Die Kleidung, die wir kaufen, geht auf Kosten der ArbeiterInnen und der Umwelt. Aber: Wie erkenne ich faire und ökologische Kleidung? Wo kann ich sie kaufen? Und was kann ich noch tun? Eine Zusammenstellung mit vielen konkreten Hinweisen.

In den letzten Jahren ist der Verkauf von Kleidungsstücken unter dem Motto „fast fashion“ mengenmäßig sehr stark angewachsen. Die Modekollektionen wechseln nicht mehr nur zweimal im Jahr; es wird viel billige Kleidung angeboten, die nach wenigen Malen Tragen oft schon im Müll landet.

Laut einer Umfrage von Greenpeace wird nur ein Drittel der Kleidungsstücke, die wir im Schrank haben, regelmäßig getragen. 2011 kaufte der Durchschnittseuropäer pro Jahr zwischen 65 und 70 Kleidungsstücke.

„Den Preis für unsere preiswerten Outfits bezahlen die ArbeiterInnen, die in den Produktionsstätten auf der anderen Seite der Erde unter menschenunwürdigen Bedingungen Shirts, Hosen und Schuhe nähen, kleben und färben – und das zu Hungerlöhnen. Die Clean Cloth Campaign (CCC) rechnet am Beispiel einer 100 Euro Jeans vor, was bei den ArbeiterInnen ankommt. Ihre Lohnkosten liegen gerade mal bei einem Prozent. 13 % fallen auf das Material und den Gewinn der Fabrik im Billiglohnland. 25 % fließen in Werbung und Verwaltung, 11 % kosten Transport, Steuer und Import. Aber 50 %, also die Hälfte des Kaufpreises, verdient der Handel. Damit wird deutlich, dass eine Steigerung der Arbeitslöhne um 100 % den Kaufpreis nur unmerklich anheben würde. Hier werden Milliarden auf Kosten der Ärmsten gescheffelt, und dies wird kein Ende haben, solange Verbraucher und die Politik dabei zusehen, äußert sich die Clean Cloth Campaign. [Münchner Stadtgespräch]“
Katharina Schaus, Konstanz, 2013: Gutachten Nachhaltige Kleidung.

In Erinnerung geblieben sind uns der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh im April 2013, bei dem 1.127 Menschen ums Leben kamen, und der Brand in einer Textilfabrik in Pakistan 2012, der über 250 Menschenleben forderte. Diese schrecklichen Ereignisse haben uns deutlich gemacht, unter welch prekären Bedingungen Menschen in anderen Teilen der Erde Kleidung für uns herstellen.

20.000 Liter Wasser für 1 T-Shirt

Ein weiterer Aspekt bei der Herstellung von Textilien ist die Qualität der Rohstoffe und deren Anbau und Verarbeitung. Baumwolle ist eine Pflanze, die einen sehr hohen Wasserverbrauch hat, was in vielen Ländern zunehmend zum Problem wird. Da sie oft dort angebaut wird, wo die Bedingungen nicht optimal sind, wird außerdem ein hoher Einsatz von Chemikalien erforderlich.

60% der globalen Baumwollernte erfolgt auf bewässerten Feldern. Für die Produktion eines einzigen T-Shirts werden bis zu 20.000 Liter Wasser und 150 g Chemikalien benötigt. Für 1 Kilo Baumwolle braucht man ca. 17 Quadratmeter Fläche, die dann für eine andere Nutzung (Wildpflanzen oder Nahrungsmittel ) nicht mehr zur Verfügung steht.

All dies macht uns klar: Wir sollten darüber nachdenken, was wir wirklich brauchen und Kleidung bewusst und gezielt einkaufen!

Auch bei der Weiterverarbeitung von Textilien kommen viele Chemikalien zum Einsatz: zum Färben, bügelleicht, wind- und wasserdicht machen. In Deutschland gibt es heute kaum noch Textilfabriken, da die Umweltauflagen zu hoch sind. In den Ländern der Einen Welt aber setzen die Menschen bei der Verarbeitung täglich ihre Gesundheit aufs Spiel.

Was also tun?

Weg von Billigkleidung hin zu teurerer Ware ist auch nicht die Lösung: der Preisunterschied kommt durch hochwertigere Materialien sowie Werbungs- und Marketingkosten zustande, die Näherin in Bangladesh oder anderswo erhält genau so wenig wie für billige Kleidungsstücke.

