In Gronau richtet sich der Protest der Anwohner beim Flächennutzungsplan nicht gegen ein Wohn- oder Gewerbegebiet, sondern gegen ein „Sondergebiet Gesundheit”. Auf Schlodderdeichs Wiese, der Fläche Gr7b, soll die Psychosomatische Klink ausgebaut werden. Dagegen wendet sich die lokale Bürgerinitiative mit einer Reihe von Argumenten. Teil 4 der Serie mit Stellungnahmen der lokalen Initiativen.

Mit der (zweiten) Offenlage hat am 8. Januar die nächste Etappe auf dem Weg zum Flächennutzungsplan begonnen. Bis zum 9. Februar haben die Bürger jetzt Zeit, den abgeänderten Entwurf zu prüfen und Einwände zu erheben. Das Bürgerportal hat im Vorfeld die Bürgerinitiativen nach ihrer aktuellen Position gefragt.

Bei Schlodderdeichs Wiese geht es zwar nur um 0,6 Hektar, aber das Gelände in unmittelbarer Nähe der Strunde ist sehr sensibel und auch die Nutzung durch die Psychosomatische Klinik ist umstritten. Dennoch läuft bereits ein Bebauungsplanverfahren auf der Basis des alten FNP.

Die Stadtverwaltung urteilt im FNP-Entwurf (Anlagenband, Seite 107): 

„Die Darstellung als Sondergebiet „Gesundheitsdienstleistung“ stellt in direkter Nähe zum vorhandenen Standort der Klinik eine funktional sinnvolle Ergänzung dar und rundet den Siedlungskörper im Sinne einer Arrondierung städtebaulich ab. Die Planungsabsichten der Klinik können mit dieser Darstellung des Flächennutzungsplanes planungsrechtlich abgesichert werden. Die vorhandene Erschließung des Schlodderdicher Weges kann genutzt werden. Die Emissionsthematik wird auf Ebene des verbindlichen Bebauungsplanes gelöst. Ebenso gilt es auf dieser Planungsebene die Umweltbelange einschließlich des Artenschutzbelange abschließend zu berücksichtigen. Das Bebauungsplanverfahren einschließlich einer Flächennutzungsplanänderung (des bisher wirksamen Planes) läuft parallel zur Flächennutzungsplan-Neuaufstellung.”

Dokumentation: Stellungnahme der BI Schlodderdeichs Wiese

Auch unsere Bürgerinitiative ist Mitglied im Bündnis der Bürgerinitiativen und setzt sich gegen die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans (FNP) ein.

Wir kämpfen im Einzelnen für den Erhalt der Schlodderdeichs Wiese (Gr7b), die unmittelbar an das Landschaftsschutzgebiet Thielenbruch angrenzt. Sie ist unter anderem Frischluft-Austauschbereich, Verbindungskorridor zwischen geschützten Heideterrassegebieten, Teil des regionalen Grünzuges und wichtiger Bestandteil des Naherholungsgebietes Thielenbruch.

Unmittelbar an der Wiese verläuft die Strunde, die nach EU-Vorgaben zwingend renaturiert werden muss. Weil die Strunde im weiträumigen Gebiet hinter dem Stadtzentrum an allen anderen Stellen bereits verbaut ist, ist die Umsetzung nur noch an dieser Stelle möglich.

Im Vorentwurf des FNP allerdings war die Schlodderdeichs Wiese bereits als „Sondergebiet Gesundheit“ ausgewiesen.

Auch Träger öffentlicher Belange äußern Bedenken

Dagegen haben viele Mitbürger und die Träger Öffentlicher Belange, wie zum Beispiel die Bezirksregierung Köln, das Bündnis Heideterrasse e. V. und der RBN e.V.  (Rheinisch Bergischer Naturschutzverein) Einwendungen eingereicht.

Die Bezirksregierung hat sich sogar mit „erheblichen Bedenken“ gegen die Bebauung ausgesprochen. Die Naturschutzvereine wenden ein, dass die oben aufgeführten Werte der Wiese erhalten bleiben müssen und dass eine Bebauung gegen das deutsche Bundesnaturschutzgesetz verstößt.

