Der Schlodderdicher Weg wird hier zur als Sackgasse, die hier als Radweg in den Wald führt. Rechts und links Gebäude der Gemeinnützigen Werkstätten Köln

Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Erweiterung der Psychosomatischen Klinik am Schlodderdicher Weg über eine Straße zu erschließen, die intensiv von der benachbarten Behindertenwerkstatt genutzt wird. Das trifft auf Unverständnis und Protest.

Der Erweiterungsbau der Psychosomatischen Klinik (PSK) auf einer Wiese an der Strunde an der Stadtgrenze zu Köln ist aus vielerlei Gründen umstritten, bei Naturschützern und Anwohnern. In besonderem Maße betroffen sind die Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK) betroffen, die direkt nebenan mit 75 hauptamtlichen Kräften derzeit 345 Menschen mit Behinderung ausbilden und beschäftigen.

In der Sache habe die GWK überhaupt nichts gegen die PSK-Erweiterung, betont Betriebsstättenleiter Arndt Schumacher. Auf heftige Ablehnung stößt jedoch der Plan der Stadtverwaltung, die Zufahrt zur PSK künftig über die schmale Straße zu führen, die zwischen zwei Gebäuden der GWK mitten hindurch führt.

Denn sie wird immer wieder von Behinderten gekreuzt und hier wiederholt sich morgens und nachmittags eine hochkomplizierte, durchorchestrierte Prozedur – wenn sich die 345 Behinderten auf 36 Kleinbusse verteilen, die sie nach Hause bringen. Diese halten auf den Parkplätzen der GWK, aber zum einem großen Teil auch auf der Straße und die Beschäftigten aus beiden Gebäuden bevölkern für etwa 15 Minuten den gesamten Raum.

Morgens früh und nachmittags rollen 36 Kleinbusse an. 

Erst wenn alle Busse geparkt sind, dürfen die Behinderten die Straße betreten. Eine GWK-Angestellte dirigiert den Ablauf wie ein Fluglotse auf einem Rollfeld. 

Bei der Öffnung der Straße, die bislang hinter der GWK im Wald in einen Radweg übergeht, könne er für die Sicherheit der Beschäftigten nicht einstehen, sagt Schumacher. Daher wäre der Wegzug der GWK aus Bergisch Gladbach die Konsequenz, wenn die Stadt an ihren Plänen festhält. Das ist eine ernst gemeinte Warnung.

Die Straße (hinten) mündet in einem Radweg zwischen Bolzplatz und Wald. Hier soll die Straße zum künftigen PSK-Parkplatz (rechts) angelegt werden.

So sieht der Entwurf für die Erweiterung der PSK aus. Links der Radweg, ganz oben die GWK.

Genau diese Verkehrsführung  sieht die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung jedoch vor, die in der kommenden Woche im Stadtplanungsausschuss vorgelegt wird.

Aus Gründen des Natur- und Gewässerschutzes soll die Zufahrt mit Abstand zur Strunde über die alte Straßenbahntrasse geführt werden, die lange Zeit von der GWK als Parkplatz genutzt wurde, dann mit einer hohen Beteiligung der GWK saniert und erst vor wenigen Jahren zur Straße umgewidmet worden war.

In den umfangreichen Unterlagen heißt es:

„Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurden drei Varianten der verkehrlichen Erschließung des Klinikgrundstücks gutachterlich untersucht (s. Anlage 4):

In der Variante 1 (oben) erfolgt die verkehrliche Erschließung des Plangebietes (Ein- und Ausfahrt) über eine Verlängerung der bestehenden Zufahrt der Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK). Der Klinikparkplatz befindet sich auf der Nordseite des Klinikgebäudes. Die Zufahrt ist eine öffentlich gewidmete Straße und befindet sich im Eigentum der Stadt.

In der Variante 2 (unten links) erfolgt die Hauptzufahrt zum Klinikneubau über die bestehende, bislang nur provisorisch ausgebaute und recht schmale Zufahrt zu der südlich des Plangebietes liegenden Psychosomatischen Klinik. (…)

In der Variante 3 (oben rechts) wird der Klinikneubau über eine neu anzulegende Zufahrt erschlossen, die südlich entlang des Verwaltungs- und Kantinengebäudes der Gemeinnützigen Werkstätten (Schlodderdicher Weg 39) führt.

