Das Ende der Selbstverzwergung, Teil 2: Kunst kann man wunderbar in Containern präsentieren. Davon hat die Stadt viele. Und eigentlich auch genug gute Stellplätze. 

Zur Belebung der Kunstszene in Bergisch Gladbach könnte neben Ausstellungen in leerstehenden Ladenlokalen eine mehrfach geäußerte Idee (Lothar Sütterlin, Karsten Panzer) aufgegriffen werden: Kunst kann man auch temporär wunderbar in Containern präsentieren. Und davon hat die Stadt ja einige.

Gebraucht werden nur noch gute Stellplätze. So kommt Kunst direkt zu den Menschen. Ein Besuch ohne Schwellenangst. Mitten in der Stadt. Mitten im Leben.

Christchurch, Neuseeland: Nach zwei verheerenden Erdbeben wurde in der völlig zerstörten Stadtmitte ein kleine Containerstadt aufgebaut – mit allem Drum und Dran, 2016

Bergisch Gladbach – eine Kunst- und Kulturstadt

Jeweils zwei Container werden auf zentralen Parkplätzen in den größeren Stadtteilen aufgestellt. Auf Parkplätzen, wo die notwendige Infrastruktur (Strom, Wasser, öffentliche Toiletten) in unmittelbarer Nähe vorhanden ist. Zwei Container längs hintereinander (zusammen Länge 24 m x Breite 2,35 m) beanspruchen mit den beiden Eingängen und Rampen für Gehbehinderte gerade einmal die Stellfläche von fünf SUVs. Bei unseren vielen Parkplätzen (allein in Alt-Gladbach über 2.700) ein gutes Konzept, in unserer Stadt die Kunstszene zu beleben.

Auf jeweils 56 qm könnte Kunst präsentiert werden, Künstlerinnen und Künstler würden die Ausstellungen auf- und abbauen, auch die Anwesenheit in den Öffnungszeiten organisieren.

Einige Beispiele:

Buchhandlung in Kassel auf der Documenta 14, 2017

Ein Ausstellungscontainer für Photobooks bei einer Präsentation der Kölner Kreativwirtschaft in einer alten Fabrikhalle in Mülheim, 2014

In der Photobook-Expo, 2014

Originelles Beispiel in Zeebrügge, Belgien 2009

Das kennen Sie: Am S-Bahnhof sind die Serviceeinrichtungen der DB und wupsi seit Jahren in Containern untergebracht. Geht doch.

Viele Parkplätze bieten sich an

Flexible Standorte könnten sein: Der Parkplatz am S-Bahnhof oder auf der Brache, auf der das neue Stadthaus entstehen soll; auf dem Konrad-Adenauer-Platz, dort, wo immer ein Fahrzeug des Ordnungsamtes parkte; hinter dem Bergischen Löwen in der Maria-Zanders-Anlage; auf dem Fronhof-Parkplatz; auf den Parkflächen im Buchmühlen-Park; auf dem Peter-Bürling-Platz an der Dolmanstraße; auf dem Parkplatz an der Steinbreche; im Innenhof des Bensberger Rathauses; last not least in der leidgeprüften Schlossstraße.

Vielleicht würde sich auch der eine oder andere Supermarkt, ein Gartencenter oder Baumarkt in Schildgen, Hand, Refrath, Paffrath und/oder Herkenrath der Kunst öffnen und die Container auf dem Parkplatz aufbauen lassen. Das Unternehmen hätte einen Image-Gewinn und wäre vielleicht sogar als Sponsor zu gewinnen.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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2 Kommentare

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  1. Mich beschäftigt schon seit geraumer Zeit die Frage, warum man die frei werdenden Container nicht in andere Notgebiete, z. B. in Griechenland, Italien, Malta, Jemen usw.transportieren kann. Hier herrscht in den Flüchtlingslagern große Not und die Menschen wären sicher froh, wenigstens ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Es wird immer eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitk propagiert, aber selbst einfache und machbare Dinge werden nicht angefasst.

  2. Meine Anfrage bei BM Lutz Urbach, die so plötzlich gekündigten Ateliers im TBG etwa temporär in den Containern in Lückerath zu installieren, ergab zunächst eine positive Resonanz, wenn man ( =die Künstler !) einen Sponsor für Grundstück und Versorgung fände. Dieser wäre u.U. sogar bereit gewesen, die Container über Frist zu belassen, bis vom Bauamt der Stadt der Bescheid kam, eine derartige Nutzung sei für die Container unzulässig….das Warum- und Wieso-Nicht wurde bis heute nicht erhellend geklärt, sodass ich weiterhin von einem lokalen “Unerwünscht” ausgehe…eine These, die durch die im verdienstvollen Artikel geschilderten und andernorts offenbar möglichen Beispiele belegt zu werden scheint………