Produktionsländer boykottieren hilft auch wenig, da die Frauen (in der Regel sind es Frauen) ihre Arbeit verlieren könnten.

Besser ist es faire Kleidung zu kaufen und damit ein Zeichen zu setzen, damit immer mehr Betriebe auf faire Arbeitsbedingungen umsteigen und Konkurrenz für die Fast-Fashion-Unternehmen geschaffen wird.

Gleichzeitig sollte man auf Ökosiegel achten, die garantieren, dass die notwendigen Umweltauflagen eingehalten wurden.

Ein weiterer Tipp für nachhaltige Kleidung lautet „slow fashion“. Das heißt weniger, dafür qualitativ hochwertigere Ware kaufen, die man auch nach längerer Zeit noch gerne trägt. Darauf achten, dass man beim Kauf neuer Kleider Teile auswählt, die gut zu der schon vorhandenen Garderobe passen. In Second-Hand-Läden und auf Kleiderbörsen einkaufen, vielleicht an Kleidertauschbörsen teilnehmen und alte Kleidung durch Upcycling zu originellen und einmaligen Stücken aufwerten.

Wie finde ich faire Kleidung?

In den letzten Jahren gibt es eine zunehmende Auswahl an ökologischer und fair hergestellter Mode. Die Zertifikate für faire Kleidung sind allerdings sehr zahlreich und etwas unübersichtlich. Hier eine kleine Auswahl von Siegeln und was sie bedeuten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Das bekannte Fair-Trade-Logo ist ein rein soziales Siegel: die Baumwolle wurde zu fairen Preisen gehandelt, Überprüfung der sozialen Standards bei Anbau und Weiterverarbeitung der Baumwolle (nicht gemeint ist das Fertigen der Kleidung).

Die Fair-Wear-Foundation hat ihren Sitz in den Niederlanden und garantiert menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Produktion.

GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Die Kleidung enthält mindestens 70 – 90 % Biofasern.

Das Siegel IVN Naturtextil BEST erfüllt einen höheren Anspruch als GOTS.  Neben den Umweltaspekten bei der Baumwollgewinnung bezieht es auch die bei der Verarbeitung mit ein:

  • öko-Tex Standard 100 steht für Schadstoffarmut des Materials
  • öko-Tex Standard 1000 steht für einen umweltfreundlichen Betrieb bei der Verarbeitung
  • öko-Tex Standard 100 plus bezieht beide Aspekte mit ein

Cotton made in Africa wird unter Ausschluss von Kinderarbeit, gefährlichen Pestiziden und genveränderter Baumwolle angebaut. Die BaumwollarbeiterInnen werden fair bezahlt.

Daneben gibt es viele weitere Siegel; eine komplette Liste ist im Café Himmel un Ääd einzusehen.

Und wo kann ich faire Kleidung kaufen?

Ökologische und faire Kleidung gibt es seit längerem auch im Versandhandel (z.B. hessnatur, Maas-Natur, Grüne Erde, Gudrun Sjöden u.v.a.). Die beiden letzteren betreiben jeweils in Köln auch einen Verkaufsladen, Maas-Natur findet man in der Bonner Innenstadt.

Die Mode ist nicht mehr (wie vielleicht in ihren Anfängen) auf den ersten Blick als „öko“ erkennbar, es gibt mittlerweile zahlreiche junge Modelabels in diversen Preisklassen (z.B. Armed Angels, Alma&Lovis, Hemp Age, People Tree, Lanius, grundstoff und viele mehr). Einige dieser Labels stammen direkt aus der Region.

In Köln kann man faire Mode z.B. bei kiss the inuit, Lanius und mittlerweile auch in vielen größeren Bekleidungsgeschäften erwerben. Weitere Tipps  im Internet, z.B. auf www.utopia.de.

Quellen:

Zusammengestellt von Dr. Birgitta Rieks

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Himmel un Ääd

Himmel un Ääd ist das ökumenische Begegnungscafé in Schildgen. Sie finden uns auf der Alteberger-Dom-Str. 125

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1 Kommentar

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  1. Erschreckend, dass der Durchschnittseuropäer 65-70 Kleidungsstücke im Jahr kauft. Ich denke, den Verbrauchern wird immer mehr bewusst, wie viele Ressourcen bei der Produktion erforderlich sind und wie die Arbeitsbedingungen aussehen. Ich kaufe, bis auf Unterwäsche, nur noch Second Hand Kleidung.