Maik Außendorf, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen

Die Grünen weisen den Vorstoß der CDU, das kostenlose Parken auszuweiten, zurück – als kontraproduktiv und klimaschädlich. Stattdessen setzen sie auf attraktivere Innenstädte und auf Einkaufen mit dem Fahrrad.

Für die Grünen nimmt Maik Außendorf, Sprecher für Verkehr und Wirtschaft der Ratsfraktion, Stellung zum Vorschlag der CDU, die kostenlose Parkzeit „(Brötchentaste”) von 15 auf 30 Minuten zu verlängern.

Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern haben wir bereits am 28.4.2020 einen Antrag zur Belebung der Innenstädte eingebracht. Kernforderungen sind die Aussetzung der Außennutzungsgebühren (diese fallen für Ausstellungsfläche und Außengastronomie auf städtischen Flächen an) und der Aufbau eines möglichst klimaneutralen Lieferdienstes.

Mehr Fläche für Handel und Gastronomie

Die Idee mit den Außennutzungsgebühren wurde im Gespräch mit Händlervertretern an uns herangetragen und wir GRÜNE haben dies in den Bündnisantrag eingebracht. Wir begrüßen es, dass die CDU unsere Forderung übernommen hat.

Schnell und unbürokratisch können Händler*innen somit Ausstellungsfläche im Freien hinzugewinnen. Ladenlokale können somit aufgewertet werden und das Infektionsrisiko ist an der frischen Luft auch geringer. Gilt in gleichem Maße natürlich für die Gastronomie.

Parken und Verkehr

An anderer Stelle ist die CDU auf dem Betonweg zurück ins letzte Jahrhundert. Mit der Ausweitung des freien Parkens (Brötchentaste für 30 Minuten) glaubt sie, dem Handel etwas Gutes zu tun. Finanzieren will sie diese direkte Subvention des Autoverkehrs mit Geldern der städtischen Betriebe (“schütt-aus-hol-zurück”).

Hiermit wird zum einen Geld für ein Strohfeuer verbrannt und andererseits das Mantra der autogerechten Stadt hochgehalten, dem der Irrglaube zu Grunde liegt, dass nur Kunden mit dem Auto mehr Umsatz bringen.

Dies hat allenfalls Mitnahme-Effekte zur Folge: wer ohnehin mit dem Auto zum Einkaufen in die Stadt gefahren wäre, um zum Beispiel viel oder besonders große Gegenstände einzukaufen, spart nun die Parkgebühren und belastet die Stadtkasse.

Wer ohnehin aus Bequemlichkeit oder Mangels Angebot eines Spezialartikels im Internet einkaufen wollte, wird sich kaum durch die Aussicht auf kostenloses Parken anders besinnen.

Kostenloses Parken: kostspieliges Placebo, klimaschädlich und kontraproduktiv

Viele Beispiele und Studien zeigen: weniger Parkplätze, weniger Autoverkehr und mehr Platz für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen führen zu attraktiveren Innenstädten und zu mehr Einzelhandelsumsatz. Eine Studie des Difu, unterstützt vom Bundesverkehrsministerium, hat den Stand der internationalen Forschung zusammengefasst. Fazit:

Der Radverkehr befördert die Belebung der Stadtteilzentren und Innenstädte, er stärkt somit auch den dortigen Einzelhandel. Mehr Fahrrad- und weniger Pkw-Nutzung spart Platz für hohe Aufenthaltsqualität und trägt so zu einem attraktiven, anregenden Einkaufsumfeld bei.

Einzelhändler müssen dabei nicht den Verlust von Nachfragepotenzialen fürchten. Radfahrer stellen eine kaufkräftige und treue Kundengruppe dar. Um sie in die Geschäfte zu locken, soll den Hindernissen beim Einkauf auf zwei Rädern mit einem breiten Serviceangebot, komfortablen Abstellmöglichkeiten und sicheren Straßen begegnet werden. Dies erfordert das koordinierte Vorgehen von Kommune und lokalem Einzelhandel.

