Die Streetworkerinnen Melanie Egenberger (links) und Katrin Leber Foto: Thomas Merkenich

Menschen ohne festen Wohnsitz, die auf der Straßen leben, leiden besonders unter Extremtemperaturen wie in der vergangenen Woche. Rückzugsorte fehlen ihnen, umso wichtiger ist die aufsuchende Arbeit der Streetworkerinnen für sie. Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Serie fort zur Frage, wie gut Bergisch Gladbach auf Hitzeperioden vorbereitet ist.

Die zurückliegende Hitzewelle war für die meisten Menschen eine Belastung. Wer konnte, hat sich in den kühlsten Orten einer Wohnung oder eines Hauses aufgehalten, sich im Planschbecken oder Pool abgekühlt, Klimaanlage oder Ventilator eingeschaltet, kalt geduscht, Eis gegessen. 

Erschwerend ist die Hitze für diejenigen, die sich nicht in das eigene Zuhause zurückziehen können: wohnungslose Menschen, deren Lebensmittelpunkt die Straße und der öffentliche Raum ist. „Die Hitze ist für unsere Klient:innen eine absolute Stresssituation“, sagt Streetworkerin Katrin Leber. 

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Gesundheitliche Probleme

Nicht nur die fehlende Rückzugsmöglichkeit stellt aus ihrer Sicht ein Problem dar. Zum Teil könnten die Klient:innen aus gesundheitlichen Gründen Risikosituationen nicht adäquat einschätzen. Dazu muss man wissen: Viele der Wohnungslosen haben psychische oder Suchtprobleme oder haben körperliche Beschwerden.

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Streetwork: „Sie sind die Einzigen, die sich für uns interessieren“

Katrin Leber und Melanie Egenberger arbeiten mit Menschen am Rande der Gesellschaft – mit Drogensüchtigen, Wohnungslosen, Prostituierten. Die beiden Streetworkerinnen hören zu und beraten, verteilen Pflegeartikel und Spritzbesteck. Wir haben sie auf ihrer Runde durch die Bergisch Gladbacher Innenstadt begleitet. Die künftige Finanzierung des Projekts ist nicht gesichert.

„Wir sind froh, dass die meisten, mit denen wir zu tun haben, körperlich mobil und daher in der Lage sind, sich an schattige und gut belüftete Plätze zu begeben“, sagt Leber. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Melanie Egenberger ist sie regelmäßig in der Bergisch Gladbacher Innenstadt unterwegs, um die Szene-Treffpunkte aufzusuchen. 

Ihre Ausstattung haben sie auf die Hitzesituation angepasst, zusätzliche Hilfsangebote geschaffen und informieren über geeignete Schutzmaßnahme bei hohen Temperaturen. Sie verteilen unter anderem Wasserflaschen, isotonische Getränke und Sonnencreme. 

Mit ihrem Beratungsmobil fahren sie zudem in die weiteren Kommunen im Rheinisch-Bergischen Kreis, um auch dort Klient:innen auszustatten und zu versorgen.

Abkühlung im Tagestreff

Für wohnungslose Menschen in Bergisch Gladbach dient auch der Tagestreff in den Räumen des Netzwerks Wohnungsnot RheinBerg in der oberen Hauptstraße als Rückzugsort. Die Besucher:innen bekommen dort unter anderem kostenlos Mineralwasser und Wasser für ihre Hunde, Sonnenschutzkleidung wie Hüte, Sonnenbrillen und -cremes.

Mehrere Ventilatoren und ein Sonnenschirm im Außenbereich bieten Abkühlung und Schatten. „Unsere Dusche wurde während der Hitzetage besonders rege genutzt“, berichtet die Streetworkerin. Durchgeschwitzte Kleidung kann gewaschen und getrocknet und bei Bedarf ersetzt werden.

Zur Sache: Streetwork

Das Projekt „Streetwork – präventive Hilfen“ ist ein kreisweites Angebot des Netzwerks Wohnungsnot RheinBerg in Trägerschaft des Diakonischen Werk Köln und Region gGmbH. Es existiert seit 2019. Ursprünglich war es ein städtisches Projekt, seit 2023 ist es ein kreisweites Angebot.

