Pünktlich zum 100. Todestag des Maestros lockt der Max-Bruch-Wanderweg „ins stille Tal und auf luftige Höhen“. Auf knapp 12 Kilometern umrundet der Wanderer von Bergisch Gladbach aus das Strundetal. Wir geben einen Überblick über die Strecke, liefern Hintergrundinfos zu den historischen Stationen und sorgen mit hilfreichen Details dafür, dass Sie Ihre Wanderung bestens planen können.

Die Welt feiert 2020 den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens. Der berühmteste Sohn der Stadt Bonn hat sich die Ehren redlich verdient. Gleichwohl überstrahlt dieses Jubiläum auch andere Jahrestage, die nicht minder wichtig sind.

Am 2. Oktober 2020 jährt sich der Todestag von Max Bruch zum 100. Mal. Zu Lebzeiten galt der gebürtige Kölner als großer Komponist und Dirigent. Jedoch verblasste sein Ruhm posthum über die Jahrzehnte. Es blieb vor allem der Glanz seines 1. Violinkonzerts in g-Moll, Opus 26. Aber das wusste er bereits zu Lebzeiten. Und es nervte ihn gehörig.

Ausführlicher Flyer mit Wanderkarte

Wie auch immer: Letztlich passt es grandios, dass auf Anregung des Bürgervereins Rommerscheid in Zusammenarbeit mit der Stadt Bergisch Gladbach der Max-Bruch-Weg entstanden ist. Die Eröffnung fand bereits im Sommer 2019 statt. Die Beschilderung der Strecke erfolgte später, der Weg ist damit im Jubiläumsjahr vollends begehbar.

Max-Bruch-Weg
Start und Ziel: Heimatdenkmal Stadtmitte
Länge: rund 12 Kilometer
Steigung/Gefälle: Knapp 114 Meter
Stationen: 23 Anlaufpunkte
Dauer: gute 3 Stunden
Schwierigkeit: leicht, bedingt geeignet für geländegängige Kinderwagen
Infos und Download des Flyers unter https://www.bergischgladbach.de/wandern.aspx

Kurz zusammengefasst: Der Wanderweg startet am Heimatdenkmal/Trotzenburgplatz in der Stadtmitte, führt entlang der Alten Dombach nach Rommerscheid und Herrenstrunden, durchzieht die Hänge des Strundetals und endet wieder in der Stadt.

Dabei gibt es reichlich zu sehen. Der ausführliche Flyer (Auslage bei der Stadt, Download hier) mit biografischen Angaben, vielen Details zu den Anlaufpunkten sowie einer guten Wanderkarte lotst den Wanderer gut über die Strecke.

Die Route ist im Faltblatt gut ausgeschrieben und entspricht der Beschilderung logo links oben) unterwegs

Zwei Denkmäler

Gleich zu Beginn wird klar, was Bruch mit Bergisch Gladbach verband. Am Heimatdenkmal ist er gemeinsam mit Maria Zanders verewigt, seiner Mäzenin (Bild links). Und er hält – nun ja – eine Geige in der Hand.

Aber der Wanderweg fügt Bruch ja noch weitere Facetten hinzu. Weiter geht´s: Vorbei am Rathaus, der Kirche St. Laurentius und der Volkshochschule streift man erstmals die Strunde, bevor der erste Anstieg über die Max-Bruch-Straße beginnt.

Schön, dass die Wegführung diese Straße mit einbindet. Sie führt den Wanderer umgehend zum Max-Bruch-Denkmal oben auf dem Mühlenberg. Es wurde am 28. Juli 1935 enthüllt. Anlass war das 90-jährige Bestehen des Männergesangvereins Liederkranz.

Das passt: Schließlich hat Bruch zahlreiche Werke für Chor hinterlassen. Eine seitliche Inschrift zitiert Bruch: Nirgends ist´s lieblicher als in der Heimat.

Dat ahle Kölle

Weiter geht es auf der Max-Bruch-Straße, hinein in den kühlen Wald, rund 1500 Meter bergan Richtung Rommerscheid. Links und rechts verkarstes Gelände. Oben angekommen, lädt der Dorfbrunnen Rommerscheid zu einer kurzen Verschnaufpause ein.

