Die Initiative „Berg” und die „Klima Freunde” bekräftigen ihre Position: Bei der Neugestaltung der Schlossstraße müssten Klimaschutz und Bäume mehr Gewicht haben, als größere Parkplätze und Sichtachsen, fordern sie vom Stadtrat. 

In einem Offen Brief stellen sie konkrete Forderungen auf, die bereits von vielen BürgerInnen unterzeichnet worden sind.

Wir dokumentieren das Schreiben, das die Ergebnisse der öffentlichen Baumbegehung zusammenfasst und an die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat gerichtet ist. In den Anlagen finden sich die bereits bekannten Forderungen nach einer Revision der gesamten Planung zur Umgestaltung der Schlossstraße sowie fünf Forderungen, mit denen sichergestellt werden soll, dass kein Baum zuviel gefällt wird.

Am 10. Oktober will die Stadtverwaltung bei einem „Jour fix” den Ratsfraktionen sowie Vertretern von Einzelhandel und Immobilienbesitzern die neue Entwurfsplanung für die gesamte Schlossstraße vorstellen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien. Erst am 5. November soll die Allgemeinheit informiert werden.

Bei den im Offenen Brief genannten Vertretern handelt es sich um Christian Nollen, Leiter von Stadtgrün, Elisabeth Sprenger, Leiterin des Fachbereichs Planen und Bauen, Wolfgang Honecker, Leiter der Stadtplanung.

Dokumentation:

Hilferuf für die Bäume von Bensberg

Begehung der Schlossstraße am 26.09.2019

Bensberg, den 30.09.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Vielen Dank dafür, dass viele von Ihnen sich die Zeit genommen haben für diesen Gang durch die Schlossstraße. Zahlreiche Bürger*innen haben ebenfalls diese Gelegenheit genutzt sich zu informieren. Es ist erkennbar, dass das aktive Interesse an der Entwicklung der Bensberger Innenstadt gestiegen ist.

Vielen Dank auch ganz besonders an Herrn Nollen und sein Team. Er hat uns mit Fachkenntnis und großer Geduld durch die Baumbegehung geführt und den aktuellen „Gesundheitszustand“ der Bäume umfassend erläutert.

Angesichts der Empörung mancher Teilnehmer über die Vorgehensweise der Verwaltung, gerade zu Beginn der Veranstaltung, war dies nicht immer leicht.

Einige wenige sachliche Fragen, die bei uns erst während der Nachbearbeitung entstanden sind, versuchen wir mit Herrn Nollen direkt zu klären. Wir hoffen, das ist Ihnen recht.

Zusammenfassend bleibt leider auch nach der Begehung die unveränderte Erkenntnis, dass fast alle Bäume der Schlossstraße gefällt werden sollen, obwohl nur wenige derzeit krank sind.

Damit können wir natürlich nach wie vor nicht einverstanden sein.

Fast ebenso wichtig wie die Erklärungen von Herrn Nollen waren aber die Erkenntnisse, die aus den Diskussionen während der Begehung erneut deutlich wurden:

1. Der Klimaschutz spielt für die Verwaltung in diesem Projekt weiterhin eine untergeordnete Rolle.

Bereits bei der Auswahl des Siegerentwurfes von Club L94 war Klimaschutz für die Jury kein Bewertungs- und Gestaltungskriterium (Quelle: Broschüre „Straße der vielen Begegnungen“, Januar 2018). Dies wurde bis heute nicht geändert. Bei der Begehung wurde es von den Bürgern erneut kritisiert, ohne Widerspruch durch die Verwaltung.

Weiterhin bestimmen formale Argumente, konsequente Versiegelung und architektonische Modeerscheinungen (z.B. die „Sichtachse“ oder Monokultur von Bäumen) die Marschrichtung.

Dies geschieht allen zeitgemäßen Erkenntnissen zum Trotz und ungeachtet der Entscheidungen der beiden Ausschüsse des Stadtrates („AUKIV“ und „SPLA“) im September d.J., in denen Klimaschutz in Bergisch Gladbach zur „obersten Priorität“ erklärt wurde.

Vor diesem Hintergrund ist die Erklärung von Frau Sprenger, man (Verwaltung und Bürgerschaft) würde „von Klimaschützer zu Klimaschützer“ sprechen, nicht zu verstehen. Worte und Taten passen nicht zusammen, was einen Informationsaustausch erschwert.