Es richtet sich an Menschen der „Straßenszene“, die sozial ausgeschlossen leben und ihren Lebensmittelpunkt überwiegend im öffentlichen Raum haben. 

Die „Straßenszene“ im Rheinisch-Bergischen Kreis umfasst nach Einschätzung der Streetworkerinnen 150 bis 160 Personen. Davon sind rund 80 Prozent männlich und im Durchschnitt zwischen 20 und 50 Jahre alt

Die meisten haben eine Unterkunft, etwa wechselnde Schlafgelegenheiten bei Bekannten oder sind in kommunalen Notunterkünften untergebracht.

Die beiden Streetworkerinnen haben je eine halbe Stelle. Die Personalkosten teilen sich der Rheinisch-Bergische Kreis und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) jeweils zur Hälfte. Die Stadt Bergisch Gladbach beteiligt sich mit 5000 Euro an den Sachkosten. Alle Kosten darüber hinaus trägt das Diakonische Werk.

Die Streetworkerinnen sind in allen acht Kommunen des Kreises im Einsatz, steuern mit ihrem Beratungsmobil Notunterkünfte an, begleiten ihre Klient:innen zu Ämtern, Behörden, Gerichtsterminen. 

Im Hilfeverbund des Netzwerks Wohnungsnot RheinBerg ist die Streetwork der niedrigschwelligste Baustein.Weitere Angebote sind Fachberatung, Tagestreff, Ambulant Betreutes Wohnen, Hilfe zur Arbeit und die Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“.

Die konkrete Sicherheit jeder einzelnen Person hängt aus Sicht der Streetworkerinnen von ihrem individuellen Verhalten ab. „Deshalb war unsere aufsuchende Arbeit in den vergangenen Tagen besonders wichtig, um Menschen persönlich anzusprechen und zu motivieren, geeignete Maßnahmen umzusetzen“, sagt Katrin Leber.

Sie mahnt: „Dieser Sommer hat gerade erst angefangen.“ Für die noch kommenden Hitzeperioden appelliert sie, „dass wir alle gemeinsam aufeinander achtgeben, unsere Mitmenschen genau beobachten und bei Bedarf unterstützend eingreifen sollten“.

Folgende Merkmale können Hinweise auf eine gefährliche Überhitzung sein:

  • starkes Schwitzen
  • häufiges benetzen der trockenen Lippen mit der Zunge
  • ein geröteter Kopf oder Sonnenbrand am Körper
  • Äußerungen über Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Übelkeit, und Schwindel

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Aufgrund des Artikels über die Streetworkerinnen und die Obdachlosen in GL haben mein Mann und ich letztes Wochenende spontan gekühltes Wasser, Limonade und Wassereis zum „Unterschlupf“ auf dem Buchmühlenparkplatz gebracht. Es waren 6 sehr dankbare Menschen dort. Am Wochenende findet vielleicht keine sonstige Versorgung statt!? Für uns war es einfach und auch nicht sehr kostenintensiv. Vielleicht machen das bei der nächsten Hitzewelle noch ein paar Menschen?

  2. Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt.

    Dieses Zitat von Gustav Heinemann ist schon etwas älter, hat aber nicht an Bedeutung verloren.

    Wieder einmal ein toller Artikel über die wichtige Arbeit dieser zwei Damen. Wie kann die Politik nur im Ansatz darüber nachdenken, diese sozialen Leistungen noch weiter zu kürzen? Wir verbrennen Steuergelder wo auch immer man hinschaut, aber bei zwei Streetworkerinnen sieht man Potenzial zum Einsparen? Es wäre für Politiker nicht nur moralisch, sondern auch strategisch klug, diese Stellen zu erhalten. So könnten sie beweisen, dass sie ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. Denn genau damit haben wir Wähler sie beauftragt.

    Warum schießt sich die Politik immer wieder mit haarsträubenden Fehlentscheidungen im Bereich Gesundheit und Soziales selber in Aus?