Wie bereits (…) dargestellt, wurden die Erschließungsvarianten in Bezug auf den Erschließungsaufwand, den Eingriff in Natur und Landschaft, die städtebauliche Einbindung und die Verträglichkeit mit dem Umfeld untersucht und bewertet (s.a. Kap. 8.5 der Begründung). Der Rheinisch-Bergische Kreis sprach sich in seiner Stellungnahme vom 11.5.2018 aufgrund des mit den Varianten 2 und 3 verbundenen erheblichen Eingriffs in Natur und in den Ufersaum der Strunde gegen eine Weiterverfolgung dieser Varianten aus.

Um in der dem Offenlageentwurf zu Grunde gelegten Variante 1 mögliche Konflikte zwischen dem Klinikverkehr (Beschäftigte, Besucher, Lieferverkehr) und den in den Werkstätten der GWK arbeitenden Menschen mit Behinderungen auszuräumen, wurde mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Inklusionsbeauftragten der Stadt Bergisch Gladbach, der Kreispolizeibehörde, der Vorhabenträgerin und des Kölner Ingenieurbüros Brenner Bernard GmbH Vorschläge entwickelt, die im weiteren Bebauungsplanverfahren konkretisiert und zum Satzungsbeschluss in einem Durchführungsvertrag verbindlich geregelt werden sollen.

Beabsichtigt ist die Einrichtung eines „verkehrsberuhigten Bereichs“ nach Straßenverkehrsordnung, in dem die Fahrgeschwindigkeit des Klinikverkehrs auf Schrittgeschwindigkeit herabgesetzt wird. Zu diesem Zweck soll die GWK- und zukünftige Klinikzufahrt baulich umgestaltet werden.

Welche Maßnahmen im Einzelnen vorgesehen werden (z.B. Aufpflasterungen, Schwellen, abschnittsweise Verschwenkung oder Einengung der Fahrbahn), ist im weiteren Verfahren vor dem Hintergrund der verschiedenen Nutzeransprüche der Verkehrsteilnehmer (Klinikverkehr, GWK-Verkehr, möglicher zukünftiger Radpendlerverkehr) zwischen der Stadt  und den Verfahrensbeteiligten noch abzustimmen.

Die Kreispolizeibehörde äußerte sich im Rahmen einer gemeinsamen Ortsbegehung am 29.10.2019 zuversichtlich, dass aufgrund der örtlichen Gegebenheiten – insb. der guten Einsehbarkeit und Übersichtlichkeit des Straßenraums im Bereich der GWK-Zufahrt – auch bei Inbetriebnahme der Klinik keine kritischen Verkehrssituationen entstehen werden.

Zudem weist die Kreispolizeibehörde darauf hin, dass die in der GWK arbeitenden erwachsenen Behinderten mehrheitlich bereits Mobilitätstrainings im öffentlichen Straßenraum absolviert haben (z.B. als Bestandteil des Unterrichtprogramms in Förderschulen für körperlich und geistig eingeschränkte Schüler).”<

In einer weiteren Stellungnahme wird noch einmal die Kreispolizei zitiert:

„Nach Auffassung der Kreispolizeibehörde können sich die in der Einrichtung beschäftigten Behinderten aufgrund ihres bisherigen Lebensweges im öffentlichen Straßenraum zurechtfinden. Sie hätten zudem alle ein Verkehrstraining durchlaufen, das sie befähigt, sich im öffentlichen Straßenraum sicher zu bewegen. Dass die Beschäftigten mit geistiger Behinderung dazu nicht in der Lage seien, unterschätze ihr Fähigkeiten, so die Auffassung der Kreispolizeibehörde. “

Auf dieser Wiese soll der Erweiterungsbau entstehen. Rechts unter den Bäumen fließt die Strunde, dahinter liegt die Psychosomatische Klink. Ganz hinten rechts liegen die Gebäude der GWK.