Es braucht ein Umdenken! Der Ministerpräsident von NRW, Herr Laschet, hat dies mit seinem Appell im Kölner Stadtanzeiger vom 27.09.19 vielleicht ganz gut auf den Punkt gebracht: „Für das Klima relevant ist jeder einzelne Baum“ (Unterstreichung hinzugefügt).

2. Bäume umfassend und gezielt als Schattenspender einzusetzen, ist bis heute nicht Teil des Konzeptes.

Ganz besonders deutlich wurde dies bei der Begehung, als wir uns am zentralen Platz unterhalb der Treppe neben der Galerie aufhielten. Dies ist die am stärksten der Sonne ausgesetzte Fläche der Schlossstraße.

Eine möglichst große Grünfläche mit Bäumen (anstelle der Dreieckstreppe) wäre hier eine entscheidende Verbesserung mit gleichzeitig weiteren Vorteilen (z.B. über 300 m² weniger Versiegelung). Die von Herrn Nollen unter dem Goethehaus aufgeführte vorgesehene Bepflanzung ist keine Alternative, obwohl sie natürlich zusätzlichen Nutzen bringen kann.

Auch an der Nordseite der Schlossstraße werden zusätzliche Bäume als Schattenspender benötigt. Hier gab es lediglich die vage Erklärung, dass die Bäume und Häuser auf der Südseite diese Aufgabe übernehmen werden.

3. Eine „echte“ Bürgerbeteiligung ist nach wie vor nicht vorgesehen.

Als dies bei der Begehung zu Beginn deutlich wurde, haben zahlreiche Bürger die Veranstaltung leider verlassen. Viele waren empört.

Lediglich Herr Nollen hatte ein Ohr dafür: „…Wir hören, dass Sie sich nicht beteiligt fühlen“.

Natürlich war es auch nicht hilfreich, dass Herr Honecker davon sprach, dass die Bürgerschaft das Projekt „kaputt redet“ und erneut damit drohte, dass bei Abweichungen vom Siegerentwurf die Städtebauförderung gefährdet sei.

Zusammenfassend hat sich die Situation mit der Begehung aus unserer Sicht nicht wesentlich geändert. Die oben genannten Defizite bleiben gravierend. Dass die Bürgerschaft mit dem Alleingang der Verwaltung allerdings immer weniger einverstanden ist, zeigte die Anzahl der Teilnehmer und deren bereits erwähnte Empörung, insbesondere zu Beginn der Begehung.

Dabei sind noch wesentlich mehr Bürger*innen mit der derzeitigen Entwicklung unzufrieden. Bei unseren Diskussionen mit der Bürgerschaft und entsprechenden Befragungen zwischen dem 17. und 26. September 2019 fordern mehr als 750 Bürger*innen grundlegende Verbesserungen (s. Anlagen).

Eine Unterschriftenliste, die dies widerspiegelt, wollen wir in Kürze Herrn Urbach übergeben.

Ansonsten freuen wir uns auf die anstehenden Gespräche zum Projekt „InHK“ und hoffen, dass unsere Vorschläge noch Eingang in die Umsetzung des Projektes finden.

Mit freundlichen Grüßen

Heike Häusler, Gundula Ludwig (Klima Freunde Rhein Berg)

Lothar Eschbach, Knud Schauerte, Hanns-Eberhard Schulze (Initiative „Berg“ / Bensberg erlebbar gestalten)

PS: Auch indem Herr Honecker bei der Begehung nun zum wiederholten Male drohte, Veränderungen bei der Gestaltung würden die Fördermittel gefährden, macht diese Aussage aus unserer Sicht nicht nachvollziehbarer. Schließlich steht Klimaschutz auch in den Förderrichtlinien des Landes NRW ganz oben. Außerdem hat die Verwaltung selbst bereits zahlreiche Veränderungen in das Projekt gebracht, offensichtlich ohne die Förderung zu gefährden.

Anlage 1

Bei den Verbesserungsvorschlägen stehen der Schutz des Stadtklimas und die Attraktivität der Schlossstraße im Vordergrund

Die nachfolgend aufgeführten Vorschläge sind der Verwaltung bekannt. Sie wurden ihr persönlich und schriftlich bereits vorgetragen.

