Das Isover-Gelände erstreckt sich von der Jakobstraße bis hinaus zum Stadion. Foto: Google Maps

Der Stadtplanungs- und Entwicklungsausschuss hat eine Reihe von großen Wohnungsbau-Projekten abgesegnet, die erst durch den Bauturbo möglich geworden sind. Mit einer Satzung soll das Gewerbegebiet in der Innenstadt rund um Isover geschützt werden – dabei will die CDU deutlich weiter gehen als die Stadtverwaltung. Zudem ging es um die weißen Flecken im Flächennutzungsplan und das Einkaufszentrum Herkenrath.

Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse und Debatte des Stadtplanungs- und Entwicklungsausschusses (STPLA) in einem ad-hoc-Protokoll zusammen.

Fortschritte zum Einkaufszentrum Herkenrath

Bei den Beratungen über eine Lösung für die Entwässerung des geplanten Hetzenegger-Einkaufszentrum in Herkenrath haben sich Kreis, Stadt und Bauherren auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt und die jeweiligen Pflichten und Aufgaben einander zugeordnete, teilte der Beigeordnete Ragnar Migenda mit.

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Mit Hilfe eines externen Fachbüros hoffe man nun, „brauchbare Ergebnisse“ zu erzielen, um dann die Planung finalisieren und einen Bauantrag ermöglichen zu können.

Grünes Licht für große Bauprojekte

Die großen Bauprojekte, die von Investoren mit Hilfe der Erleichterungen des Bauturbos beantragt worden sind, billigt der Ausschuss mit wenigen Einschränkungen.

Der Erweiterung des Kalköfen Carrées an der Paffrather Straße und der Aufstockung des SchlossCenters stimmt der Ausschuss einstimmig zu.

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Bauturbo macht Weg für große Projekte frei

Einerseits fehlt in Bergisch Gladbach Wohnraum, andererseits liegen Grundstücke brach – weil das Baurecht eine Bebauung bislang verhinderte. Doch nun macht der Bauturbo große und kleine Projekte möglich, die bislang blockiert waren. Zum Beispiel ein Lückenschluss zwischen Paffrather Straße und Kalköfen. Große Wohnhäuser an der Ecke Rommerscheider / Odenthaler Straße. Eine Aufstockung des Schloss Centers.

Bei der Bebauung des großen Grundstücks an der Ecke Rommerscheider / Odenthaler Straße weist der Ausschussvorsitzende Andreas Ebert (SPD) auf Beratungen im Gestaltungsbeirats hin. Dieser habe Hinweise gegeben, wie sich die Bebauung entlang der Rommerscheider Straße zur Kreuzung hin öffnen solle – das werde vom Investor aufgegriffen. Die Verwaltung bestätigt, dass er sich eindeutig dazu bekannt habe, 30 Prozent der Wohnfläche im geförderten Wohnungsbau zu erstellen. Auch hier votiert der Ausschuss einstimmig für das Projekt.

Beim Antrag für den Bau eines Mehrfamilienhauses in der Straße Pippelstein in Refrath meldet Ebert ebenfalls bedenken an. Dieses Grundstück biete als einziges im Viertel die Möglichkeit, so etwas wie einen Quartiersplatz zu schaffen. Auf Vorschlag der Grünen stimmt der Ausschuss dem Antrag unter der Bedingung zu, dass der Bauherr auch dieses Projekt im Gestaltungsbeirat vorstellt.

Mehr Informationen zu diesem Projekt finden Sie im Ratsinformationssystem.

Grundsätzlich bewertete die Verwaltung den Bauturbo positiv. Es habe bereits mehr als 40 Anträge und sehr viele Anfragen bzw. Vorgespräche gegeben. Der Bauturbo habe in Bergisch Gladbach eine gute Resonanz und sich in der Praxis als tauglich erwiesen, sagte Migenda. Daher erwarte er eine spürbare Belebung der Bautätigkeit und des Wohnungsangebots.

Gewerbegebiet schützen – oder noch mehr?

Der Vorschlag der Verwaltung, für das Gewerbegebiet West mit dem Betriebsgelände von St. Gobain Isover und angrenzenden Flächen der Stadt ein Vorkaufsrecht einzuräumen, stieß bei allen Fraktionen auf Zustimmung – und wurde einstimmig beschlossen.

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Stadt Bergisch Gladbach will Zugriff auf Isover-Gelände sichern

Die Stadtverwaltung schlägt vor, ein Vorkaufsrecht für das Gewerbegebiet West zu verankern und damit im Fall der Fälle das 11 Hektar große Areal von Saint Gobain Isover in der Mitte von Bergisch Gladbach übernehmen zu können. Der Fall zeigt Parallelen zu Zanders, aber auch Unterschiede. Denn hier geht es um die Sicherung von Gewerbeflächen. Und Saint Gobain hat im Moment keine Verkaufsabsichten. Im Gegenteil.