Mehr Radverkehr – mehr Umsatz

Dieselbe Studie stellt zum Thema Umsatz fest: Auch wenn Radfahrer pro Einkauf nicht so viel Geld ausgeben, wie Pkw-Nutzer, bringen sie in einem bestimmten Zeitraum einen höheren Umsatz als die motorisierte Kundschaft, da sie öfter wiederkommen.

So sieht es auch Josef Cramer, Vorsitzender der Immobilien- und Standortgemeinschaft Innenstadt. Er sagt: Wir fordern die Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr während der Öffnungszeiten, um so mehr Kunden in die Geschäfte zu bringen.

Die CDU hatte dieses Vorhaben zu Fall gebracht, wir erneuern unsere Forderung und appellieren an die CDU, im 21. Jahrhundert anzukommen, ihre ideologischen Scheuklappen fallen zu lassen und sich einer Öffnung der Fußgängerzone nicht weiter zu verweigern.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

12 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Nicht jede/r kann radfahren, sei es aus gesundheitlichen, Alters- oder sonstigen Gründen. Nicht alle wohnen nah am Zentrum. Der ÖPNV ist mit seinem 20 min Takt, samstags 30 min auch nicht das Ei des Kolumbus. Also bitte den Ball etwas flacher halten.

  2. Sehr geehrter Herr L., es ist seit inzwischen zehn Jahren geübte Praxis des Bürgerportals, neben den eigenen redaktionellen Beiträge eine Plattform für alle Vereine, Initiativen und eben auch Parteien zur Verfügung zu stellen. Der Autor eines Artikels ist immer in der Autorenzeile zu erkennen, in diesem Fall steht dort „Die Grünen”. Wenn dort steht „CDU” oder „Christian Buchen”, dann handelt es sich um einen Artikel eben dieser Parteien oder Personen.

  3. Wie wirklichkeitsfremd seit ihr denn, liebe Grüne. Bevor hier nicht Fahrradverhältnisse wie in Holland oder zumindest Münster/NRW vorliegen, stürze ich mich nicht in diese Todeszone Strassenverkehr ohne einen genügenden Schutz aus Blech um mich herum. In der Fußgängerzone Fahrrad fahren, gut und schön, dort sicher hinkommen steht auf einem anderen Blatt. Träumt weiter vom Jahr 1910.

  4. “Wirksam und nachhaltig” sind die entscheidenden Stichworte. Und nicht “rückwärtsgewandt und klimaschädlich”. Und wer meint, dass nur die teure und ressourcenfeindliche Unterstützung des Autos und damit die Schaffung und/oder Subventionierung von öffentlichen (Park-)raum – möglichst direkt vor dem Laden s. die leidige Diskussion dazu in Bensberg – eine Belebung der Innenstädte und damit den Einzelhandel fördern, dem sei die jahrelange Erfahrung aus anderen Städten ans Herz gelegt. Auch wenn sich diese sehr komplexen Zusammenhänge – der u.s. Artikel verweist darauf – nicht beliebig auf jede Stadt kopieren lassen, so gibt es fundierte Erkenntnisse von denen Bergisch Gladbach nur profitieren kann. So man sie denn nutzt! https://www.welt.de/kmpkt/article200165650/Studie-in-Toronto-Radwege-statt-Parkplaetze-und-schon-steigt-der-Umsatz-anliegender-Laeden.html

  5. Auch in Zukunft wird es in Bergisch Gladbach jederzeit möglich sein, große Einkäufe mit dem eigenen PKW zu erledigen. Ebenso sollte eine fehlende „Brötchentaste“ niemanden daran hindern, mit dem Auto in die Zentren zu kommen. Wenn eine Parkgebühr von 50 Cent ein Hinderungsgrund sein sollte, dann soll es so sein.