1. Eine zusätzliche Baumreihe auf der Nordseite würde dafür sorgen, dass das Stadtklima und die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Die Möglichkeit zusätzlicher Bepflanzung ist zu suchen. Alle gesunden Bäume sind zu erhalten

  • Einbindung von Bänken in Schattenlagen als Anreiz zum Verweilen
  • Gebäude und Geschäfte erhalten Schatten anstelle praller Sonne
  • große Straßenflächen werden vor Aufheizen geschützt
  • möglichst große neue Bäume, u.a. für bessere Luft

2. Die Mauer an der Treppe neben der Galerie sollte in den Hintergrund treten.

Sie sollte so niedrig und so kurz wie technisch möglich sein und nicht als
-trennendes- „Gestaltungselement zwischen Grün und Urban“ dienen.

  • möglichst geringe Aufheizung im Sommer
  • attraktiver, weiter Blick in den grünen Hang, kein „Treppenschlauch“
  • evtl. alternative Gestaltung mit Grauwacke-Blöcken und Polsterstauden
  • Kostenreduzierung durch geringe Anfälligkeit gegenüber Sprayern
  • Kostenreduzierung und Zeitersparnis beim Bau der Mauer

3. Der kleine, zentrale Stadtplatz sollte ein großzügiger, sicherer und natürlicher Aufenthaltsbereich werden, ohne die Nachteile einer Dreieckstreppe

a. Die geplante Dreieckstreppe erscheint als Gefahrenstelle, Zugangsbarriere und Kostentreiber

  • sie ist gefährlich für Anlieferung und Fußgänger, insbesondere bei gleichzeitiger Nutzung und ganz besonders im Winter
    sie erzeugt Kosten und Zeitbedarf in der Erstellung und für die Verkehrssicherung
  • sie schränkt die Nutzungsmöglichkeiten des Platzes um ca. 120 m² ein
  • sie erschwert der alternden Bevölkerung eine gefahrlosere Zuwegungin Richtung Rathaus, Museum.
  • die Gebäudewand des Vorbaus bietet zusätzlichen Platz für Sprayer

b. Ein Beet mit Gehölz und Bäumen anstelle der Dreieckstreppe würde für Schatten und Sauerstoff sorgen und einladend wirken

b. Ansprechende, bequeme Möblierung sollen Anreiz sein zum Verweilen

c. Bestmöglich gestaltete Überwindung der schwierigen Topographie (Gefälles) zwischen dem Stadtplatz (Galerietreppe) und der Schlossstraße durch das Beet

4. Der Zeit- und Kostenrahmen des gesamten Projektes ist verbindlich abzusichern

Anlage 2

Revision der Entscheidung zur Baumfällung in der Schlossstraße, Bensberg

  • Die Unterzeichnenden fordern einen 2. von uns gewählten Sachverständigen zwecks Überprüfung des Gesundheitszustands der für krank oder abgängig befundenen Bäume, um unnötige und zu vermeidende Baumfällungen zu verhindern.
  • Die Unterzeichnenden fordern nach der 2. sachverständigen Einschätzung den Erhalt des gesunden, alten Baumbestandes unabhängig vom Architektenentwurf.
  • Die Unterzeichnenden fordern die Priorisierung eindeutig und unmissverständlich zugunsten der bisherigen Bäume, nicht zugunsten von Parkplätzen, wachsenden Parkplatzgrößen, Eventflächen und Sichtachsen.
  • Die Unterzeichnenden fordern Biodiversität im Baumbestand, um Monokulturen mit hoher Schädlingsanfälligkeit zu vermeiden.
  • Die Unterzeichnenden fordern die Einbeziehung der Bürgerschaft in die Entscheidungen die Neugestaltung der Schloßstraße betreffend und Transparenz im Kommunikationsfluss.

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Redaktion

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1 Kommentar

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  1. Da stellt sich doch die Frage, warum die Verwaltung zunächst mit der IBH/ISG OHNE Beteiligung von Bürgern, Anwohnern und Presse ihre Planung diskutieren möchte. Spielt die Meinung der Öffentlichkeit in Politik und Verwaltung lediglich eine untergeordnete Bedeutung ?