Sonntag ist Muttertag. Bei uns neben Weihnachten und Ostern gefühlt ein weiteres großes Familienfest. Corona macht es nicht einfacher. Kaum einer weiß, ob er an der Kaffeetafel ungewollte Geschenke verteilt. Wir überlegen daher: Trotz Lockerungen die Omas besuchen – ja oder nein?

Der Wohnort ist nicht einmal das Problem: Beide Omas wohnen in Rheinland-Pfalz (RP), wir in Nordrhein-Westfalen (NRW). Die Lockerungen sind ähnlich und gelten ab ähnlichen Zeiträumen. Das ergibt zumindest ein grober Rundblick. Die Recherche zu diesem Absatz wäre leichter gefallen, würde der Bund noch die Rahmenbedingungen vorgeben. Aber das ist ein anderes Thema.

Vielmehr machen wir uns Gedanken, ob wir die Omas (und Opas, die bei so Festen natürlich auf der Kuchenwelle mitschwimmen) nicht doch anstecken KÖNNTEN. Wir verstehen diese Überlegungen durchaus als Umsetzung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen, zu der wir trotz Lockerungen nach wie vor aufgerufen sind. Schließlich gehören Omas und Opas zu den Risikogruppen einer Infektion.

Und wir sind uns durchaus bewusst, dass die Stimmen immer lauter werden, die sagen: Alles nicht so schlimm. Sind nur noch 30.000 Infizierte. Ich mag jetzt nicht mehr und brauche Abwechslung. Zweite Corona-Welle, muss ich da Angst haben? Buhuhuhaaaaa!! Viren! Die Wirtschaft kriecht auf allen Vi(e)ren, da muss jetzt mal Schluss sein.

Klar, die Maske nervt. Wer Brillenträger ist, weiß mit welchen Unbillen wir “beschlagen” sind. Aber über den Berg sind wir noch lange nicht. Und jagen jetzt fröhlich die Kinder in die Schule. Und die Angehörigen zu den Seniorenwohnheimen. Mit superkurzer Vorlaufzeit, weil: Laumanns Vorgaben für den Corona-Schutz im Altenheim schütteln die Pflegeeinrichtungen dank üppiger Personaldecke binnen Stunden aus dem Ärmel.

Fußballprofis scheinen da relevanter zu sein. Die Bundesliga startet hermetisch abgeriegelt, mit üppigem Schutzschirm. Die Kicker werden getestet. Dabei hat ein Profi doch längst den Videobeweis erbracht, dass man es mit den Hygieneregeln in der Kabine nicht so genau nimmt. Dennoch tut man alles für die Gesundheit einer derzeit nicht wirklich wichtigen Rädchens im Wirtschaftskreislauf. Renaissance des Sozialdarwinismus.

Mit zwei Tränen in den Augen, aber auch mit Entschlossenheit, entscheiden wir uns also gegen den Muttertagsbesuch. Im Zweifelsfall laufen uns “zwei Wochen zu früh” ein Leben lang nach. Wer kann das schon wollen?

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Trotz aller Einschrenkungen der letzten Wochen, freue ich mich heute auf den Nachmittag wo ich endlich meinen Sohn mal wieder sehen kann.