Die Kritik der GWK

Eine Argumentation, die Betriebsstättenleiter Schumacher, der seit Jahrzehnte mit Behinderten arbeitet, nicht nachvollziehen kann. Eine „Lösung” könne er sich unter diesen Umständen nicht vorstellen. Darüber habe mit ihm auch niemand gesprochen.

Zudem seien zwei  Vorschläge der GWK einfach ignoriert worden, sagt Schumacher.

Zum einen hatte er selbst einen umfangreichen Vorschlag gemacht, wie die Straße so abgesichert werden könne, dass die Öffnung „mit großen Bauchschmerzen” zu akzeptieren sei. Dabei ging es um Überführungen, Schranken und zeitweiser Sperrung der Straße. Ein Vorschlag, auf den die Stadt nach GWK-Angaben noch nicht einmal reagiert habe.

Zum anderen hatte die GWK vorgeschlagen, die Zufahrt direkt südlich hinter dem eigenen Gebäude und damit mit einem ausreichenden Abstand zur Strunde, anzulegen. Auf einem Grundstück der GWK, dass sie der Stadt zur Verfügung stellen könne. Diesen Vorschlag hatte die Kreisverwaltung als Notlösung zumindestens in Betracht gezogen.

Die Reaktion der Stadtplaner

Dieser Sachverhalt wird auch durch eine Stellungnahme der Stadt bestätigt, die das Bürgerportal im Oktober abgefragt hatte:

„Der Vorschlag der GWK, direkt hinter dem Gebäude eine Erschließung zu ermöglichen, wurde seitens der Stadt dem Kreis vorgetragen und wäre unter Umständen aufgrund des Eingriffs in die Natur als Notlösung zustimmungsfähig. Allerdings stehen dem weitere Abwägungsbelange entgegen, weshalb die Stadtplanung im B-Plan-Entwurf die Erschließungsvariante 1 (Zufahrt zwischen den GWK-Gebäuden) favorisiert, zumal die Straße schon heute vor allem von Fahrradfahrern rege als Durchgangsstraße genutzt wird.

Damit die von der GWK befürchtete Verkehrsgefährdung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unter anderem auch für die heute schon bestehenden Begegnungsverkehre – auf ein absolutes Minimum reduziert wird, arbeitet die Verwaltung aktuell an einem Lösungsvorschlag, der die Belange sowohl der PSK als auch der GWK soweit wie möglich zu einer guten gemeinsamen Erschließung führen soll.”

Bei den drei Varianten in der Beschlussvorlage taucht sie jetzt aber nicht mehr auf. Und auch ein Lösungsvorschlag, der die Belange auch der GWK berücksichtigt, ist in der Vorlage für den Ausschuss noch nicht zu erkennen.

Allerdings liefert Stadtplanungschef Wolfgang Honecker in beiden Punkten eine Erklärung. Die Variante  „Erschließung unmittelbar südlich der GWK“ sei vom Kreis als Notlösung für den Fall als akzeptabel bezeichnet wordne, wenn es keine andere tragfähige Lösung gebe. Kritisiert worden sei der zusätzliche Eingriff in die Natur: Eine Zufahrt in dieser Lage führt zu zusätzlicher Versiegelung und der Fällung von Bäumen. Dieser Eingriff werde von der Verwaltung als vermeidbar eingeschätzt – durch die Wahl von Variante ein.

Um die Sicherheit der Behinderten zu gewährleisten sollen die Verkehrsströme entflochten werden, berichtet Honecker weiter. Die PSK haben ihren Schichtwechsel umd 6, 14  und 22 Uhr. Der Hol- und Bringverkehre der GWK spiele sich gegen 8 und 15 Uhr ab.

Zudem solle auf Kosten der PSK ein verkehrsberuhigender Ausbau (Spielstraße, gesicherte Querung, Aufpflasterungen etc.) erfolgen. Damit könnten den ganzen Tag über alle Verkehrsteilnehmer zu einer größtmöglichen Aufmerksamkeit bewegt werden. Damit könne, das sei auch die Überzeugung der Behindertenbeauftragten der Stadt und der Kreispolizeibehörde, könne die Verkehrssicherheit für alle Beteiligten optimiert werden.

