Gärtnermeister Friedrich Bock beim Baum-Rundgang. Foto: Helga Niekammer

Zwei sachkundige Mitglieder des Bergischen Naturschutzvereins haben am Baum-Spaziergang der Verwaltung teilgenommen. Sie fordern nun, alle vitalen Bäume zu retten – und die Freitreppe zwischen Schlossgalerie und Goethehaus klimafest zu machen. 

Mark vom Hofe, der Vorsitzende des Rheinisch-Bergischen Naturschutzvereins, und Friedrich Bock, Gärtnermeister und Mitglied des Naturschutzbeirats des Rheinisch-Bergischen Kreises, haben sich die Erläuterungen der Stadtverwaltung angehört, warum ein Großteil der bestehenden Bäume bei der Neugestaltung der Schlossstraße gefällt werden sollen.

Aus Sicht des Natur- und Klimaschutzes halten sie dagegen. In einem Offenen Brief an den Bürgermeister und den Stadtrat machen sie sich für die alten Bäume und eine Artenvielfalt stark.

Gleichzeitig warnen sie, dass sich die geplante Freitreppe und Stützmauer an der neuen Schlossgalerie im Sommer stark aufheizen werden. Daher sei eine Begrünung der Mauer sowie die Planzung einer Reihe von Bäumen entlang des Einkaufszentrums dringend erforderlich.

Wir dokumentieren den Offenen Brief im Wortlaut: 

An den
Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach
Herrn Lutz Urbach

An die Vorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien

Schlossstraße Bensberg – Anmerkungen zur Zukunft des Baumbestandes

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Urbach,

nach den ausführlichen Erläuterungen bei der Besichtigung der gegenwärtig in der Schlossstraße vorhandenen Bäume am 26. September durch Frau Sprenger und insbesondere Herrn Nollen möchten wir folgende Anmerkungen dazu machen bzw. Anregungen geben und Sie gleichzeitig bitten, unsere Überlegungen den zuständigen Stellen in Ihrem Hause sowie den Ratsfraktionen zur Kenntnis zu geben.

  1. Wir halten es für sinnvoll und zukunftsweisend, sich bei der Neuanpflanzung von Bäumen nicht nur auf eine Baumart zu beschränken. Vielmehr sollte angesichts der Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber Klima- und Umfeldveränderungen oder Schädlingsbefall in Folge der Globalisierung des Pflanzenaustausches eine breitere Streuung an Laubbäumen mit möglichst ausladender Krone vorgesehen werden. Diese Streuung gewährleistet, sinnvoll mit einer anderen Art nachpflanzen zu können, wenn aufgrund von Trockenheit oder Krankheit die vorherrschende Baumart zu Ausfällen und Schwächen neigt.
  2. Nach der Inaugenscheinnahme sollten die Bäume, die den beiden trockenen Sommern standgehalten haben, unbedingt beibehalten bleiben. Das sind mindestens die beiden vitalen Haselbäume vor Sport Haeger, von denen ohnehin einer erhalten werden sollte. Der zweite folgende, Schlossstraße aufwärts sollte gleichfalls nicht gefällt werden. Über einen weiteren müsste im Einzelfall noch gesprochen werden.
  3. Beizubehalten sind auch die beiden äußerst vitalen Weißdornbäume auf dem Stück vom Progymnasium bis zur Bensberger Bank – selbst wenn Weißdorn nicht zukünftig zu den zu bevorzugenden Baumarten in der Schlossstraße zählt, halten wir es für angebracht, den vorhandenen Bestand beizubehalten; auch, um eine größere Vielfalt zu erreichen.
  4. Für das Stadtbild prägend sind ohne Zweifel großkronige Laubbäume – ihnen muss in Zukunft mehr Raum gegeben werden. Das gilt beispielsweise für die Robinie vor der Apotheke am Wendehammer vor der Tiefgarage. Dass hier über den Wurzelbereich gefahren wird, liegt daran, dass unmittelbar unter dem Baum noch ein schmaler Parkraum eingerichtet ist. Wurzelbereiche müssen unbedingt frei gehalten werden – als Abstellplatz für Autos oder Fahrräder kommen sie auf keinen Fall in Frage, viel eher als Schattenspender und Ruheplatz eventuell mit einer Bank.
  5. Selbst wenn die Kugelahornbäume kaum Schatten spenden – zwei oder drei von ihnen sollten nicht gefällt werden: Auch hier wegen der Vielfalt an Arten und vor allem auch aus klimatischen Gründen. Alles, was neu gepflanzt wird, braucht erheblich länger, Krone, Stammumfang und Laubwerk auszubilden als die bereits stehenden und vitalen Bäume. Der Verlust eines bereits eingewachsenen Baumes, auch wenn er bei den Kugelahornen eher gering ist, schwächt die temperatursenkende Funktion erheblich.
  6. Dringend notwendig ist das Bepflanzen der Stützmauer und der Freitreppe neben dem Goethehaus! Diese riesigen Steinflächen werden sich so stark aufheizen, dass ein Aufenthalt oder nur das Nutzen der Treppe als Aufstieg zum Markt in den Sommermonaten nicht möglich ist. Hier gibt es die Möglichkeit, die Stützwand mit Kletterpflanzen bewachsen zu lassen und auf den Podesten der Freitreppe Bäume zu pflanzen. Die so entstandene Allee ist zudem eine gestalterische Bereicherung des Stadtbildes.Das Bepflanzen der Stützmauer hätte zusätzlich den Effekt, dass man auf eine Gestaltung der Wand mit Naturstein verzichten kann, was Kosten und Ressourcen sparen würde.
  7. Erfreulich ist, dass die stadtbildprägenden Kastanien auf dem Kirchengrundstück erhalten bleiben sollen. Im Widerspruch zum Planungsbüro sind wir der Auffassung, dass sie selbst im belaubten Zustand mitnichten die Sicht auf die Kirche verstellen geschweige denn eine Sichtachse stören – die Kirche mit ihrem Kirchturm ist stets gut sichtbar.

