Die Rochus-Kapelle in Sand

Zu den besonderen Orten Bergisch Gladbachs gehören für Mark vom Hofe die alten Hohlwege. In unserer Serie stellt er drei Exemplare dieser alten Verkehrswege in Herrenstrunden und Herkenrath vor – die in der heißen Jahreszeit besondere Vorzüge bieten.

Bergisch Gladbach hat in seinen ländlichen Bereichen einige Besonderheiten zu bieten, die mich regelmäßig wieder ansprechen, die ich gern auch anderen zeigen und sie dafür begeistern möchte: Es sind Hohlwege, alte Verkehrswege, die oft von den Höhen hinunter ins Tal führten, da entlang der Bäche die heute dort verlaufenen Straßen noch nicht vorhanden oder aufgrund der Feuchtigkeit im Talgrund zu matschig waren. 

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Ich gehe gern durch diese Hohlwege insbesondere rund um Herrenstrunden und Herkenrath, wo noch einige zu finden sind. Denn in diesen Wegen, meist von hohen steilen Wänden aus Lehm oder Grauwacke-Fels begleitet, kommen Gedanken, wer zu welchen Jahreszeiten unter welchen Bedingungen diese Verbindungen genutzt haben.

Da sie oft abschüssig sind, drängt sich die Überlegung auf, wie bei starkem Regen das Wasser heruntergeschossen ist und die Sohle immer weiter ausgeschwemmt hat – was den damaligen Karren und Leiterwagen gewiss zu schaffen gemacht hat. Auf der anderen Seite war es in den Hohlwegen insbesondere im Sommer immer kühler, da sie meist von den Laubbäumen auf den Hangkanten gut gesäumt und bedacht waren – Schatten und Kühle also gratis.

Hinweis der Redaktion: Unter dem Stichwort #Lieblingsorte in GL stellen wir Orte vor, die für die Autoren eine besondere Bedeutung haben. Das ist subjektiv, bringt aber den Lesern Orte nahe, die sonst vielleicht nicht die Beachtung finden, die sie verdienen. Und wir lernen unsere Stadt noch ein wenig besser kennen. Haben Sie einen Lieblingsort, den Sie gerne beschreiben möchten? Dann schreiben Sie uns bitte per Mail an redaktion@in-gl.de.

Und so reichen die Vorstellungen immer weiter: Wer nutzte die Wege zu welchen Zwecken? Zur Mühle am Bach zu gelangen, zum Kirchgang, als Teil eines Handelswegs oder schlicht als einzige Verbindung zwischen einer Siedlung und der nächsten? Der Phantasie sind da nur wenige Grenzen gesetzt. 

Von Herrenstrunden hinauf zur Trotzenburg

Ein typischer Hohlweg, um aus dem Tal auf die Höhe zu gelangen, ist der schmale asphaltierte Weg von Herrenstrunden hinauf zur Trotzenburg bei Kürten-Spitze. Unmittelbar an der Bäckerei Tollkühn mit ihrem ausgeprägten Angebot an Torten zweigt von der Hauptstraße der Trotzenburger Weg ab.

Wer ihm folgt, erlebt schon direkt hinter der Bebauung die tiefe Einkerbung des alten Wegs, an der rechten, nach Westen ausgerichteten Seite steigt der bewaldete Hang felsig-steil an. Nach etwa 300 Metern nimmt die Steigung etwas ab, um im bald beginnenden Laubwald vornehmlich aus Buchen in sanften Schwingungen noch einmal kräftig anzuziehen.

Sobald der Wald nur noch auf der linken Gehseite liegt, weitet sich der Blick auf eine ausgedehnte Grünlandschaft mit den Häusern von Trotzenburg quasi am oberen Bildrand. Der Weg verläuft jetzt auf Höhe der zu beiden Seiten liegenden Mähwiesen, ehe er etwa kurz vor Erreichen der Häuser von Trotzenburg noch einmal tiefer ins Gelände eintaucht.

Zur linken Seite deutet ein letzter Obstbaum darauf hin, dass hier, wie es früher in und um die Ortslagen typisch war, Obstwiesen eine natürliche Dorfeingrünung darstellten: Nahe beim Hof gelegen, was zur Erntezeit kurze Wege versprach, und ideal, um das Jungvieh in den Obsthof zu treiben, was das mühselige Mähen mit der Sense ersparte. 

Oberhalb von Schloss Lerbach

Vom Lerbacher Hof zur Rochuskapelle

Ein anderer charakteristischer Hohlweg, nicht asphaltiert, aber als Feldweg noch befahrbar mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, führt vom Lerbacher Hof hinauf nach Breite und erreicht an der Rochuskapelle die Landstraße von Sand nach Herkenrath.

Auch hier handelt es sich um eine Verbindung zwischen der Höhenlage und dem Bachtal, denn an der Stelle, an der in Höhe des Lerbacher Hofes der Weg die Straße von Lerbach nach Kaltenbroich trifft, liegt die alte Lerbacher Mühle, nach erfolgter Restaurierung ein typisches Beispiel für die Fachwerkbauweise.