    Aber was wäre störend daran, Fußgängern und Fahrradfahrern in den Zentren unserer Stadt Vorrang und mehr Platz einzuräumen?
    Viele deutsche und europäische Großstädte sind gerade dabei, ihre Straßenverkehre in diese Richtung zu lenken. Ganz aktuell hat die Stadt Brüssel die Erfahrungen des Corona-Lockdowns dazu genutzt, ihren Straßenverkehr neu zu sortieren. Hier kann jeder mit dem Verkehrsmittel seiner Wahl in die Innenstadt kommen, jedoch werden die Hierarchien neu strukturiert. Vorrang haben die Fußgänger, danach die Radfahrer und zuletzt die Autofahrer. Das ist ein Weg zu einer umsichtigen und zukunftsorientierten Verkehrspolitik in den Zentren unserer Städte.
    Warum sollte so etwas nicht auch in Bergisch Gladbach möglich sein? Der Stärkere (Autofahrende) ordnet seine Bedürfnisse dem Schwächeren (Fußgänger/-innen und Radfahrende) unter. Leben und Aufenthalt würden uns allen in unserer Innenstadt neue Flügel verleihen: mehr Qualität, Ordnung, Sicherheit und Ruhe. Davon könnten Einzelhandel und Gastronomie nur profitieren.

  6. Eine klar erkennbare und längst überfällige Richtungsänderung, die hier vorgeschlagen wird, gut so.
    Vielleicht gelingt es dann auch den wenigen Rad fahrenden Verkehrsrowdys beizukommen, in dieser für alle neuen multimodalen Verkehrswelt. Der Autoverkehr auf den Straßen wird ja auch nicht eingestellt, nur weil sich wenige Autofahrer nicht an die Regeln halten. Auch hier ist mehr Achtsamkeit und miteinander gefragt.
    Für den lokalen Einzelhandel wird nach wie vor erwartet, dass die Umsätze in Zukunft verstärkt durch die Aufenthaltsdauer bestimmt werden. Auch sollte nicht verheimlicht werden, dass ein attraktives Angebot des Handels nicht nur dazu gehört, sondern eine Voraussetzung für den Erfolg des Einzelhandels ist. Häufig haben die Kunden vor dem Einkaufsbummel heute schon ihren Besuch auf einer der online Plattformen hinter sich, es geht also auch und ganz besonders um Uniqueness oder/und um die Einbindung in das online Business.
    Nach dem für viele Menschen in der Corona Krise erfolgten digitalen Crash Kurs, auch beim Einkaufserlebnis, ist als ein Ergebnis mit einem schneller wegbrechenden Umsatz in Richtung online Business zu rechnen. Es wird also noch einmal schwieriger und die Kundenbindung, aber ganz besonders die Aufenthaltsqualität erlangt eine außergewöhnliche Bedeutung.

    Im Klartext, Veränderung pur, Atmosphäre schaffen für längere, abwechslungsreiche und angenehme Aufenthalte im „Angebotsbereich“ des Einzelhandels. Aufenthaltsqualität ist gefragt und ohne Autos kann ich mir das schon besser vorstellen als ohne Grün. Vielleicht wäre ein Kompromiss für beides, Auto und Grün an den richtigen Stellen, so könnte Hinterhofcharakter Gestalt annehmen. Wobei die Priorität klar sein muss, Aufenthaltsqualität für die Zukunft des Lebens im urbanen Umfeld.

  7. Ich kann Herrn Schiffer und Katharina nur beipflichten und kaufe sehr gerne im lokalen Einzelhandel ein. Wenn ich jedoch von nun an Haushaltsgeräte und Einkäufe auf einem Fahrrad bergauf hochschleppen darf, lasse ich es mir lieber komfortabel nach Hause liefern.
    Des Weiteren finde ich es sehr bedenklich, einen solchen parteipolitisch-verfassten Artikel, im Wahlkampf, als redaktionelles Erzeugnis erscheinen zu lassen. Liebe Redaktion der iGL, für mich ist das eine gewaltige Impertinenz. Da nicht-redaktionellen Beiträge hier vielmals schwer erkennbar als solche publiziert werden, zweifele ich diesbezüglich an der Glaubwürdigkeit des Bürgerportals.

  8. Man könnte den Kommentaren nach bisweilen den Eindruck erhalten, dass das Grüne Wahlprogramm, bzw. die Grüne Vorstellung von Mobilität mit voller Absicht falsch verstanden und verdreht wird.
    Es wird doch an keiner Stelle die Forderung gestellt, dass in Zukunft ALLE Menschen mit dem Fahrrad bzw. den Öffis fahren sollen. Es soll nur endlich eine zeitgemäße “Verkehrsgerechtigkeit” hergestellt werden, in der nicht mehr alles einseitig auf den Autoverkehr ausgelegt ist, sondern auch z.B. dem Umstand Rechnung getragen wird, dass der Radverkehr nun mal zunimmt – u. diese positive Entwicklung aktiv gefördert wird. Und dazu zählt auch, das der Autoverkehr nicht durch unnütze Subventionen wie kostenloses Parken übervorteilt wird.