Die Psychosomatische Klink hat auf mehrfache Anfragen nach anfänglicher Gesprächsbereitschaft nicht mehr reagiert. Auch der Inklusionsbeirat zog es vor, sich im Moment nicht zu äußern.

Die Vertreter der Ratsfraktionen hatte die GWK zu Gesprächen eingeladen, FDP, Grüne und SPD hatten sich vor Ort schlau gemacht.

Öffentlich hat sich bislang nur die FDP geäußert, sie lehnt den Vorschlag der Stadtverwaltung als nicht geeignet ab.

Das Thema wird in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses am 4.12. ab 17 Uhr im Ratssaal Bensberg behandelt, danach sollen die Pläne zur Öffentlichkeitsbeteiligung ausgelegt werden.

Vertreter der lokalen Bürgerinitiative, des Bürgervereins und der GWK haben ihr Erscheinen angekündigt.

Weitere Beiträge zum Thema:

FDP will bei PSK-Zufahrt die Behindertenwerkstatt schonen

Widerspruch Gr7b: „Das hat mit Abwägung nichts zu tun”

Schlodderdeich: Nächster Schritt zum Klinik-Ausbau

FNP: Für den Erhalt von Schlodderdeichs Wiese

Klinik-Erweiterung auf Basis des alten FNP


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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Es ist unfassbar, was da geschehen soll. Als Mitarbeiter des ASB fahre ich täglich Menschen mit Behinderungen und darf mir deshalb eine dezidierte Meinung erlauben:

    Das Vorhaben der Stadt,auch in diesem Fall mit Forderung und Willen von Bürgermeister und 1. Beigeordneten ausgestattet, ist ein körperlich gefährlicher Akt und eindeutig gegen die dort arbeitenden Menschen mit Behinderung, deren Betreuer und Vorgesetzte und die Fahrer die – 36 an der Zahl, wie ich in einem Kommentar las – morgens und nachmittags mit ihren Fahrzeugen die ihnen Schutzbefohlenen bringen und holen, gerichtet. Es ist ein Hohn, mit welcher Begründung eine Kreispolizei-Behörde das zulässt und sich damit in höchstem Maße mitverantwortlich macht. Da wurde “eine Hand wäscht die andere” gespielt.

    Hier stehen wirtschaftliche, egoistische Interessen gegen Leib und Leben von Menschen, die ohnehin nicht auf der besten Seite des Lebens stehen. Es muss nur ein Unternehmen mit der Errichtung einer neuen Zentrale winken, sich den Kauf dieser Wiese wirklich etwas osten lassen oder mit Wegzug des Unternehmens drohen (Krüger/Neuborner Busch, in den meisten Fällen eine lehre Drohung)) und schon knicken Bürgermeister und 1. Beigeordneter mit $-Zeichen in den Augen ein. Wir alle werden den Plänen der Verwaltung und ihrer beiden Chefs untergeordnet, was in deren Duktus an manchen Stellen auch noch “Bürgerbeteiligung” heißt.

    Für dieses Beispiel und einige andere mehr schäme ich mich für diese Stadt bzw. deren 1. Bürger und seinen Steigbügelhalter, weil für die PKS unmenschliches geschehen soll.

  2. Wir sind total entsetzt, wie von Seiten der Kreispolizeibehörde über Menschen mit Behinderungen gesprochen wird … es ist absolut entwürdigend!

    Ganz lieben Dank, Anne Skribbe, für Deine ausfühliche Erläuterung zur richtigen Wortwahlfindung bzw Erläuterung das es in erster Linie um Menschen!!!!! geht…..und erst in 2. Linie haben diese Menschen eine Behinderung.

