Wer seriöse Nachrichten verfolgt der merkt in diesen Tagen: Virologen und Politiker lernen immer noch dazu. Entsprechend werden die Verhaltensregeln laufend angepasst. Darüber kann man diskutieren. Abstand halten sollte man jedoch von Verschwörungstheoretikern.

Was geistert da nicht alles durch die Welt und verbreitet sich schneller als das Corona-Virus selbst: Corona sei eine Biowaffe, Bill Gates strebt die Überwachung der Menschheit an, ein neuer Mobilfunkstandard soll Corona auslösen. Ibuprofen verstärkt die Corona-Symptome. Der Blick in die TV-Nachrichten ließ uns wirklich mit den Ohren schlackern.

Da braut sich bei den Anti-Corona-Demos eine gefährliche Gemengelage zusammen: Menschen, die unter dem Lockdown leiden, stehen Seite an Seite mit Verschwörungstheoretikern. Der Verfassungsschutz sieht gar die Gefahr, dass sich Rechtsextreme an die Spitze der Proteste stellen. Schnell wird z.B. der Ruf nach Freiheit mit Kritik an den Medien vermengt, eine Reichskriegsflagge gezeigt. Siehe ARD extra gestern Abend. Und auch hier in Bergisch Gladbach wird demonstriert. Kippt jetzt die Stimmungslage?

Man sollte die Debatte – wie jede Debatte – mit Vorsicht und unaufgeregt führen: Es ist OK wenn jene sich beklagen, die unter der Isolation leiden. Es ist OK, wenn Eltern die phasenweise Öffnung der Kitas kritisieren. Und es ist OK, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber über wirtschaftliche Probleme klagen. Und ihre Meinung kundtun.

Das zeigt schließlich, wie komplex die Lage ist, und wo gegebenenfalls der Schuh richtig drückt. Schwierig wird es, wenn Zeitgenossen einfache Erklärungsmuster anführen. Wenn kompliziertes Weltgeschehen mit einfachen Ursachen belegt werden soll. Denkweisen, die nicht monokausal sind, werden dann flott diskreditiert. Das einfache Weltbild verbreitet sich rasch.

Da sollten wir misstrauisch bleiben. Versuchen, die Dinge einzuordnen, Fakten die aus dem Zusammenhang gerissen wurden wieder an ihren richtigen Platz rücken. Informationen auf ihre Glaubhaftigkeit prüfen. Hinschauen, aus welcher Quelle eine Information genau stammt.

Dafür sind auch wir Journalisten da. Wir schauen uns Fakten an. Recherchieren nach Belegen. Hören uns konträre Meinungen an und ordnen Dinge ein. Das ist unsere Aufgabe: Auch komplizierte Dinge verständlich machen und erklären.

Seit eh und je sind daher auch Medien systemrelevant. Und das ist gut so.

Bild von Omni Matryx auf Pixabay

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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