  9. Guten Tag, ich bin weiterhin nicht für eine stärkere Öffnung der Fußgängerzone für rüpelhafte Radfahrer in der Fußgängerzone. Rücksichtnahme auf andere Besucher in diesem Bereich. Ich habe keine Lust auf die Seite zu springen, wenn sie mit überhöhtem Tempo zu eingeschränkten Zeiten sich diesen Raum zurückerobern. Die Streifen der Ordnungsamtsmitarbeiter, speziell die mit den Westen der Firma Celja Sicherheitsdienst fallen mir durch Untätigkeit auf der einen Seite und durch scharfe Kontrollen in der Rhein Berg Galerie auf. Meiner Meinung nach könnte das Geld für diese Mitarbeiter/ innen sinnvoller eingesetzt werden. Aber das ist eine Entscheidung von Frau Unrau gewesen, die ich nicht gut heißen kann. Doch mir geht es jetzt um die Radfahrer in der Fußgängerzone. Der Radfahrerclub sollte sich einmal überlegen, wie er seinen Beitrag gegen diese Tatsachen leisten kann und nicht noch mehr Rechte für Ihre Mitglieder erstrecken. LEIDER finden Sie dabei die volle Unterstützung der Grünen, die alle Autofahrer für Umweltschädlinge betrachten nur weil sie nicht die Interessen und Parteiprogramme dieser Partei unterstützen. Ich bin für ein Umweltbewusstsein und vernünftige Überlegungen aber nicht für ein Betondenken, bei dem die Überlegungen anderer Menschen keinen Platz finden dürfen. In einem soziale System muss für alle ein Platz vorhanden sein. Ich wünsche mir, dass diese Einstellung Platz in der Politik für unsere Stadt und die Bürger findet.

  10. Wie will die CDU denn den Betrag ausgleichen der durch das Parken dann wegfällt? Reine Polemik Politik dieser Partei die keine innovativen Ideen mehr hat. Hat Jahrzehnte funktioniert, nun aber wird selbst dem konservertivsten deutlich, dass Versprechen und Aussitzen der Stadt nichts bringt.

  11. Ich freue mich schon, alle meine Einkäufe, vor allem größere Gegenstände mit dem Fahrrad aus der Innenstadt nach Herkenrath hochzuwuchten.
    Mal sehen, ob die Grünen mir schieben helfen.
    Und bestimmt kommen bald Busse mit Lasten-Anhängern als Alternative zum Einsatz.
    Glauben die eigentlich wirklich, was sie da postulieren?

    Nächstes Beispiel. Der Weg zur Arbeit. Mit Öffis brauche ich im günstigsten Fall vom Wohnort (Herkenrath) zum Arbeitgeber 70 Minuten für die einfache Strecke. Mit dem Auto 18 Minuten.
    Bezahlen die Herrschaften mir diesen Zeitverlust von gut 100 Minuten pro Tag?

  12. Das mag eventuell stimmen für diejenigen Einwohner, die aus Innenstadtnahen Gebieten kommen. Wir haben aber Einzugsgebiete beispielsweise aus Kürten oder Bensberg oder Refrath usw.
    Es gibt Menschen, die lange arbeiten und für die es sich nicht mehr lohnt erst nach Hause zu fahren, das Fahrrad aus dem Keller zu holen und dann eine Dreiviertelstunde quer durch Gladbach zu radeln. Man wenn man weniger Verkehr in den Innenstädten haben möchte, sollte man nicht diejenigen benachteiligen, die nicht zur Fahrradelite mit viel Zeit, Geld und kurzen Wegen gehören, sondern sollte den öffentlichen Nahverkehr so günstig gestalten, dass er ein echter Anreiz zum Stehenlassen des Autos wird.