Die Stadt Bergisch Gladbach hat den Klimanotstand ausgerufen, wir fordern die Verantwortlichen von Politik und Verwaltung auf, auch danach zu handeln!

Mit freundlichen Grüßen

Friedrich Bock,  Mark vom Hofe

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3 Kommentare

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  1. Dem vorher gesagten kann ich nur in vollem Umfang zustimmen, sowohl den Aussagen im Bericht, die so schon am 26.9.19 bei der gemeinsamen Begehung gemacht wurden, als auch den beiden Kommentaren.

    Abgesehen davon sind diese Forderungen und Vorstellungen nicht neu, sondern liegen schon lange auf den Tischen der Planer.

    Was allerdings neu ist und was alle einen sollte im Planen und vor allen Dingen im Handeln ist die Tatsache, dass der Klimaschutz den absolut prioren Stellenwert bekommen hat.

    Genau das ist neu und vor allen Dingen ist neu, dass die bei diesem Vorhaben Verantwortlichen Ausschüsse AUKIV, SPLA und nun auch der Rat der Stadt, alle in diesen Tagen dieser veränderten Prioritätensetzung zugestimmt haben.

    Insofern wäre eine gute Chance vertan, wenn Politik und Verwaltung nun den eigenen Beschlüssen nicht folgen würde.

    Gleich bei der ersten und derzeit besten Möglichkeit durch operatives Handeln zu zeigen, wie ernst das Thema Klimaschutz nun in GL verstanden wird, würde man stattdessen die eigenen Beschlüsse zur Symbolpolitik machen. Wer möchte das wirklich?

    Bei den von den Buergern vorgetragenen Empfehlungen und Wünschen geht es tatsächlich um umfassenden Klimaschutz, von dem Erhalt der Baeume über Stadtklima bis hin zur Minimierung der Versiegelung von Flächen an der sonnigsten Stelle der Straße.

    Freiraum fuer Klimaschutz schaffen und Nutzen, jetzt, das ist das Gebot der Stunde.

  2. Dem kann ich nur vollends zustimmen.

    Einlenken ist immer möglich.

    Ein Gewinn an Glaubwürdigkeit gegenüber Verwaltung und Politik wäre bei der ganzen Entscheidung ein weiterer Gewinn.
    Denn die Beschlusslagen sollten doch auch zeitnah umgesetzt werden.
    Die Möglichkeit besteht.
    Auch wenn es immer anders dargestellt wird.

    Geht nicht gibt’ s nicht.

  3. Dem ist doch in jedem Punkt zuzustimmen! Viele Wähler dürften das auch so sehen. Noch ist Zeit, diesen Wünschen nachzukommen:
    – Verzicht auf das unnötige Fällen der Bäume,
    – Stützmauer mit Begrünung so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig,
    – Verzicht auf die dreidimensionale Versiegelung durch die Flor´sche Dreieckstreppe
    – Verzicht auf die Verlegung des Emilienbrunnens!