Die ehemalige Bahntrasse (Zanders-Gleis) quert die Tannenbergstraße.

Die Radpendlerroute von Bergisch Gladbach nach Köln ist auf dem besten Weg, eine Förderung zu erhalten. Sie beginnt am Finanzamt – doch wie kommt man mit dem Rad dahin? Die Radfahrer haben einen Vorschlag, bei dem der Bahndamm eine wichtige Rolle spielt. 

Im Sommer 2018 hat der Rheinisch-Bergische Kreis (RBK) das Projekt „RadPendlerRouten im Rechtsrheinischen“ vorgestellt. Mittlerweile hat es den B-Status bei der Regionale 2025 erreicht – das heißt, die Pendlerroute von Bergisch Gladbach nach Köln ist auf einem guten Weg. Sobald das Projekt den A-Status erreicht, bekommt es von der Landesregierung bei der Fördermittelvergabe Priorität.

Die „Initiative Radschnellweg Bergisch Gladbach – Köln“ hat, wie der Name sagt, eine eigene Route für die Strecke von Gladbach nach Köln erarbeitet. Sie entspricht in weiten Teilen der Strecke der RBK-Planer, aber eben nicht ganz.

Alle Mitarbeiter der Initiative sind ortskundig und befahren die Strecke seit Jahren. Da kann ein Düsseldorfer Planungsbüro, wie es der RBK eingesetzt hat, kaum mithalten. Außerdem nutzt die Initiative die Bezeichnung Radschnellweg, weil sie auf die hochwertigeren Standards setzt, die eine Radpendlerroute nicht erfüllen muss.

Radschnellweg vs. Radpendlerroute
Radschnellwege sind vier Meter und verknüpfen wichtige Quell- und Zielbereiche des Radverkehrs über größere Entfernungen (über fünf Kilometer) miteinander. Sie sollen ein sicheres, zügiges und attraktives Fahren ermöglichen.

Außerhalb von Ortschaften bietet sich die Führung als „getrennter“ Geh- und Radweg an, straßenbegleitend oder selbständig. Innerorts kommen Ein- und Zweirichtungsradwege, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen in Frage, sofern diese an den Knotenpunkten ein Vorrecht erhalten können.

Radpendlerroute (auch: Radschnellrouten) werden Radverbindungen genannt, die die Spezifikation „Radschnellweg“ nicht in allen Punkten einhalten können. Trotzdem wird diese Variante mit Vorliebe genutzt, da die Umsetzung einfacher  und mit geringeren Kosten verbunden ist.

Die Radpendlerroute soll in Bergisch Gladbach beim Finanzamt am Refrather Weg beginnen. Doch wie kommt man mit dem Fahrrad von der Innenstadt zum Finanzamt? Dazu wollte die Stadt im Januar 2020 eine Idee vorstellen. Nun wurde der Arbeitskreis Verkehr „aus organisatorischen Gründen“ auf März verschoben.

Doch auch hier hat die Initiative längst einen eigenen Routenvorschlag ausgearbeitet. Er bezieht unter anderen den alten Bahndamm ein:

Nach diesem Konzept beginnt der Radweg am S-Bahn-/Busbahnhof (P1) hinter der Radstation, verläuft dann auf einer ehemaligen Bahntrasse (Zanders-Gleis), quert die Tannenbergstraße (P2)  und führt weiter über die ehemalige Bahnstrecke Köln-Mülheim − Lindlar, im Volksmund früher auch Sülztalbahn genannt (P3), überquert die Mülheimer Straße (P4-P5) und wird danach auf den Refrather Weg geleitet (P6).

Vom Refrather Weg (P7) geht es auf die ehemalige Vorortbahnlinie Köln – Bergisch Gladbach (Linie G) bis zur Gierather Straße (P11) – hier alternativ: Am Rodenbach verschwenkt der RSW über die Straße Rodemich (P9) auf die Gierather Straße (P10), auf die er bis zur Stadtgrenze nach Köln bleibt.

Diese Strecke wurde bereits im Detail untersucht, hier sind die Ergebnisse.

