch 1 Minute 49 Sekunden. Die RE-Linien sind sogar 3 Minuten 20 Sekunden zu spät.

Bei den S-Bahnen ist die durchschnittliche Verspätung mit 1:25 Minuten zwar nicht ganz so hoch, aber sie hat innerhalb eines Jahres um 12 Prozent zugenommen.

Sonderentwicklungen bei der S 11

Bei der S 11, die von Bergisch Gladbach über Köln bis weit über das NVR-Gebiet hinaus nach Düsseldorf fährt, gab es ein paar Sonderentwicklungen.

In der Kategorie „Zugausfälle” hat sie sich zu besten S-Bahn in der Region entwickelt. 2017 war sie noch sehr schlecht, vor allem aufgrund einer Großbaustelle bei Worringen. Doch in 2018 fielen „nur” noch 2,5 Prozent der Züge ganz aus. Züge in Richtung Bergisch Gladbach, die schon in Duckterath wenden, werden hier allerdings nicht mitgezählt. Das sei nach wie vor ein großes Problem, ergänzt NVR-Sprecher Holger Klein auf Nachfrage.

Bei den Verspätungen ist die S 11 dagegen mit 1:42 Minuten die schlechteste S Bahn. Wie die S 19 muss sie quer durch Köln hindurch, und leidet besonders unter den Baustellen dort.

Massiv verschlechtert hat sich die S 11 bei den Kapazitätsausfällen. Hierbei handelt es sich um Züge, die zwar fahren – aber mit weniger Waggons als eigentlich vorgesehen. Weil die Bahn nicht genügend Material und/oder Personal hat. 2018 haben sich diese Ausfälle bei der S 11 mehr als verdreifacht.

Auffällig ist, dass die Zahl der Passagiere in der S 11 gegen den Trend (plus 1,76 Prozent) in 2018 gefallen ist. Das geht jedoch darauf zurück, dass zwischen Köln und Dormagen ein zusätzliches Angebot durch die RE6 geschaffen wurde, auf das viele Fahrgäste umgestiegen sind.

Auf der Kernstrecke der S 11, zwischen Bergisch Gladbach und Köln, wachst die Nachfrage weiter an, sagt NVR-Sprecher Klein.

Bei der Kundenzufriedenheit liegt die S 11 im Mittelfeld der Angebote des NVR, der Wert ist in den vergangenen Jahren allerdings von 2,98 auf 3,11 Negativpunkte gefallen.

Eine echte Entlastung für die S 11 wird es hier erst geben, wenn mit dem 2. Gleis eine Taktverdichtung auf zehn Minuten möglich ist. Die Arbeiten dafür sind angelaufen, angesichts der komplexen Planungs- und Beteiligungsverfahren wird es bis zur Fertigstellung aber noch einige Jahre dauern. Daten nennt hier nach wie vor niemand.

Dokumention

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Redaktion

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