Gestärkt lässt man am Ortsausgang St. Engelbert zurück und landet bald am Rheintalblick. Bei klarer Sicht hat der Wanderer einen wunderbaren Blick auf Bruchs Geburtsstadt Köln.

Und diese Aussicht wird noch besser: Auf geradem Weg geht es durch Felder und Wiesen Richtung Herrenstrunden. Hier erreicht man auf halbem Weg den mit 190 Metern ü.M. höchsten Punkt der Strecke. Hier sollte man dringend den Blick nach hinten wenden. Denn nun ist das Panorama auf „dat ahle Kölle“, wie Bruch zu sagen pflegte, schier großartig.

Blick von der Rommerscheider Höhe ins Rheintal

Mit dem Fahrrad: Der größte Teil der Strecke kann auch gut mit dem Fahrrad gemeistert werden. Für den Anstieg hinauf nach Rommerscheid sowie die Passage hinter dem Hombacher Brückchen ist jedoch ein Mountain-Bike sowie ordentlich Kondition gefragt.

Igeler Hof fehlt

Dabei zieht der Wanderer am südlich gelegenen Igeler Hof vorbei, der sich hinter einen Hügel duckt. Schade, hier lässt die Wegführung eine wichtige Station aus.

Der Igeler Hof hätte unbedingt mit in den Wanderweg integriert werden müssen. Denn Bruch und Richard Zanders hatten sich auf dem Igeler Hof Mitte des 19. Jahrhunderts kennen gelernt – die Basis für das Mäzenatentum durch Richards Frau Maria. Mit zwölf Jahren verbrachte Bruch seine ersten Ferien dort.

Noch heute soll auf dem Hof ein Tafelklavier stehen, dass Max Bruch für seine Kompositionen in den Jahren 1851 bis 1888 nutzte. Teile seiner Glocke sind laut Biografie hier entstanden. 1909 war er, schon schwer erkrankt, ein letztes Mal vor Ort.

Zur kühlen Quelle

Weiter geht es nach Herrenstrunden. Ein kurzer Hohlweg führt ins Tal und bietet dabei mit wundervollen Ausblicken auf Gut Schiff und das Strundetal Gelegenheit für weitere Verschnaufpausen.

Vorbei an Burg Zweiffel, der Malteser Komturei und der Kirche St. Johannes der Täufer kann der Wanderer im Ort einen kurzen Abstecher zur kühlen Strunde-Quelle unternehmen.

Quelle der Strunde

Anschließend geht es weiter zum Gut Schiff – ein Wegstück entlang der Straße, nicht sonderlich reizvoll. Über das Hombacher Brückchen schwingt man sich dann empor, vorbei an Unterhombach, Richtung Sand.

Der Anstieg durch das Naturschutzgebiet – ein verwunschener Wald – sowie die wundervollen Höhen rund um Sand belohnen für den kargen Weg zuvor entlang der Kürtener Straße.

Rast und Einkehr
Unterwegs bieten viele Stellen Gelegenheit für Rast und Picknick: Dorfbrunnen Rommerscheid, Hohlweg Richtung Herrenstrunden, Strundequelle, Hombacher Brückchen. Zur Einkehr bieten sich diverse Möglichkeiten in Herrenstrunden, der Alten Dombach sowie am Ziel in Bergisch Gladbach an.
Hinweis: Ein Picknick ist derzeit gemäß den Corona-Regeln nicht gestattet. Die Restaurants haben bis auf weiteres wegen Corona geschlossen

Erinnerung an den Mariensaal

Nun geht es hinab ins Strundetal, dort empfängt das Industriemusem Alte Dombach den Wanderer. Entlang des fleißigsten Baches Deutschlands läuft man zurück in die Stadt. Vorbei am Kulturhaus Zanders, wo (noch) viele Notenblätter von Bruch sowie dessen Korrespondenz mit Maria Zanders lagern. Flugs durch die Maria-Zanders-Anlage, an deren Ende der Bergische Löwe mit der Villa Zanders um Aufmerksamkeit ringt.