    Zitat “Zudem weist die Kreispolizeibehörde darauf hin,das die in der GWK arbeitenden erwachsenen “Behinderten” mehrheitlich bereits Mobilitätstraining im öffentlichen Straßenraum absolviert haben z.B. als Bestandteil des Unterrichtsprogramm als Schüler” hääääääää, dies ist bei vielen mehr als 100 gefühlte Jahre her…Hallllooooo , gehts noch??? Eine hochgradig dämliche Formulierung…..schlimmer gehts nimmer!!!!! Absolut das Thema verfehlt, liebe KPB…..bei soviel fehlender Empathie fehlen uns echt die Worte….

    Haben sich die PSK befürwortenden Behörden überhaupt persönlich und vor Ort ein Bild über den Bring- und Abholservice, morgens und nachmittags gemacht?? Augenscheinlich kann dies nicht der Fall sein denn sonst würde man zu einer ganz anderen Einschätzung, bezüglich des Gefahrenpotenzials kommen.

    Haaaalllloooooo, dort werden Menschen mit den unterschieldlichsten Behinderungen (teilweise mit Mehrfachbehinderungen und im Rollstuhl sitzend) zu ihrer Arbeitsstätte gebracht … dies geht nun mal nicht … Türe auf, Mensch raus … zack … und fertig … diese Organisation ist ein sehr komplizierter und zeitaufwendiger Vorgang … vielleicht sollte in der Tat mal ein Video über den ganzen Ablauf gedreht werden um das ganze Unterfangen den Behörden zu verdeutlichen.

    Ebenso kann ein Mensche, der im Rollstuhl sitzt, nicht mal eben zur Seite hüpfen wenn der Lieferverkehr um die Ecke “gebrettert” kommt … es kann zu lebensgefählichen Situationen kommen … und eigentlich bietet die GWK den Menschen mit Behinderungen einen “geschützten Arbeitsplatz” (dick unterstrichen)
    Die Vorgehensweise, wie schon Herr Fluscher angemerkt hat, das für die PSK von Seiten der Politik und Verwaltung alles möglich gemacht wird, ist in der Tat sehr fragwürdig und ärgerlich.

    Als ehemalige PSK Mitarbeiterin kann ich nur bestätigen, das der Einfluß auf Verwaltung und Politik nicht unerheblich war und bestimmt noch ist.

    Würde die Klinik in Dabringhausen aus den wirtschaflichen Gründen nicht geschlossen … wäre in BGL der ganze Neubau mit Eingriff für Natur und Mensch nicht erforderlich geworden.

    Leider stehen wieder einmal die wirtschaftlichen Interessen einiger Wenige im Vordergrund

  3. Ich möchte mich in dieser komplexen Auseinandersetzung mit einem Hinweis zur Wortwahl, z. B. der Kreispolizeibehörde, einbringen. Da heißt es: “Nach Auffassung der Kreispolizeibehörde können sich die in der Einrichtung beschäftigten Behinderten aufgrund ihres bisherigen Lebensweges im öffentlichen Straßenraum zurechtfinden.”

    Es wäre gut, in diesem Zusammenhang von “Menschen mit Behinderung” zu sprechen. Denn zuerst sind die Beschäftigten der Werkstättten Menschen, dann folgt die Beschreibung “mit Behinderung”. Zur Wortwahl in der Berichterstattung über Menschen mit Behinderung ist bei http://www.leidmedien.de Aufschlussreiches zu finden:

    Behinderter Mensch, Mensch mit Behinderung

    „Darf ich Sie ‚behindert‘ nennen?“ Diese Frage ist für viele behinderte Menschen Alltag. Seitdem Teenager sie auf Schulhöfen als Schimpfwörter benutzen, sind die Worte „Behinderung“ und „behindert“ in Verruf geraten. Zu Unrecht, denn für viele behinderte Menschen ist es eine neutrale Beschreibung eines Merkmals. Wichtig ist nur das Wort “Mensch”, da mit dem Begriff “Behinderte” das Bild einer festen Gruppe entsteht, die in Wirklichkeit vielfältig ist. „Der/die Behinderte“ reduziert die Person auf ein Merkmal, das alle anderen Eigenschaften dominiert. Das ist auch der Fall, wenn von „den Blinden“ oder “den Gehörlosen” die Rede ist.

