Ich gebe zu: Ab und an durchforste ich ja ganz gerne die Werbung, die sich wöchentlich im Briefkasten einfindet. Sie beinhaltet sprachliche Kuriositäten wie „Durstlöscher, die kein Wässerchen trüben“, erinnert mich z.B. zu Ostern an die Verknüpfung von Konsum und Kultur, oder bietet eine gute Quelle für kreative Adjektive. Während der Corona-Krise freue ich mich aber auch über Werbung, die anregt.

Denn einige der Händler, Supermärkte oder Markenanbieter nutzen die Kommunikation mit den Kunden für wichtige Hinweise zur Pandemie. Mal subtil, mal plakativ, mal zum Nachdenken. Ein Überblick!

Den Auftakt machte vor einigen Tagen die Marke „Hohes C“. Deren Plakat brachte mich erst zum Grübeln, dann zum Schmunzeln. „Wir danken allen, die dieses Plakat nicht sehen“ schlagzeilte es von der Hauswand, verbunden mit dem Hashtag #stayathome (vgl. Aufmacherbild). Sympathisch verpackte Corona-Regel, das merkt man sich.

Einkaufsliste

Sehr dezent geht es bei Breidohr´s Frische-Center zu: Aufgrund der „aktuellen Situation“ könne man nicht garantieren, dass immer sämtliche Angebotsartikel zur Verfügung stünden, heißt es im Werbeblättchen. Da ist man vorsichtig, als ob das gedruckte Wort „Corona“ schon für eine Ansteckung ausreichen würde.

Lidl wirbt in seinem Flyer für Nachbarschaftshilfe. Unter www.lidl.de können Kunden Einkaufslisten downloaden und ausdrucken, in Briefkästen werfen oder aushängen. Wer nicht selbst einkaufen kann füllt diese Listen einfach aus und „lässt“ einkaufen. Praktisch (wenn auch nicht ganz selbstlos).

Auszug aus der aktuellen Lidl-Werbung

Engpass bei Mineralwasser?

Getränke Hoffmann erinnert an die Rückgabe des Leerguts, insbesondere Wasserkisten, um die Versorgung mit Getränken zu garantieren. Entsprechende Engpässe hatte ich bislang nicht auf dem Schirm. Ist Mineralwasser das neue Toilettenpapier? Droht hier die nächste Hysterie? Könnte nach hinten losgehen.

Aldi widmet dem Thema #Gemeinsamgehtalles gleich vier Seiten in seinen gedruckten Kaufanreizen. Die Kette verschenkt für sein Mobilfunkangebot Datenvolumen, damit man jederzeit vernetzt ist. Zudem erinnert der Supermarkt an kontaktloses Zahlen anstelle von Bargeld, um sich und andere zu schützen.

Motto der Aldi-Kampagne

Richtig gut finde ich die Aktion zur Unterstützung der Tafeln, die derzeit meist geschlossen sind. Mit Einkaufsgutscheinen werden Menschen unterstützt, die auf das Angebot der Tafeln angewiesen sind. Aushangzettel zum Ausfüllen („Ich biete Hilfe“ und „Ich suche Hilfe“) komplettieren das umfassendste Angebot dieser Art.

Einkaufsnavigator

Marktkauf informiert seine Kunden über Möglichkeiten, stressfreier einzukaufen. Zwei Balkendiagramme zeigen, an welchen Wochentagen und zu welchen Uhrzeiten der Einkauf besonders stressfrei ist, bzw. wann der Laden sehr stark besucht ist. Das hat nebenbei auch noch den positiven Effekt, dass sich die Kunden besser auf die Marktfläche verteilen und das Ansteckungsrisiko sinkt. Gute Aktion.  

Der Einkaufsnavigator von Marktkauf

Einen Gegenvorschlag zum Lagerkoller haben indes die Kreativen von Möbel Porta entwickelt. Per Youtube-Clip erinnert das Möbelhaus an steigende Geburtenzahlen in der Geschichte, neun Monate nach Ereignissen wie Schneesturm oder Stromausfall, und verspricht: „Jetzt ein neues Bett bestellen – und bei Nachwuchs in neun Monaten gibt´s das Kinderbett gratis“.

#Stayathomebabies lautet der dazugehörige Hashtag. Der Shitstorm lässt noch auf sich warten.

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Aaaah, jetzt versteh ich die Aussage eines Mitmenschen, dass es einen Run auf Betten in den Möbelhäusern gäbe. Das war sehr oberflächlich hingesagt und ich stand da mit dem Gedanken: “Hä?”

    Jetzt wird ein Schuh dras. :)