Der städtebauliche Vorentwurf für die Erweiterung der Psychosomatischen Klinik

Die Stadt treibt die Planung für die Erweiterung der Psychosomatischen Klink in Gierath voran: Nach Beratungen mit dem Gestaltungsbeirat gibt es ein Gebäude-Konzept, das am Mittwoch im zuständigen Ausschuss beraten wird und dann in die Bürgerbeteiligung gehen soll.

Wie bekannt will die Klinikum Oberberg GmbH ihre Psychosomatische Klinik Bergisch Land GmbH (PSK) am Schlodderdicher Weg auf dem nördlich angrenzenden Nachbargrundstück erweitern. In einem neuen Gebäudekomplex soll die Behandlung von Suchtkranken konzentriert werden, die bislang in Wermelskirchen-Dabringhausen und im alten Gebäude am Schlodderdicher Weg  durchgeführt wurde. Die Details gehen aus Unterlagen hervor, die die Stadtverwaltung jetzt für die Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses am Mittwoch vorgelegt hat. 

Hinweis der Redaktion: Die gesamte Vorlage dokumentieren wir unten

Auf der Wiese sollen vier Stationen mit jeweils 21 Betten enstehen, von denen insgesamt 69 gleichzeitig belegt werden können. Dabei geht es um Entzugstherapie von Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigen. 

Zunächst war ein kompakter Baukörper geplant, parallel zur Grenze des Landschaftsschutzgebietes. Der Gestaltungsbeirat hatte jedoch andere Vorstellungen – und in zwei Abstimmungsrunden entstand der aktuelle Plan mit vier einzelnen Stationsgebäuden, die wie Windmühlenflügel angeordnet sind. Damit könnten „Landschaft und Klinikgebäude stärker miteinander verknüpfen” werden. 

Wie berichtet will die Stadtverwaltung das betroffenen Gebiet zwar im künftigen Flächennutzungsplan (FNP) als „Sonderfläche Gesundheit” ausweisen, auf die Verabschiedung des neuen FNP aber nicht warten. Es gebe eine Antrag des Bauherrn, darauf müsse man reagieren.

Statt dessen soll die Planung – inklusive der Bürgerbeteiligung, als „vorhabenbezogener Bebauungsplan” auf Basis des alten Flächennutzungsplans voran getrieben werden. Aber die Bestätigung, dass das Vorhaben dem Landesplanungsgesetz entspricht, soll dann doch im Rahmen der FNP-Neuaufstellung eingeholt werden.

Das Vorgehen auf Basis des alten FNP hatte bereits im Mai 2017 zu Kritik der Bürgerinitiative  „Schlodderdeichs Wiese Gronau – BSW” geführt, die die Klinikerweiterung aus Naturschutzgründen ablehnt und der Verwaltung nun auch Vorfestlegungen vorwarf. In der Anwohnerschaft gibt es aber auch grundsätzliche Vorbehalte gegen den Ausbau der Suchtklinik.

Laut Verwaltungsvorlage schließen sich die Aufsichtsbehörden (Kreis RheinBerg und Bezirksregierung Köln) nicht der Ansicht der Bürgerinitiative an, der Arten-, Landschafts- und Gewässerschutz spräche grundsätzlich gegen die Baupläne. Die Untere Landschaftsbehörde beim Kreis habe ihre Zustimmung lediglich davon abhängig gemacht, dass ein Mindestabstand zum Thielenbrucher Wald und zur Strunde eingehalten wird. Zudem dürfe das Grundstück nicht eingezäunt werden, weil es sonst als Barriere für Tiere wirken würde. 

Daher betont die Verwaltung, dass die Entzugstherapien innerhalb des Klinikgebäudes stattfinden. Daher könnten die nicht bebauten Flächen nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet werden, ohne Zaun. Durch eine Randbepflanzung mit Sträuchern und Bäumen werde die bisherige Wiesenfläche sogar aufgewertet, die Artenvielfalt begünstigt.

Allerdings habe die Verwaltung noch nicht alle Hinweise über geschützte Tier- und Pflanzenarten prüfen können, die im Rahmen des FNP-Verfahrens eingegangen waren. Speziell geht die Stadt in der Vorlage auf den Hinweis des BUND ein, dass in dem Gebiet die als gefährdet eingestufte Herbstzeitlose wächst. Diese Pflanze sei jedoch nicht europäisch, sondern nur national geschützt – und könne damit Gegenstand einer Abwägung werden. 

Auch das Bündnis Heideterasse lehnt die Klinikerweiterung kategorisch ab.

Die Vorlage wird am Mittwoch im Auschuss (17 Uhr, Rathaus Bensberg) beraten. Dann muss der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss abstimmen, ob mit der Beteiligung der Öffentlichkeit der näcshte Schritt für den „vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 2496 – Schlodderdicher Weg” getan wird.

Dokumentation

Weitere Beiträge zum Thema:

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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3 Kommentare

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  1. Für die Grundstücksbebauung liegt eine positive Bauvoranfrage für die GWK vor,
    Dort sollten 36 Wohnungen für Menschen mit Behinderung gebaut werden. Nur weil es Probleme gab, war man nicht bereit, das Grundstück an die GWK bzw. den Investor zu verkaufen. Auch jetzt würde noch immer Interesse bestehen, weil es keine geeigneten Grundstücke gibt, um den dringenden Bedarf sicherzustellen. Für die Menschen mit Behinderung wäre die Nähe zum Arbeitsplatz von großen Vorteil. Lange Fahrzeiten würden vermieden. Erhebliche Fahrtkosten fallen nicht an.
    Das seitens der Klinik jetzt das Grundstück gekauft wurde, trotzdem man von dem Interesse seitens der GWK wusste, die bereits sehr viel Zeit und Geld investiert hatte, finde ich nicht ok.