    Anne Skribbe, Inklusionsbeirat GL

  4. Ich fahre dort auch morgens mit dem Fahrrad und kann nur zustimmen. Zu den An- und Abholzeiten ist dort kein absolut kein durch kommen.
    Ich bin immer total erstaunt, wie durch organisiert das alles abläuft. Das ganze dauert auch ein ganze Weile und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie man das anders organisieren kann, ohne die Leute zu gefährden. Als Fahrradfahrer muss dort zu diesen Zeiten absteigen oder kommt höchstens mit Schritttempo dort durch.
    Insofern halte ich die Lösung über die Straße eine zusätzliche Zufahrt anzulegen für vollkommen abwegig.
    Das würde man meiner Meinung auch sofort feststellen, wenn man zur betreffenden Zeit mal vor Ort sich das ganze ansehen würde.

  5. Wie sind Kreispolizei und die Inklusionsbeauftragte nur zu ihren Erkenntnissen gekommen?
    Sind sie sich wirklich im Klaren, welchem Risiko sie die Menschen mit Behinderung aussetzt? Es lassen sich bestimmt viele Schilder aufstellen und Barrieren einbauen, an die sich z. B. der Lieferverkehr (nicht nur Kleintransporter, sondern auch LKW) aus Zeitgründen am liebsten nicht halten werden. Und werden die Menschen mit Behinderung während der Bauphase der psychosomatischen Klinik aus Sicherheitsgründen weggesperrt? Wie sollen Bagger, Krane und LKW durch eine Verkehrsberuhigung kommen?

    Ich schließe mich meinem Vorredner an: Die Argumentation mit dem Radfahrern ist mehr als fadenscheinig.

    Jeder Privatmann und jedes Unternehmen, das augenscheinlich weniger Einfluss auf Politik und Verwaltung hat als die PSK, würde für dieses Bauvorhaben eine Absage erhalten.

    Aber für die PSK wird ärgerlicherweise alles möglich gemacht. Zur Erinnerung: Mit der Erweiterung der Klinik auf dieser Wiese schließt die PSK im Gegenzug aus wirtschaftlichen Interessen eine Klinik im Oberbergischen.
    Ich hoffe sehr, dass noch ein Umdenken stattfindet, damit die GWK nicht umziehen muss. Aber auch eine alternativen Zuwegung würde ein weiteres Stück Natur aus wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen für immer zerstören.

  6. Die Entscheidung, die Erweiterung der PSK auf diser Wiese zu unterstützen ist der grundsätzlich falsche Ansatz von CDU und SPD. Die Frage muss lauten, wie kann Stadt und Verwaltung der GWK und der PSK den Rücken stärken, ohne beide gegeneinander aufzubringen. Die Lösung: Die Stichstrasse muss zum Parkplatz gewidmet und der GWK zum Verkauf angeboten werden. Für die PSK muss ein zukunftsfähiger Standort auf städtischem Gebiet gefunden werden. Z.B. in der Stadtmitte auf dem Zanders-Areal. Das würde den Wegzug verhindern und die Akzeptanz bei den Bürgern verbessern.
    Martin Freitag, Freie Wählergemeinschaft Bergisch Gladbach

  7. Ich bin den beschriebenen Weg viele Jahre mit dem Fahrrad gefahren, auch morgens bei Arbeitsbeginn in den GWK, und kann den GWK-Standpunkt nur unterstützen: Zu den An- und Abholzeiten ist der Platz zwischen den Gebäuden “dicht”, und auch sonst herrscht dort ein reger Fußgängerverkehr. Dass die Radfahrer nun zur Begründung herhalten sollen, hier eine Autostraße einzurichten (“zumal die Straße schon heute vor allem von Fahrradfahrern rege als Durchgangsstraße genutzt wird”), halte ich – um es zurückhaltend zu formulieren – für fragwürdig. In ganz langsamen Tempo und nötigenfalls mit Schieben kommt ein Radfahrer zur Rush Hour ohne Gefährdungen durch, keinesfalls aber ein Auto. Im Übrigen hat mich die fröhliche Stimmung, die dort morgens herrscht, immer gefreut – es wäre sehr schade, wenn dies kaputtginge!