An der Stelle des Bergischen Löwen stand übrigens früher der Mariensaal. Maria Zanders hatte ihn erbauen lassen, um passende Räumlichkeiten für Konzerte zu schaffen.

Was für ein Zufall: Zur Einweihung im Herbst 1904 wurden zwei Werke der Jubilare des Jahres 2020 aufgeführt – Beethovens „Weihe des Hauses“ und Bruchs „Lied von der Glocke“.

In Abschnitten wandern: Der Max-Bruch-Weg kann auch gut in Abschnitten bewandert werden. So kann eine Schleife vom Startpunkt bis zur Alten Dombach und zurück zur Stadtmitte gelaufen werden. Oder Sie parken ihr Auto an der Alten Dombach und wandern von dort bis Herrenstrunden und zurück.

Onkel Max

Das Kunstmusem Villa Zanders bildet den Abschluss des Wanderweges. Klug gewählt, denn das von Maria Zanders erbaute ursprüngliche Wohnhaus bildete – neben dem Igeler Hof – den Ankerpunkt für Bruchs Aufenthalte in Bergisch Gladbach. Das Klavierzimmer im Erdgeschoss war stets für ihn reserviert. Es befindet sich vom Eingang aus gesehen hinten links, in Blickrichtung Schnabelsmühle.

Maria Zanders sorgte dafür, dass Bruch dort ohne Störung komponieren konnte. Gelegentlich dirigierte er gar Hauskonzerte in der Villa und war für die Kinder der Fabrikantenfamilie Zanders einfach nur der „Onkel Max“.

Auf Bruchs Spuren

Lohnt sich eine Wanderung über den Max-Bruch-Weg? Eindeutig ja. Der Weg bezaubert im ersten und letzten Drittel mit einem spannenden Mix aus Stadtgeschichte und Historie zu Max Bruch.

Dazwischen erlebt man viel Natur und atemberaubende Naturschutzgebiete. Einmalige Fernsichten sorgen dafür, dass man immer wieder gerne zurückkehrt. Die Tour ist dank des ausführlichen Flyers und der Beschilderung auch für Ortsunkundige gut machbar.

Die Maltesermühle in Herrenstrunden

Die Idee, Bruch einen Wanderweg zu widmen, ist nicht nur touristisch oder unter Freizeitaspekten schlüssig. Sie erschließt sich insbesondere vor dem Hintergrund seiner Biografie. Schließlich wanderte Bruch in jungen Jahren oft gemeinsam mit dem Vater von Köln nach Bergisch Gladbach.

Dabei lernte er die Familie Zanders kennen – der Ankerpunkt seiner Verbundenheit mit der Stadt. Und so pendelte er später als Komponist regelmäßig zwischen der Villa Zanders und dem Igeler Hof hin und her. Auf Wegen, die höchst wahrscheinlich heute noch der Wanderer auf dem Max-Bruch-Weg betritt.

Mit der Reihe „Bruchstücke” würdigt das Bürgerportal den Komponisten Max Bruch. Sein Todestag jährt sich am 2. Oktober 2020 zum 100. Mal. Bruch verbrachte viele Jahre in Bergisch Gladbach und pflegte eine innige Beziehung zur Stadt. Gefördert von Maria Zanders, entstanden vor Ort zahlreiche seiner Werke. Noch heute kann man in der Stadt und der Region auf den Spuren seines Wirkens wandeln. 

Fotos: Holger Crump
Wanderkarte: Auszug aus dem Flyer “Max-Bruch-Weg”, herausgegeben von der Stadt Bergisch Gladbach

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Ich bin inzwischen den Max-Bruch-Weg ebenfalls gewandert und kann dem Beitrag nur voll und ganz zustimmen. Der Weg ist eine Bereicherung für Bergisch Gladbach.
    Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass eine Wanderung in Abschnitten auch sehr gut mit dem Bus machbar ist. So fährt die Linie 439 täglich im Stundentakt von Bergisch Gladbach Busbahnhof nach Rommerscheid. Im Tal fährt die Linie 426 montags-freitags alle 20 Minuten, samstags im Halbstundentakt und sonntags stündlich. Hier kann man z. B. die Alte Dombach oder Herrenstrunden als Start/Ziel nehmen.