  2. “Insgesamt wird es 149 Betten geben. Und mehr werden es auch nicht werden”. Wer an solche Versprechen glaubt, wartet auch am 5.12. auf den Nikolaus. Sollte die PSK mittelfristig größeren Platzbedarf mit damit verbundener Möglichkeit, mehr Einnahmen zu generieren, sehen, werden Herrn Klein seine Worte von gestern nicht mehr kümmern. Erneut wird die Stadt wieder eine Möglichkeit finden, den Wünschen eines Investors entgegenzukommen. Was kümmert die Stadt ihre Bevölkerung. Mit dem
    “Vorhabenbezogenen Bebauungsplan” ebnet die Stadt dem Investor die Möglichkeit, ohne die lästigen Argumente der Einwohner gegen den FNP-E. planen und bauen zu können, indem der alte FNP, der eigentlich laut Verwaltung nicht mehr zu handeln ist, an dieser Stelle doch noch zum Tragen kommt.

    Herr Klein erwähnt die Notwendigkeit, unbedingt mehr Platz für Alkoholkranke schaffen zu müssen. Warum aber gegen die Anwohner und gegen die Bedenken der Naturschutzverbände? Was Herr Klein nicht erwähnte sind die Synergien und die Einsparungen, die man sich verspricht, wenn man am Schlodderdicher Weg baut und dafür ein Haus im Bergischen Land schließen kann. Das scheint der wahre Grund zu sein, dass man so heftig um die Schlodderdiche Wiese kämpft. Das die Stadt dabei den Schulterschluss übt, kann einen kaum noch verwundern.

    Dieser Bau muss verhindert werden!

  3. Ein Kommentar zu “Presseschau 1.3. 2018”

    Eine Sondergenehmigung für den östlichen Teil der „Schlodderdichen Wiese“, die die „Gemeinnützigen Werkstätten Köln“ (GBK) mangels Bebauung nicht in Anspruch nahm, hätte zur Rückkehr zum Landschaftsschutz – wie der Rest der Wiese – führen müssen. Im Gegenteil wurde daraus im 1. FNP-E. in vorauseilendem Hinweis auf die Hilfe der Stadt ein „Sondergebiet für Gesundheitsdienstleistung“ (SfG), obwohl die Psychsom. Klinik noch keinen Bauantrag gestellt hatte. Eine andere Grundlage dafür ist den Anwohnern nicht bekannt.
    Man darf wohl vermuten, dass die Trägergesellschaft der Klinik bereits in der Stadt vorstellig geworden war, mit Investitionen gewunken hat, vielleicht sogar die Erschließung des Gebietes versprach, worauf die Stadt eine „vorhabenbezogene“ Planung begann.
    Es gibt weder eine patientengebunde Notwendigkeit für die Klinikerweiterung – genügend Plätze für Suchtkranke sind im Raum vorhanden – noch die Möglichkeit, eine Brache sinnvoll zu bebauen. Hier geht es alleine um kommerzielle Ziele. Eine Einrichtung des Trägers soll vom Bergischen Land neben die hier bestehende Klinik verlegt werden, um daraus Synergien zu erzielen.
    In der Sondergenehmigung für die GWK wurde auf bestimmte Restriktionen wie Schutz des relevanten Strundeabschnittes – der bereits heute nicht den „Europäischen Wasserrahmenrichtlinie“ auch nach der Forderung, dies zu verbessern, entspricht – und damit auf ein Bauverbot für gewisse Teile der Wiese hingewiesen. Eben diese Flächen befinden sich nun im SfG, wofür weder eine allgemeiner Vorteil noch ein gesetzlicher Zwang vorliegt.
    Die Zuwegung zu diesem Gelände stellt eine erhebliche Position im Verkehrschaos Bergisch Gladbachs dar, die durch eine Erhöhung der ZU- und Abfahrts-Kapazität der Klinik weiter verschärft würde.
    Die zahlreichen Verstöße gegen den FNP-Vorentwurf, die von der örtlichen Bürgerinitiative am 09.10.2016 in einem Schreiben der Stadt vorgehalten wurden, fanden bisher im Bereich der Wiese keine Veränderung. Auch zum Umweltbericht im Rahmen des Vorentwurfes FNP bestehen erheblich Diskrepanzen, die nicht oder nicht schlüssig erklärt oder bewiesen wurden.
    Die Verwendung neuer Gebäude der Klinik sollen der der bisherigen Praxis folgen. Das bedeutet u.a. zusätzlichen Verkehr, wie bereits erwähnt, vor allem aber zusätzliche Belästigung der Anwohner, wie bereits die Polizei im Jahre 2015 feststellte. Die anwohnende Bevölkerung sieht sich sehr oft Anpöbeleien der Suchtkranken ausgesetzt, Kinder finden benutzte Spritzen, Lärm und laute Musik sind nicht selten.
    Dies alles in einem Teil unserer Stadt, der der naturnahen Erholung dienen soll, einen Kaltluftabzug und einen Klimaaustauch im Umweltverbund darstellt, der seltene Pflanzen und Tiere beherbergt, alles für eine kommerzielle Nutzung, der die Stadt wohl sehr gerne Vorschub leistet.
    Wie an anderer Stelle steht hier das Interesse der Wirtschaft im Vordergrund, nicht das der Bevölkerung, wie es das Bundesbaugesetz von Weiterentwicklung und Zukunftsorientierung einer Stadt verlangt.