Der Hohlweg beginnt unmittelbar nach einer sanften Rechtskurve direkt hinter dem Hof Lerbach und stellt in seiner Ausprägung ein bedeutendes Element der Kulturlandschaft dar – aufgrund der charakteristischen Steilheit seiner Hänge mit Löss-/Lehmböden ist er im Landschaftsplan des Rheinisch-Bergischen Kreises unter Schutz gestellt worden.

Der Weg steigt immer weiter an und erreicht dann offeneres Gelände, das zu beiden Seiten landwirtschaftlich genutzt wird: Als Vieh- oder Mähweide und auch als Ackerbereich.

Beeindruckend im Oberlauf ist die zur linken Seite gelegene Hecke, die früher oft zur Einfriedung von Grundstücken genutzt wurde: Unter Gesichtspunkten des Naturschutzes eine sehr begrüßenswerte Auflockerung der Landschaft, da Hecken Rückzugsräume für Insekten und Vögel sind, deren Vielfalt in den letzten 25 Jahren nach übereinstimmenden Studien um 75 Prozent zurückgegangen ist. Vögel bauen ihre Nester in dichten Hecken, holen sich dort Nahrung und suchen Schutz vor Feinden.

Am Ende des Weges steht die Rochus-Kapelle (Foto oben), die im 17. Jahrhundert erbaut wurde von Freiherr von Leers vom Gut Lerbach  als Dank dafür, die Pest überwunden zu haben. Das im Fachwerkstil errichtete kleine Gebäude mit Walmdach und einem kleinen, einer Laube ähnlichen Vorbau, ist schlicht gehalten und mit einem Fußboden aus Sandsteinen ausgelegt – ein lohnenswertes Ziel nach dem Aufstieg durch den Hohlweg. 

Vom Hombach hinauf nach Breite

Nun zum letzten und vielleicht schönsten Hohlweg, der vom Hombach, einem Nebenbach der Strunde, hinauf führt auf die landwirtschaftlich genutzten Höhen zwischen Unterhombach und Breite.  

Dieser etwa 400 bis 500 Meter langer ziemlicher schmaler Hohlweg ist Bestandteil des Bergischen Panoramaweges, einem Premium-Wanderweg, der quer durch das Bergische Land von Nord nach Süd verläuft.

Gut Schiff

Das äußerst reizvolle Hohlweg-Stück, auch Part des Max-Bruch-Weges, beginnt oberhalb von Gut Schiff, da wo über eine kleine Bruchsteinbrücke der Weg von der Fahrstraße abzweigt und parallel zum Bach bergauf führt.

Nach wenigen Metern vertieft sich das Wegestück, nach links fällt hinter einem Wall das Gelände zum Hombach ab, zur rechten Seite ist der steile Hang vornehmlich mit Laubbäumen bestanden. Im Gegensatz zu den beiden anderen Wegen ist dieser Pfad sehr schmal, Mountainbiker und Wanderer müssen sich im Begegnungsverkehr verständigen. Eigentlich ist nur Platz für den berühmten Gänsemarsch. Etwa auf halber Strecke liegt seit etwa zwei Jahren ein Baum quer über den Weg – gebückt lässt sich das Hindernis überwinden. 

Nur wenige Meter bergauf finden sich auf der Talseite direkt am Wegesrand mehrstämmige Buchen, nicht sehr hoch, wohl aber sehr alt – denn sie wurden immer wieder „auf den Stock gesetzt“.

Eine beliebte Form, den Wald als so genannten Niederwald zu bewirtschaften. In regelmäßigen Abständen wurden die Bäume in etwa Meterhöhe abgesägt – das Holz diente zu Brennzwecken, mit dem Laub wurde die Laube zuhause neu begrünt und damit schatten- und windsicher für Sommerabende gemacht. Nur an wenigen Stellen – etwa in Bensberg oberhalb des Milchborntals gibt es ein vergleichbares Landschaftselement – in Bergisch Gladbach lässt sich diese alte Form der Waldwirtschaft noch nachvollziehen. 

Kurze Zeit später ist der Anstieg geschafft, links geht es zu den Häusern von Unterhombach, rechts führt der jetzt asphaltierte Weg an einem Wegekreuz und einer Wanderhütte vorbei auf größere Wiesen- und Ackerflächen. Über den Panoramaweg ist über Breite das Naturfreundehaus Hardt in einer knappen Stunde zu erreichen, eine gute halbe Stunde dauert es, über den Max-Bruch-Weg nach Bergisch Gladbach und zum Papiermuseum zu gelangen. 

Hohlwege – ein altes typisches Element der Kulturlandschaft, an einigen ausgesuchten Beispielen in Bergisch Gladbach noch zu entdecken. Viel Spaß beim Nachwandern und Entdecken!

Mark vom Hofe

war lange Zeit Redakteur beim WDR und ist Vorsitzender des (Rheinisch)-Bergischen Naturschutzvereins (RBN). Zudem ist er Vorsitzender des Naturschutzbeirats beim Rheinisch-Bergischen Kreis.

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