Nach der deutlichen Verringerung der Beschäftigtenzahl bei Isover gehe es hier um eine reine Vorsorgemaßnahme, betonte die Verwaltung. Angesichts der zentralen Lage und auch aufgrund der Regeln des Bauturbos müsse hier mit dem Versuch gerechnet werden, Gewerbeflächen für den Wohnungsbau umzuwandeln, Grundstücksspekulation sei nicht ausgeschlossen. Daher gelte es, die dringend benötigten Gewerbeflächen zu schützen.

Die CDU will jedoch noch einen Schritt weiter gehen und beantragt, das Areal zu einem Sanierungsgebiet nach § 141 Baugesetzbuch zu erklären. Zur Begründung führt Vanessa Steinkrüger an, dass auf dieser Basis vorbereitende Untersuchungen möglich seien, damit die Stadt für spätere Planungen gerüstet sei. Damit seien aber keine Vorfestlegungen verbunden, auch der CDU gehe es nur darum, das Gewerbegebiet zu erhalten.

Für die Verwaltung wendet Planungschefin Helge Mertens ein, dass eine solche Sanierungssatzung sehr weitreichende Folgen für alle Betriebe in dem Gewerbegebiet habe – und einer Veränderungssperre gleichkomme. Jeder Umbau, Abriss oder Neubau müsse genehmigt werden, zudem müssten alle Unternehmen in dem Bereich ihre internen Geschäftsdaten offenlegen – was für die Betroffenen und die Verwaltung einen erheblichen Aufwand bedeutet.

Migenda empfahl dem Ausschuss, sich einen solchen Schritt sehr gut zu überlegen und dabei auch genau zu schauen, welche Unternehmen davon betroffen wären. Denn das Gewerbegebiet gehe ja deutlich über das Isover-Areal hinaus.

Die Frage SPD, ob es für den Vorschlag der CDU einen konkreten Grund geben, bestätigt die CDU indirekt: Sie beantragt, diesen Punkt in nicht-öffentlicher Sitzung weiter zu beraten.

Dem folgte der Ausschuss, das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Daher kommt das Thema wahrscheinlich in der nächsten Ratssitzung auf die Agenda.

Die letzten weißen Flecken

Bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans (FNP) hatte die Bezirksregierung zehn Bereiche nicht genehmigt, diese „weißen Flecken“ sollten nun auf Basis weiterer Untersuchungen getilgt und damit vor einer Bebauung geschützt werden.

Dem Verfahren stimmt der Ausschuss weitgehend zu. Allerdings meldet die CDU für zwei Flächen weiteren Gesprächsbedarf an – für das Gelände an der Tennisanlage in Hebborn sowie und einer Fläche an der Heinrich-Strünker-Straße mit dem Betriebsgelände des gleichnamigen Bauunternehmens.

Diese offenen Punkte sollen nun im weiteren Verfahren geklärt werden, denn jetzt beschließt der Ausschuss (erneut einstimmung) nur die Einleitung des Verfahrens – mit einer Beteiligung der Öffentlichkeit.

Weitere Entscheidungen

Den Vorschlägen der Verwaltung zum Flächennutzungsplan für die Feuerwache Süd sowie für einen Bebauungsplan für die Rotationsschule am Lerbacher Weg stimmt der Ausschuss ohne weitere Aussprache zu.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Vor allem sollte, um Bergisch Gladbach wieder ein würdiges Gesicht als Tor zum Bergischen Land zurück zu geben, dieser unsägliche Isover-Schornstein verschwinden. Eine Jahrzehnte von der Bürgerschaft mit gesundheitlichen Einschränkungen erduldetete Hochimmobilie darf nicht dem Gewöhnungsprozess unterliegen. Dieses aufgezwungene Wahrzeichen ist seit Errichtung nichts anderes als ein Makel – Gewerbesteuereinnahmen hin oder her.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass nach einer Sprengung ein Aufatmen durch die Stadt gehen wird – von dem darauf folgenden Stadtfest ganz zu schweigen…

    MfG Dieter Richter, Bergisch Gladbach

    1. So unterschiedlich können die Sichtweisen sein. Der Schornstein ist von fast überall im Stadtgebiet zu sehen – für mich ist er Wahrzeichen und Kindheitserinnerung; entsprechend fände ich es sehr schade, wenn er “gefällt” würde. Mir fallen genug andere “Schandflecken” in unserer Stadt ein (die wir imo jetzt nicht hier aufzählen müssen).