Trotz aller Einwände gegen den Vorentwurf bleibt auch im Entwurf des FNP die Schlodderdeichs Wiese als „Sondergebiet Gesundheit“ ausgewiesen.

Strundeverband antwortet nicht auf Anfragen

Die Vorgaben im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) werden nicht umgesetzt. Stattdessen wird ein 10 Meter breiter Randstreifen entlang der Stunde eingerichtet, der für die Renaturierung vorgesehen, aber absolut nicht ausreichend ist: Das Wassernetz NRW empfiehlt, für die Strunde auf der Schlodderdeichs Wiese mit einem 100 Meter tiefen Entwicklungskorridor Naturnähe herzustellen.

Da wir das Vorgehen des Strundeverbandes nicht nachvollziehen konnten, haben wir bereits zwei Mal um Auskunft gebeten, wie die Vorgaben der EU für die Strunde, speziell im Bereich der Schlodderdeichs Wiese umgesetzt werden sollen. Wir warten seit Wochen auf eine Antwort.

Keine Lösungen für bestehendes Verkehrsproblem 

Völlig unberücksichtigt bleibt das Verkehrsproblem. Die Zuwegung zum neuen Klinikgebäude soll zwischen den Gebäuden der Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK) genutzt werden. Allerdings herrscht hier besonders zu den Stoßzeiten der GWK heute schon eine Überlastung durch An- und Abfahrt von dutzenden Kleintransportern und auch Reisebussen.

Zusätzlicher Verkehr ist als großes Risiko für die dort arbeitenden Menschen mit Handicap zu sehen. Auch andere Zufahrtskonzepte sind nicht umsetzbar.

Zum Hintergrund: Psychosomatische Klinik

Auf der Schlodderdeichs Wiese möchte die Psychosomatische Klinik Bergisch Land gGmbH (PSK) neben ihrem Bestandsbau einen weiteren Klinikkomplex errichten, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen. Im Gegenzug wird mindestens eine Klinik im Oberbergischen geschlossen.

Die Einwände im Detail:

1. Die Bebauung verstößt gegen Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der dazugehörigen Blauen Richtlinie.

2. Die Bebauung verstößt gegen das Verschlechterungsverbot gemäß der WRRL und des deutschen Wasserhaushaltsgesetz (§ 31 Abs. 2 WHG). 

3. Eine Bebauung zerstört einen Teil der Vernetzungskorridore des Biotopverbundes der Bergischen Heideterrasse. (Schutzgut des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG)). Den gesetzlich geschützten Heideterrassengebieten darf keine Verschlechterung widerfahren, auch nicht durch Verbauung der Vernetzungskorridore. 

4. Auf der Wiese wachsen die besonders geschützten Herbstzeitlosen (Rote Liste!). 

5. Die Schlodderdeichs Wiese wurde in die Kategorie „schutzwürdige Böden“ eingestuft. Sie gehört laut Geoportal zu dem Gebiet aG 44 ( Auengley).

6. Die Relevanz des Gebietes ist in unterschiedlichen Dokumenten aufgeführt: Unter anderem ist die Wiese im Regionalplan als „Freiraum und Agrarbereich überlagert von einem regionalen Grünzug“ festgeschrieben, im Landschaftsplan als Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Bergische Heideterrasse“ klassifiziert und in dem mit viel Aufwand erst vor wenigen Jahren von der Stadt erarbeiteten ISEK 2030 strategisch als Freiraum konzipiert. Diese Relevanz würde durch eine Bebauung zerstört.

7. Das Grundstück liegt im Außenbereich. Außenbereiche müssen von Bauentwicklung freigehalten werden.

8. Die Bebauung verstößt gegen die Vorgabe des Umweltberichtes zum FNP-Entwurf, eine ausreichende Waldrandzone an angrenzende Waldflächen sicherzustellen. Ebenso liegt ein Verstoß gegen das Freiraumkonzept der Stadt Bergisch Gladbach, gegen das „Leitbild Tiere und Pflanzen“, gegen das „Leitbild Luft und Klima”, gegen das „Leitbild Boden“ und gegen das „Leitbild Wasser” aus dem Umweltbericht vor. 