Abschnitt 1:

Innenstadt bis Finanzamt

Die bisherige Anbindung des Finanzamtes an die Innenstadt ist aus Radfahrersicht mangelhaft. Unter anderem der Neubau des Driescher Kreisels ist für Radfahrende ein Problem. Die Firma Zanders hat bis 2016 eine Gleisanbindung für Kohletransporte mitten durch den Driescher Kreisel betrieben. Mit dem Umbau des Kraftwerkes auf Gas ist diese Trasse obsolet geworden.

Die Nutzung ehemaliger Bahntrassen als Radweg hat den Radverkehr massiv vorangebracht, weil es sich dabei um eine Infrastruktur handelt, die nur einen Besitzer hat (hier die Deutsche Bahn). Eine entsprechende Umwidmung (eines der schwierigen Dinge in unserem Lande) geht vergleichsweise schnell und unkompliziert vonstatten.

Hier bietet sich die einmalige Chance, den Radverkehr annähernd verkehrsfrei aus der Innenstadt heraus bzw. hinein zu führen. Die Gleistrasse quert die Tannenbergstraße (P2) und überquert die Hauptstraße (P4). Interessant wäre auch die Nutzung des angrenzenden Geländes der Polizeiwache (P3).

Zwischen der Moschee und der Bahntrasse führt die Radroute auf den Refrather Weg (P6) und von dort über den vorhandenen Fuß-/Radweg zum Übergabepunkt auf die Radpendlerroute (P7).

Die Bahntrasse am Driescher Kreisel, etwas ungepflegt

Blick vom Driescher Kreisel in Richtung Westen

Hier kommt das Gleis an die Tannenbergstraße.

Parkplatz der Polizeiwache (P3), welcher an der Bahntrasse angrenzt.

Zwischen Moschee und Bahndamm wird der Radweg auf den Refrather Weg geführt.

Abschnitt 2:

Finanzamt bis Gierather Straße

Vom Refrather Weg führt die Route über den Fahrdamm der ehemaligen Straßenbahn (entlang der Schrebergärten). Noch bis Ende 2020 wird hier das Hochwasserrückhaltebeckens Kieppemühle gebaut – der Weg ist für Fußgänger und Radfahrer gesperrt und die wassergebundene Deckschicht zerstört.

Die Straßenbahntrasse quert am Ende des Fahrdamms die Straße Am Rodenbach. Da es sich um eine Sackgasse handelt, ist die Querung radfahrtechnisch kein Problem. Der Radweg führt weiter bis zum Parkplatz und wird dann auf die Gierather Straße geleitet.

Er ist Bestandteil der Touristikroute RegioGrün-Erlebnisradroute Ost (RGO) und des Radwegenetzes der Radregion Rheinland (RRR).

Der Weg ist Bestandteil der RadRegionRheinland

Fahrdamm der ehemaligen Straßenbahn baustellenbedingt unpassierbar

Querung der Straße Am Rodenbach

Geschotterter Waldweg zur Gierather Straße

Abschnitt 3:

Gierather Straße

Bis hierhin haben wir uns über Verkehrsstärken des KFZ-Verkehrs keine Gedanken machen müssen. Auch der letzte Abschnitt bis zur Stadtgrenze ist unkritisch. Die Anforderungen der Empfehlung für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) für Mischverkehr auf der Fahrbahn werden erfüllt. Die Gierather Straße ist durchgehend asphaltiert und beleuchtet.

Die Breite der Fahrbahn ist bis zu 7,50 Meter – geparkt wird alternierend. Sie weist damit für das Vorhaben bereits einen hohen Standard auf. Im Zuge der Tempo-30-Begrenzung auf der Bergisch Gladbacher Straße ist der „Schleichverkehr“ nach Bergisch Gladbach signifikant angestiegen und muss reduziert werden.

Hauptziel der Initiative ist es, zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur Reduzierung der Konflikte mit dem übrigen Verkehr die heute bereits attraktive Route zu ertüchtigen und dort mehr Radverkehr zu bündeln durch

  • jeweils geeignete Elemente auf den Streckenabschnitten, wie z. B. Fahrradstraßen, Radfahrstreifen und/oder Angebotsstreifen bzw. ggf. nur durch Neuordnung des ruhenden Verkehrs, sowie
  • sichere Lösungen an den Knotenpunkten, wie Vorfahrt für Radfahrende oder Sicherung durch Ampeln.