  3. Es stimmt natürlich, dass extreme Hitze für Handwerker, Müllwerker, Feuerwehrleute und Landwirte eine enorme körperliche Belastung im Beruf darstellt. Für diese Berufsgruppen gibt es glücklicherweise gesetzliche Arbeitsschutzrichtlinien, angepasste Arbeitszeiten oder die Pflicht der Arbeitgeber, Getränke bereitzustellen. Zudem haben sie nach Feierabend die Möglichkeit, sich in eine kühle Wohnung zurückzuziehen, ausreichend zu trinken und kalt zu duschen.

    ​Genau hier liegt jedoch der Unterschied zu Menschen ohne festen Wohnsitz: Ihnen fehlt dieser geschützte Rückzugsraum komplett. Sie sind der Strahlungswärme von Asphalt und Beton oft 24 Stunden am Tag schutzlos ausgeliefert. Auch der Zugang zu kostenlosem Trinkwasser, Sonnenschutz oder sanitären Anlagen ist auf der Straße extrem limitiert, was bei gesundheitlichen Vorbelastungen schnell lebensgefährlich wird.

    ​Die Hilfe für die eine Gruppe schließt die Wertschätzung für die andere nicht aus – Arbeitsschutz für Berufstätige und die Unterstützung von Streetworkern für Wohnungslose sind gleichermaßen wichtig, um Menschen in dieser Hitze zu schützen.

    Hilfe in lebensbedrohlichen Situationen – und extreme Hitze ist eine solche – darf in einer solidarischen Gesellschaft niemals an eine Gegenleistung oder den Status der Erwerbstätigkeit gekoppelt sein. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Sicherung des nackten Überlebens sind universelle Menschenrechte, die unabhängig von einer regulären Arbeit gelten. Zudem sind die Gründe für Obdachlosigkeit meist komplex (schwere Schicksalsschläge, psychische oder physische Erkrankungen) und bedeuten für die Betroffenen ohnehin eine dauerhafte psychische und physische Ausnahmesituation. Die Annahme, dass Hilfe nur denjenigen zusteht, die das System durch Arbeit stützen, widerspricht dem Grundgedanken der humanitären Hilfe und unseres Grundgesetzes, das die Würde jedes einzelnen Menschen schützt.

  4. Mir fehlt ein Hinweis, wie die Menschen, die für ihren Lebensunterhalt und die Gemeinschaft arbeiten, den Obdachlosen oder den Streetworkern helfen können.

    1. Wenn man (ohne Hilfestellung!) ein wenig darüber nachdenkt und noch einigermaßen wendig im Kopf ist, findet jeder der helfen will und kann (s)eine Lösung.

      1. Denken ist gerade schlecht, die Hitze ist mir auf den Kopf geschlagen. ;o)

  5. Zu diesem Thema fehlt mir ehrlich gesagt das Verständnis, da diese Personengruppe bekanntlich keiner regulären Tätigkeit nachgehen muss. Was ist mit all den Menschen, die für ihren Lebensunterhalt und die Gemeinschaft arbeiten müssen? Wie zum Beispiel Handwerkern, Müllwerkern, Feuerwehrleuten, Landwirten und so weiter? An heißen Tagen sollte man ausreichend trinken und regelmäßig kalt duschen, sofern man dazu die Möglichkeit hat.

    1. Lieber Simon L.,Sie haben ohne Zweifel recht: 1. Ihnen fehlt das Verständnis. 2. man sollte regelmäßig trinken.
      Zu „falls man die Möglichkeit dazu hat“: Sie können sicher die Streetworkerinnen mal begleiten. Das könnte sowohl für Verständnis als auch für Trinkmöglichkeiten sorgen. Allzu viel Kälte ist bei Hitze für den Organismus überhaupt nicht gut. In diesem Sinne: kommen Sie gut durch den Sommer!

    2. Sorry, aber für solchen Egoismus habe ich kein Verständnis!

      Hast Du den Artikel überhaupt gelesen? Es geht nicht darum, dass die Hitzewellen für alle, und insbesondere die körperlich arbeitenden Menschen, eine enorme Belastung darstellen. Da sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen, Schutzkleidung, Hüte und viel Wasser trinken wichtig ☝️

      In dem Artikel geht es um Obdachlose, die auf der Straße leben und aus unterschiedlichen Gründen gar keine Möglichkeit haben, sich zu schützen. Soll man die Deiner Meinung nach einfach auf der Straße sterben lassen?