9. Im Hinblick auf das Hochwasserrisikomanagement würden statt zusätzlicher Retentionsflächen weitere Versiegelungen und Gebiete mit Schadenspotenzial entstehen. Die Strunde gilt als Hochwasser-Risikogewässer. Entsprechend des kommunalen Steckbriefes sollten aus diesem Grund Vorkehrungen getroffen werden, um den Schadensrisiken entgegenzuwirken. Auch im Umweltbericht des FNP wird die SW als Bereich des 100-jährigen Hochwassers ausgewiesen. Bauliche Anlagen sind hier verboten. 

10. Eine verkehrliche Erschließung ist schlichtweg nicht möglich. Der Schlodderdicher Weg ist heute schon, besonders zu den Stoßzeiten der Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK), überlastet. Zusätzlicher Verkehr ist ein großes Risiko für über 200 Menschen mit Handicap, die in den unmittelbar benachbarten GWK links- und rechtsseitig der Stichstraße beschäftigt werden. Auch andere Zufahrtskonzepte sind nicht sicher umsetzbar.

Alle Unterlagen

Weitere Details, unseren Einwand zum FNP-E und ein Musterschreiben, das Sie gerne als Vorlage für Ihren eigenen Einwand nutzen können, sind auf unserer Website zusammengefasst.

In den nächsten Tagen verteilen einige Mitglieder der Bürgerinitiative zudem in die Briefkästen ihrer Gronauer Nachbarn Flugblätter und einen Musterbrief , um ihnen die Mobilisierung gegen den FNP-E zu erleichtern.

Den Musterbrief können Sie auch hier herunter laden oder kopieren:

Weitere Beiträge zum Thema:

Klinik-Erweiterung auf Basis des alten FNP

Gronauer BI wehrt sich gegen Gesundheits-Sondergebiet

Weitere Beiträge zum FNP:

FNP-Kompass: Fläche raus, Fläche drin?

BI Schildgen fordert: Wachstum begrenzen

BI Nussbaum: Nu7a & 7b müssen aus dem FNP raus

„Unser Weg zum Flächennutzungsplan”

„Tarnen, Täuschen, Fakten schaffen“ ein Erfolgsrezept?

BI Sträßchen Siefen: Keine Bebauung im Grünzug

FNP: In Nussbaum bildet sich eine zweite Initiative

Bündnis Heideterrasse: 66 Argumente gegen den FNP

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Hier schildert uns eine weiter Bürgerinitiative, was die Stadtväter tatsächlich vorhaben und wie an anderen Stellen (z.B. Kölner Fenster, Neuborner Wald) mit ähnlichen Tricks versuchen, zugunsten rein wirtschaftlich orientierter Unternehmen bzw. Immobilienverwerter Platz zu schaffen, um vielleicht schon früh ausgedrückte Versprechen halten zu können.

    Schon vor Monaten hatte ich aus der BI gehört: „Für die Schlodderdiche Wiese kam ein Investor zur Verwaltung, versprach gute Preise und die Erschließung des Gebietes ohne Kosten für die Stadt und die Verwaltung versprach, ihr Bestes zu tun.”

    So oder so ähnlich darf man sich wohl das Vorhaben der Stadt erklären, der leeren Kasse wieder Kapital zuzuführen. Dabei auf die Belange von Naturschutz, Umweltschutz, Verkehr, Umweltbelastung und vor allem die der Bürger zu achten, ist nur lästig und hält auf. Um dem Investor die Zeit nicht zu lang werden zu lassen, wurde in Aussicht gestellt, den Weg mit einem “Vorhabenbezogenen Bebauungsplans” frei zu machen und auf diese Weise den alten Bebauungsplan, der ja eigentlich “Flickschusterei ist”, “mit dem man nicht mehr arbeiten kann”, der “fürchterlich überholt ist”, noch schnell für die gegebenen Versprechen zu ändern.

    Es wird immer beängstigender, wie die Verwaltung die Bürger der drittgrünsten Stadt Deutschlands ohne Scham in eine Wohnsituation treiben, wie es von keiner anderen Stadt bekannt ist. Erdulden müssen das unsere Kinder und Enkel, wenn wir dieser Vernichtung von Wohn- und Lebensqualität keinen Einhalt gebieten.

    Rolf Havermann
    BBI-GL – Presse