Anforderungen

Die Überarbeitung der gewählten Route sollte folgenden Anforderungen genügen:

  • Radfahrende sollen zügig, möglichst ohne Umwege und sicher zu ihrem Ziel gelangen.
  • kontinuierliche Wegweiser
  • keine Radwegsführung durch Grünanlagen, da diese in der Regel nicht den Fahrkomfort gut ausgebauter Straßen aufweisen und außerdem Fußgänger oder spielende Kinder gefährdet werden könnten
  • Knotenpunkte und Kreuzungen sind sicher und für den Kfz-Verkehr deutlich zu erkennen
  • Verwendung vorhandener Infrastruktur, damit die Realisierung möglichst kostengünstig wird
  • gute Anbindung, indem die Route zentral durch die Vororte/Wohnsiedlungen geführt wird
  • Am Ende soll die Route die Qualität einer echten Radschnellverbindung aufweisen mit Fahrradstraßen, breiten selbständigen Radwegen und anderen geeigneten Führungsformen.

Umsetzung

Die Umsetzung könnte zusammen mit den baulichen Maßnahmen im Bereich der Bahntrasse bzw. des Bahndammes erfolgen. Erforderlich sind vor allem Beschilderungen und Markierungen zur Verdeutlichung der Widmung der Route für den Radverkehr.

Es empfiehlt sich, schrittweise vorzugehen. Das hat u.a. den Vorteil, dass die Wirkung der eingesetzten Maßnahmen beobachtet wird, sodass ggf. Änderungen und Korrekturen möglich sind.

Im ersten Schritt sollten die kritischen Stellen beseitigt und eine kontinuierliche Radverkehrs-Wegweisung eingerichtet werden, außerdem sollten in allen Abschnitte Tempo 30 für den Kraftverkehr vorgeschrieben werden.

Nach einer angemessenen Zeit sowie nach Überprüfung der oben genannten Maßnahmen sollten die einzelnen Abschnitte der Route durch Umordnung des ruhenden Verkehrs, Beschilderung und Markierung als Fahrradstraße oder andere geeignete Führungsform zusammen eine echte Radschnellverbindung ergeben.

Alle Maßnahmen sind durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit in den Medien zu begleiten. Darüber hinaus sollten bei Planung und Umsetzung die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden, vertreten u.a. durch die jeweiligen Bürgervereine.

Bund übernimmt Verantwortung

Mit ihren Beschlüssen zum Klimaschutzprogramm 2030 folgt die Bundesregierung weitgehend den Vorschlägen des ADFC. Sie hat beschlossen, die „bei weitem noch nicht ausgeschöpften Potentiale des Radverkehrs“ zu heben.

Sie will gemeinsam mit den Ländern und Kommunen Radverkehrsnetze realisieren, auf denen „jeder Verkehrsteilnehmer“ sich sicher fühlt und „jeder Weg mit dem Fahrrad zurücklegbar“ wird.

Damit übernimmt der Bund Verantwortung für innerörtliche Radverkehrsinfrastruktur, nachdem er diese aus verfassungsrechtlichen Bedenken bislang immer abgelehnt hatte. Das fachliche Engagement des ADFC hat sich – wie bei den Radschnellwegen – gelohnt.

Dafür nimmt die Bundesregierung viel Geld in die Hand: 900 Millionen Euro stehen in den kommenden vier Jahren zusätzlich zur Verfügung – mehr als jemals zuvor.

Diese sollen zur Förderung des städtischen und ländlichen Radverkehrs, für investive Modellprojekte und Radschnellwege zur Verfügung stehen und so die Grundlage für eine fahrradfreundliche Umgestaltung der Kommunen und Regionen legen. Zentral ist hier, dass der Bund – wie der ADFC – durchgängige Radverkehrsnetze in den Kommunen für die entscheidende Neuerung hält.

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Ein schneller Radschnellweg von GL nach Köln. Schnell

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Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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